Hallo Liebe Boardies
Gestern war ein besonderer Tag, zum ersten Mal hatte ich das große Vergnügen eine nigel nagel neue LaMarzocco GS3 zu testen!
Hier eine Zusammenfassung meiner Eindrücke ...
1.) Erster Eindruck:
Die Maschine ist erstaunlich klein! Nur 35,5 cm hoch und 40 cm breit, so wie man sich das für eine Haushaltsmaschine eigentlich vorstellen würde aber für einen ausgewachsenen DualBoiler? Ich war erstaunt!
Die Optik ist sicherlich geschmackssache, ich finde sie extrem stylisch und elegant und mit ihrer doch geringen Größe passt sie perfekt in eine moderne Küche aber auch hinter eine Theke.
2.) Auf den 2. Blick:
Sieht man etwas genauer hin so fallen ein paar Details auf, etwa die WIRKLICH RIEßIGE Abtropftasse die vermutlich den gesamten Tankinhalt aufnehmen kann, perfekt!
Ebenso auffällig die LM typische Brühgruppe, leider hier (noch) ohne Paddle dafür mit einer "chicen" Plastikabdeckung. Darunter findet sich eine Entlüftungsschraube für die gesättigte Brühgruppe, diese muss bei der 1. Befüllung geöffnet werden um die Gruppe zu fluten.
Ebenfalls auffällig die Dampf u. Heißwasserentnahmelanzen, im Internet ist nicht eindeutig zu ersehen wie diese tatsächlich geschwenkt werden können, tatsächlich sind sie in alle Richtungen dreh/schwenkbar, ich war tatsächlich überrascht darüber. Das ganze fühlt sich etwas merkwürdig an, genauer gesagt sehr filigran aber die Erklärung liefert ein Blick ins Innere, dazu aber später.
Auffällig an der Maschine sind auch die Seitenteile auf denen das LM Logo prunkt aber noch wichtiger, links unten klebt auch noch das WBC Logo (WICHTIG!).
3.) Die inneren Werte:
Wie sieht es eigentlich in einer solche Maschine aus fragt ihr euch, nun, ZIEMLICH VOLLGERÄUMT! Ich hab mich fast erschrocken als die Hüllen gefallen sind, die beiden Kessel liegen horizontal in der Maschine und zwar über die gesamte Breite, beeindruckend! Zwischen den Kesseln liegt, gut versteckt, die Rotationspumpe, der Motor selbst ist kaum zu sehen. Auffällig sind die soliden Spiralkabel die sich wie Nervenstränge über die gesamte linke Seite verteilen. Mein erster Gedanke war: "blos nie zerlegen müssen ..." jedoch relativierte sich dieser gedanke als ich hörte dass man anscheinend alle Verkleidungsteile einfach abnehmen kann und dann alles frei zugänglich ist. Das Gestell ist zurückhaltend und versperrt den Zugang nicht wirklich. Die Verkleidungsteile sind massiv und anscheinend vibrationsgedämmt, eine Kesselisolierung konnte ich nicht sehen, war aber auch schwer da es sehr eng ist.
Die verbauten Komponenten sind massiv und entsprechen den Gastronomiestandards, das Dampfventil wird über einen "Joystick" bedient.
Nun kommen wir zu den zuvor angesprochenen Dampf u. Heißwasserlanzen, von innen betrachtet sieht man deren technische Ausführung, es handelt sich um s.G. "NoBurn" oder auch "CoolTouch" Lanzen die sich daduch auszeichnen dass sie beim Bezug kalt bzw. erträglich lauwarm bleiben, erreicht wird dies hier indem die herkömmlichen Kupferleitungen zu den Lanzen durch Teflonschläuche ersetzt wurden die bis zur Lanzenspitze durchgezogen werden, dadurch bekommt das Metall keinen direkten Kontakt zum heißen Wasser/Dampf und bleibt so recht lange kühl.
Hier liegt auch der "Nachteil" und der Grund warum die Lanzen so filigran wirken, nachdem es keine starren Leitungen gibt und der Teflonschlauch durchgängig sein muss gibt es auch am Übergang von Gehäuse zu Lanze keine Verschraubung. Die Lanzen sind oben in einer "Kapsel" mit einer Feder gelagert, der Teflonschlauch muss frei beweglich sein und braucht etwas spielraum, beim bewegen der Lanzen spürt man die Feder die die Lanze quasi in Posiion hält deutlich und ebenso den leicht "schwammigen" Gegendruck des Teflonschlauches. Insgesamt ist die Konstruktion aber solider als sie aussieht, es wirkt einfach sehr ungewohnt da die meisten von uns massive Kugelventile gewohnt sein werden.
Ein weiterer Nachteil liegt in der Dampfqualität, mir erscheint der Dampf etwas zu feucht, jedenfalls zu Beginn da sich offensichtlich schneller und mehr Kondenswasser sammelt als bei herkömmlichen Lanzen. Die massive Dampfpower gleicht das allerdings wieder aus, man muss aber immer brav abdampfen vor dem Schäumen, sonst wirds wässrig.
3 Besonderheiten gibt es noch:
Der Wassertank liegt unter der Maschine, um ran zu kommen muss die Tropftasse runter und dann kann der Tank nach vorn rausgezogen werden. Nachteil, der Schlauch zum Tank ist fest montiert und somit kann der Tank nur mit etwas Fummelei wirklich komplett entfernt werden, hier muss man etwas modifizieren!
