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Medailla d'Or in Spanien
Hallo,
hier ein kurzes Resümee des Spanienurlaubs:
Nach kurzem Suchen fanden wir in L'Amettla de Mar (Costa Dorada, Katalonien) ein nettes Café, das sich schnell zum Stammcafé für den Morgenspaziergang entwickelte (La Spaziale-Maschine 2-gruppig, große Anfim-Mühle, kleinere Mazzer zusätzlich). Der Caffe con leche war ausgezeichnet, besonders von der Bedienung, die vormittags da war (nein, nicht wegen sonstiger Reize, sondern wirklich nur wegen des Kaffees *g*). Bei den Tassen lagen immer so Zuckertütchen mit der oben genannten Kaffeesorte als Aufschrift; drinnen fiel mir dann auf, daß die große Anfim-Mühle gar kein Schauglas hatte, sondern eine große Dose mit derselben Aufschrift stattdessen daraufsteckte. Und ich dachte bei mir: "Sieh an, auch hier gibt's guten Kaffee, mal sehen, ob man nicht an die Bohnen kommt."
Am drittletzten Tag wurde dann der Ausflug nach Tarragona gestartet, und ich hatte die Hoffnung, die (oder auch eine andere) Rösterei vielleicht am Ort zu finden: Größere Hafenstadt, in der Nähe, hätte passen können. Und siehe da, in einem Café in der Innenstadt lagen dieselben Zuckertütchen beim Kaffee, und dieselbe Anfim-Dosen-Mühle stand drinnen (Rancilio-Maschine). Also habe ich flugs den Inhaber mal nach dem Kaffee bzw. der Rösterei befragt. Dabei kam heraus, daß dieser Kaffee von der größten Rösterei der Region (möglicherweise auch Spaniens, mein Spanisch ist nicht so perfekt *gg*), nämlich vor dem Kauf durch den Nestlé-Konzern der Firma Brasilia (hat nichts mit dem Maschinenhersteller zu tun) hergestellt wurde, die nunmehr nur noch "Prodottos del Caffe S.P.A." (oder so) heißen, und die in Reus, also ca. 30 km (meine ich) von Tarragona entfernt ansässig sind. Sie stellten aber noch mehrere weitere Marken her, sagte der Café-Besitzer, und suchte mir freundlicherweise direkt deren Adresse heraus. Diese lautete lapidar übersetzt etwa "Km 2 an der Straße Reus-Tarragona, Reus". Das sollte zu finden sein, dachte ich. ALso habe ich meine Frau und Kinder überredet, doch kurzfristig über Reus zum Quartier zurückzufahren.
Und tatsächlich, die Rösterei war nicht zu übersehen, da sie von der Schnellstraße aus über eine eigene Ausfahrt verfügte. Bedauerlicherweise winkte der Wachmann am Tor direkt ab, als ich Kaffee kaufen wollte, und sagte, sie seien nurGroßhändler, wenn ich ihre Bohnen wollte, sollte ich in Supermärkten oder Bars suchen. Schade, dachte ich, offenbar anders als in den Rötereien in Italien. Ich habe ihn dann noch gefragt, in welchen Supermärkten denn; er antwortete kurioserweise unter anderem "Carrefour". Ok, dachte ich, die kann man finden; später habe ich mich allerdings geärgert, daß ich nicht hartnäckiger versucht habe, ihn zum Einzelverkauf von ein paar Kilos zu bewegen...
Also haben wir in Reus einen Carrefour-Supermarkt gesucht und gefunden. Nun ist Carrefour eine riesige Kette aus Frankreich mit riesengroßen Supermärkten und daher vermutlich einem Zentraleinkauf und einem einheitlichen Sortiment. Es hätte also unwahrscheinlich sein können, ausgerechnet da einen lokalen Kaffee zu finden. Aber nein, just in diesem Carrefour fanden sich tatsächlich zwei Kaffeesorten von ebendieser Rösterei, neben der Hausmarke. Und es scheint tatsächlich eine lokale Besonderheit des Marktes in Reus gewesen zu sein, weil in einem anderen Carrefour-Markt in Girona nur die Hausmarke zu finden war, und diese beiden besonderen Sorten nicht. Beide habe ich noch nicht geöffnet, werde aber, falls gewünscht, darüber berichten. Ärgerlicherweise war aber keine dieser beiden meine Medailla d'Or.
