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  1. #1
    Vincent Kluwe-Yorck ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    In einem anderen Thread lese ich gerade, dass die meisten Benutzer offensichtlich das Manometer ihrer Macchina überhaupt nicht beachten (danke für die Info, lieber Angelo! ): ein schwerer Fehler, wie ich finde. Denn das Manometer ist das einzige Hilfsmittel, dass mir halbwegs zuverlässig etwas über den aktuellen Temperaturzustand meiner Maschine verrät. Und das geht so.

    Der Pressostat unserer Zweikreismaschinen kennt zwei Schaltpunkte: den unteren Schaltpunkt, bei dem die Heizung eingeschaltet wird, und den oberen Schaltpunkt, bei dem die Heizung wieder ausgeschaltet wird. Den Bereich dazwischen nennt man übrigens Hysterese - nur wichtig, falls man in anderen Threads über den Begriff stolpert und sich fragt, was das ist.


    Kurz vor dem Oberen Schaltpunkt der Hysterese:
    Heizung schaltet aus - ich starte den Leerbezug


    Unterer Schaltpunkt der Hysterese:
    Heizung schaltet wieder ein - ich beende den Leerbezug
    und starte den Espressobezug


    Und diese beiden Punkte können wir für unsere Zwecke nutzen. Ich beschreibe am besten kurz, wie ich das mache. Beim ersten Einrichten meiner Maschine (nach dem Kauf) habe ich den Brühdruck auf 8.5 bar eingestellt und die Temperatur so eingestellt, dass sie am unteren Schaltpunkt etwa bei 93.5 ° steht - das ist meine Bezugstemperatur, die ich durch Versuche als günstigste Temperatur für meine aktuellen Kaffeesorten herausgefunden habe.

    Nun zur täglichen Routine: Ich bereite meinen Siebträger vor (Pulver reinkippen, feststampfen) und heize die Tasse auf bis rot glühend (Wasser aus dem Heißwasserhahn rein). Nun stelle ich ein Milchkännchen unter die Brühgruppe und werfe meinen geschärften Blick auf das Manometer. Meist steht die Anzeige in der Nähe des oberen Schaltpunkts der Hysterese. Ich starte den Leerbezug in das Kännchen und achte erstens auf die Geräusche und zweitens auf die Nadel des Manometers. Am Anfang des Leerbezugs höre ich ein lautes Hisseln und Fisseln - die Geräusche des fast kochenden Wassers. Nach und nach wird dieses Geräusch leiser und verstummt dann völlig. Gleichzeitig sinkt die Nadel bis zum unteren Schaltpunkt - und der liegt bei mir bei 1 bar. Nun muss es schnell gehen, denn jetzt wird die Heizung wieder eingeschaltet und die Temperatur steigt rasch wieder bis zum Maximum an: ich spanne rasch den Siebträger ein, leere das Heißwasser aus der Tasse in die Tropfschale und stelle sie uter den Siebträger und starte den Bezug. Ich konzentriere mich nun auf die Extraktion und stoppe sie, sobald sich die Farbe des Strahls verändert: d.h. sobald sie hell wird - "blonding" genannt.

    Stelle die Methode zur Diskussion. Gebe zu: etwas eigenwillig, habe jedenfalls noch nicht gelesen, dass es jemand so macht. Und vielleicht sagen uns ja unsere Kaffee-Wissenschaftler und ausgewiesenen Bezugs-Theoretiker, dass das alles nicht funktionieren kann. Aber als Pragmatiker führe ich ins Feld, dass die Methode VCBP (Vincents coole Bezugs-Prozedur) bestens funktioniert. Und zwar zuverlääsig, vorhersagbar und bei jeder Tasse.
    Geändert von Vincent Kluwe-Yorck (15.12.2009 um 18:56 Uhr)
    Diagnose: Gigantomechania extremensis . . . Symptomatik: Junior S ist zu wenig – eine ausgewachsene Senior XXL musses sein!

  2. #2
    Hausfreund ist offline Benutzer
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    Frage AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    Vincent,

    welche Maschine nutzt Du?
    Hausfreund


    Izzo Alex Duetto II + Mazzer Mini E

    vormals: Rocket Cellini Classic, Compak K3 Touch, Jura Subito

  3. #3
    Bubikopf ist gerade online Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    Das kann passen, muss aber nicht. Leerbezug bis es aufhört zu spratzeln ist gängig. Wie viele ml misst denn etwa dein Leerbezug ?
    Gruss Roger

  4. #4
    Largomops ist gerade online Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    Die Frage ist, ob es überhaupt so einen großen Unterschied macht wie hoch der Druck nach dem Leerbezug ist. Wahrscheinlich ist es reichlich egal ob er am unteren Schaltpunkt oder 0,1 bar darüber ist. Ein schlauer Kopf im Netz hat mal gesagt, dass der Kopf die Temperatur macht. War das Nobbi?
    Gruß aus der Falz, Largomops

    BFC Lira 2-gr, BZ99, CC-PID, Mazzer Mini-E, K3, Demoka M-203, Moccamaster, Gene, HPR

  5. #5
    Vincent Kluwe-Yorck ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    Der Kopf macht die Temperatur? Typ Schneller Brüter?!? Interessante Theorie - muss ich überdenken. Mal sehen - vielleicht glüht mir die Birne dann auch irgendwann.

    Nee, also bei meiner Maschine macht die Heizung die Temperatur. Und da macht es geschmacklich einen gewaltigen Unterschied, wann ich den Bezug starte. Und zwar den Unterschied zwischen ungenießbar und hervorragend. Hab ich natürlich alles längst ausgetestet.

