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  1. #1
    Heinerich ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard Herkunftsnachweise der Rohware

    Zitat Zitat von W1cht3lm@nn Beitrag anzeigen
    Das ist also so wie wenn du an der Supermarkttheke stehst und nach Fleisch fragst "Bitte nicht Bio mit Herkunftsnachweis, das ist mir zu teuer, aber versprechen Sie mir trotzdem persönlich dass das Tier zufrieden gelebt hat!".
    Nicht so ironisierend, wie Du es formuliert hast aber durchaus in eine solche Richtung! Es scheint in der "Natur der Sache" von marktorientierten Unternehmen zu liegen, dass "Gütekriterien" nach außen hin auch (nicht nur) Eigenschaften darstellen die vielleicht gar nicht vorhanden sind. Die Diskussion, auf der europäischen Politikebene, um den Begriff "Bio" dürfte bekannt sein. Beim Fischfang wird mit Zertifikaten geworben, die kaum oder nur sehr schwer zu überprüfen sind. Fairtrade hat anscheinend an Reputation verloren, weil die Kriterien verwässert wurden und/oder Lücken lassen.
    Bei einigen Kaffeeröstern (Quichote, Langen (in Verbindung mit dem Kolpingwerk?); mehr kenne ich im Moment nicht...) scheint sich sowas wie "Direkter Handel" zu entwickeln. Ähnlich wie Vertriebs- und Gütegemeinschaften bei regionalen Agrarproduzenten, die auf die üblichen "Sigel" gern verzichten oder verzichten würden, weil dies das Produkt verteuert.
    Wenn hier, in diesem Thread nun nachgefragt wird, dann soll dies auch dazu beitragen, einen Verkäufer zu veranlassen, entsprechende Informationen bereit zu stellen! Bei welchen Produzenten der Rohstoff gekauft wird, hat nicht mit "Betriebsgeheimnissen" zu tun. Das eine solche Vorgehensweise das Geschäft weder schwächt noch schädigt zeigen die o.g. Röster, wobei Quichote ja sogar seine Verträge und die Preiskalkulation veröffentlicht!!!

    Mir ist durchaus bewust, dass wir hier (im Kaffeenetz) nur eine Randgruppe der Kaffeekonsumenten ausmachen aber das sollte uns nicht daran hindern, daran zu arbeiten Informationen einzufordern und ggf. auch unsere Kaufentscheidung danach auszurichten! Für mich persönlich ist es eben nicht gleichgültig, wie die Menschen leben müssen/können oder sollten, die meinen Kaffee anbauen, ernten nund erstverarbeiten!! Wenn diese in unwürdige Lebensbedingungen hineingezwungen werden, hätte der Espresso einen zu bitteren Beigeschmack, den ich mir niht leisten möchte!

    Zum Schluss noch mals einen Bezug zum Herkunftsthread! Wenn jemand einen Kaffee anbietet, der deutlich unter dem "marktüblichen Preis" liegt, will ich erst recht Infos haben. Schließlich könnte ein Grund die Preise beim Produzenten sein. Bin ich da zu mistrauisch, kaufe ich das Produkt nicht! Und wenn mir -m.E. selbstverständliche- Informationen vorenthalten werden, dann werde ich erst Recht mistrauisch.

    Übrigens würde ich mich freuen, wenn Röster und Vertreibler/Verkäufer hier mitdiskutieren würden!
    Gruß
    Bernd


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    Kaffe-Netz-Gruppe Expobar Brewtus
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  2. #2
    espresso-addict ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Herkunftsnachweise der Rohware

    Der Vergleich mit dem Bio-Siegel ist gar nicht so schlecht, denn ich glaube dass mit einigen Sorten Single-Origin-Kaffee ähnlich viel betrogen wird wie mit Bio-Produkten (ganz davon abgesehen, dass die Leute falsche Vorstellungen von "Bio" haben, denn es bedeutet z.B. nicht "ungespritzt"). Wenn man sich beispielsweise anschaut, welche Mengen Kopi Luwak, Hawaii Kona oder Jamaica Blue Mountain auf dem Kaffeemarkt angeboten werden, aber weiß wie klein die tatsächliche Jahresproduktion dieser Sorten, dann ist klar, dass hier auch viele Fälschungen verkauft werden.

