Hallo Alle,
seit mehr oder weniger einem Jahr bin ich - unterschiedlich intensiv - auf der Suche nach einer geeigneten und würdigen Form Espressi (+Capuccini) zuzubereiten. Trotz der vielen hundert Beiträge, die ich gelesen habe, bin ich nicht wesentlich weitergekommen in einer Entscheidungsfindung. Da ich bei weitem nicht der Einzige bin, der vor diesem Problem steht habe ich mir erlaubt hierzu einige Gedanken zu formulieren.
Aus meiner Sicht ist eine abschließende Beurteilung und Entscheidung für das richtige Werkzeug für eine Espressozubereitung aus folgenden Gründen nicht objektiv möglich:
- Die Espressoqualität – auf die es ja im Wesentlichen ankommt – also sozusagen das Ergebnis all der Bemühungen - kann nicht objektiv beschrieben werden. Derzeit ist das einzige Instrument zur Beschreibung eine subjektive Angabe und/oder ein Video zur optischen Darstellung. Da beides aus meiner Sicht und der Sicht vieler anderer nicht ausreichend ist, fehlt zur Beurteilung jeglicher Maßnahmen und Werkzeuge jegliche Grundlage. Vielen Beiträgen hier im Forum fehlt damit letztlich ein Messinstrument zur Beurteilung des Ergebnisses des Espressobezuges. Die Berichte können daher im besten Fall nur eine Expertenmeinung darstellen, was grob geschätzt auf maximal 10% der gelesenen Berichte zutrifft.
- Daran knüpft sich folgendes Problem an: Die in einem Forum dargestellten Berichte sind zu geschätzten 95% Einzelbeobachtungen einzelner Geräte (teilweise auch von mehreren also einer Gruppe) und damit im seltensten Fall generalisierbar und vergleichbar. Eine systematische Betrachtungsweise kann nicht stattfinden.
- Grundsätzlich sind die Bedingungen unter denen verschiedene Berichte entstehen sehr verschieden. Die Variablen des Espressobezuges, einschließlich der des Beziehers selbst, sind sehr unterschiedlich und damit nicht vergleichbar miteinander.
- Generell ist die Strukturierung des Kaffee-Netz auch nicht ideal, was es Anfängern zusätzlich erschwert nach Informationen zu suchen. Das Thema Kaufberatung müsste dringend strukturiert werden. Die Suche-Funktion und die Forenübersicht stellen in diesem Zusammenhang essentielle aber nicht ausreichende Instrument dar.
Das grundlegende Problem ist daher aus meiner Sicht, das Fehlen von standardisierten Verfahren zur Beurteilung der Einflussgrößen/Variablen (insbesondere Maschinen, Mühlen aber auch verschiedene Techniken etc.) für die Espressozubereitung. Ich hätte da auch Ideen, wie man dieses Problem mithilfe standardisierter Testverfahren in den Griff bekommen könnte und damit viele hundert Mannmonate und viele Tausend Beiträge einschließlich Serverkapazitäten etc. einsparen könnte. Bei Interesse würde ich mich gerne bei einem Espresso oder Cappuccino in Berlinaustauschen.
Zur Vorgeschichte:
Meinen ersten wohlschmeckenden Cappuccino habe ich in Positano (Italien) getrunken, daher mein Benutzername. Allerdings war dieser natürlich subjektiv und objektiv durch dieses wunderschöne Land beeinflusst. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich die einzige mir vorhandene Möglichkeit der Espressozubereitung genutzt, nämlich meine Saeco Aroma Nero. Es ist übrigens entgegen vieler Beiträge durchaus mit viel Liebe möglich mit ihr Espressi zuzubereiten (einen Bezug werde ich demnächst bei „DeinerRöhre“ reinstellen. .Ich schließe mich zumindest in diesem Punkt Jasper an: Ehrenrettung einer Gekränkten. Problem war und ist die Dampfdüse und die mangelnde Dampfpower dieses Gerätes, was die Ambition einen Cappuccino herzustellen oder sich gar mit Latte Art zu beschäftigen zunichte macht. Dennoch mit der entsprechenden Technik und viel Geduld ist es auch hier möglich, Milch zumindest mittelblasig aufzuschäumen. Spaß macht das allerdings nicht. Eher schon der Bezug des Espresso, der wenn alles stimmt, tatsächlich zu einem Bruchteil des Preises anderer Maschinen gute aber nicht perfekte Ergebnisse liefert (keine Expertenmeinung!!), die mir besser schmecken, als in 90% der Lokalitäten außerhalb. Dazu gehören 14g frisch gemahlene und geröstete Bohnen aus der Berliner Kaffeerösterei, die fest getampert in einer gut geheizten und nach Leerbezug bereiten Aroma Nero zu einem cremigen 25 s shot führen. Die Milchaufschäumversuche waren zwischenzeitlich auf einen Milchaufschäumer von Gastroback konzentriert, der mittelblasigen Schaum erzeugt hat, wmoit es eine Zeit lang ausreichend ging. Allerdings löste sich mit der Zeit (ca einem Monat) die Teflonbeschichtung und ich löste mich von dieser unbefriedigenden Lösung. Danach schaffte ich mir einen Vollautomaten an, von dem ich der Annahme war, das er so schlecht nicht sein kann, wenn so viele Menschen rund um den Globus aus denen trinken und ich wurde eines Besseren belehrt. Trotz verschiedener Espressosorten, verschiedener Einstellungen des Mahlgrades, was im Wesentlichen die einzige Einstellmöglichkeit war, gab es keinen Espresso der annähernd genießbar gewesen wäre. Nach drei Tagen des Experimentierens trennte ich mich von dem guten Stück. Espresso und Cappuccino habe ich danach meist in den zum Glück in Berlin vorhandenen Lokalitäten wie Double Eye und Coffeinbar getrunken und gelegentlich auch von meiner Nero in Verbindung mit einem Handaufschäumer!. Diese Kombination ist wohl die weltweit billigste Form der Cappuccinozubereitung (aktueller Zeitwert der Kombi ca 50€).
