Hallo,
nachdem nun einige wenige Tage ins Land und verschiedene Bohnensorten durch Röster, French-Press und Espressomaschine gegangen sind, ist es Zeit für einen ersten Zwischenbericht:
Das Rösten macht wirklich Spaß und ist dabei nicht mal ein teures Hobby. Und manchmal macht danach auch das Verkosten Freude. Den Röster habe ich bis jetzt immer 5 Minuten vorgeheizt und dann um den 2. Crack herum abgebrochen (wenn ich ihn denn gehört habe). Am homogensten werden die Bohnen ab dem Röstgrad „Full City Plus“, was so in etwa von der Bräunung her dem Ende des Filterkaffees und dem Beginn von Espresso entspricht. Die meisten Bohnen glänzen dann schon leicht ölig. Die Röstdauer und Tiefe steuere ich über die Menge, die sich im Idealfall wahrscheinlich bei ca. 120g einpendeln wird. Mit 100g Ladung erreiche ich den ersten Crack meist bei 10, der zweite liegt so bei 12 Minuten, der Geschmack und Geruch ist anfangs recht schroff. Ich heize immer Vollgas, schalte die Heizung beim Beginn des 2. ab und lasse dann noch so 30 Sek. laufen. Der Kaffee hat dann (vor allem die ersten 48 Stunden) ein deutliches Röstaroma, duftet nach Brotkruste, die Säure ist passabel und baut sich im Verlauf der Folgetage noch deutlich ab. Allerdings ist das Eigenaroma des Kaffees schwach ausgeprägt – die bisher probierten Sorten erinnern im schlechteren Fall unverkennbar an das Sortiment von Starbucks, im besseren an die lokale Kleinrösterei. Mit 150-200g in der Trommel liegt der erste Crack bei ca. 13-14 Minuten, der zweite bleibt (innerhalb von 20 Min.) leider aus. Der Kaffee schmeckt dann (Röstgrad höchstens Full City) gelegentlich sehr sauer, ansonsten aber verblüffend mild. Die Sorten sind jetzt leichter auseinanderzuhalten, weil das kräftige Röst- und Brotaroma fehlt. Allerdings ist es so nicht Espressotauglich. Mit gutem, frischem Tchibuscho-Niveau kann mein hausgemachter Filterkaffee aber mithalten. Ich beginne also jede neue Sorte bei 100g und gehe, falls es milder sein soll, mit der Menge etwas hoch (wodurch die Röstzeit steigt). Die deutliche Mengendifferenz zu den Angaben von Martin erkläre ich mir daraus, dass er an seinem Grill auch die Ritzen mit Alufolie abgedichtet hat, ich nicht.
Um den Röstgrad gut einschätzen und vergleichen zu können, mache ich jedesmal ein Foto auf ein und demselben Buch mit weißem Blatt. Ich habe als Neuling natürlich noch keine Erfahrung, habe für mich diese Bohnen als (v.l.n.r.) „full city“ , „full city plus“ und „light french“, eingestuft:

Es handelt sich um :
- einen gelungenen, weichen Filterkaffee aus Kolumbien mit schöner Nuss-Note
- einen an Starbucks und Brotkruste erinnernden Java Plantation
- einen nach Walderde und Erdnuss duftenden Monsooned Malabar
Speziell der Kolumbianer (La Cacica) könnte bei etwas tieferem Röstgrad eine schöne Grundlage für einen Espresso-Blend bilden. Fehlt dann noch etwas Robusta und ein Arabica mit süßem Kakao-Duft.
Im Gegensatz zu Martin trinke ich nur einen Teil meiner Produkte. Meistens röste ich, schnüffle und verkoste ein paar Tage lang,
prüfe wie sich die Blume entwickelt, und dann weg damit. Wenn mir eine Röstung besonders gut gefällt, trinke ich auch schon mal 100g an einem Tag. Ich will einfach ganz viel Erfahrung sammeln und mich an der unvergleichlichen Frische des Selbstgerösteten freuen. Wenn´s aber nicht mundet, wird es nur noch zu wissenschaftlichen Zwecken ein paar Tage beobachtet.
Zum Rösten verziehe ich mich immer ins Bad, weil dort Windstille und konstante Bedingungen herrschen. Speziell die heiße Glasklappe des Rösters dürfte beim Kontakt mit einem unvermuteten Regenguss knacken. Außerdem fallen bei Windstille alle Häutchen brav auf den Boden des Rösters, wo es zu kalt zum Rauchen ist. Zudem dreht mein Korb von den Heizstäben weg, weshalb die Häutchen da auch nicht reinfliegen. So kann man sie nachher bequem ausfegen. Leider braucht mein Bad unbedingt einen starken Abzug – der Qualm ist zwar viel weniger sichtbar als Zigarettenrauch, stinkt aber doch nachhaltiger.
Da ich noch ein paar Tage Urlaub habe, kann ich mich dem Thema weiter voll widmen. Wenn jemand Tips bezüglich besonders leckerer Kaffeesorten hat oder in Bezug auf die Aromamanipulation durch Veränderung des Röstprozesses, dann immer raus damit! Ich lese zwar auch fleißig im Netz und anderswo rum, bin aber für einen persönlichen Tip immer dankbar.
Trinkbare Ergebnisse habe ich schon – mal sehen, wie lange es dauert, richtig leckeren Espresso zu rösten.
Bis dann!
Georg