Eigentlich sollte hier (endlich mal!) ne dicke Empfehlung meinerseits für ne Espresso-Bar in Hannover stehen. Nach dem heutigen Besuch bin ich mir da allerdings nicht mehr so sicher...
Naja, mal Klartext: es geht um das Nannini, Georgstrasse 46 in der Nähe der Oper.
Kleine Bar, vielleicht 30qm. Ausstattung dem Zeitgeist entsprechend, vielleicht ein Tick gemütlicher als sonst üblich. Eine 3gruppige Faema aus der 90er Baureihe (E91 oder 92), eine der wenigen Wärmetauschermaschinen, die bei korrekter Einstellung den Espresso nicht völlig überhitzen. Dazu 2 Mazzer Super Jolly.
Mein erster Besuch vor einigen Monaten:
Ein Cappuccino bestellt. Der Schaum ist recht grob, aber das Beobachten des Espresso weckt Freude: genau 25sec, das sollte doch in Verbindung mit dieser Maschine mit dem Teufel zugehen...tatsächlich, er schmeckt. Abgesehen davon, dass ich unter dem Schaum durchtrinke statt ihn mitzuschlürfen, ist das das Beste, was ich bisher an Cappu in Hannover getrunken habe. Neugierig geworden, bestelle ich noch einen Espresso. Naja, der läuft dann in 15sec statt in 25, ist aber immer noch sehr gut trinkbar. Warum das mit den Laufzeiten so ist, erklärt sich in der eigenwilligen "Dosiertechnik", die ich so in der Gastronomie noch nicht gesehen habe: für einen einzelnen Espresso wird 1,5mal (korrekt gelesen) gezogen. Also einmal und dann vorsichtig noch ein "halbes Mal". Ob da jemand nicht weiss, wofür der verstellbare Dosierstern in der Mühle ist?...Ich komme mit dem Barista ins Gespräch, erfahre, dass er eigentlich Koch ist und hier auch die Kuchen backt. Aushilfen gäbe es wenige, das meiste erledige er und ein anderer Festangestellter. Ich vergesse, ihn auf das Dosieren anzusprechen. Aber es hat ja einigermaßen gepasst...
Heute:
Mit einiger Vorfreude betrete ich die Bar; vielleicht tut der "Koch" ja Dienst? Pech gehabt, eine Aushilfe ist da. Und wie sollte es sein: Sie ist jung, blond, sehr weiblich.....warum müssen Klischees eigentlich immer auf der Realität beruhen? Naja, ich beschliesse, ihr (und mir!) eine Chance auf einen guten Cappu einzuräumen. Die gewohnte "1,5 Kammer-Dosiertechnik"; aha, da hat sich also nix geändert. Der Espresso hält sich erfreulich zurück, kommt erst nach ca. 7sec, läuft in einem dünnen Strahl, ja und dann...läuft und läuft und läuft er.....als die Maschine endlich zu dem Schluss kommt, dass es mal gut ist, bin ich beim Zählen mit der 50 durch. Das Mädel hat sich in der Zwischenzeit um die Spülmaschine gekümmert und sieht den Espresso ganz offenbar nicht als fehlerhaft an, denn kurze Zeit später steht er (gekrönt von einer ziemlich deutschen Milchschaumhaube) auf meinem Tisch. Der Geschmack....buäh, da sind so viele Bitterstoffe drin, dass er von einem verbrannten "All Hannover Gastro Cappuccino" fast nicht mehr zu unterscheiden ist. Zur Ehrenrettung sei gesagt, bei der nächsten Portion erwischte sie wohl etwas weniger Pulver, der Espresso lief genau 25sec; das "versüßte" mir meinen Cappu aber nicht wirklich....ein merkwürdiges Detail am Rande: sie reinigte eine der Brühgruppen vor meinen Augen (um ca 17 Uhr) mit Pulycaff. Sauberkeit in allen Ehren, aber eigentlich sollte man das am Abend machen und am nächsten Morgen erst mal einen oder zwei Espressi ziehen, um die Reste des Pulvergeschmacks zu entfernen; ich möchte nicht derjenige sein, der evtl um 17.10 Uhr einen Espresso aus dieser Gruppe trinken muss. Aber vielleicht wurde die besagte Gruppe heute auch nicht mehr benötigt *schulterzuck*.
So bleibt ein gemischtes Fazit. 3 mal was bestellt, 3 verschiedene Laufzeiten zwischen 15 und 50sec. Vielleicht sollte ich ihnen den Dosierer mal einstellen; mal schauen, in 4 Wochen bin ich wieder hier. Momentan gleicht eine Bestellung jedenfalls ein bisschen einem Lotteriespiel, bei dem man einen traumhaften Espresso, aber auch eine ungenießbare Plörre erhalten kann.
Greetings \\//
Marcus
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Seit Jahren die erste Dallacorte Mini EX4 -> also Vorsicht, subjektiv
Gehabt und wieder los:
Marzocco GS3
PID-Silvia
Carimali UNO E
Bezzera 99 (brühdruckgetunt)
Hebelchen-Pavoni
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