Rancilio Classe 6 S 1 Compact:
B 46 cm (inkl. "Armlehnen" / 36 cm ohne) x H 49 cm x T 49 cm
Boiler: 3.8 l, Heizung: 2.000 W, Festwasser, Rotationspumpe
(Anmerkung: Die Armlehnen bleiben dran! 1. erweitern sie sehr angenehm
den Arbeitsbereich und 2. sehen sie in natura viel besser aus als auf den Fotos!
Am Anfang allen Schaffens steht der Wunsch. Eine Vision. Eine Idee. So auch in meinem speziellen Fall. Und schrittweise verwandelte sich mein Wunsch nach einer neuen Espressomaschine in ein Konzept.
Ich wünschte mir eine große Maschine. Groß genug für eine bequeme Bedienung und mit großen Elementen für meine großen Hände. Groß genug für einen aufgeräumten Innenaufbau, um sie bequem selbst warten und reparieren zu können. Solide Technik mit stabilen Komponenten und dicken Rohren. Das brachte mich zu den Gastromaschinen.
Und der Wunsch nach überschaubarer Technik und einem guten Ruf für solide, langlebige Qualität führte mich zu Rancilio. Es sollte aber auch eine Maschine sein, die sich trotz ihrer Größe an Maßstäben der Vernunft orientiert: kein zu großer Boiler, kein zu hoher Stromverbrauch und leicht genug, um sie alleine bewegen zu können. Z.B. um sie zu einem Event mitzunehmen. Und da ich lieber auf Sicht beziehe, wollte ich keine elektronische Dosierung. Das brachte mich zu der Epoca ST 1, die allerdings nur ein kurzes Zwischenspiel bei mir hatte.
Der Wunsch nach einer "hübschen" Maschine lenkte meinen Blick auf die Modelle der Serie Classe 6 auf der amerikanischen Seite der Rancilio-Website. Dort fand ich mit Hilfe meines Freundes Scott Zardoz, dem ich an dieser Stelle sehr herzlich für sein Engagement danke, die S 1 Compact mit Rotationspumpe – allerdings mit 110 Volt und nur für den US-amerikanischen Markt verfügbar. Ich fragte Karl-Heinz Kindermann (Geschäftsleitung Rancilio Deutschland) und Johan Bimmel (Vertriebschef Rancilio International), ob es möglich ist, dieses Modell mit einer 220 V-Ausstattung zu bekommen.
Die beiden ließen sich überreden (hätte ich fast übertölpeln gesagt?!?), mir die gewünschte Maschine zu bauen und damit einen Praxistest in Europa zu versuchen. Abgewickelt wurde die Übergabe über die Rancilio-Vertretung Thomas Lüdtke in Gettorf bei Kiel, der mir auch schon die Epoca geliefert hatte, und der sich selbst bei dieser günstigen Gelegenheit das Modell als DE-Version, also mit elektronischer Dosierung und programmierbarer Temperatursteuerung, bestellte. (Anmerkung: wie Scottie immer wieder betont, ist das Thema "Zweikreiser" noch längst nicht ausgereizt. Da tut sich gerade einiges - es muss also nicht unbedingt ein Dualboiler sein!)
Meine Kaffee-Ecke:
So kömmt es, dass ich nun stolzer und weltweit einziger Besitzer dieses Modells in 220 V-Ausführung bin. Wie hat der Philosoph ganz richtig nach Jahrenden härtester Denkarbeit als universelle Weisheit erkannt? "Die dümmsten Bauern und ihre Kartoffeln …" Und offensichtlich gefällt Johan Bimmel diese Ausführung so gut, dass er nun nach meiner Anschub-Initiative sogar bereit ist, die Modelle der Classe 6 Compact als Sonderbestellung zu liefern. Für das reguläre Lieferprogramm sind sie allerdings nach wie vor nicht vorgesehen.
Und ein Blick in das Innere der Maschine beweist, was ich bereits an anderer Stelle gesagt habe: Technisch ist die Maschine identisch mit der Epoca! (Wie im Übrigen auch das beigelegte Handbuch der Epoca belegt.) Auch die Epoca ist eine erstklassige Maschine, die ich sicher jahrelang behalten hätte, wenn ich nicht durch Glück und Zufall an die Classe 6 geraten wäre. Und immerhin ist die Classe 6 um einiges teurer als die Epoca!
Ich liebe solche Details!