    Ansonsten ist es wohl leider so, dass die Mehrheit der Konsumenten sich mehr oder weniger ausschließlich am Preis orientiert. Um beim Beispiel Fleisch zu bleiben: Ein Steak, das von einem "glücklichen" Bio-Rind kommt, ist nun einmal erheblich teurer als aus der Massenproduktion. Auch wenn dieses Fleisch besser schmeckt, wer jeden Tag sein Stück totes Tier auf dem Teller haben möchte, kann sich das finanziell nicht unbedingt leisten. Die Verbraucher müssten also umdenken und Fleisch nur noch zwei oder dreimal pro Woche konsumieren, was im Übrigen gut für Gesundheit und Umwelt wäre. Aber die meisten wollen das nicht. Genauso wie die meisten eben das Pfund Kaffee für 5 Euro oder weniger wollen.

    Der britische Kleinröster Londinium Espresso bietet zum Teil Plantagen-Kaffee an, d.h. ich weiß von welchem Anbauer der Kaffee kommt. Allerdings weiß ich nicht, wie die Bedingungen vor Ort sind. Man kann in Anberacht der Preise nur hoffen, dass hier tatsächlich fair gehandelt wurde. Aber, wie ich finde, ein interessanter Ansatz.
    Poccino Opus One
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    Tamping Tom 58 mm


  3. #3
    funny-freddy Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Heinerich Beitrag anzeigen
    Nicht so ironisierend, wie Du es formuliert hast aber durchaus in eine solche Richtung! Es scheint in der "Natur der Sache" von marktorientierten Unternehmen zu liegen, dass "Gütekriterien" nach außen hin auch (nicht nur) Eigenschaften darstellen die vielleicht gar nicht vorhanden sind. Die Diskussion, auf der europäischen Politikebene, um den Begriff "Bio" dürfte bekannt sein. Beim Fischfang wird mit Zertifikaten geworben, die kaum oder nur sehr schwer zu überprüfen sind. Fairtrade hat anscheinend an Reputation verloren, weil die Kriterien verwässert wurden und/oder Lücken lassen.
    Bei einigen Kaffeeröstern (Quichote, Langen (in Verbindung mit dem Kolpingwerk?); mehr kenne ich im Moment nicht...) scheint sich sowas wie "Direkter Handel" zu entwickeln. Ähnlich wie Vertriebs- und Gütegemeinschaften bei regionalen Agrarproduzenten, die auf die üblichen "Sigel" gern verzichten oder verzichten würden, weil dies das Produkt verteuert.
    Wenn hier, in diesem Thread nun nachgefragt wird, dann soll dies auch dazu beitragen, einen Verkäufer zu veranlassen, entsprechende Informationen bereit zu stellen! Bei welchen Produzenten der Rohstoff gekauft wird, hat nicht mit "Betriebsgeheimnissen" zu tun. Das eine solche Vorgehensweise das Geschäft weder schwächt noch schädigt zeigen die o.g. Röster, wobei Quichote ja sogar seine Verträge und die Preiskalkulation veröffentlicht!!!

    Mir ist durchaus bewust, dass wir hier (im Kaffeenetz) nur eine Randgruppe der Kaffeekonsumenten ausmachen aber das sollte uns nicht daran hindern, daran zu arbeiten Informationen einzufordern und ggf. auch unsere Kaufentscheidung danach auszurichten! Für mich persönlich ist es eben nicht gleichgültig, wie die Menschen leben müssen/können oder sollten, die meinen Kaffee anbauen, ernten nund erstverarbeiten!! Wenn diese in unwürdige Lebensbedingungen hineingezwungen werden, hätte der Espresso einen zu bitteren Beigeschmack, den ich mir niht leisten möchte!

