Unterwegs mit Achilles
Hallo allerseits,
nachdem ich so oft von euren Maschinenbesprechungen profitieren konnte, wage ich mich auch mal auf die Bühne:
Unterwegs mit Achilles.
Vorbemerkung: es gibt ja hier einige Boardies, die den häufig schwierigen Weg von der Pavoni Handhebel zu den technisch aufgemotzteren Varianten genommen haben.
Da ich mich mit meinem DB + PID mitunter etwas zu langweilen beginne, dachte ich: her mit einem Handhebel.
Für unterwegs halt - Büro und Reise.
Nach einem mißglückten Ausflug mit der Microcimbali habe ich mich von der Gaggia Achille betören lassen.
Hier die ersten Eindrücke:
Die Optik:
Licht und Schatten. Klar ist ein Handhebler immer ein Hingucker.
Aber das Wasserreservoir mit Kunststoffhäubchen drauf ist ästhetisch schon gewagt. Die Griffe mit der kugeligen Anmutung machen unruhig, obwohl das praktisch ist. Dito für die wellige Abdeckung des Körpers.
Die Technik:
Überzeugend. Die Achille ist m.W. der einzige Zweikreiser unter den Handheblern. Vorteile: temperaturstabil, immer frisches Wasser zum Brühen, gut Dampf.
Nachteil: Leerbezug erforderlich, aber das kennen wir ja, macht in Praxis kein Problem. Es muss nur schnell gehen zwischen Leerbezug und Bezug: 20 secs.
Da auf Federdruck (wie bei der Mikrocimbali) verzichtet wurde, kein einheitlicher Druck, aber die Möglichkeit, richtig was für die Fitness zu tun
.
Der ST ist nicht so eine leichte Angelegenheit wie bei Pavoni und Co., sondern ein richtig schwerer ernsthafter 58er Geselle, in den die schönen Tamper für die E61er passen.
Der Dampf ist ordentlich. Dem Panarello an der Dampflanze kann durch das Umwickeln mit 10 cm Teflonband der Zahn (d.h. das kleine Loch zum Ansaugen von Luft) gezogen werden (danke für den Tipp an homebarista, funktioniert gut!). Das Plastikteil am Ende des Panarello habe ich auch gleich rausgeworfen, damit keine Bakterienkolonie entsteht.
Nach Bezug kein Überdruck auf dem Siebträger, so dass Küche tapezieren und streichen (wie von anderen Handheblern berichtet) entfällt.
Brühkopf und Gehäuse sind isoliert, so dass Verbrennungsgefahr nur an der Dampflanze besteht.
Die Zubereitung:
Jetzt verstehe ich, warum es immer heißt, Handhebler verzeihen keine Fehler.
Ist der Mahlgrad zu grob, rauscht das Wasser durch und es schmeckt einfach nur schlimm. Ist er zu fein, passiert gar nichts. Auch wenn man sich zu zweit an den Handhebel hängt.
Tampen gewinnt eine ganz neue Bedeutung. Nicht schief, nicht zu stark, nicht zu schwach. Ich bin von 15 KG Anpressdruck jetzt auf die Hälfte runter gegangen.
Und wehe es ist zu viel Kaffeemehl im ST. Dann passiert auch nichts. Derzeit fülle ich den ST so, dass im Einer das Mehl getampt genau am Übergang zu den senkrechten Wänden aufhört.
Die Präinfusion klappt gut, der Hebel darf aber nicht zu weit runter gedrückt werden.
Beim Bezug kommen die bestn Ergebnisse, wenn sich der Hebel mit Schmackes gerade noch runter drücken lässt. Die 20-25 KG Druck aus dem thread bei home-barista scheinen mir zu wenig. Gegenhalten am ST-Griff ist absolut erforderlich.
Dass die Kiste sich dabei verformt, wie in einem anderen Thread erwähnt, kann ich mir gut vorstellen. Aber: ohne Fleiß kein Preis, heißt es doch....
Das Ergebnis:
ich war positiv überrascht. Sobald der Mahlgrad halbwegs stimmte, bekam ich befriedigende bis gute Bezüge. 25 ml, stets haselnussbraune Crema, die jedoch nicht so standfest ist wie aus dem DB.
Aber der Geschmack hat mich wirklich überzeugt. Er ist anders. Der Caffè hat weniger Körper, ist leichter, hat aber viel mehr Nuancen (insbesondere Fruchtaromen!) als meine alten Ein- und Zweikreiser.
Fazit:
Für unterwegs das Mittel der Wahl.
Mit dem Gewicht von rund 10 kg sowie kleiner Mühle von 4 Kg noch transportabel, ohne danach gleich zur Krankengymnastik zu müssen.
Bin gespannt auf Eure Kommentare, bzw. dankbar für Hinweise zum Verfeinern der Bezüge.
Saluti
Gianni
Vibiemme Domobar DB mit PID +Cimbali Max Automatic;
Rancilio Silvia + MCI Eureka;
Zassenhaus Mokka und diverse Maschinen und Mühlen in Pflege;
LM-Einer, LM-Tamper
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