La Pavoni Europiccola für Einsteiger
Bin nun seit einigen Wochen in Besitz einer La Pavoni Europiccola Lusso und möchte allen Pavoni-Einsteigern oder -Interessierten einen kurzen Überlick meiner ersten Erfahrungen geben. Hab hier im Forum sehr viel gelernt, aus verschiedensten Quellen Infos geholt und viel experimentiert. Vielleicht kann meine kleine Zusammenfassung ja weitere Hilfe für Neueinsteiger sein.
Anschaffung: Habe meine Pavoni bei ebay gekauft. Das Gerät war unbenutzt, aber nicht neu. Sprich: keine Garantie etc. Dafür habe ich sie in einem absoluten Neuzustand für 299 Euro per Sofort-Kauf bekommen. Ebay ist voll von Europiccolas und die Preise schwanken auch bei Neugeräten enorm.
Erste Schritte: Kurz nachdem ich die Pavoni gekauft hatte (sie war noch per Post unterwegs), habe ich mir im Supermarkt eine Packung fair gehandelten gemahlenen Espresso gekauft. Wollte, bevor ich mir eine Mühle anschaffen, erst mal mit gemahlenem Pulver loslegen. Ich habe dann aber immer öfter hier im Forum gelesen, dass ohne Mühle nix geht. In meinem Übermut habe ich mir eine Braun Aroma Select Mühle für knapp 50 Euro gekauft. Das gemahlene Espresso Pulver steht von daher heute immer noch verschlossen in meinem Regal.
Die Aroma Select hat für meine Verhältnisse erst mal ganz gut gemahlen. Hab mir eine Dose illy gekauft und recht schnell ganz leckeren Espresso hinbekommen. Die obligatorischen 25-30 Sekunden fürs Durchlaufen inklusive. Hab kurze Zeit später die Mühle etwas getunt und eigentlich hätte ich zufrieden sein können. Allerdings war der sich statisch aufladende Behälter der Mühle der Horror. Ich verkürze das Ganze: Habe mir eine neue Mühle gekauft, die direkt in den Siebträger mahlt. Mein Budget lag bei ca. 150 Euro. Hab im Forum immer wieder von der Demoka gelesen. Allerdings haben mich die Infos, dass die Demoka angeblich ziemlich rumsaut, abgeschreckt. Wollte in jedem Fall eine "saubere" Mühle haben. Bin daher auf die Isomac Macininio gestoßen, die ich für 150 Euro inkl. Versand gekauft habe. Ich bin sehr zufrieden damit, auch wenn manch einer mir vielleicht von dem Kauf abgeraten hätte, weil man sie nicht stufenlos verstellen kann und sie ein konisches Mahlwerk hat. An alle Neulinge allerdings der Appell: Finger weg von Extrem-Billigmühlen und fertig gemahlenem Kaffee.
Beim Ausloten des Mahlgrades hatte ich allerdings zunächst das Problem, dass das Mehl zu fein war und ich deshalb den Hebel der Pavoni kein Stück bewegen konnte. Das führt dazu, dass man den Siebträger von der Brühgruppe lösen muss, während er unter Druck steht und mit heißem Wasser gefüllt ist. Mein Tipp: Schürze anziehen und eine Schüssel unter den Siebträger stellen und dann vorsichtig lösen. Sauerei gibts trotzdem, aber es hält sich noch in Grenzen.
Vorurteile: Ich habe zu Anfang hier im Forum gelesen, dass es nicht gerade einfach sein soll, mit der Pavoni umzugehen. Den Eindruck kann man anfangs in der Tat bekommen, weil es so aussieht, als wäre das Ganze sehr kompliziert. Ich denke aber, ganz so schlimm ist es nicht. Der Druckaufbau mit dem Handhebel ist doch der einzige Unterschied zu einer kleinen "gewöhnlichen" Espressomaschine. Und den Hebel zu betätigen ist zwar kräftemäßig vielleicht nicht ganz leicht, aber simpel ist es. Viel schwieriger ist es, die Mühle richtig einzustellen und den richtigen Tamperdruck zu finden. Und diese Probleme hat man, egal ob Handhebel oder nicht. Ansonsten ist die Maschine sehr sehr einfach zu bedienen - und ich sage das als jemand, der technisch gesehen zwei linke Hände hat. Ein weiteres Vorurteil ist, dass die Maschine angeblich sehr lange braucht, bis sie startklar ist. Ich weiß nicht, wie lange z.B. eine Gaggia Baby oder eine Saeco Aroma braucht - die Pavoni ist nach knapp 5 Minuten bereit. Beim Aufheizen den Siebträger mit rein, einen kleinen Leerbezug und schon kanns losgehen.