    Zum Schluss noch mals einen Bezug zum Herkunftsthread! Wenn jemand einen Kaffee anbietet, der deutlich unter dem "marktüblichen Preis" liegt, will ich erst recht Infos haben. Schließlich könnte ein Grund die Preise beim Produzenten sein. Bin ich da zu mistrauisch, kaufe ich das Produkt nicht! Und wenn mir -m.E. selbstverständliche- Informationen vorenthalten werden, dann werde ich erst Recht mistrauisch.

    Übrigens würde ich mich freuen, wenn Röster und Vertreibler/Verkäufer hier mitdiskutieren würden!
    Hmm deine Einstellung ist gut aber siehst du das nur bei Kaffee so?

    Ich finde fairer Handel sollte bei allen Gütern unseres Lebens eine Bedingung darstellen! Egal was es ist! Kleidung, Nahrung oder Luxusgüter!

    Ich finde man kann nicht sagen Kaffee muss fair gehandelt werden, sonst schmeckt er nicht, sondern muss dann auch so wach sein und unser ganzes System zu hinterfragen!

    An der Börse spekulierte Getreidepreise, welche Menschen verhungern lassen ...

    Bio E10 der wieder zu einer Verknappung von Agrarfläche führt ...

    Fleiachmast in der entwickelten Welt welche die Nahrung verschlingt die anderen zum Leben fehlt ...

  4. #4
    domimü ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Herkunftsnachweise der Rohware

    Da werden m.E. teilweise wieder Selbstverständlichkeiten bei einzelnen als Besonderheit dargestellt.

    Ich hatte ja in einem anderen Thread schon angekündigt, mal beim Schalke-Kaffee bezüglich Kalkulation nachzufragen, und erhielt, was ich wollte, hier ein Auszug aus der Antwort:"Der fair-gehandelte Schalke Kaffee wird von der Importorganisation El Puente bezogen. Wie bei den Organisationen des Fairen Handels üblich werden selbstverständlich alle Kalkulationen offengelegt, so auch die für den Schalke Kaffee, die wir ihnen als Anlage zur Verfügung stellen."

    In der Kalkulation selbst war der Posten "sonstiges" übrigens nicht gar so groß. Ein direkter Vergleich könnte wegen unterschiedlicher Einkaufsmengen etwas unfair werden, macht aus meiner Sicht auch nur Snn, wenn mindestens ein Dutzend Kalkulationen analysiert werden, um "das Übliche" herauszufinden.

    Und wer wissen will, von welcher Farm sein Kaffee kommt, muss auch nicht in Großbritannien kaufen, z.B Supremo macht das bei den Cup of Excellence, Micro-Lot-Challenge, Arabica-Expedition genauso.

  5. #5
    baumkaffee ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Herkunftsnachweise der Rohware

    So nachdem der Thread jetzt nun vom Marktplatz weg ist und ich Herrn P. nicht schäigen wollte, möcht ich mir hier ein paar Anmerkungen erlauben.
    Bei S. in Italien habe ich noch nie Kaffee gekauft, aber nach Durchsicht ihrer Verfügbarkeitsliste kann man dort hauptsächlich "No Name Massenware" kaufen. Spezialitätenkaffees sind eher Fehlanzeige. Robusta gibt es dort in einer Vielfalt wie sie mir kein Kaffeehändler in D anbietet. Die Vietnam-Auswahl ist gewaltig. (ok soll jetzt nicht heißen, das es den in D nicht gibt !!). Die Mischungen die S. anbietet dürften aus den Rohkaffees gemischt werden, die sie auch als Single verkaufen. Wenn man dann die Rohkaffeepreise der einzelnen Sorten zur Mischung setzt, dann kann man in etwa abschätzen was drin sein dürfte. Also Guatemala Standardmassenware, Brasilien Standardmassenware Santos und Vietnam Robusta. Die einzige Angabe die nicht "Betriebsgeheimnis" dort ist, ist der Robusta-Anteil. Also was will man dann als Antwort auf die Frage wie die Arbeitsbedingen der Kaffeepflücker waren erwarten?

