Vor einigen Wochen bekam ich von Imprezza.de einige Tütchen Parrottacaffè. Vier Sorten, um genau zu sein:
- Gusto Forte
- Amabile
- Delizioso
- Gran Crema
Das Besondere an dem Caffè: Angelo Parrotta ist ein Gerätehändler in Süddeutschland, der die italienische Rösterei in der eigenen Familie hat: seine Familie betreibt seit langen eine Rösterei in Pietrapaola, Kalabria. Und als erstes fällt mir ein: die Namen der Mischungen sind treffend gewählt – sie sind genau das, was sie vorgeben, zu sein.
Der Gusto Forte wartet tasächlich mit einem kräftigen Aroma auf. Ein ernst(zunehmend)er Kaffee mit einem Hauch Wehmut. Die Wehmut eines Menschen, dessen Familie seit Jahrhunderten am Ufer des Mittelmeers lebt, und der den schönsten Sonnenuntergang über dem Meer nie ohne den Gedanken bewundern kann, wieviele Mitglieder seiner Familie als Fischer in den Stürmen untergegangen sind. Bei aller Faszination, die das Meer zu bieten hat. Diese Art von Wehmut. Angelos Vorfahren müssen Fischer gewesen sein!
Der Amabile ist mild und weich und rund, aber für mich eher unauffällig. Manch einer wird ihn vielleicht als "Damenkaffee" bezeichnen?
Der Delizioso ist lieblich und - ja auch das - lecker, wie die Wortbedeutung verspricht. Ich möchte hinzufügen: wäre er ein Kind, würde man ihm mit Wohlgefallen beim Spielen zusehen und sich denken "was für ein entzückendes Balg!". Naja - ist jetzt vielleicht ein bisschen versponnen, aber das waren beim Trinken meine Gedanken.
Und der Gran Crema ist genau das: eine Explosion der Crema in der Tasse. Für mich die Auffälligste dieser vier Sorten und sehr lecker. Und es macht mir Spaß, dem Zucker zuzuschauen, wie er erst auf der Crema liegenbleibt, dann laaangsam sackt, um endlich in Zeitlupentempo unter der Crema zu verschwinden. Eine Mischung, die mir persönlich sehr liegt, und die ich jederzeit gerne wieder trinken würde.
Abschlussbetrachtung: Die Kaffees von Parrotta haben es mir sehr leicht gemacht. Nach ganz kurzer und geringfügiger Spielerei mit der Temperatur durch Verstellen des Pressos habe ich die Sorten auf den Punkt gebracht. Alle vier sind sehr geeignet für den Anfänger – ich will damit sagen: sie machen es dem Verbraucher nicht schwer, ihnen ihr Geheimnis zu entlocken. Und um mein ganz persönliches Geschmacksurteil abzugeben: alle vier sind exzellent, aber mit dem Amabile konnte ich am wenigsten anfangen und der Gran Crema ist ein Hit.
Und ich habe den Eindruck, dass es sich bei den Bohnen, die Parrottas Famiglia Calabrese für die Mischungen verwendet, um sehr gute und sorgfältig gezogene Qualitäten handelt – keine asiatischen Bohnen aus Ländern, wo auf Riesenplantagen billige Massenware von Menschen ohne Kaffee-Tradition aufgezogen wird.
Mit anderen Worten: Ich halte die Mischungen von Angelo Parrotta für eine Bereicherung auf unserem Markt – zumal er einer der wenigen Händler in Deutschland ist, die original-italienische Röstungen aus traditioneller Kleinproduktion anzubieten haben!
P.S. Falls jemand wissen möchte, ob ich Italienisch verstehe: Ja. Jedes Wort. Wenn es von Dario Fo gesprochen wird. Bei Dario Fo verstehe ich sogar mehr Worte als er sagt. Warum erzähle ich das jetzt? Ich habe keine Ahnung.


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