Hallo,
ich habe mir letzte Woche die oben genannte Maschine zugelegt und möchte meine ersten Erfahrungen mal zum Besten geben, da ich vor dem Kauf die eine oder andere Frage gepostet hatte.
- Rocket Cellini Professional (Festwasser, Rota-Pumpe)
- ECM Casa
- Brita Purity C50 (reicht in München mit Carbonhärte 15 für ca. 400l Wasser)
Nachdem ich mich aufgrund des leidigen Wasserauffüllens bei meiner bisherigen Maschine und der Pumpe, die mir einen EXTREM robusteren Eindruck macht, für das Festwassermodell entschied, haben wir die Maschine nun doch auf der anderen Seite der Küche stehen, wo sie besser hinpasst. Ich musste daher 3m Flexschlauch (3 mal 1m) zusammenschrauben, um den anderen Standort zu erreichen. War aber kein Problem, nur etwas Gefrickel.
Nach dem Anschließen und einigem Durchlaufenlassen sowie einigen Test-Cappuccini bin ich schonmal sehr zufrieden. Ich habe die Grundeinstellungen (Kesseldruck, Pumpendruck) erstmal so gelassen, um mir für später vielleicht noch das eine oder andere Erfolgserlebnis aufzusparen.
- Kaffesorte: Fausto Monaco (100% Arabica)
- Pumpendruck: 10,5-11 bar (angezeigt am Manometer)
- Kesseldruck im Moment des Einschaltens der Heizung: gut 0,8 bar
- Kesseldruck im Moment des Ausschaltens der Heizung: 1,0 bar
Ich finde, dass das Thermostat durchaus ein bisschen feiner regeln könnte und es klackt auch recht hörbar. Zudem faucht und klackert die Maschine - vor allem nach dem Einschalten - doch recht deutlich, was ich aber eigentlich ganz schön finde. Kling irgendwie auch (technisch gesehen) sehr vertrauenserweckend, robust und "professionell". Zudem mag ich, dass mich die Maschine hin und wieder mit einem Klicken oder leisen Zischen daran erinnert, doch mal wieder einen Espresso zu trinken.
Die Maschine steht durch ihr hohes Gewicht, aber auch durch die soliden Gummifüße sehr solide, auch beim schwungvollen Einsetzen des Siebträgers, der übrigens auch ca. 1 Pfund wiegt.
Ich habe eine billige Zeitschaltuhr aus dem Baumarkt vorgeschaltet und 20 Minuten Aufheizen reichen aus, einen guten Espresso zu produzieren. Nach ca. 30 Minuten ist die gesamte Maschine warm und auch die Tassen sind einigermaßen erwärmt. Da ich aber sowieso immer einen recht üppigen Leerbezug in die Tasse(n) laufen lasse, ist die Temperatur der Tassen für mich nicht so wichtig. Nach ca. 45 min ist die Maschine auch außen richtig heiß.
Der Dampfbezug ist trotz des eher kleinen Boilers von 1,8l und des relativ niedrig eingestellten Drucks ordentlich und reicht immer locker für 2 mal eine größere Menge Milch. Da der Boiler auch sehr schnell wieder aufheizt, sind auch mehr Kannen kein Problem. Wie es damit aussieht, dass man über kürzere Zeit immer weiter Cappus herstellt (z.B. 15+ bei einer Party), kann ich noch nicht beurteilen - aber im Zweifel muss man sich halt etwas Zeit lassen - es ist halt keine Gastro-Maschine.
Was mir allerdings auffällt - und das hatte ich leider auch bei meiner alten Quickmill 835 - ist, dass das Konzept "7 Gramm im Einersieb und 14 Gramm im Zweiersieb - ansonsten alles gleich" nicht so ohne Weiteres funktioniert. Bei gleichem Mahlgrad und exakter 7g bzw. 14g Menge ist die Durchlaufgeschwindigkeit doch arg unterschiedlich. Das Dopplesieb läuft, auch bei VIEL stärkerem Andrücken - schneller durch als das Einersieb. Dies bedeutet, dass ich für das Wechseln des Einer- und des Zweiersiebs immer den Mahlgrad anpassen muss. Mich würde mal interesieren, wie das bei euch ist (Maschinen-unabhängig). Habt ihr immer exakt das gleiche Ergebnis bei einer und zwei Tassen?
Der Frischwasser-Leitungsdruck beträgt bei mir übrigens knapp 5 bar (!), obwohl ich im ersten Stock wohne. Ich kann durch das Halb-Umlegen des Hebels den Druck super nutzen, um eine Pre-Infusion von ca. 3-5 Sekunden zu machen, bevor ich dann die Pumpe durch das Ganz-Umlegen des Hebels "zuschalte". Auch wenn ich beispielsweise den abgenommenen Siebträger etwas mit heißem Wasser abspülen möchte ist der Leitungsdruck ohne Pumpendruck optimal - es "plätschert" dann einfach aus dem Duschsieb heraus.