    Nicht jeder Röster kann ins Ursprungland reisen und dort seinen Kaffee selber einkaufen, will aber auch nicht auf Fair und oder BIO Kaffees zurückgreifen. Was bleibt sind Kaffee die rückverfolgbar sind (Tracability)
    zB brasilianische BSCA Kaffees, hier weiß ich als Röster zumindest wo der Kaffee herkommt. Dass nicht jeder BSCA Kaffeebauer einer Webseite hat mag daran liegen, dass der Fortschritt da noch nicht so 100% angekommen ist. Viele haben aber eine und ich kann mir ein gewisses Bild machen, es sind Namen dahinter und es ist nicht irgendeine anonyme Santos Massenware. Mein Standard-Brasilianer für alle meine Espresso-Blends sind der Fazenda Lagoa und der Fazenda Canta Galo. Santos habe ich nicht. Außerdem sind wir von de Qualität der Kaffees von Daterra überzeugt.
    Aus Guatemala haben wir den Lampocoy den Detlev Cords den er dem Dorf Lampocoy abkauft hat und direkt an Röster verkauft.
    Beim Malabar und Ind Parchment da wird es nun schon nicht mehr so transparent, das geb ich zu... Aspiwall ist der Lieferant, ein Indischer Konzern.
    Hier mal ein Zitat aus der Aspinwall Webseite, zu "Workers Welfare" wie die es nennen:
    "The most powerful asset we respect is our skilled and professional human asset. Our workforce is the best example of dedicated good work.
    The various welfare measures for the workers include:
    • Scholarship program for the worker's children excelling in their academics
    • Assistance during school reopening time of children to meet the financial requirements
    • Eye testing program for women garblers and financial assistance for the optical needs
    • Training program for workers in coffee quality, house keeping, fire fighting, social issues
    • Distribution of free uniform, footwear, aprons, head gear
    • Safety and hygiene related supplies
    • Field visits for education and fun"


    Ok.. mal hand aufs Herz, das BlaBla da oben könnte auch von so mancher deutschen Firma sein...

    Aber das sag ich dem Kunden auch und ist kein Betriebsgeheimnis. Preislich liegt der Ind Parchment Robusta aber in der Oberliga im Vergleich zu Vietnam-Robusta. Über die Bedingungen der Erzeugung läßt das aber keinen Rückschluss zu.
    Ok was dann herauskommt, wenn man die Rohkaffees mischt ist ein Blend der auch seinen Preis haben muss und weder mit Kaffee vom Discounter noch mit einer Fertigmischung von S. aus Italien mithalten kann, aber dieses Billigheimer-Kientel das Kaffee nach der Hauptsache es ist billig Mentalität kauft dürfte sich ohnehin ins KN kaum verirren.
    Gruß Hubert
    Geändert von baumkaffee (12.08.2012 um 08:40 Uhr)

  6. #6
    Heinerich ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Herkunftsnachweise der Rohware

    Zitat Zitat von funny-freddy Beitrag anzeigen
    Hmm deine Einstellung ist gut aber siehst du das nur bei Kaffee so?
    Nein. Wir versuchen bei möglichst allen/vielen Produkten "ethisch verträglich" einzukaufen oder zu handeln. Wobei sich das "Versuchen" darauf bezieht, dass es immer noch extrem schwer ist, an verläßliche Informationen zu kommen.
    Gruß
    Bernd


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  7. #7
    bohnenschorsch ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Herkunftsnachweise der Rohware

