Seit heute bin ich stolzer Nutzer einer Siebträger-Espressomaschine. Und ich fühle mich gut. Warum das so ist, und welche Maschine ich nutze, wird erst am Schluss verraten. Vielleicht ist mein Weg, über den ich zu dieser Maschine gekommen bin, ja auch eine Hilfe für andere, die sich zur Zeit mit dem Thema auseinandersetzen.
1. Akt - Anfixen
Ich war bei einem Bekannten. Der sagte zu mir: Probier mal meinen Espresso. Ich probierte und bekam die ganze darauffolgende Nacht den Geschmack nicht mehr von der Zunge. Es war phantastisch.
Der Bekannte besitzt eine BFC Ela, hatte wohl die richtige Bohne und alles sorgfältig zubereitet. Für mich eine Offenbarung.
Das wollte ich auch.
Zu dem Zeitpunkt war ich noch Besitzer eines Vollautomaten, der mittlerweile in der Bucht versenkt wurde.
Jetzt konnte alles nur besser werden.
Mein Lastenheft: Toller Kaffee, für mich ohne allzu große Wissenschaft zu betreiben zuzubereiten, gut reproduzierbare Ergebnisse, Milchschaum zweitrangig.
2. Akt - Informieren
Erst macht das ja noch Spaß -- Mein Weg war der folgende: Zunächst war ich der Meinung, ein Einkreiser mit kleinem Boiler wäre perfekt. Klein, schick, nicht zu teuer. Die Milch würde ich wie bisher mit dem Zauberstab im Topf aufschäumen. Dazu, natürlich, eine gute Mühle.
Nachdem ich dann etwa 1000 beiträge zu dem Thema gelesen hatte, dachte ich, na, vielleicht doch lieber gleich den Zweikreiser, weil, der Unterschied ist ja nicht so groß und bla bla....
(Inzwischen kannte ich alle am Markt verfügbaren Geräte mit Vornamen.)
Leider wuchs mit meiner Recherche auch der Wunsch, den perfekten Espresso erzeugen zu müssen.
Dann dauert es natürlich nicht lange und man ist bei den Dualboilern gelandet. Außerdem liest man allerhand Wissenwertes über den "Godshot", der natürlich nur mit der perfekten Maschine zu erreichen ist. Ganz zu schweigen von Temperatursurfern, Tunern und, und, und...
Wenn ich abends einschlief, drehte sich in meinem Kopf alles um Rotationspumpen, Festwasseranschlüsse, PIDs, in kleinen Kupferpfannen, einzeln mit dem Feuerzeug gerösteten Bohnen einer Kooperative aus Malawi......(Entschuldigung, ich übertreibe).
3. Akt - Die Erkenntnis
Mir wurde das alles zu viel. Dazu kam, das meine Frau nicht gerade von der Aussicht begeistert war, die Hälfte unserer Küchenarbeitsfläche für eine gastronomietaugliche Maschine mit adäquater Mühle und Sudschublade und Tamperplatte und Tamperstation und und und herzugeben....
Da ich mich mittlerweile aber auf akutem Kaffeemaschinenentzug befand, mußte eine Lösung her. Da stieß ich auf die Quickmill 3035.
Mit Thermoblock, (igitt)
mit integrierter Mühle (igittigitt)
und eingebautem Tamper (igittigittigitt).
Bei einem Händler hab ich einen Espresso aus eben dieser Maschine probiert. Er war ziemlich gut. (Nicht so gut, wie der vom gleichen Händler dargebotene Espresso aus einem E61-Derivat, aber annährend. Und das, obwohl der Händler sagte, der Mahlgrad des Espressos wäre auf die E61-Maschine abgestimmt. (Das gleiche Mehl hatte er für beide Maschinen verwandt).
Das läßt Raum für Verbesserungen, dachte ich mir. Wozu liest du denn schließlich seit drei Monaten jeden Thread im Kaffee-Netz? Die Maschine wurde gekauft.
4. Akt - Der Bezug
Nun, seit heute steht die Maschine bei mir. Recht hübsch anzuschauen, aber halt keine Mini-Gastroausgabe, also absolut ungeeignet, Eindruck zu schinden. Na ja, wenigstens meiner Frau gefällt sie...
Los gehts: Ausgepackt, gesäubert, Espresso gemahlen, Siebträger eingehängt, Bezug.....10 Minuten Küche geputzt.
2. Versuch: Espresso gemahlen, Siebträger eingehängt, Bezug....10 Minuten Küche geputzt.
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Hätte ich doch gleich eine Waage genommen. Ich hatte ca. 15 Gramm Kaffee im Einersieb, der Siebträger rastete nicht richtig ein, weil er halt zu voll war und alles flog mir um die Ohren.
Die Versuche 3-25 verursachten deutlich weniger Sauerei. Im Gegenteil. Es gelang ganz hervorragend, den richtigen Mahlgrad zu finden. (Die Mühle hat große Mahlscheiben und ist in 48 Stufen verstellbar) und irgendwann kam dann auch tatsächlich ein (für die ersten Versuche) toll schmeckender Espresso mit dicker, fester, nußbrauner Crema heraus.
Das was ich bis jetzt irgendwo mal getrunken hatte, habe ich jedenfalls nicht besser in Erinnerung.
Das Beste: Das Ergebnis war für mich auch in größeren Zeitabständen absolut reproduzierbar.
Fazit
Die Quickmill ist für mich eine super Maschine, um ohne riesigen Maschinenpark und stundenlange Vorbereitung ein absolut zufriedenstellendes (jedenfalls für viele) und vor allem leicht reproduzierbares Ergebnis hinzubekommen.
Für mich, nach langer, gedanklicher Odyssee, die perfekte Maschine.
Einfach, kein Schnickschnack, sehr gut verarbeitet, tolles Ergebnis.
Ach ja: Ich habe Omcafe und Berlina-Wasser benutzt.
Noch etwas: Milch aufschäumen gelang mir sofort und ohne Übung mit der Thermoblock Dampflanze, obwohl das ja angeblich mit dieser Maschine nicht so gut geht. Vielleicht hatte ich ja nur Glück oder auch nur Milch von wirklich glücklichen Kühen...
Epilog
Ich freue mich, die Maschine in nächster Zeit besser kennen zu lernen und auszureizen. Wahrscheinlich kann man mit großen Maschinen noch bessere Ergebnisse hinbekommen.
Ich denke auch, je länger man guten Espresso trinkt, desto mehr sensibilisiert man den eigenen Gaumen und entdeckt Geschmacksnuancen, die der Anfänger noch nicht bemerkt. Alles eine Frage des Lernens.
Vielleicht reift dann auch der Wunsch, mit aufwändigem Equipment über alles erhabene Ergebnisse erzielen zu wollen.
Bis dahin stellt sich aber, zumindest mir, die Frage:
100% Aufwand für 100% Ergebnis oder 50% Aufwand bei 98% Ergebnis?


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