Einzelnen Beitrag anzeigen
  #18 (permalink)  
Alt 08.01.2010, 11:37
jutta jutta ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.11.2001
Beiträge: 285
Standard AW: Biokaffee - Ausbeutung der Pflanzer?

Zitat:
Zitat von miweb Beitrag anzeigen
... Warum eigentlich Bio-Kaffee? Nicht wegen der Endverbraucher, sondern für die Pflanzer und die Umwelt! Baut man Kaffee konventionell an, gibt es erhebliche Gesundheitsgefährdungen durch Pestizide (direkt auf Haut und Schleimhäute und indirekt über eine Verunreinigung des Grundwassers) und es gibt Raubbau an der Natur: Die Böden verkargen, die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt geht verloren.
Leider bin ich kein Agrarwissenschaftler, aber gefühlsmäßig führt eine Monokultur hier Kaffee immer dazu, dass der Boden ausgelaugt wird. Deshalb ist eine Düngung notwendig, sei es mit Biodünger oder anders. Die mir bekannten Ertragszahlen scheinen aber zu belegen, dass es mit Biodünger offensichtlich nicht in dem gleichen Maß gelingt, dem Boden die für die Pflanze notwendigen Nährstoffe zuzufügen.

Zitat:
Zitat von miweb Beitrag anzeigen
Was also ist die schlimmere Ausbeutung? Zumal Ausbeutung nur bedingt stimmt, da der erzielte Preis bei fairem Handel höher ist. Der Ertrag kommt nicht mit, das stimmt, aber dennoch kann ich hier keine Ausbeutung als solche erkennen.
Fair Trade ist eine andere Schiene, die zunächst nichts mit Bio und damit Ertragseinbrüchen zu tun hat. Bei Bio/Fair Trade ist die Ertragsseite sicher etwas besser als nur Bio, aber 10 bis 15 Cent mehr machen den Ertragsverlust trotzdem nicht wett.

Zitat:
Zitat von Arni Beitrag anzeigen
Es ist müßig darüber zu diskutieren, wieviel Cent ein Bio-Anbauer mehr oder weniger verdient und ob wir ihn ausbeuten oder nicht. Entscheidend für die Zukunft jeglichen Anbaus wird sein, dass er nachhaltig erfolgt und somit die Anbauflächen für die Zukunft erhält. Die Biologische Landwirtschaft verfolgt dieses Ziel und nimmt Minderertrag in Kauf. Für die Mehrzahl der Landwirte, vor allem in den Industriestaaten, gilt die Ertragsmaximierung, die zur Verschlechterung und letztlich Zerstörung der Anbauflächen führt. Das gilt für den Getreideanbau genauso wie für den Kaffee.
Für mich drängt sich die Frage auf. „Was ist nachhaltig?“ ist es wirklich nachhaltig, wenn ein Kaffeebauer mit wenigen Hektar auf die Hälfte seines Einkommens, das ja nun nicht wirklich hoch ist, verzichten soll. Dieser Pflanzer wird nicht einfach mehr Fläche mit Kaffee anbauen können, um seinen Verlust auszugleichen. Das kann vielleicht der Pflanzer in Brasilien, der rodet dann ein bisschen Regenwald, als nachhaltig würde ich das aber auch nicht bezeichnen.

Zitat:
Zitat von edzard Beitrag anzeigen
die letzten Beiträge spiegeln es ja schon: Bio ist ein Schritt, Fair Trade ist ein Schritt, der nächste ist Direct Trade. Fair Trade ist ja immer wieder sehr in der Kritik, IMHO zu recht, war aber definitiv Wegbereiter für die Entwicklungen und Gedanken die sich in diesem Thread zeigen. Da möchte ich auf Röstereien wie The Coffee Collective hinweisen. Die nehmen ihre Verantwortung ernst.
Direct Trade ist keine Zertifizierung also auch nicht an Fair Trade oder Bio Regularien gebunden. Es ist ein Ansatz, der den Wunsch des Rösters zum Ausdruck bringt, zu wissen wo sein Kaffee herkommt und wie er „hergestellt“ wird. Das beinhaltet so etwas wie fairen Handel und sicher auch gutes Farmmanagement, was ausschließt, dass sich die Arbeiter (häufig Familienangehörige) selbst vergiften. Ein Beispiel hierfür ist auch Tierra Madre (Tres Cabezas Pura Vida No.1), der zudem Bio zertifiziert ist. Auch unser Virmax Relation Ship Coffees fallen unter diese Gruppe, wenn auch nicht Bio. Meist jedoch wird bei diesen Kaffees primär auf die Qualität geachtet und eine Preisprämie bezahlt, die deutlich über dem Bio/Fair Trade Level liegt, so dass die Pflanzer hier wirklich profitieren, zum einen bricht ihr Ertrag nicht ein, zum anderen bekommen sie eine hohe Qualitätsprämie.

Karlheinz
__________________
COFFEE STAR
Origins & Blends
Mit Zitat antworten