    Leider ist es auch in Deutschland (oder zumindest in Berlin) inzwischen in vielen Berufen üblich, dass man von einem Vollzeitjob (sogar in etablierten Ausbildungsberufen) kaum noch leben, geschweige denn eine Familie ernähren kann. Die Haushaltskasse wird in vielen Familien von chronischem Mangel dominiert, was naturgemäß die Aufmerksamkeit für anderer Leute Probleme etwas einschränkt. Insbesondere das Kaffeegeschäft scheint mir nicht nur an fernen Gestaden auf Ausbeutung und Selbstausbeutung zu funktionieren. Hier im KN wird immer so gerne gemeckert, wenn ein bestellter Kaffee nicht binnen 48 Stunden geliefert ist. Wißt ihr, was eine ungelernte Packhilfe verdient? Eine menschenwürdige Existenz ist davon sicher nicht drin, und das weiß auch jeder. Trotzdem werden solche Menschen ohne jeden Gewissensbiss hier wieder und wieder öffentlich angeprangert, sobald auch nur der kleinste Anlass zu Unzufriedenheit besteht. Das schlechte Gewissen kann man ja auf die armen Farmer in der dritten Welt projizieren.

    Dort gibt es ja tatsächlich einigen Handlungsbedarf: Ich persönlich bin immer wieder entsetzt darüber, unter welchen Bedingungen unsere Konsumgüter teilweise hergestellt werden. Aber ich sehe die erste Verantwortung dafür beim Produzenten selbst: Wenn dieser aus Profitgier zu jeder Schweinerei bereit ist, und ich erfahre das durch einen glaubwürdigen Beitrag in den Medien, dann kaufe ich da nicht mehr. Ich mache meine eigene Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen; ist es zuviel verlangt, dass Andere ebenso handeln? Natürlich könnte man auch als Verbraucher Verantwortung übernehmen und sich Artikel für Artikel kundig machen - aber ich kann auch Verantwortung für anderer Leute Kinder, anderer Länder Schulden, oder die Atomkraftwerke der Großkonzerne übernehmen. Allein: Ich will das nicht, weil ich es als nicht originär mein Bier betrachte.

    Die Hersteller sollen ihre Verantwortung schön selbst tragen - wo sie das nicht tun, soll man sie meiden, damit sie bald pleite sind. Oder man versucht, für geänderte politische bzw. gesetzliche Rahmenbedingungen zu sorgen. Jedem ausgegebenen Euro wie Sherlock Holmes hinterherspionieren möchte ich nicht. Ich trage in meinem Arbeitsbereich Verantwortung und erwarte das auch von meinen Mitmenschen. Ich finde es in Ordnung, wenn man sich für die Sorgen der Menschen in fernen Ländern interessiert - aber ich finde es nicht verwerflich, dass ich mich mehr für die Sorgen der Menschen in meinem Umfeld interessiere. Hauptsache man schaut über die eigene Nasenspitze hinaus.
    Damit das gleich klar ist: Dein Espresso ist besser als meiner !

  8. #8
    TwimThai ist gerade online Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Herkunftsnachweise der Rohware

    Ich möchte hier nochmals ausdrücklich betonen, dass es mir in keinster Weise darum ging espressofix irgendwie ans Bein zu pinkeln. Ich wollte lediglich Heinerichs Aussage stützen, dass es Kunden gibt, denen die Herkunft wichtig ist und das ein Hersteller auch ohne Siegel und Zertifikate Möglichkeiten hat, zumindest im Ansatz auf die Bedingungen zu verweisen, vor allem wenn die direkte Nachfrage kommt.
    Wenn espressofix oder Effizien-Kaffee hier einen zu hohen Aufwand sehen die Infos die auf der Zulieferer Homepage gegeben sind, zu zitieren, dann finde ich das persönlich nicht zufriedenstellend. Aber das ist mein ganz persönliches Empfinden, dass der ein oder andere sicherlich auch als spießig oder pingelig, aber bestimmt nicht als italienisch-gemütlich einstufen wird.