Ich sehe folgende Möglichkeiten (Maschine + Mühle, die muss auf jeden Fall her) , meine derzeitige Situation zu verbessern:
- Mindestklasse: Eine neue Rancilio Silvia (460€), eine gebrauchte Vibiemme Domobar (400€)oder eine : LNC Agata (640€). Für die Vibiemme spricht der in diesem Forum häufig berichtete gute Dampfdruck für die Cappuzubereitung. Als Mühle bieten sich die Graef CM80 (140€), die Rancilio Rocky S (260€) oder eine Eureka MCI (280€) an.
- Mittelklasse: Bezzera BZ 07, BFC Ela, Expobar Brewtus III. (800€ -1200€). Gleiche Mühlen. Für die Expobar sprechen die Temperatursteuerung und der Dualboiler. Gegen Sie spricht laut Forum die nicht gute Milchaufschäumung. Somit wäre in diesem Preissegment für die Cappuccinozubereitung die BZ 07 der Preisleistungssieger. Bei reiner Espressozubereitung die Brewtus III.
- Oberklasse: Della Corte Mini (2000€), Izzo Alex Duetto PID (1800€), Vibiemme Domobar Super PID (1600€), La Spaziale Vivaldi II (1700€). . Als Mühlen kommen hier die Mazzer Mini E, Macap MD4, Casadio Instantaneo (alle so um 600€) in Frage. Für die Vibiemme spricht neben vielen weiteren die offenbar sehr gute Dampferzeugung. Die Izzo scheint gar keine Nachteile zu haben. Die DC Mini scheint die temperaturkonstanteste und kleinste in diesem Quartett zu sein. Ich hätte mich fast in die Vivaldi verliebt, als ich im Forum vom Plastikgeruch- Geschmack und der problematischen Verarbeitung (Tasten) gelesen habe. Hier würde ich also zu der VB Domobar Super PID + Mazzer Mini E tendieren.
- Luxusklasse: La Marzocco GS3 (nicht bezahlbar, >4k).
Fazit alles in allem scheint die die gebrauchte Vibiemme Domobar (oder eine neue Rancilio Silvia)+ Graef CM80 mit insgesamt etwa 540€ (600€) das beste Preisleistungsangebot darzustellen. Als nächste Stufe wäre die BZ 07 + Graef Cm80 (?) zu nennen (ca 1000€). Dann geht es aus meiner Sicht erst wieder mit der Domobar Super PID + Mazzer Mini E weiter mit zusammen ca 2200€.
Trotz der oben erwähnten grundsätzlichen Vorbehalte, würden mich eure Meinungen hierzu sehr interessieren. Es gibt ganz sicher viele Maschinen und Mühlen, aber ich habe versucht mal die aus meiner Sicht besten prototypischen Vertreter der Klassen für die Zubereitung von Espressi und Cappuccini (ca 6/ tag und gelegentlich auch mehr bei Besuch = normaler Hausgebrauch) rausgesucht. Falls dem nicht so sein sollte, bitte ich um Eure Vorschläge. Natürlich fehlen Maschinen wie die Carimali Uno oder la Cimbali Junior (die mir persönlich auch sehr gefällt) etc. aber dies soll auch nicht den Anspruch an eine Bestenliste erfüllen, sondern vielmehr einen Mini-Konsens für Maschine-Mühle Empfehlungen darstellen.
herzliche Grüße


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