Hallo,
Mein Name ist Markus, ich bin 22, neu hier und studiere an der LMU in München. In den wenigen Tagen, die ich hier im Board rumgeklickt habe, konnte ich einige ganz fantastische Geschichten (wie z. B. wolfrats Microcimbaliblog), Tipps und Beiträge (wie Annas Erklärung im Silviacremathread) lesen und irgendwie kam ich auf die Idee, meine noch ungeschriebene Geschichte mit dem Kaffee hier live zu dokumentieren. Wenn's niemanden interessiert ist nichts außer ein wenig Zeit verloren. Also macht euch doch mal einen Kaffee, setzt euch her und hört mir zu, wenn ihr mögt.
In aller Kürze die Vorgeschichte: Mein Vater ist vor ca. 10 Jahren nach Italien gezogen. Ich denke, einige hier kennen das... bei meinen vielen, vielen Besuchen hab ich die italienische Küche lieben gelernt. Als essenziellen Teil davon natürlich auch den Kaffee. Ich sage nicht Espresso, denn das hat dort auch keiner gesagt. Als ich daheim war, hab ich mir eine dieser berühmten Mokabomben mit Lavazza Crema e Gusto Dolce geladen und mich wie der König der Welt unter Schülern gefühlt. Mein eigener Kaffee. Echter Kaffee. Selber aus Italien mitgebracht. Von wegen...
Dann hab ich mir diese Inotec Siebträgermaschine beim Aldi gekauft und mit den Überbleibseln meines Crema e Gusto Dolce bestückt. Und wieder dachte ich, ich hätt's raus und wär der König unter Studenten! Denn jetzt ist da schließlich Crema drauf! Das muss echter Kaffee sein! Mit echter Crema! Von wegen...
Jedes mal, wenn ich zu meinem Vater gefahren bin, er dort irgendwelche geheimen Feinschmeckermischungen durch die Faema Mühle gejagt und in der Cimbali Junior bereitet hat, hat's bitter geschmeckt. Nicht der Kaffee, nein. Wirklich nicht der Kaffee, der war irre gut. Sondern die Einsicht, dass ich noch einen langen Weg zur Bohne vor mir hatte. Dann saß ich in der Sonne, hab geschlürft und Pläne geschmiedet.
Letzte Woche, als mein Pseudocappucino in meiner studentischen Bude mal wieder besonders fad geschmeckt hat, hab ich beschlossen den Weg auf mich zu nehmen, in der Hoffnung irgendwann mal da anzukommen, wo ihr hier alle seid. Das ist besonders gemein, wenn man am Anfang schon weiß, wie's am Ende ist, weil ich ja viel bei meinem Vater war.
Der wohnt mittlerweile wieder in Deutschland, ist/war Ingenieur und wird die nächsten Wochen über von mir mit Elektrobuchtschnäppchen überhäuft werden, deren Reparabilität zu beurteilen haben und schließlich den Schraubschlüssel in die Hand nehmen müssen. Das ist schonmal ein riesiger Vorteil, den ich da auf meiner Seite hab. Und irgendwo schön ist das ja auch.
Und hier geht's los. Erstmal hab ich eine La San Marco SM90A Mühle aus der Bucht ersteigert. 150€ hab ich bezahlt. Am Montag hol ich sie ab. Ich bin schon ganz aufgeregt. Seinen Worten nach ist das der größte Sprung. Ich hab da noch so meine Zweifel, denn hinterher stampfe ich das gute Zeug ja dann doch nur in die blöde Inotec Rattermaschine und schau, was passiert..
Irgendwas neues, heizendes, ratterndes, wohinein man die Siebträger klemmt muss also auch noch her. Und bezahlbar muss es sein. Vielleicht wird's ja auch einen Hebel haben und nicht rattern. Das weiß ich noch nicht so genau.
Meinen ersten totalen Rückschlag hab ich jedenfalls auch schon hinter mir. Ihr mögt mich ja auslachen aber für einen Laien sah dieses Gerät hier einer dieser wunderbaren Isomac mit Faema E61 Maschinen fast gleich:
Vielleicht könnt ihr meine Verwechslung hier mit etwas Gnade ja nachempfinden...
Inseriert war sie als Espressomaschine. Das ist okay. Nur leider ist's keine. Mein Vater hat mich schallend ausgelacht. Die Maschine hat keine Druckpumpe und die Siebträger bieten Platz für knapp ein halbes Pfund Kaffee. Und ich habe den Verdacht, man muss den Kaffee grobschrotig oder in ganzen Bohnen einfüllen, damit er nicht durch das Sieb fällt. Allem Anschein nach ist das Vorhaben dieser Maschine, den Kaffee ganz enfach mit 0,9atü Druck zu brauen, die direkt aus dem Kessel kommen. Schnell wurde uns klar, dass da niemals wirklicher Kaffee rauskommen wird. Ein gutes Pfund Kalk war auch drin. Ein paar Kabel baumeln ziellos umher und Schrauben klimpern. Das war wohl einer der allerersten Gehversuche der lieben Leute von WMF. 150€ die Spüle runter. Aber einen wirklich guten Kaffee aus seiner Faema hab ich bekommen, als ich die WMF abgeholt hab. Der wohl teuerste Kaffee, den ich je getrunken haben werde.
Jetzt wollen wir doch mal sehen, wie die Mühle aussieht. Und dann suchen wir einen neuen Siebträgerträger.
Grüße,
Markus.


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