Noch eine Bemerkung zu der Rota-Pumpe: Ein sehr wichtigster Punkt meiner (langfristig orientierten) Kaufentscheidung war der Vergleich der beiden Pumpenarten. Nicht nur von der Funktionsweise her, sondern auch von der Bauart und Form, wenn man in die Maschinen reinschaut. Verglichen mit der V-Pumpe der "normalen" Cellini ist diese Pumpe wirklich ein Monster. Es sieht so aus, als würde sie den ganzen Raum, der durch den fehlenden Tank entsteht, einnehmen. Das Ding sieht aus wie der Kompressormotor meines Ami-Kühlschranks. Gefällt mir...
Der jetzt eingestellte Druck (und damit die bisher von mir noch nicht gemessene Brühtemperatur) dürften mit durchschnittlich 0,9 bar am unteren Ende des Spektrums liegen. Die Dampfleistung ist aber ok und ich habe daher beschlossen, mich eher von unten an das Optimum anzunähern, weil ich auch eher feinere Kaffemischungen bevorzuge, die ja (zumindest theoretisch) tendenziell niedrigere Temperaturen benötigen (korrigiert mich). Ich möchte aber erstmal Mahlgrad und Tampern stabilisieren, bevor ich dann mit dem Kesseldruck hochgehe und evtl. den Pumpendruck variiere. Grundsätzlich ist das Ergebnis, wie oben erwähnt, jedoch schon jetzt sehr gut, weswegen ich mir keine Sorgen mache, mit dem (zukünftigen) Optimum in einem sehr guten Bereich zu landen. Viel macht sicherlich auch die schön frische und leckere Fausto Mischung aus, die ich mir besorgt habe.
Die Installation des Wasserfilters war übrigens recht einfach, man muss nur einen Platz haben, an dem man das Ding anbringt (normalerweise im Spülen-Unterschrank). Man kann durch den Verschnitt (ein Bypass mischt gefiltertes Wasser mit ungefiltertem) den Härtegrad einstellen. Ich habe es ETWAS höher eingestellt (dürfte vielleicht 8-9° Karbonhärte sein), um nicht "Gefahr zu laufen", zu weiches Wasser zu erhalten. Die Maschine dürfte so zwei Jahre (zwei 50er Kartuschen) vor der ersten Entkalkung durchhalten, vielleicht mache ich es aber auch schon früher. Ich habe mir noch einen Flow-Meter von Brita zwischengeschaltet, an dem man tatsächlich ablesen kann, wieviel Liter Wasser genau durchgalaufen sind - und dadurch, wann der Filter gewechselt werden sollte (und wieviel Espresso man sich dann schon wieder in den Kopf geschüttet hat).
Die Mühle arbeitet gut und unauffällig. Sie hat keinen Timer. Um auch unerfahreneren Nutzern eine einigermaßen zuverlässige Standardisierung der Pulvermenge zu ermöglichen, hat Harald Faust mir noch einen Tipp gegeben. Er erzählte mir von Foto-Belichtungstimern mit Einstellmöglichkeiten mit einer Genauigkeit von 1/10 Sekunde. Diesen zwischen Mühle und Steckdose geschaltet wirkt dann halt wie eine Dosierungsfunktion in der Mühle. Die Dinger soll es hin und wieder auf eb.. geben.
Falls ihr noch Fragen zu meinen Erfahrungen mit der Maschine habt - gerne.
Gruß
Roland
Ergänzungen:
1. Ich habe das 9mm Loch in der Tropfschale nicht an den Abfluss angeschlossen, sondern mit einem Gummistopfen verschlossen. (Suche auf eba.. "Gummistopfen 9mm 11mm")
2. Die Bedienung der Drehgriffe (Ventile) fühlt sich zuerst etwas komisch an, wenn man es nicht gewohnt ist. Sie schließen nicht wie ein Wasserhahn "am Ende", sondern viel früher, so dass man sie gar nicht ganz zudreht (bzw. zudrehen muss). Es wird vom Hersteller beschrieben, dass dies Profi-Technik ist, weil man die Hähne nicht mehr durch zu starkes Anziehen kaputt bzw. undicht machen kann. Es fühlt sich aber zumindest anders an, wenn Dampf bzw. Heißwasser "mitten drin" erst nach einer ganzen Umdrehung angehen. Ich hab mich aber schnell dran gewöhnt und jetzt ist es super.


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