Hallo,
da ja regelmäßig die Frage auftaucht, wo man als ortsfremder Koffeiniker beim Berlin-Besuch unbedingt einkehren soll, und diese dann mit einem Tohuwabohu von Vorschlägen beantwortet wird, dachte ich mir: Warum nicht das Thema erweitern und verschiedene schöne Berlin-Touren für Boardies vorschlagen? Da ich im Prenzlauer Berg wohne, schreibe ich mal was über die Ecke hier. Es ließe sich aber bestimmt auch eine schöne Kreuzberg-Tour mit Kaffeemuseum, Barcomis, Türkenmarkt etc. sowie weitere Touren durch Schöneberg (Double-Eye, Winterfeldplatz) u.s.w. von Ortskundigen erstellen. Macht ihr mit?
Tour Prenzlauer Berg
Vom Alexanderplatz kommend steigt man in die Straßenbahn der Linie M2 (startet nördlich des Bahnhofs) und ganze vier Stationen später (Haltestelle Knaackstr.) schon wieder aus. Man fällt fast direkt (weniger als 100m) ins
Godshot in der Immanuelkirchstraße 32, wo der Name Programm ist. Hier bekommt man von Anja und Kai-Uwe Espresso und Cappu auf absolutem Top-Niveau. Weapons of Choice: Langen Tatico, LaMarzocco und die konische Doge - wir verneigen uns in Andacht. Wer auf Reisen ist, sollte unbedingt erst hier seinen Koffeinpegel ins Lot bringen (und nicht schon beim Hotelfrühstück). Entspannt und glücklich geht es dann über die Prenzlauer Allee und am Wasserturm vorbei zum Markt am Kollwitzplatz, der allerdings nicht täglich stattfindet und nur Samstags zu empfehlen ist. Hier gibt es ziemlich viele Leckereien zum Gleich-Essen und Mitnehmen, so dass man sich emotional endgültig vom Hotelfrühstück verabschieden und eine satte Grundlage für den weiteren Weg legen kann. Vor allem im Winter erfreut die gar nicht geizige Fischsuppe für nur 3 Euro. In Monaten ohne R (also der warmen Jahreszeit) kann man sich alternativ auch direkt umme Ecke bei mir auf eine kleine Balkon-Grillsession einladen. Aber Vorsicht: Falls ich konkurrenzfähiges Material in der Mühle habe, gibt´s gleich wieder was auf die Synapsen. Weitere Variationsmöglichkeit: Wem der Sinn mehr nach Kuchen steht, kann im „Sowohl als auch“ (Kollwitz- Ecke Sredzkistr.) sehr gelungene Bombast-Torten oder Im „November“ (Husemann- Ecke Sredzkistr.) schöne Blechkuchen mit Sahne wie bei Mutti vertilgen. Ebenfalls (im Sommer) sehr zu empfehlen: Das Eis von Annamaria in der Husemannstraße. Der Laden ist allerdings für notorische Kinderhasser eine harte
Prüfung – die gefürchteten natural born Prenzlkids treiben ihr lärmiges Schreckensregiment. Weiter geht´s entlang der Sredzikistraße zur Oderberger Str. Hier kann man durch die sehr szenigen Kitsch- Krimskrams- und Klamottengeschäfte tingeln, bevor es dann zur ultimativen Herausforderung geht:
Bonanzacoffeeheroes, ein Name wie Donnerhall. Espressokonzentrat und Latte-Art in sehr polarisierender Interpretation, aber auf höchstem Niveau und daher unbedingt einen Test wert! Echte Fans kommen auch mal nur so, um die Synesso zu streicheln. MC Kiduk lächelt milde.
Je nachdem, was das Koffein bis hierhin angerichtet hat, kann man seinen Pegel entweder im Mauerpark (wenige Schritte weiter) ausschwitzen, oder – falls gerade Sonntag ist – den von Monat zu Monat besser werdenden Flohmarkt gleich nebenan beackern (Wo man, nebenbei bemerkt, eine erstaunliche Konzentration schöner Frauen vorfindet. Die schönen Männer flirten derweil im „November“. Aber das wirklich nur nebenbei). Wer dann rundum bedient ist, steigt in die Straßenbahn Linie M10, welche die Bezirke Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte verbindet, und macht sich auf den Weg nach Hause. Hardcore-Boardies mit Ambitionen auf die Tapferkeitsmedallie gehen den ganzen Weg noch mal zurück.
Strecke: ca. 2 km
Zeitaufwand: mindestens 1 Stunde, besser 2-3
Geld: Minimum ca. 5 Euro für 2 Espressi und 1 Cappu
Viele Grüße
Georg