Kaffee Braun: Röstung „Barista“ 100% Robusta:
Die Röstung „Barista“ von Kaffee Braun besteht vollständig aus Robustabohnen, die in Indien auf 1600 Metern Höhe im Anbaugebiet Elk Hill wachsen. Das Röstdatum ist auf der Packung leider nicht vermerkt und ich habe vergessen danach zu fragen, habe allerdings keinerlei Zweifel an der Frische der Röstung gehabt.
Der Einkauf bei Kaffee Braun hat mir großen Spaß gemacht. Zwar ist die Rösterei in einem A3 nahen Gewerbegebiet bei Mainaschaff (das ist bei Aschaffenburg und Aschaffenburg ist bei Frankfurt) gelegen, aber die Atmosphäre war sehr freundlich und die Verkäuferin wusste ganz einfach alles, was es über die Bohnen zu wissen gibt. Sie hat mir auch sofort einen Espresso der „Barista“ Bohnen angeboten, der wirklich sehr gut war (siehe unten).
Die Bohnen zu fotografieren ist immer etwas schwierig, weil meine Kamera freudig „schöne“ Farben macht, die mit der Realität nicht ganz übereinstimmen. Die Röstung erschien mir „hell“, aber nicht so hell, wie sie auf dem Foto erscheint. Bohnenbruch gab es in der einen Packung gar nicht, die andere hatte das Pech am Kofferrand zu leiden. Ich gehe aber davon aus, dass es normalerweise keinen nennenswerten Bohnenbruch gibt.
Der eher grobe Mahlgrad ließ sich leicht finden (auch wenn die schwankende Luftfeuchtigkeit mir hier zu weilen die Nähe des Mittelmeeres etwas vergräzt), mit meiner Silvia und der i-Mini gab es keine Probleme. Ich habe während der Bohnen einen PID eingebaut, kann aber mangels Messung der realen Austrittstemperatur keine Temperaturvorschläge unterbreiten (hat jemand eine prinzipielle Faustregel? Ich habe hier im Forum mal en pasent gelesen Robusta weniger heiß beziehen gelesen?). Der Schwierigkeitsgrad dieser Bohnen erschien mir etwas höher: Fehler wurden mit ausgesprochen nichtssagenden Shots bestraft, perfekte Bezüge waren dafür genial.
Den vermutlich höheren Koffeingehalt habe ich zuweilen etwas germerkt, aber dafür waren dann auch echte Überdosen notwendig. Bei guten Shots floss der Espresso dann auch in einem „Cremastrahl“, wie irisches Bier ins Glas:
Wie bei einer reinen Robustaröstung zu erwarten gab es mehr als genug Crema, die auch noch einer ganzen Weile noch eine hervorragende Leinwand für Latte Art Übungen abgab:
Espresso: Ich bin kein geübter Espressotrinker, habe also etwas Schwierigkeiten hier genau zu schmecken, aber der Espresso, den ich zum probieren im Kaffee Braun bekam, war anders als alles was ich davor an Kaffee probiert habe. Der Geschmack war kompakt: heiße Zartbitterschokolade mit soviel weißem Pfeffer, dass die Schärfe im Mund richtig biss. Der Abgang erschien mir etwas zu erdig. Trotz des sehr eigenen Geschmacks, fand ich den Espresso ausbalanciert.
Als Cappuccino-Trinker hat die Röstung vor allem hier für mich gepunktet. Die Milch (3,6% Fett, Central Lechera Asturiana, weiße Flasche, Roter Deckel im Mercadona) zähmt den relativ wilden Espresso: die beißende Schärfe verschwindet und es öffnet sich ein riesiges Volumen, das den ganzen Mund beschäftigt. Der Schokoladengeschmack verschiebt sich zu einer famosen Vollmilchnote und wird so intensiv, dass ich mich manchmal gefragt habe, ob das noch Kaffee ist. Dabei ist der Geschmack aber viel komplexer als die flache Süße von normaler Schokolade, eher wie süßere Mole. Nussaromen gab es keine, ebensowenig konnte ich irgendwelche bitteren Noten entdecken.
Ich war so begeistert von diesem Cappuccino, dass ich ein Experiment durchgeführt habe: ein spanischer Freund, der drei mal in seinem Leben café trank (einige von euch kennen vielleicht meine Kommentare zur valencianischen Kaffeekultur), el poblet geschulter Hobbygourmet, nahm bei mir einen weiteren Anlauf auf die Welt des Kaffees und war restlos begeistert (ok, er hatte etwas herzrasen danach, aber er hat überlebt!).
Cortado/Macchiato: Die wenigen Cortados, die ich gemacht habe blieben etwas schwierig. Auf halbem Wege zwischen scharfem Espresso und ausbalancierten Cappuccino, fand ich den Geschmack etwas unentschlossen.
Wenn ihr noch Tipps habt, wo ich vielleicht Geschmacksbeschreibungen verwendet habe, die sich widersprechen oder von der Wortbedeutung her nicht passen, oder wie man Geschmack noch besser beschreiben kann, bin ich für jeden Hinweis dankbar.
Endlich wieder sonnige Grüße aus Valencia
octa


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