Carimali UNO E, gebraucht gekauft bei ebay.

Edit 12.1.2005: Bild getauscht gg. Original-Bild meiner Maschine, hochgeladen bei KaffeeWiki
Vorgeschichte: In geistiger Umnachtung bei ebay gekauft. Bei dem günstigen Sofortkaufen-Preis und der Aussage "sofort einsatzbereit" zuckte mein Mauszeiger irgendwie auf den Button....Beim Abholen dann erst mal leichte Ernüchterung. Der Lack hatte an der Seite, die dem Raum (und damit der scheuerwütigen Putzfrau) zugewandt war, erheblich gelitten, teilweise fehlte er ganz. Außerdem war die Maschine nicht angeschlossen, ein Testen nicht möglich (dass man einfach einen Wassereimer dazu nehmen kann, wußte ich nicht, und der Verkäufer ebenfalls nicht). Freundlicherweise wurde in den Kaufvertrag dann der Passus aufgenommen, dass wir uns über den Kaufpreis nochmals unterhalten, wenn nix geht. Zum Glück kam es nicht so weit. Als ich sie daheim hatte, hab ich erst mal geputzt, geputzt und....äh....ja richtig....geputzt!
Die Maschine ist zumindest in den letzten 5 Jahren weder rückgespült noch in irgendeiner Form unter ihrem Blechkleid gereinigt worden. Deshalb war die vordere Hälfte mit einer millimeterdicken Schicht "Karamell" verkrustet, die ich mit Schaber, Kaffeefettlöser, Spüli und Ata berabeitet habe. Nach 3 Tagen Putzen hatte ich erst mal die Schn.... voll und machte mich dran, die Edelstahlbleche an der Front zu schleifen und zu polieren, denn die sahen erst aus... 4 Tage später hatte ich's gründlich satt, hab den ganzen Müllhaufen in die Heizung verbannt und die nächsten 3 Monate nicht mehr angesehen.
Die guten Ergebnisse mit Ralf's Brasilia auf dem Umsonst & Draußen Festival haben mir dann doch noch einen Motivationsschub verpasst. Also hab ich mich aufgerafft, den ganzen Müll aus der Heizung gezerrt und unter Todesverachtung in 2 Tagen zum Laufen gebracht. Ein neues Pumpenmanomenter und die obligatorische Siebträgerdichtung hatte ich schon in der ersten Phase bei espressoxxl bestellt. Die Pumpe war natürlich festgegangen, aber freundliches Zureden mit der großen Zange hat geholfen. Der Brühkopf (vorher ein einziges "Karamell"-Desaster) kam gereinigt wieder an seinen Platz. Ersatz für die abgegriffenen Frontschalter gab's im Elektronik-Laden.
Das erste Hochheizen verfolgte ich mit Spannung hinter (!) der Stahltür der Heizung (man weiss ja nie). Anschließend wurde der Pumpendruck und die Temperatur korregiert. Schließlich wollte ich sie erst mal am externen Wassertank betreiben. Eingestellt hab ich 9 bar bzw 0.9 - 1.1 bar. Das war vor ca 2 Monaten. Inzwischen hat sie sich bei 8.5 bar eingependelt, den Kesseldruck hab ich für den letzten Kaff mal um 0.1 bar angehoben.
Ich habe keine Ahnung, wie alt die Maschine ist, der mitgegebene Everpure-Filter war von 1996 (!). Ich bin aber sicher, dass die Maschine älter ist und anno 96 wahrscheinlich überholt wurde (Pumpe und Pressostat sehen recht neu aus). Auf dem Typenschild haben die Herren Italiener freundlicherweise darauf verzichtet, eine Jahresangabe überhaupt vorzusehen.
Äußeres:
Eingruppige Gastromaschine mit Edelstahlfront und lackierten Seitenteilen aus Aluminium. Extrem klein für eine Maschine mit 3,5l-Boiler: BxHxT -> 26 x 42 x 50 cm, damit sogar noch schmaler als eine Brasilia America. Der Lack an den Seitenteilen ist nach mehreren Stunden Schleif- und Polierarbeit wieder halbwegs ansehnlich, ausgebrochene Stellen einigermaßen mit einem Lackstift geflickt. Ginge bestimmt besser, aber jetzt soll das Ding erst mal Kaffee machen. Die Dampfdüse ist unten schon ein bisschen angegriffen, das Messing schimmert durch. Funktioniert aber bestens.
Inneres:
- 3,5l-Boiler
- 1600W Heizung
- Rotationspumpe (eingebaut)
- Dosierautomatik
- Festwasser (z.Zt. am externen Tank)
- Ziemlich schwergewichtiger Brühkopf (der sogenannte Profi-Brühkopf der Silvia ist eine leichte Lachnummer dagegen)
Wie zu erwarten, alles massiv mit viel Kupfer und Messing. Die Dosierautomatik muss in der Maschine an der "Blackbox" verstellt werden, mit einfach von außen umprogrammieren ist da nix. Zum Glück muss man da nicht jeden Tag ran.