Dann ist da noch die Festwasseroption, dazu muss (jedenfalls wenn man keine Mods machen will) der Tank entfernt werden.
Und die 3. Besonderheit ist ein Expansionsventil für die Brühgruppe, ich habe die genaue Funktion noch nicht 100%ig verstanden aber anscheinend "muss" die Brühgruppe beim aufheizen kurzzeitig unter SEHR hohen Druck gesetzt werden, um den Durckaufbau zu kontrollieren gibt es dieses Ventil, es sollte bei 12 Bar auslösen, jedenfalls hat man es mir so erklärt.
4.) Die Programmierung
Es gibt generell 2. Programmiermodi, einmal den "Hauptmodus" den erreicht man bei ausgeschaltener Maschine und dann den "Basismodus" den erreicht man bei laufender Maschine, jeweils über langes Drücken der "FN" bzw. Endlosbezug-Taste (beides auf einer Taste). Welche Einstellungen wo und wie genau zu machen sind wäre jetzt zu umfangreich, im große und ganzen gibt es ein paar wesentliche Dinge die eingestellt werden können:
Ein/Auschalttimer
Bezugstimer (Zeigt beim Bezug die Zeit in Sek. an)
FW option (wg. Tankfüllstandskontrolle u. Kesselfüllung vermutlich)
Dampfkesseltemp. und Abweichung
Kaffeekesseltemp. und Abweichung
(die Abweichung ist die Differenztemp. zwischen Kesseltemp. u. tatsächlicher Temperatur am Auslauf). Diese Einstellung ist vorallem dann interessant wenn die Maschine in über/untertemperierten Räumen betrieben wird wo die Abweichung zwischen Kesseltemp u. Brühtemp durch die Außentemp stark beeinflusst wird. Die Einstellung beeinflusst die Anzeige der Brühtemp. am Display, diese errechnet sich immer aus der eingestellten bzw. aktuellen Kesseltemp +/- der Abweichungstemp.
Preinfusion u. Dauer für alle Kaffeevarianten
Volumetrische dosierung
Energiesparmodus
PID Verhalten u. Toleranz
usw.
Von der Vielfalt der Einstellmöglichkeiten und dem mageren, englischen Handbuch erstmal mit gemischten Gefühlen im Regen stehengelassen konnte ich mir nach einigem hin und her probieren doch noch einen Reim auf die wichtigsten Funktionen machen und es gelang auch dann im Teamarbeit die Programmierung entsprechend abzuschließen. Negativ dabei aufgefallen sind die Tasten, einerseits ist der Druckpunkt zwar deutlich hör/spürbar jedoch hat die Tastatur nicht immer auf die Tastendrücke reagiert. Schlimmer als das aber die Doppelbelegung d. Tasten, besonders der Ausschalter liegt als 2. Funktion am Heißwasserschalter was nicht nur einmal zu einer kleinen Sauerei geführt hat. Um Abzuschalten muss man also FN+Heißwasser drücken. Nun gut, da die Maschine aber eine integrierte Zeitschaltuhr hat und man sie ohnehin nicht abschalten will ist diese Problematik von eher geringem Belang.
Die Gesamte Programmierung ist etwas holprig, ein paar Funktionen sind einfach kompliziert zu verstehen und oder bedienen aber das macht man ja nur einmal, sogesehen nicht so dramatisch, vielleicht bessert LM hier auch noch nach.
Ein paar nette Features gibt es natürlich auch, z.B. kann man den Maschinennamen eingeben oder die Servicetelefonnummer etc. auch eine Wasserfilterwarnung gibt es, hier wird vermutlich ein Liter-Wert eingestellt (Filterkapazität) und nach Ablauf erscheint eine Warnung, recht praktisch wenn man kein Flowmeter am Filter hat oder der Filter schwer zugänglich ist.
5.) Die Kaffeezubereitung
Hier gibt es nun eigentlich, wider erwarten wenig zu sagen, die Maschine arbeitet sauber und erwartungsgemäß leise. Eine gewisse „Gnadenlosigkeit“ kann man Ihr durchaus nachsagen, Tamperfehler werden nicht verziehen, der Bodenlose Siebträger gibt eindeutiges Feedback also hier ist Vorsicht geboten!
Die Preinfusionsunktion haben wir deaktiviert, die Ergebnisse waren nach einigen Versuchen akzeptabel, die Menge war wg. der enormen Cremabildung (durch den Bodenlosen Siebträger) schwer einzuschätzen. Die klare Stärke der Maschine wurde deutlich als es um die Temperatur ging, die Temperatur schwankte minimal während unseren Tests, wenn überhaupt um 0,5°C, die Anzeige ist dabei sehr schnell und auf 0,1° genau.
Interessant und der eigentliche Grund für so eine Maschine waren dann die Tests mit unterschiedlichen Temperatureinstellungen, hier wurde deutlich wie nahe Hui und Pfui beieinander liegt. Schon 1° differenz war hier teilweise deutlich schmeckbar. Zum Verkosten kamen Röstungen (Cup of Excelence) von Walter zum Einsatz, hier lies sich das Verhalten von Temperatur und Aromen wunderbar nachvollziehen.
Zu beachten ist auch bei dieser Maschine dass die Brühgruppe vor dem Bezug geflusht werden sollte, weniger um abzukühlen sondern um sie zu wärmen, trotz der gesättigten Gruppe neigt sie eher dazu etwas abzukühlen insbesonders wenn der ST nicht ordentlich warm ist.
Fortsetung folgt ...


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren



Lesezeichen