... und solche: saubequemer Gummitaster mit eingebauter Bezugs-LED!
Da ich die Maschine in meiner Küche schlecht an die Wasserleitung anschließen kann, griff ich Uwes (Cafésolo) Idee auf und besorgte mir eine Cerealienbox von Lock & Lock mit 3.4 l Inhalt. Thomas Lüdtke lieferte die Maschine persönlich aus und brachte das nötige Installationszubehör mit (die John Guest Steckverbinder sind wirklich genial!). Nach der Montage und kurzer Einstellung des Kesseldrucks und des Pressostaten schalteten wir die Maschine ein. Ein leises, turbinenartiges Pfeifen signalisierte, dass die Rotationspumpe den Kessel befüllt und kurz darauf untermalte ebendieses angenehme, dezente Summen den ersten Bezug. Leise und diskret verrichtet die Rota ihren Dienst, während die Vibrationspumpe meiner Epoca ST 1 (die es natürlich auch als S 1 mit FW und Rota gibt) mit unüberhörbarem Geratter allseitige Aufmerksamkeit für ihre schwere Arbeit fordert.
Und noch ein kleiner, aber extrem wichtiger Hinweis für den Betrieb mit externem Tank an einer Rota-Pumpe: Die Pumpe saugt. Und zwar mächtig! Um zu verhindern, dass in dem Tank ein Vakuum entsteht, und die Pumpe sich damit nach und nach selbst zerstört, ist es ABSOLUT NOTWENDIG, für eine kleine Luftöffnung zu sorgen! Entweder mit einer heißen Nadel ein kleines Loch in den Deckel bohren, oder einfach die Klappe im Deckel ein Spältchen aufstehen lassen!
Ein schöner Tank kann auch entzücken ...
Und Einer-Bezüge natürlich weiterhin nur mit dem Bodenlosen!
Fazit: Die Classe 6 ist eine der schönsten Espressomaschinen überhaupt (wie Tanja sicher gerne bestätigt), wenn man denn kantige, graue Würfelkisten mag. ICH MAG! Sehr sogar! Besonders, wenn Italiener mit ihren Goldfingerchen und Gespür für feines Design es schaffen, einem grauen, klotzigen (hätte ich fast hässlichen gesagt?!?) Würfel mit feinen Kantenbrüchen und gediegenen Edelstahl-Applikationen ein mächtiges Spürchen Eleganz einzuhauchen!
Und zur Verarbeitung: Unglaublich! Ich meine unglaublich gut und wertig verarbeitet. Absolut keine Spaltenmaße. Null. Alles passgenau. Alle Teile sitzen perfekt. Keine Grate, kein Klappern und alles strahlt solide Qualität aus. Hatte ich so nicht erwartet! Selbst die Kunststoff-Seitenteile vermitteln Qualität: steif und ohne jedes Wabbeln - kein Wunder: jedes wiegt 3 Kilo! Last but not least eine feine Edelstahl-Tropfschale, die sich millimetergenau mit einer leichten Handbewegung in ihre Führung einsetzen lässt - inklusive des praktischen Gittereinsatzes aus Kunststoff, der das Zerkratzen des Tropfgitters verhindert und gleichzeitig den raschen Zugriff zur Tropfschale ermöglicht.
Zur Zeit meine Lieblingsbohnen:
Zum Langen Tatico muss ich nicht viel sagen. Der Wissmüller Stern aus Frankfurt ist ein nicht sehr bekannter Edelstein in der Galerie der kleinen Privatröstereien: weich, rund und extrem aromatisch. Ein unbedingtes Must!
Der Ottolina stammt aus einer Mailänder Familienrösterei und ist ein echter "Herrenkaffee": markantes, unverwechselbares und sehr eigenständiges Aroma mit kräftigem Bumms. Geliefert wird er in Deutschland von Thomas Lüdtke.
Derzeit meine Lieblingstassen. Die obere aus naheliegenden Gründen, die untere ist ein Geschenk meines herzensguten Freundes Scott Zardoz. (Delta ist eine alte portugiesische Nobel-Kaffeemarke.)
P.S. Sobald ich dazu gekommen sein werde, endlich meine Hütte zu renovieren, würde ich mich sehr freuen, einige Boardfreunde zu einem privaten Cupping aus der neuen Macchina einladen zu dürfen. Den Termin gebe ich rechtzeitig per PN bekannt.


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