Ich muss mal aus Kundensicht ein wenig Kritik an den Röstern üben:
Mich stört schon seit langem, dass man als Kunde bei weitaus den meisten Röstern gezwungen ist, die Katze im Sack zu kaufen, da kaum ein Röster angibt, aus welchen Provenienzen sich seine Mischung zusammen setzt.
Als erstes erwarte ich von einem Anbieter, dass er das Mischungsverhältnis von Arabica zu Robustabohnen angibt: z.B. 100 % Arabica oder Robusta oder z.B. Arabica/ Robusta 90/10 oder 70/30 oder wie auch immer.
Als nächstes erwarte ich eine Angabe über das Röstverfahren: ob die Mischung im industriellen, hochtemperierten Schnellverfahren oder traditionell mit niedrigerer Temperatur und längerer Röstdauer handwerklich im Chargenröster hergestellt wurde. Wenn dann noch ein Röstdatum dazukäme, statt des lächerlichen MHD, wäre es perfekt.
Als letztes erwarte ich eine Angabe, wie sich die Mischung zusammensetzt - möglichst sogar mit den entsprechenden Prozentangaben: z.B. 70 % Brasil, 20 % Kolumbien, 10 % Kenia. Ich möchte doch VOR dem Kauf eine Vorstellung davon bekommen, welchen Charakter eine Mischung haben wird, also welche Geschmacksrichtung ich als Konsument von dem Produkt in etwa erwarten darf. Statt dessen findet sich nur das übliche nichtssagende Marketinggesülze und Geschwafel, wie einzigartig und ausgewogen und blah blah. Was sich dann auch schon mal bis in die höchsten Gipfel der Dämlichkeit versteigen darf nach dem Motto "Ein Espresso für den feinen ... Blah Blah ... und ein wunderbarer Kaffee mit dezentem Verwöhnaroma ... Blah Blah ... . Er besticht durch ... Blah Blah ... und daher erfreut er sich größter Beliebtheit."
Dass diese wünschenswerten Angaben fehlen, halte ich für einen schweren Mangel und eigentlich schon fast für eine Verdunkelungstaktik der Hersteller. Nun ist es ja ein beliebtes Argument zu behaupten, man würde sich so vor dem Kopieren der eigenen Erfolgsprodukte schützen wollen. Haha. Guter Witz. Wie bitte sehr soll ein so individuelles Produkt wie eine Kaffeemischung kopiert werden - selbst, wenn alle beteiligten Sorten mit den exakten Prozentangaben bekannt sind?!? Ein Kopierer weiß deshalb noch lange nicht, von welchen Plantagen die Sorten stammen - selbst innerhalb eines Anbaugebietes gibt es gewaltige Unterschiede. Und wie speziell diese Bohnen aufbereitet wurden. Und noch weniger kennt er die hauseigenen Röstprofile, die sich jeder Röstmeister ganz individuell vor dem Hintergrund seiner jahrelangen Erfahrung und auch seinem individuellen Geschmack erarbeitet hat! Die sich folglich überhaupt nicht kopieren lassen.
Nein - was da geschützt werden soll, ist etwas ganz anderes: Es dürfte ja bekannt sein, dass zumindest große Firmen (bei denen es meist ausschließlich um den Profit geht und nicht um Produktqualität) bescheißen, dass es nur so raucht, wenn man ihnen die Chance dazu lässt, sprich: ihnen nicht ganz genau auf die (oft schmutzigen) Finger schaut. Ohne Angaben auf dem Etikett lässt sich eben mal ganz prima ein Sack billigster Vietnam-Robusta in der Mischung versenken - die Betonbrocken, Stacheldrahtenden, Maiskörner und sonstigen Fremdstoffe, die bei dieser Ultrabilligware üblicher Weise mindestens 10 % des Gesamtgewichts ausmachen, sortiert man dann eben vorher aus so gut es geht.
Also nun meine abschließende Frage - auch an die löblichen Röster im Forum, die sich, wie wir fast alle wissen, von solchen Praktiken distanzieren: Wäre es nicht geradezu ein verkaufsförderndes Merkmal, die Kunden mit vorbildlichen Angaben als Produktbeschreibung zu verwöhnen? Ich kenne viele der Röstungen unserer "Boardröster" und will gerne bestätigen, dass sie weit überwiegend nicht den geringsten Grund haben, irgendetwas zu verbergen. Also: legt los!Oder sprechen vielleicht Gründe gegen eine genauere Kennzeichnung, die ich nicht überschaue? Insofern ist mein Statement also durchaus als Diskussionsgrundlage zu verstehen. Man muss ja heute schon provokant vorlegen, um die Lust zum Widerspruch zu motivieren!
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