Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer
In einem anderen Thread lese ich gerade, dass die meisten Benutzer offensichtlich das Manometer ihrer Macchina überhaupt nicht beachten (danke für die Info, lieber Angelo!
): ein schwerer Fehler, wie ich finde. Denn das Manometer ist das einzige Hilfsmittel, dass mir halbwegs zuverlässig etwas über den aktuellen Temperaturzustand meiner Maschine verrät. Und das geht so.
Der Pressostat unserer Zweikreismaschinen kennt zwei Schaltpunkte: den unteren Schaltpunkt, bei dem die Heizung eingeschaltet wird, und den oberen Schaltpunkt, bei dem die Heizung wieder ausgeschaltet wird. Den Bereich dazwischen nennt man übrigens Hysterese - nur wichtig, falls man in anderen Threads über den Begriff stolpert und sich fragt, was das ist.

Kurz vor dem Oberen Schaltpunkt der Hysterese:
Heizung schaltet aus - ich starte den Leerbezug

Unterer Schaltpunkt der Hysterese:
Heizung schaltet wieder ein - ich beende den Leerbezug
und starte den Espressobezug
Und diese beiden Punkte können wir für unsere Zwecke nutzen. Ich beschreibe am besten kurz, wie ich das mache. Beim ersten Einrichten meiner Maschine (nach dem Kauf) habe ich den Brühdruck auf 8.5 bar eingestellt und die Temperatur so eingestellt, dass sie am unteren Schaltpunkt etwa bei 93.5 ° steht - das ist meine Bezugstemperatur, die ich durch Versuche als günstigste Temperatur für meine aktuellen Kaffeesorten herausgefunden habe.
Nun zur täglichen Routine: Ich bereite meinen Siebträger vor (Pulver reinkippen, feststampfen) und heize die Tasse auf bis rot glühend (Wasser aus dem Heißwasserhahn rein). Nun stelle ich ein Milchkännchen unter die Brühgruppe und werfe meinen geschärften Blick auf das Manometer. Meist steht die Anzeige in der Nähe des oberen Schaltpunkts der Hysterese. Ich starte den Leerbezug in das Kännchen und achte erstens auf die Geräusche und zweitens auf die Nadel des Manometers. Am Anfang des Leerbezugs höre ich ein lautes Hisseln und Fisseln - die Geräusche des fast kochenden Wassers. Nach und nach wird dieses Geräusch leiser und verstummt dann völlig. Gleichzeitig sinkt die Nadel bis zum unteren Schaltpunkt - und der liegt bei mir bei 1 bar. Nun muss es schnell gehen, denn jetzt wird die Heizung wieder eingeschaltet und die Temperatur steigt rasch wieder bis zum Maximum an: ich spanne rasch den Siebträger ein, leere das Heißwasser aus der Tasse in die Tropfschale und stelle sie uter den Siebträger und starte den Bezug. Ich konzentriere mich nun auf die Extraktion und stoppe sie, sobald sich die Farbe des Strahls verändert: d.h. sobald sie hell wird - "blonding" genannt.
Stelle die Methode zur Diskussion. Gebe zu: etwas eigenwillig, habe jedenfalls noch nicht gelesen, dass es jemand so macht. Und vielleicht sagen uns ja unsere Kaffee-Wissenschaftler und ausgewiesenen Bezugs-Theoretiker, dass das alles nicht funktionieren kann. Aber als Pragmatiker führe ich ins Feld, dass die Methode VCBP (Vincents coole Bezugs-Prozedur) bestens funktioniert. Und zwar zuverlääsig, vorhersagbar und bei jeder Tasse.
Geändert von Vincent Kluwe-Yorck (15.12.2009 um 18:56 Uhr)
Diagnose: Gigantomechania extremensis . . . Symptomatik: Junior S ist zu wenig – eine ausgewachsene Senior XXL musses sein!
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