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  1. #1
    bohnenschorsch ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    Hallo liebes Kaffee-Netz

    … wobei ich statt einem einfachen „Hallo“ fast geneigt bin zu sagen: Willkommen zu meinem neuesten Projekt an der Grenze zwischen harmloser Zeitverschwendung und bedenklicher Eigenbrötlerei. Diesmal sollte aus einem Gastro-Zweikreiser (der übrigens super funktioniert und keinen Anlass zur Klage gibt) ein Dualboiler werden. Nach ursprünglichem Plan müsste dazu reichlich gefräst, gesägt, geschweißt, gelötet, Metall geschmolzen und gegossen werden, als bewährte Ausrüstung vorgesehen war wie immer der Koffer mit den Qualitäts-Werkzeug-Sortiment von „Connys Container“, und am Ende hätte ich dann wahrscheinlich eine kaputte Espressomaschine, die einstmals super funktionierte und keinen Anlass zur Klage gab. Glücklicherweise habe ich vor dem ersten irreversiblen cut doch noch die rettende Idee gehabt, die Maschine ist heil und funktioniert jetzt ohne großen finanziellen wie zeitlichen Aufwand tatsächlich wie ein waschechter PID-gesteuerter Twin-Boiler. Der Einstieg in die Königsklasse zum gerade-noch-so-Studenten-Tarif! Na ja, von Anfang an:

    Alles fing an mit einer herrenlosenSpaziale Professionale S, einem Zweikreiser, der schon im Urzustand sehr nach Twinboiler riecht. Dies begründet sich in der etwas merkwürdigen Sonderkonstruktion aus einem Dampfboiler und einem davon weitgehend getrennten Brühboiler, der über eine Dampfbrücke beheizt wird. Damit man sich das Prinzip so ungefähr vorstellen kann, habe ich mal ein Bildchen gemalt:




    Der ursprünglich Plan war, die Dampfbrücke zu kappen und die hintere Hälfte des Brühboilers einfach aus dem Teileregal für die Spaziale Vivaldi (die ist ja schon „Dual“) zu ersetzen. Für einen halben Boiler, die Heizung, den Temperaturfühler und einen passenden PID dürfte man irgendwas zwischen geschätzt 300 und 600 Euronen berappen – falls man die Teile überhaupt einzeln bekommt. Und wenn die beiden Boilerhälften dann doch nicht zusammenpassen, hat man alles in den Sand gesetzt. Weitere Konzepte wurden bebrütet und gewälzt; die verwegenste Idee war, die Einstülpung des Brühboilers (in der sonst Heizdampf zirkuliert) mit Gießzinn auszugießen, in das flüssige Zinn ein oder zwei Lötkolbenspitzen (als Heizung) und einen Thermofühler zu stecken und das ganze im ausgekühlten Zustand über einen digitalen Zweipunktregler zu steuern. Kostenpunkt zusammen unter 100.- Euro – dafür kann man mal ein Experiment riskieren.



    Natürlich hätte ich dafür aber ebenfalls den Dampfboiler schwer verstümmeln müssen, und es wäre auch beinahe so weit gekommen, wenn ich nicht nach ausgiebiger Suche auf so genannte „Düsenheizbänder“ gestoßen wäre. Diese sind in allen möglichen Dimensionen und Leistungsgrößen erhältlich, können als Heizelement einfach um einen Boiler gewickelt werden und kosten im Fachhandel gerade mal so um 50.- Euro – bingo! Damit der Leser den Begriff „Düsenheizband“ visualisieren kann, auch hierzu das passende Bild:



    Es ist einfach eine Spannschelle aus Messing mit Heizdrähten drin. Man darf allerdings nicht zu heftig biegen und es muss am Ende schön stramm sitzen, sonst wird die Wärme nicht abgeleitet und es brennt durch. Auf meinen Boiler passte 75x30mm mit 450 Watt Heizleistung. Im Bild ist sie bereits montiert, dahinter wird in direkter Nachbarschaft der (nicht zu sehende) Thermofühler durch einen (gut zu sehenden) filzgewickelten Kabelbinder an die Boilerwand gepresst. Als Fühler habe ich ein K-Element von Conrad genommen, der digitale Regler kam vom preiswerten und bereits erprobten „msr-vertrieb“ via ebay. Die Temperatur habe ich schon vor dem Umbau an verschiedenen Stellen ausgiebig gemessen und bin zu folgenden Ergebnissen gekommen: Als Zweikreiser war die Stabilität nahezu bilderbuchhaft. Einmal aufgeheizt, schwankte die Temperatur am Messpunkt (Boilerwand) innerhalb eines Pressostatzyklus („25s heizen und 2min55 Pause) um gerade mal plusminus 0,3 Grad. Wer hätte gedacht, dass eine geschickt konstruierte Uralt-Technik so exakte Temperaturverläufe produziert. Ließ man die Maschine stehen, so kämpfte sich dieser Zyklus Stunde um Stunde um insgesamt maximal 2 Grad nach oben – es gab also auch nach stundenlangen Standzeiten kein arges Überhitzen und keinen Grund zum Leerbezug. Durch Entnahme eines Espresso fiel die Temperatur um 3 Grad (oder um 10 für einen Kaffee), die Regeneration dauerte etwa 5-10 Minuten. Temperaturmessungen direkt am Auslauf des Siebträgers waren weniger eindeutig, brachten aber zumindest interpretierbare Werte: Weder bei Espressobezug (1ml/s) noch bei Kaffeebezug (5ml/s) fällt die Brühtemperatur. Erst bei reinem Leerbezug (12ml/s) sinkt sie nach der Entnahme von ca. 120ml auf unter 90 Grad am Auslauf (Höchsttemperatur hier: 91,6 Grad). Leider ließen sich keine Brühtemperaturen unter echten 94 Grad realisieren, da dafür der Dampfboiler zu stark heizte. Hauptgrund für den Umbau war also nicht eine „Verbesserung“ des Temperaturverhaltens, sondern die Stromfresserei des kaum benötigten Dampfboilers, den ich jetzt endlich nach Herzenslust abschalten kann, sowie die (für Robusta) etwas zu hohe Minimaltemperatur.

    Nach dem Umbau und ersten Gehversuchen mit dem PID, für die ich hervorragende Tips aus dem Board bekam (danke!!!), sieht es so aus:
    - Vollständig Durchheizen dauert jetzt 30 Minuten statt 2 Stunden, dank der Brühkopfnahen Heizung.
    - die Temperatur am Boiler ist nach fünf Minuten auf Soll und hat nur minimale Überschwinger von plusminus 1 Grad.
    - Nach Kaffeeentnahme Abfall um 7 Grad, Refresh in gerade mal 2 Minuten. Top!
    - Stromverbrauch mit abgeschaltetem Dampfboiler halbiert sich – yeah!

    Wer´s nachmachen will: Ab und an findet man sogar eine zweigruppige Spaziale in der Bucht, die niemand haben will. Die könnte man dann mit zwei Heizbändern und zwei PIDs für zwei verschiedene Bohnensorten gleichzeitig ausrüsten. Alles in allem habe ich für Maschine, Rota, PID, Heizband und Kleinkram gut 400.- Euro ausgegeben – Dank übrigens nochmal für die kompetente und freundschaftliche Board-Hilfe, die ich bekommen habe. Wenn mich wieder der Bastelfips packt, werde ich die ganze Maschine mal überholen, entkalken und neu verkabeln – das habe ich bis jetzt immer wieder aufgeschoben. Oder ich baue die manuelle Präinfusion für Tankmaschinen von Gunnar nach. Jetzt muss ich aber erst mal eine Weile mit meinem neuen Spielzeug knuddeln!

    Viele Grüße
    Georg

    Damit das gleich klar ist: Dein Espresso ist besser als meiner !

  2. #2
    the-hq ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    kinnlade -> tisch

    soll heissen: respekt und gratulation

    p.s.: ich find die zeichnungen drollig (positiv gemeint)
    Gruß,
    Peter

  3. #3
    Fritzz ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    auch: RESPEKT!

    und: was es alles gibt (Düsenheizbänder) und auf was für Ideen die Leute kommen - einfach phantastisch!
    Daniel Düsentrieb wäre vor Neid erblasst.
    Ganz anders Karl Kojote: er motzt, weil er das nicht in seinem ACME-Katalog hat.

    "Fritzz"

  4. #4
    altersack ist offline Neuer Benutzer
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    Daumen hoch AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    Kann dir nur absoluten Respekt zollen, unglaublich was geht.
    Was machst du als nächstes? Ein Fusionsbetiebenes Modell oder so, alles andere wäre ja wohl keine Herausforderung mehr oder ???
    Gruß und Gratulation aus dem sonnigen Mannheim
    Früher La Pavoni Europiccola, Heute Brasilia Mini Classic
    Iberital Challenge

    Forscher haben herausgefunden zuviel Kaffee macht gleichgültig, ist mir aber egal !