    Zum generellen "Problem" - und da bin ich ganz froh, dass Heinrich die Diskussion weg von Effizien-Kaffee hin zum generellen Umgang mit diesem Thema gelenkt hat - gibt es auch von meiner Seite ein zwei Meinungen:
    Mir ist vollkommen bewusst, dass eine gerechte Entlohnung schon vor der Haustür anfängt. Ich gehe gerne zum Metzger oder Gemüsehändler ums Eck und kaufe nicht alles in einem Supermarkt, der seine Preise durch miese Löhne niedrig hält. Das bedeutet auch, dass ich saisonal und regional einkaufe, da dies die Kosten senkt. Bio-Erdbeeren im November sind für mich ein Indiz für ein komplett fehlgeleitetes Verbraucherempfinden: "Alles was Bio heißt ist gut". Und wenn ich Beratung brauche, dann gehe ich zum mittelständigen Händler und kauf mir meine Produkte beim Fachmann, das ist mir den (meist geringer als gedachten) Aufpreis wert. Und ich hab als Student auch nicht den dicken Geldbeutel oder zuviel Geld.
    Beim Kaffee bedeutet dieser Anspruch für mich, dass ich bei regionalen Kleinröstern frischen Kaffee kaufe. Da man natürlich experiemtierfreudig ist, wird auch der ein oder andere Online-Kauf getätigt. Ich bin mir dabei bewusst, dass auch hier viel "Massenware" in den günstigeren Mischungen steckt - wer Kaffee für 15€ das kg verkauft, kann kein Geld für die Krankenversicherung der Kaffeebauern bezahlt haben - muss er auch gar nicht. Natürlich ist bei dem Betrag auch keine Lizenzgebühr für Biosiegel o.ä. drin. Ist aber alles gar nicht schlimm, solang der Händler versucht, wenigstens im Ansatz auf Bedenken der Kunden einzugehen. Dass für den Preis keine Garantien gegeben werden können, ist für mich klar.
    Ich will gar nicht der Weltretter sein, der jedem Kaffeebauern, egal was für Mist er produziert, den dreifachen Produktionspreis zahlt. Ich bin aber der Meinung, dass eine ordentliche Qualität auch ordentliche Bezahlung gerechtfertigt. Ich hab den Eindruck, dass ich nicht der einzige bin, der so denkt. Und da denke ich, dass ein Hersteller so viele Informationen geben sollte wie möglich.
    sincerely yours
    Twim

  9. #9
    Heinerich ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Herkunftsnachweise der Rohware

    Zitat Zitat von bohnenschorsch Beitrag anzeigen
    Insbesondere das Kaffeegeschäft scheint mir nicht nur an fernen Gestaden auf Ausbeutung und Selbstausbeutung zu funktionieren. Hier im KN wird immer so gerne gemeckert, wenn ein bestellter Kaffee nicht binnen 48 Stunden geliefert ist. Wißt ihr, was eine ungelernte Packhilfe verdient? Eine menschenwürdige Existenz ist davon sicher nicht drin, und das weiß auch jeder. Trotzdem werden solche Menschen ohne jeden Gewissensbiss hier wieder und wieder öffentlich angeprangert, sobald auch nur der kleinste Anlass zu Unzufriedenheit besteht. Das schlechte Gewissen kann man ja auf die armen Farmer in der dritten Welt projizieren.
    Ich verstehe nicht ganz, was Du da zum Ausdruck bringen möchtest. Insbesondere der letzte Satz ist mir unverständlich.
    Gruß
    Bernd


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  10. #10
    bohnenschorsch ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Herkunftsnachweise der Rohware

    Hallo Bernd,
    ich bin gerade beim Versuch, es verständlicher zu formulieren, mehrfach gescheitert. Es ist aber mein Eindruck, dass TwimThai es gefühlsmäßig verstanden hat. Möglicherweise liegt mir diese Sache noch etwas im Magen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich etwas angezickt bin, weil einerseits im KN oft gandenlos von den Händlern und Röstern Unterwürfigkeit und Perfektion eingefordert wird (ohne sich im Mindesten um deren teils wirklich unterirdische Einkommenssituation zu interessieren), andererseits dann wieder Sorge für die Bauern in den Herkunftsländern geäußert wird. Es ist aber mein Fehler, diese Vielfalt der Meinungen in einen Topf zu werfen.
    Damit das gleich klar ist: Dein Espresso ist besser als meiner !

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