    Und zur Menge: Liegt je nach den Verhältnissen zwischen 50 und 75 ml, Roger! Das mit dem Spratzeln war mir zu unwissenschuftlich. Wollte es genauer haben und vertraue deshalb meiner Manometeranzeige. (Thermometer habe ich natürlich am Anfang beim Einmessen meiner Maschine benutzt. Jetzt gehe ich, sobald das Spratzeln aufgehört hat, nur noch nach Manometeranzeige.)
    Geändert von Vincent Kluwe-Yorck (15.12.2009 um 18:57 Uhr)
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  6. #6
    gunnar0815 ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    0,1 Bar Druckunterschied war doch so etwa 1 °C also hast du im Kessel so etwa 2 °C (0,2 Bar) Temperaturschwankung. Der Wärmetauscher in dem das Wasser für den Bezug bei Zweikreisern ist hat aber nur bedingt was mit der Kesseltemperatur zu tun. Steht das System längere Zeit gleicht sich die Temperatur im Wärmetauscher immer mehr dem des Kessels an. (Überhitzt)
    Bei einem Leerbezug wir kaltes Wasser in den Wärmetauscher gepumpt und kühlt ihn den Kessel aber nur ganz leicht.
    Deswegen ist deine Methode wohl nicht so sinnvoll. Ein Leerbezug bis es nicht mehr sprözelt sagt viel mehr über die Temperatur im Wärmetauscher aus als der Kesseldruck.

    Gunnar
    Carimali UNO E+ Preinfusions über Magnetventil + Mühlen= Elektra Nino + Mazzer Stark
    Büro: Nuova Simonelli MAC, Mühle Isomac Macinacaffe Stufenlos
    Röster:Genecafe CBR101+ Dimmer(Showtec Single MKII)
    Links:Sammlung technischer Daten aller Mühlen - Bezug aufteilen sollte jeder mal machen
    Preinfusion für Tank Maschinen
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  7. #7
    meister eder ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    @largo: ja, war er. und er hat mE recht. eine espressomaschine in dieser größe ist eine derart träge regelstrecke, dass der aktuelle druck für die letztliche brühtemperatur ziemlich wurscht ist.
    eine druckänderung im bereich der pressostatenhysterese muss wahrscheinlich über 5min bestehen, damit man davon überhaupt was im signifikanten bereich merkt.

    das beschriebene vorgehen kann bei kleineren maschinen (oscar, agata, bz99) sinnvoll sein, bei so einem monster ist es aber wahrscheinlich recht überflüssig.

    vince, du hast doch dieses tolle thermometer. beglücke uns doch mal mit ein paar messdaten!

    gruß, max
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    astoria jun1, sm90, rocky d, eureka giotto "s.d.", rancilio md50, mahlkönig brasilia, krups t8, aeropress, karlsbader, alfredo 9016 (v1.0), delonghi ick 5000
    z.Zt. i.d.M.: quijote oh, harvey! espresso, quijote zamora filter

  8. #8
    Vincent Kluwe-Yorck ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    Ich habs doch gewusst. Hab ichs nicht gewusst? Habs doch gesagt. Die Kaffe-Wissenschuftler können meine Methode nicht leiden. Als hättichs nicht geahnt.

    Kann zu meiner Verteidigung nur sagen, dass es funktioniert! Gunnar hat natürlich Recht mit dem Spratzeln - deshalb wird von mir auch strikt beides beachtet: ich leerbeziehe grundsätzlich immer solange, bis das Spratzeln aufhört und dann kommt der Blick auf die Nadel.

    Und zu den Messdaten, Max: erinnerst Du Dich noch an meinen Temperatur-Mess-Thread? Da hab ich doch die Daten der Epoca veröffentlicht. Habe das mit der Classe bereits längst überprüft - die Daten sind tatsächlich weitgehend identisch (was Wunder - ist ja inwendig die gleiche Kiste! Und meine Grundwerte habe ich ebenfalls identisch eingestellt.).
    Diagnose: Gigantomechania extremensis . . . Symptomatik: Junior S ist zu wenig – eine ausgewachsene Senior XXL musses sein!

  9. #9
    Bubikopf ist gerade online Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    Kann zu meiner Verteidigung nur sagen, dass es funktioniert!
    Das wird aber eher Zufall sein. Bei 50-75ml Leerbezug liegst Du im normalen Bereich. Je nach Auslegung der Maschine ( z.B. Überhitzung des HX wird mit unterkühlter BG ausgeglichen, Leerbezug nivelliert beides ). Bei meiner Uno brauchts praktisch nie einen Leerbezug, bei meiner Bezzi schon nach 5 Min Standzeit, beides funktioniert aber sehr präzise.
    Gruss Roger

  10. #10
    gunnar0815 ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Temperatursurfen mit Blick auf's Manometer

    @Vincent Kluwe-Yorck das Ende des Sratzeln ist aber der entscheidende Wert der dir über die Temperatur im Wärmetauscher Information gibt. Ist der Leerbezug dementsprechend länger ist auch die Brühtemperatur niedriger. Wartest du nach dem Leerbezug dementsprechend länger bis du den Bezug startest (bzw. Leerbezug kürzer) ist die Brühtemperatur dementsprechend höher.
    Dein System kommt nur zu halbwegs konstanten Ergebnissen da das Gesamtsystem dementsprechend träge ist.
    Mach dir doch mal den Aufwand und messe nach
    Gunnar
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