  5. #5
    the-hq ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    im nächsten umbau beheizt er den kessel dann mit alten brennstäben aus dem nächstgelegenen atomkraftwerk
    Gruß,
    Peter

  6. #6
    mr.klee ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    respekt! sehr kreativ und klingt gut.

    aber es tut mir leid, ich habe überlegt und überlegt und ich verstehe es nicht. du hast doch im prinzip nur eine zweite heizung eingebaut, wieso sinkt dadurch der stromverbrauch? oder regelst du den dampfboiler über presso und den brühboiler über pid? aber wie machst du es dann, dass der presso nicht schaltet, also wie deaktivierst du den dampfkessel?

    auf jeden fall sehr beneidenswert, ich überlege grade, ob das auch bei einem geschraubten hx möglich wäre, wenn man diesen aus dem kessel herausverlagert und das entstehende loch verschließt.

    viele grüße!
    nico
    gaggia coffee / fiorenzato t80 / vitalgrill röster

    ex: pavoni epl / bezzera b3000al / dallacorte mini / bezzera minibar / rancilio silvia / quickmill omre / demoka 203 / mazzer super jolly

  7. #7
    bohnenschorsch ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    Hallo und vielen Dank für die Komplimente!

    Was machst du als nächstes?
    Das, was alle machen, die eine Temperaturverstellung haben: Meine Lieblingskaffees bei verschiedenen Brühtemperaturen probieren. Wie weiter oben schon erwähnt, hat es mir auch die schaltbare Präinfusion von Gunnar sehr angetan.
    im nächsten umbau beheizt er den kessel dann mit alten brennstäben aus dem nächstgelegenen atomkraftwerk
    Kleiner Scherz am Rande: Zur Zeit wäre es wohl billiger (und einfacher), den Kessel mit alten Dollarscheinen oder Wertpapieren zu beheizen.
    wieso sinkt dadurch der stromverbrauch?
    Weil der Dampfboiler jetzt abschaltbar ist. Nicht über den Presso; der schaltet ganz normal weiter. Ich habe einfach die Leitung zu den Heizstäben gekappt. So bleiben die elektrischen Funktionen wie Füllstandskontrolle erhalten. Vorher hat die Maschine etwa 220 Watt gezogen plus 500wh für´s Aufheizen. Dampf und Brühwasser waren gleichzeitig verfügbar. Jetzt zieht die Maschine im Einkreiser-Modus 110 Watt plus 110wh fürs Aufheizen. Schalte ich den Dampfboiler zu, muss ich fünf Minuten warten, was 200wh kostet – dann kann ich Schäumen. Um auf meinen alten Stromverbrauch zu kommen, müsste ich den Dampfboiler fünf Mal am Tag einschalten. Ich schäume aber nicht fünf Mal am Tag, sondern vielleicht 10 Mal im Jahr. Natürlich hätte es auch ein Einkreiser mit PID getan, aber ein bisschen Spleen gehört halt dazu…

    Es ist, bei einem Verbrauch von 110 Watt pro Brühgruppe, kein Problem, sich eine dreigruppige in die Küche zu stellen – solange man sie im Einkreismodus betreibt. Dampf kostet halt extra.

    Viele Grüße
    Georg
    Damit das gleich klar ist: Dein Espresso ist besser als meiner !

  8. #8
    S.Bresseau ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    hi Georg,

    Seh' ich das richtig: Du hast die Wärmetausch-Verbindung vom Dampf- zum Heißwassserkessel so gelassen wie sie war? Und jetzt hast Du quasi drei Betriebsmodi, je nachdem welchen Heizkreislauf Du einschaltest?

    - wie bisher als Zweikreiser, nur über den Dampfkessel
    - als PID-geregelter Einkreiser ohne Dampf, nur über die neuen Heizbänder
    - als Dualboiler, mit allem und scharf

    sehr, sehr cool.

    Viele Grüße

    Stefan

  9. #9
    the-hq ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    Zitat Zitat von bohnenschorsch Beitrag anzeigen
    Kleiner Scherz am Rande: Zur Zeit wäre es wohl billiger (und einfacher), den Kessel mit alten Dollarscheinen oder Wertpapieren zu beheizen.
    Ach, bei der Endlagerproblematik und den Kosten dafür sind die doch froh wenn ein paar Espressofanatiker ihre Maschinen freiwillig damit heizen - gibts geschenkt
    Gruß,
    Peter

  10. #10
    mr.klee ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: I did it: Umbau Zweikreiser auf Dualboiler

    Zitat Zitat von bohnenschorsch Beitrag anzeigen
    Weil der Dampfboiler jetzt abschaltbar ist. Nicht über den Presso; der schaltet ganz normal weiter. Ich habe einfach die Leitung zu den Heizstäben gekappt. So bleiben die elektrischen Funktionen wie Füllstandskontrolle erhalten.
    ok. und wie schaltest du den dampfkessel zu? hast du einen schalter eingebaut? das düsenheizband sitzt doch am brühkessel, oder? und wo sitzt der pid? sorry, aber ich stehe grade etwas auf dem schlauch..
    gaggia coffee / fiorenzato t80 / vitalgrill röster

    ex: pavoni epl / bezzera b3000al / dallacorte mini / bezzera minibar / rancilio silvia / quickmill omre / demoka 203 / mazzer super jolly

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