Hallo liebes Board
Ich muss erst einmal vorwegschicken, dass es für mich keinen besten Espresso der Stadt gibt. Das macht ja gerade den Reitz einer Stadt aus, dass sie Diversität bietet. Und alles auf einen einzigen Experten zu reduzieren, wäre doch langweilig.
Aber diese Woche wurde meine ständige Neugierde und der Wille, bei jeder noch so komischen Bude wenigstens einmal den Espresso zu probieren, nach sehr, sehr langer Durststrecke belohnt. Denn meistens, inklusive der bekannten Namen wie Barcomis, komme ich nicht über das Riechen und das vorsichtige Nippen hinaus, solch ein ekeliges braunes warmes Spülwasser kriegt man vorgesetzt. Dafür ruiniere ich nicht freiwillig meinen Magen. Bei Barcomis beispielsweise bekam ich solch ein dermassen aromaloses Pulver (VORGEMAHLEN in GROSSEN Vorratsbehältern) mit Wasser benetzt, dass man ausschliesslich einen Röstgeschmack wahrnehmen konnte. OK, Salz gehört in die Suppe, aber wenn ich nur noch rotes Salzwasser als Tomatensuppe serviert bekomme, esse ich das ja auch nicht. Und wenn der Kaffee oll ist, dann bringt auch eine richtige Extraktionszeit nichts mehr. Crema war sowieso schon verschwunden, bevor ich überhaupt zum Zucker greifen konnte.
Nun also nach all diesen herben Enttäuschungen ein Lichtblick.
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ost_uid0] Brot und Butter und der Laden Manufactum [/b

ost_uid0] hat erst kürzlich im alten Kiepert-Haus in der Hardenbergstrasse eröffnet. Und da ich oft daran vorbeilaufe, fiel mir sofort die Faema E61 replika an der Bar auf. Also Neugierde geweckt, aber noch viel mehr natürlich Skepsis. Denn je mehr die Machine ein Hingucker ist, desto weniger haben die meisten Leute Ahnung und machen nur ne dicke Show. Und bei mir war es noch ganz schlimm: Der Laden öffnet um 10 Uhr, und da ich noch Zeit vertreiben musste, bin kurz nach 10 in den Laden gegangen. Normalerweise ein sicherer Garant dafür, altes, trocknes Kaffeepulver vom Vortag aus dem Portionierer zu erwischen. Nicht dort. Der Portionierer der grossen Mazzer Mühle war leer und offen. Die Dame hat dann liebevoll für mich genau eine Portion frisch gemahlen, wie ich das zu hause mit meiner Gastromühle mache. Danach ordentlich und mit Ruhe den Kaffee angedückt (extra eine Gabel für den Siebträger auf der Arbeitsplatte montiert) und schön eingespannt in die E61. Auch meine Pfandfrage, ob es sich denn um eine alte, oder aber eine neue Maschine handele, konnte die Dame nicht durcheinanderbringen. Die Extraktion sah und roch schon dementsprechend (und für mich wirklich sehr überraschend) gut. Ah, und da ich bei all der spontanen Begeisterung glatt vergessen hatte, ihr vorher zu sagen, dass ich den Espresso lieber als Ristretto hätte (ich benutze solche Wörter aber in der Regel nicht), musste ich noch schnell reinquatschen, dass ich gerne einen kurzen Espresso hätte. Und ich staunte, dass seit Monaten das erste Mal, wenn man einen Kurzen bestellt, nicht eine bis zum Rand gefüllte Tasse kam.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Eine kleine Tasse geballtes Espressoaroma (nicht wie bei Barcomis Geschmack nach verkokeltem Holz). Die Farbe und Konsistenz der Crema war wirklich perfekt. Der Zucker wollte erst mit Hilfe des Löffels untergehen. Ich brauch nicht wie die Ammies 3cm Crema, aber das Aroma muss einen umhauhen und süchtig machen. Und das war diesmal endlich wieder der Fall. Bei den verwendeten Bohnen hat es sich um eine kleine Rösterei aus Verona gehandelt: Giamaica Caffé, Hausmischung.
Sehr zu empfehlen.
Wie gesagt: DEN perfekten Espresso gibt es nicht, aber es gibt doch Orte, bei dem man den Geschmack eines Espressos wirklich genießen kann. Und bei Brot und Butter stehen meiner Meinung nach wenigstens die Chancen schon einmal sehr hoch.
Bei so einem berauschendem Ergebnis ist mir der Preis eher zweitrangig, wudurch ich sogar glatt vergessen hatte zu bezahlen, aber wem es wichtig ist: Espresso mit Leitungswasser anbei, brauner und weisser Zucker zur Auswahl für 1,70 Euro.