Also faßte ich mir am letzten Morgenkaffee vor der Abreise im Stammlokal ein Herz und fragte die Bedienung, ob sie mir nicht von diesem Kaffee ein Kilo Bohnen verkaufen würde. Nach einem Telefonat mit dem Chef (den wir mittlerweile auch kannten) war das kein Problem. Sie holte also eine große Dose hervor, die der auf der Mühle entsprach, öffnete einen kleinen Deckel an der trichterförmigen Unterseite, und füllte daraus Kaffee lose in eine Tüte ab. Scheinbar wird dieser Kaffee direkt in der Dose geliefert und mit dieser auf die Mühle gesteckt, eigentlich eine geniale Idee, scheint mir, weil die Bohnen wirklich keinen Luftkontakt bekommen. Die Dose hatte vielleicht einen Durchmesser von 35-40 cm und war vielleicht 30 cm hoch; ich hatte also vermutet, daß darin eine erhebliche Kaffemenge sei. Es stellte sich aber heraus, daß es nur drei Kilo Bohnen waren, und daß dieser Kaffee ausschließlich so verkauft würde. Beim Bezahlen mußte ich allerdings schlucken. Denn das Café bezahlte im Einkauf für diesen Kaffee über 50 € für eine Drei-Kilo-Dose, also kostete mich das Kilo satte 17 €, und das völlig ohne Kaffeesteuer. Ich habe dann natürlich nach der Rückkehr zunächst diesen Kaffee in die Mühle gefüllt, und muß nach wie vor sagen, er ist es wert.
Die außerdem mitgebrachte Hausmarke von Carrefour mit 30 % kandierten Bohnen ("torrefacto", spanische Besonderheit) ist übrigens als Caffe con leche auch nicht schlecht, schmeckt meiner Frau sogar besser als meine Liebling, kostet allerdings nur 6 € das Kilo.
Insgesamt scheint Spanien als Kaffeland einiges zu bieten zu haben; ich habe Vollautomaten nur an einer Autobahnraststätte gesehen, ich habe in Cafés mindestens zwei Spaziales entdeckt, und der Caffe con leche in meinem Lieblingscafé kostete nur 80 Cent pro Tasse.
Man möge mir meinen gelegentlichen Mord an spanischen Vokabeln verzeihen...
Freundlicher Gruß
A.
Div.
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Hi,
schöner Bericht. Ich werde mich im nächsten Heimatbesuch auch verstärkt um den Kaffee kümmern und die ein oder andere ansprechende Bohne mitbringen.
In Spanien herrscht schon eine sehr anspruchsvolle Kaffekultur. Die Espressomaschine einer Bar ist meist wirklich professionell und das Schmuckstück und mit größte Investitionsgut.
Der Café con leche (Achtung, bitte nicht "caffe" schreiben, das ist italienisch...
) in unserem Stammcafé im Dorf ist grosse Klasse. Er wird aber auch in liebevoller Arbeit von der über 70jährigen Besitzerin zubereitet.
Bezahlen dürfen wir dort jedoch nicht, das wäre eine Beleidigung. schließlich gehört man zur Familie (um 47 Ecken).
Carrefour ist von der Auswahl her in allem einfach gigantisch. Allein das Getränkeangebot ist der Wahnsinn, da könnte ich Stunden verbringen. Da hat's sogar meinen liebsten dominikanischen Rum (Brugal Extra Viejo).
Schade nur, daß wir meist fliegen und nicht unbegrenzt Lebensmittel mitnehmen können.
Un saludo,
Gomez
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