Besonderheiten:
Wie schon erwähnt, sind die Seitenteile aus Aluminium. Billiger als Edelstahl dürfte das nicht wirklich sein.
Der Brühkopf wird entgegen der Werksangabe nicht thermosyphonisch beheizt, sondern über zwei relativ kleine Kupferplatten, die am Kessel angeschweisst sind. Das funktioniert extrem effektiv. 5 Minuten nach dem Hochheizen (dauert übrigens etwa 15 min) ist der Brühkopf heiss genug für den ersten Schuss. Andererseits sind die Bleche klein genug, dass auf dem Weg zum Brühkopf (und durch den Brühkopf selbst) genug Wärme verlorengeht, so dass der Brühkopf nicht überhitzt.
Der Brühkopf selbst ist, wie schon gesagt, sehr massiv und besteht (lässt man mal die Schrauben für die Dusche und die Dichtungen außer acht) aus grade mal 3 (!) Teilen: Brühkopf, Messingdusche und Verschlussschraube für die "Vorkammer" im hinteren Teil des Kopfes. Einfacher geht's nun wirklich nicht mehr.
Sehr beeindruckend ist die Temperaturkonstanz der Maschine. Auch nach 2stündiger Standzeit ist der Brühkopf nicht überhitzt, nicht einmal das Wasser im Wärmetauscher kocht. Wie die Jungs von Carimali das gelöst haben, wüsste ich gerne mal.
Dampf und Heisswasser erhält man über Kippschalter, d.h. man kann während des Aufschäumens nicht die Hand vom Dampfschalter nehmen. Dazu mehr unter Aufschäumen.
Espresso:
Erschreckend! Und zwar erschreckend gut! Frl. Silvia hat keine Chance, ob mit oder ohne PID. Der Silvia-Espresso ist einfach wässriger. Ich nutze für beide das Marzocco-Sieb, von daher sind die Unterschiede sicher nicht Sieb-bedingt.
Aufschäumen:
4-Loch-Düse mit jeder Menge Power, für einen Single zuviel
. Deshalb hab ich erst mal 2 Löcher mit Zahnstocherspitzen zugemacht. So ist es kein Problem, feinsten Mikroschaum zu produzieren...mit einer 0,25l-Mini-Kanne
Allerdings kann man während des Aufschäumens nicht die Hand vom Dampfhebel nehmen, dann würde er ja zurückschnalzen. So bleibt keine Hand mehr frei, um am Kännchen die Temperatur zu fühlen.
Probleme:
Ab und zu rumort sie rülpserartig bei Pumpenbetätigung und schaltet dann von selbst die Pumpe ab. Ein paar Gläser Wasser später geht's dann wieder. Ich vermute, es lösen sich noch irgendwelche Altrückstände, da ich die Maschine nicht vollständig zerlegt hatte. Vielleicht irgendwann mal...
Der Tank darf nicht leer werden. Da die Maschine für Festwasseranschluss konzipiert wurde, fehlt eine Pumpenabschaltung bei zu niedrigem Wasserstand. Die Pumpe kann also überhitzen und kaputtgehen. Mal gucken, ob ich (bzw der Elektriker) da mal was bastel.
Die enorme Abwärme heizt meinen ganzen Hängeschrank mit. Schön für das Geschirr, wenn's Essen warmbleiben muss, weniger schön für Lebensmittel und meinen Rumbestand. Naja, müssen die Martinique-Rums eben umziehen...vielleicht doch irgendwann mal ne Kesselisolierung?
Fazit:
Eine extrem kompakte Gastromaschine, die man (wg Kesselbefüllung durch Pumpe) auch am Tank betreiben kann und die einen höllischen Espresso macht. Auch als Single möchte ich sie keinesfalls wieder hergeben, obwohl ich nur einen Frühstückscappu und abends noch mal einen Cappu oder Espresso trinke. In Anbetracht des Ergebnisses ist der Aufwand m.E. voll gerechtfertigt. Dazu gehören auch die Stromkosten; dass ein extremes Hobby nun mal Geld verschlingt, wissen wir alle. Und im Vergleich zu den Paraglidern oder Modelleisenbahnern ist man mit den paar Euro für Kaffee und Strom sogar richtig billig dran
Die Anschaffungskosten (um jetzt mal die ECM-Nutzer zu schocken) beliefen sich auf 140 Euro Kaufpreis + 60 Euro Benzingeld fürs Abholen + 30 Euro Ersatzteile. Die Arbeitszeit natürlich nicht mitgerechnet :laugh: Damit wäre sie die optimale noch leistbare Hartz IV HighEnd Espressomaschine. Wenn ich dann fürs Putzen noch einen Euro die Stunde kriegen würde...
LG
Marcus
Geändert von Stefan (13.08.2007 um 00:01 Uhr)
Seit Jahren die erste Dallacorte Mini EX4 -> also Vorsicht, subjektiv
Gehabt und wieder los: Marzocco GS3, PID-Silvia, Carimali UNO E, Bezzera 99 (brühdruckgetunt), Hebelchen-Pavoni
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