Nachteil: Den einzigen großen Nachteil den ich sehe ist der, dass die Pavoni, wenn man mehrere Gäste hat, die eine Espresso oder Cappuccino haben wollen, schnell ins Schwitzen kommt. Sie hält die Temperatur halt nicht sehr gut und nach 3 Espressi ist erst mal Schluss, denn dann wirds zu heiß und bitter. Der Trick mit dem kalten Wasser für die Brühgruppe ist nicht schlecht. Man bekommt dann noch einen, maximal zwei gute Espressi hin, aber ein längeres Päuschen ist besser.
Meiner Meinung nach sind die ersten beiden Espressi am brauchbarsten - einen Leerbezug vorausgesetzt.
Milch aufschäumen: Das war mein schwierigstes Kapitel bisher. Hab mir aus irgendwelchen Gründen anfangs sehr schwer damit getan und hatte aus lauter Frust sogar 2mal den "Cappuccinatore" im Einsatz. Dabei ist die Sache nicht so schwer, wie es zunächst scheint. Wichtig ist, beim Aufdrehen des Druckventils nciht zu zaghaft zu sein. Ich denke, dass war mein anfängliches Problem. Die Pavoni hat ordentlich Puste - man muss sie nur rauslassen. Also: volles Rohr aufdrehen! Äußerst hilfreich ist für mich auch das Thermometer beim Aufschäumen. Der Tipp, die Hand an den Becher zu legen und mit Schäumen aufzuhören, wenns zu heiß wird, hat bei mir dazu geführt, dass die Milch immer ne ganze Ecke unter den 60-65 Grad war. Das meine Hände kein gutes Maß sind merke ich immer, wenn ich sie in anderer Leute Spülwasser halte. Mit Thermometer klappts jetzt prima und ich wage mich langsam an Latte Art.
Zubehör: Ich habe mir relativ schnell das nötigste Zubehör angeschafft. Habe erst mal einen neuen Tamper gekauft, dann zwei Cappuccino Tassen von Caffé Diemme (150 ml), illy Espressotassen hatte ich noch, dann ein Glas zum checken der Crema und zu guter letzt noch einen Abschlagkasten, eine Tampermatte und das Thermometer. Beim Durchmesser des Tampers hatte ich ein kleines Problem. Der erste, denn ich bestellt hatte, war zu groß. Der zweite war fast o.k. (48 mm glaube ich), aber hat dazu geführt, dass am Rand immer noch etwas Pulver stehen blieb. Habe mir daher für der art-Tamper einen Edelstahl-Aufsatz drehen lassen, der 1,5 mm im Durchmesser größer ist. Jetzt stimmts und die Oberfläche ist perfekt.
Zu Wartung und Pflege kann ich nicht viel sagen. Ich hab die Maschine bisher weder auseinander gebaut, noch habe ich sie entkalkt oder ähnliches. Ich gehe mit Lappen und Reinigungspinsel zur Sache und das klappt bisher ganz gut. Außerdem nehme ich kein Wasser aus der Leitung, sondern stilles aus der Flasche. Von daher vermute ich, dass ich mit Kalk erst mal keine Probleme bekommen werde.
Fazit: Ich bin nach knapp eineinhalb Monaten immer noch sehr zufrieden mit der Pavoni und habe sehr viel Spaß damit. Ich denke, dass sich meiner Ergebnisse damit nicht verstecken müssen und kann die Maschine wirklich empfehlen. Man braucht denke ich nicht viel mehr Zeit um mit der Maschine umgehen zu können, als mit anderen - vorausgesetzt man bringt ein bisschen Begeisterung und Interesse mit.
::: Isomac Venus ::: 2 x Isomac Macinino Prof. Inox :::
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