...hätte nie gedacht daß ich mal so viel Spass mit Kaffeemaschinen haben werde: Der Espresso ist mir ja fast egal, aber die technischen Spielchen die man damit treiben kann – grandios!
Aber von Anfang an:
Seit nun einem halben Jahr etwa bin ich stolzer und zufriedener Besitzer einer Izzo Alex Duetto. Mit Dualboiler, Rota, PID und Festwasseranschluss ist das Ding technisch ziemlich State of the Art, für schlappe 1800,- Doppelmark kann man so amtliche Kaffeegetränke zubereiten und sich dabei eines nicht unerheblichen Komforts und Dampfmaschinistenfeelings erfreuen.
Nun begab es sich, daß eine Gaggia Classic ins Haus kam, ursprünglich nur als Geschenk für meine Eltern geplant. Um ihnen – Espressozubereitungsritualen wie Temperatursurfen etc. nicht sonderlich zugeneigt – dennoch die unverlangte Espressofreude zu bereiten, wurde die Gaggia flugs mit dem Auber-PID ausgestattet, hinzu kam eine sündhaft teure Messing-Duschplatte und das obligate Silvia-Dampfrohr. Ich gebe es zu, eigentlich wollte ich nur was zum basteln haben. So hatte ich nun mein fast unbegrenztes Bastelglück für zusammen nur ca. 500,- € (Maschine plus Tuningteile).
Jetzt produziert die Gaggia einen ziemlich schmackhaften Espresso. Fast zu schmackhaft, wenn einem der Anschaffungspreis der Izzo noch im Hinterkopf rumschwirrt. Klar, die Izzo ist viel komfortabeler und macht sehr auf solide, aber die gepimpte Gaggia (ich meine hier ausdrücklich nicht die Gaggia in der normalen Serienversion) braucht sich in Sachen Funktionalität kaum hinten anstellen. Was bekomme ich also – vom Ergebnis her betrachtet, technisch gesehen – für das viele Geld der Izzo?
Gemeinhin wird Temperaturstabilität als eines der wesentlichen Qualitätsmerkmale höherwertiger Espressomaschinen angesehen. Man wünscht sich, während des Bezugs, eine möglichst hohe definierte Druck- und Temperaturkonstanz. Wie sieht es damit bei der Izzo aus, und - vor allem – bei der Gaggia? Immerhin ist da der teure Messingklunker verbaut (kostet nur schlappe 50,- €, den nächsten drehe ich mir selbst...). Ausser der so ermöglichten Rückspülbarkeit mit Kaffeefettlöser möchte man ja auch dank Masse (270g zu 70g der Orginal-Aluplatte) mehr Temperaturkonstanz. Es müssen also Temperaturmessungen her, und zwar solche, die was taugen. Mich interessiert die Temperatur im Puck, mittendrin, während des Espressobezugs. Für einen Doppio. Mit richtig gemahlenem Kaffee. In einem richtigen Sieb. In einem richtigen Siebträger. In der richtigen Menge (50 ml) bei der richtigen Dauer (ca. 25 Sekunden).
Das Messequipment:
In diesem Thread
Thermometer
fand ich einen Hinweis auf das VA18B Multimeter inklusive Datenkabel und Temperaturfühler (K-Typ), erhältlich für 41,- € Netto bei der Fa. ELV.
Digital-Multimeter VA18B mit PC-Link | ELV-Elektronik
Die Bestellung und Lieferung klappten problemlos. Das Gerät ist zwar kein Fluke, macht aber, gemessen am Preis, einen recht soliden Eindruck. Geliefert wird es mit einer einfachen PC-Software, die die Aufzeichnung von Messdaten in bis hin zu 1/2-Sekunden-Intervallen über das mitgelieferte USB-Adapterkabel ermöglicht (Die Daten können dann als Excel-Tabelle abgespeichert werden). Nach nur einer halben Stunde rumprobieren und der Erkenntnis, daß der Adapter mit wirklich herzhaftem Druck an das Messgerät angesteckt werden muss, funktionierte das auch. Zuvor musste ich allerdings das Messgerät kurz öffnen, um die Infrarotdiode für die Datenübertragung ordentlich in ihre Fassung zu bugsieren...
Den Temperatursensor (eine kaum einen Millimeter grosse Perle an zwei sehr filligran aussehenden Drähtchen) montierte ich in ein ganz normales 14g-Sieb. Hierzu wurde in den Siebboden in der Nähe des Randes ein 3mm Loch gebohrt und das Sensorkabel durchgesteckt (die Kabelisolierung und der Schrumpfschlauch der Sensor-Lötstelle müssen durch das Loch passen). Vor und hinter das Siebblech kam ein strammer Kabelbinder ans Kabel, um für eine Zugentlastung zu sorgen. Im Sieb wurde das Kabel so positioniert, daß der Sensor ca. 5 mm über dem Siebboden hängt.
Die Kabeldurchführung habe ich zunächst mit Heisskleber abgedichtet. Eine ganz dumme Idee, denn der Schmelzpunkt des Klebers liegt wohl doch zu nahe an der Brühtemperatur, jedenfalls bescherte mir diese Idee beim ersten Messversuch ein Monster-Channeling, bei dem in wenigen Sekunden ca. ein Drittel des Siebinhalts rauspfiff (9 Bar und 90 Grad sind eben nicht zu verachten).
Besserung brachte die Verwendung von normalem Epoxydharz, doch auch dieses hielt nur wenige Versuche. Schliesslich kratzte ich alles wieder runter, entfette sämtliche Klebestellen und dichtete die Kabeldurchführung mit Uhu-Plus Endfest 300. Bis jetzt hält es... Wichtig ist, daß die Durchführung wirklich komplett dicht ist, damit die normale Durchlaufmenge und Zeit eingehalten werden kann.
Zunächst hatte ich auch die Sensorperle mit einer dünnen Schicht Heisskleber isolieren wollen (der Hersteller schreibt, daß der Sensor nicht für Flüssigkeiten geeignet sei). Die Messungen in kochendem Wasser zeigten jedoch, daß der Kleber für eine sehr verzögerte Temperaturerfassung sorgt, glücklicherweise löste er sich sowieso schnell wieder ab. Danach habe ich mit 'nackter' Sensorperle gemessen, bisher funktioniert das prima.
Die Messung:
Das Sieb wurde ganz normal in einen bodenlosen Siebträger eingelegt (bodenlos, damit die Anschlusskabel durchgeführt werden können) und mit 14g befüllt und getampert. Dann das übliche Einspannen und Tasse drunter. Messgerät einschalten, am Notebook die Aufzeichnung starten, Bezug starten, auf die Uhr schauen. Nach 25 Sekunden den Bezug stoppen, Aufzeichnung stoppen, Espressomenge wiegen um sich zu vergewissern, daß ein korrekter Doppio bezogen wurde. Das ganze drei mal in der Gaggia mit Messingduschplatte und noch drei mal mit der Aluduschplatte. Da meine Bohnenvorräte zwischenzeitlich bedenklich zur Neige gingen, wurde die Izzo nur zwei mal gemessen, einmal nur mit dem Brühboiler und einmal mit dem dazugeschaltetem zusätzlichen Dampfboiler. Beide Maschinen wurden am PID auf 92 °C Bezugstemperatur eingestellt, bei der Gaggia hatte ich dazu in einigen Versuchen zuvor den korrekten Setoff-Wert (Differenz zwischen gemessener Kesseltemperatur und Bezugstemperatur) ermittelt.
Die Ergebnisse:
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