Hallo zusammen,
nachdem ich nun fast ein Jahr lang verschiedene Kaffeekaltextraktionstechniken ausprobiert hab, mir testgerätchen gezimmert und rumprobiert hab hab ich nun endlich mal was richtiges gebaut!
Aber ersteinmal die Bildchen (clicken für größere Version):
Einige weitere Ansichten auf: ColdDripper-Guy, a cold-dripping machine
Zur Konstruktion: Der Kaltextraktor ist - nach einem ursprünglichen Versuch mit einem Tropf wie er im Krankenhaus vorkommt (die Dinger haben unglaublich feine Filter die sofort zusetzen!) - mit einem Hahn aus dem Aquariumsbereich aufgebaut. Dieser wird unter eine (Likör-)Flasche mit 2 Löchern in ihrem Korken gesetzt. Die 2 Löcher deswegen weil wir einen Auslauf (zum Hahn hin) benötigen sowie eine Luftrückführung so dass sich kein Unterdruck in der Flasche bildet der dann das Tropfen behindern würde. Der Hahn funktioniert sehr gut und lässt sich sehr genau einstellen. Von einem Tropfen pro Sekunde bis zu durchgehender Strahl ist auch alles drin - perfekt!
Die Holzkonstruktion ist aus 15mm Multiplex (Reststücken, daher die hässlichen Stellen und Astlöcher) aufgebaut, die Kanten wurden auf Gehrung gearbeitet und zur Stabilisierung mit Lamellos verbunden. Das Holz ist in einem klassischen Verfahren mit Leinöl-Halböl sowie einer Firnis geölt. Zuerst wird alle 2 tage ein Satter Auftrag aufgegeben und nach ~45min abgewischt. Dieser zieht dank der Verdünnung mit Balsamterpentinöl tief ins Holz ein. Nach den ersten 3 Aufträgen mit dieser Technik wird nach einer Woche eine leicht harzhaltige Firnis zum Absperren mit der gleichen Methode aufgetragen. Danach wird (mindestens!) einer weitere Woche gewartet. Mit diesem Verfahren erzeugen wir im Holz ein auspolymerisiertes Öl dass von der Polymerstruktur ähnlich wie Plastik ist. Das Holz kann jedoch weiterhin atmen und arbeiten (gut, Multiplex tut das eh nicht). Auch ist die Feuchtigkeitsresistenz sehr gut. Man kann Wasser über mehrere Stunden auf dem Holz stehen lassen ohne Matte stellen zu bekommen. Viel länger sollte man jedoch nicht - irgendwann zieht es etwas ein und stellt die Fasern des Holzes auf was zu leicht matten Stellen führt.
Zur Benutzung: Zuerst schneide ich mir aus dem Filterpapier für meinen Hario V60 zwei runde Scheiben. Diese brauchen wir später um sie auf den Kaffee im Filter zu legen - der Tropfen soll das Kaffeemehl nicht aushölen, das Filterpapier schützt hiervor. Dann wasche ich das Filterpapier wie gewohnt mit ~1L heißem Wasser aus um den Geschmack des Papieres loszuwerden. Danach wird der Filter wieder durch ca. 1/2L kaltes Wasser abgekühlt. Ich mahle für ca. 350ml Kaffee ca. 24g. Das wird dann im Filter mit etwas Wasser benetzt so dass das gesamte Mahlgut schön nass ist. Jetzt kommt die Filterscheibe auf den Kaffee und das ganze in die Holzkonstruktion. Die Flasche wird mit (diesen netten länglichen) Eiswürfeln und der passenden menge Wasser gefüllt. Ab in die Holzkonstruktion auch damit, Rädchen auf ca. 1 Tropfen / Sek einstellen und für ~3-4h Tropfen lassen. Es empfiehlt sich ein Kühlpack um die Kanne die den Kaffee auffängt zu wickeln, so hat man nach den 3-4h einen schön kühlen Kaffee den man nicht mit Eiswürfeln verdünnen muss.
Gekostet hat das ganze übrigens fast nichts. Das teuerste war glaubeich der Aquariumsschlauch mit ca. 2.50Eur. Der Hahn ist bei ca. 1Eur, das Holz bei ca. 3Eur. Die Falsche ist - glaubeich - irgendein schrecklicher Himbeerschnaps vom Aldi ... fragt mich nicht warum wir sowas haben Oo.
Der Geschmack ist ... wie man es von Kaltextraktionen erwarten würde. Die Säuren sind sehr stark in den Hintergrund verschwunden wärend die Fruchtigkeit des Kaffees immernoch "voll da" ist. Der Körper ist sehr "groß" und Komplex ... rundherum eine nette Sache - und perfekt für die heißen Sommertage die jetzt doch vielleicht auch endlich mal kommen!
Grüße - in Hoffnung auf Kritik, Meinungen und Verbesserungsvorschläge!
- Dario


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