Ich würde gerne neue Überlegungen zu einem alten Problem provozieren: Wie halte ich meine Bohnenvorräte frisch? Ich habe die Erfahrung gemacht: FRISCHE IST ALLES. Da Bohnen relativ schnell altern und dadurch ihr Aroma leidet, lässt es sich kaum vermeiden, eine Lösung für das Lagerungsproblem zu finden.
Nun könnte man ja fragen: Warum hast Du überhaupt Vorräte? Kauf Dir doch ein Beutelchen nach Bedarf immer frisch von Deinem Röster! Klingt gut. Nur wenn man nicht das Glück hat, wie mein Freund Scottie direkt neben seinem Lieblingsröster zu wohnen, ist man auf den Versandhandel angewiesen. Und das lohnt sich nur bei einer größeren Menge. Ich bestelle z.B. immer 3 kg.
Das Aroma steckt in den Ölen der Bohnen. Öle oxidieren bei Zimmertemperatur rasch und werden dadurch ranzig. Besonders deutlich tritt das bei gemahlenen Bohnen hervor: Kaffeepulver ist bereits nach kurzer Zeit nicht mehr brauchbar. Daher sind ja für uns Home-Baristas auch nur Direktmahler zu empfehlen. Die klassische Mühle mit Dosierer ist für uns zu Hause kaum zu verwenden, wenn man sie nicht wie ich zu einem Direktmahler umfunktioniert (siehe mein entsprechender Thread).
Durch Herabsetzen der Temperatur verlangsamt sich der Zerfallsprozess. Das bedeutet, es ist eine gute Idee, seine Bohnen im Kühlschrank aufzubewahren. Nur leider nehmen Bohnen leicht Feuchtigkeit und fremde Aromen auf und würden daher auch in ihrer noch verschlossenen Verpackung den Duft der Speisevorräte im Kühlschrank annehmen. Es mag ja den einen oder anderen geben, der es schätzt, wenn sein Espresso nach einer Mischung aus Radieschen, Emmentaler und Mettwurst schmeckt. Ich nicht.
Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht, um eine Lösung zu finden. Und habe dabei eine spezielle Tupperware entdeckt, die mir ideal zu sein scheint: das Programm der Lock&Lock-Boxen (Boxen -), die in einer Vielzahl unterschiedlicher Größen und Formen angeboten werden. Das Besondere ist ihr spezieller Verschluss des Deckels: Der Deckel wird auf allen vier Seiten durch Schnappverschluss gesichert und eine Dichtung hält den Inhalt luftdicht verschlossen. Ein Test zeigt: selbst in der Waschmaschine dringt keine Feuchtigkeit ein (ich hab’s getestet)!
Nach Absprache mit einem meiner Lieblingsröster sieht meine Lagerung nun so aus: Die größeren Vorräte lagere ich originalverschlossen in ihren Ventilbeuteln, aber ohne Box, in der Tiefkühltruhe. Da die Bohnen kaum noch Feuchtigkeit enthalten, bleiben die Beutel weich und gefrieren nicht zu einem Block. Das heißt, ich kann sie nach der Entnahme aus dem Tiefkühler und dem Öffnen des Beutels relativ rasch verwenden – es reicht, wenn ich der Portion, die ich verwenden will, einige Minuten zur Temperierung gebe.
Einen Beutel öffne ich zum raschen Verbrauch, schütte die Bohnen in eine Lock&Lock-Box und stelle sie in den Kühlschrank.
Da sich der Abbau der Aromen unmerklich in kleinsten Schritten vollzieht, ist der Effekt der Kühlung relativ schwer zu überprüfen. Aber einen Indikator gibt es doch: den Unterschied zwischen alten Bohnenresten und neu eingetroffener Ware. Bis ich 3 kg Bohnen verbraucht habe, vergeht einige Zeit. Die letzten Bohnen verströmen beim Mahlen kaum noch Duft, wenn der Vorrat nicht gekühlt wurde. Man darf sagen: alte, ungekühlt gelagerte Bohnen sind tot - d.h. ohne jeden Geruch. Mahle ich dann frische Bohnen, verbreitet sich in der Küche sofort ein intensiver Duft von frisch gemahlenem Kaffee. Und diesen Unterschied sollte sogar ein Kamel mit Schnupfen wahrnehmen können – umso mehr unsere geschärften und hoch spezialisierten Sinne! Bei mir hat sich gezeigt, dass dieser Unterschied zwar noch merklich ist, wenn ich die Vorräte tiefgekühlt aufbewahre – aber längst nicht so krass wie bei ungekühlten Bohnen.
[Auf Wunsch eines einzelnen Lesers hier folgender Hinweis:
Aus der Fragestellung hat sich ein Langzeittest ergeben, dessen Anordnung ich in Beitrag #34 umreiße und dessen Ergebnisse ich in den Beiträgen #70, #72 und #109 präsentiere!]


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