Diesen Erfahrungsbericht Graef ES90 Espressomaschine hatte ich schon länger angekündigt. Endlich ist er da und erwartungsgemäß wurde er sehr lang. Ich muss das Ganze in mehrere Teile aufteilen....
Holt euch zum Lesen also ruhig erst mal ein Tässchen vom Schwarzen....
Fakten
Maße: (L x B x H) 330 mm x 330 mm x 370 mm, bei eingespanntem Siebträger ergibt sich eine Tiefe von ca. 41cm, in der Breite von 33cm sind die überstehenden Drehknäufe mit einbezogen; Gewicht (lt. Datenblatt) 11,2 Kg.
Die elektrische Leistungsaufnahme wird von Graef mit 2200Watt angegeben. Mein Energiekostenmessgerät zeigt mir bei laufender Dampf- und Wasserpumpe maximal 1900Watt an. Wird nur ein Heizkreislauf belastet sind es noch 950 Watt. Demnach werden beide Thermoblöcke mit jeweils 950 Watt betrieben.
Nun sind 1900 Watt eine durchaus stolze Anschlussleistung! Je nach Anschlusswert der an diesem Sicherungskreis sonstigen, angeschlossenen Geräten (z.B. Spülmaschine + Toaster + Beleuchtung), kann eine Sicherung durchaus auch mal in die Knie gehen.
Lieferumfang/ Zubehör
Neben der eigentlichen Maschine bekommt man noch ein massives Aufschäumkännchen, ausreichend groß für zwei Cappus, einen echten Tamper mit edelstahlverkleideter Sohle und vernünftigem Kunststoffgriff, eine zweite Dampfdüse (1,3mm) zum Austausch gegen den vorhandenen Panarello mit Panarellodüse von 0,8mm und eine Art Blindsieb für den Reinigungsvorgang (siehe unten) sowie ein Drahtspießchen zum Reinigen einer eventuell verstopften Aufschäumdüse.
Bemerkenswert ist, dass vier(!) Siebe mitgeliefert werden. Neben dem klassischem 1er und 2er-Sieb liegen noch zwei Siebe mit doppeltem Boden bei, bei denen der untere Boden nur ein winziges Loch hat. Der Siebaufbau soll also den Durchfluss begrenzen und so einen gewissen Mindestdruck im Puk garantieren. Diese Siebe sollen laut Gebrauchsanleitung verwandt werden, wenn man industriell vorgemahlenen Kaffee verwendet, wobei ausdrücklich darauf verwiesen wird, dass man für beste Qualität besser eine Mühle verwendet. Natürlich wird auch gleich eine Mühle empfohlen...
Der mitgelieferte Tamper wurde von mir gerne eingesetzt. Er passt mit einem Durchmesser von 58mm exakt in die Siebe und liegt mir gut in der Hand. Wer was Edles will, kann sich dann immer noch einen anderen Tamper kaufen. In der Tasse wird man es wohl nicht bemerken. Na ja, Tampen wird eh völlig überbewertet...
Äußeres:
Die Maschine macht auf mich einen stabilen durchaus wertigen Eindruck. Im oberen Bereich ist die Tassenablage und die Bedieneinheit in einen massiven Kranz aus Aludruckguss eingefasst. Hierin ist das wiederum eine Abstellplatte aus Edelstahl eingelegt. So lässt sich die Tassenablage separat entnehmen und reinigen. Die Tassenablage wird übrigens wirklich warm bis heiß! Deckt man die Tassen dann noch mit einem Tuch ab, erhält man nach einiger Standzeit tatsächlich vorgewärmte Tassen. Die Betonung liegt hierbei auf „warm“. Über der Uno werden mir die Tassen, falls abgedeckt auch schon mal unangenehm heiß.
Unterhalb des oberen Massivkranzes ist die Maschine rundum in Edelstahlblech eingekleidet. Die Drehgriffe für Dampf und Heißwasser sind auf der Oberfläche leicht gummiert. Bei Betätigung der Griffe werden wohl Magnetventile geschaltet, denn letztlich lässt sich die Fördermenge an Dampf oder Wasser hierüber nicht justieren.
Die Tropfschale ist nach vorne leicht entnehmbar und hat ein angenehm großes Fassungsvermögen von ca. einem Liter (randvoll ist es noch mehr aber nicht mehr sicher handhabbar). In die Tropfschale ist ein roter Schwimmer eingebaut, der ab 700ml Füllmenge beginnt aus dem Tropfgitter herauszuragen. Vor einer überfüllten Tropfschale wird man so rechtzeitig gewarnt.
Der Wassertank ist mit über 3 Litern Fassungsvermögen recht groß. Eingeschoben wird er in die Hinterseite der Maschine, wozu die Rückseite komplett als Tür geöffnet werden kann. Der Tank wird dann automatisch über eine Steckverbindung mit der Maschine verbunden. Will man den Tank zum Befüllen nicht entnehmen kann er auch bequem über eine mit einer Klappe abgedeckten Öffnung auf der Gehäuseoberseite gefüllt werden. Diese Einfüllöffnung ist sogar mit einem Kunststofffeinfilter versehen.
Bei Unterschreiten der Tankmindestfüllmenge gibt die Maschine drei Pieptöne ab und oberhalb der Tassenablage blinkt hell und unübersehbar eine rote Leuchte. Die Maschine funktioniert jedoch weiterhin, so dass der aktuelle Bezug (und auch noch mehr) unproblematisch zu Ende gebracht werden kann. Die Wasserstandskontrolle funktioniert kontaktlos über einen im Tank verbauten Schwimmer, der einen im Gehäuse verbauten Magnetschalter ansteuert.
Die Vorderen Gehäusefüße können mittels Drehgewinde in der Höhe verstellt werden. Zusätzlich sind die hinteren Gehäusefüße rollengelagert. So kann die Maschine auf einer Arbeitsplatte relativ einfach vorgeschoben und gedreht werden, um z.B. den Wassertank zu entnehmen oder unter der Maschine mal kurz zu wischen.
Siebträger
Im Lieferumfang ist ein verchromter Messingsiebträger von 500g mit angeschraubtem 2er Auslauf. Zwischen Auslauf und Tropfblech befinden sich 10cm Platz für Tassen.
Zu Messzwecken konnte ich auch einen Gaggiasiebträger einspannen. Da die Bajonettnasen bei diesem aber versetzt sind, musste der ST zum Einsetzen bis ganz hinten links an das Gehäuse gedreht werden. Vielleicht erkennt ja jemand an Hand dieses Bildes, welcher sonstige ST hier zum Graef-ST passen würde:
links der Gaggia, rechts der Graef-ST
Etwas befremdlich ist, dass der Boden des ST von einer schwarzen Hartplastikplatte bedeckt wird. Der Vorteil: Bei einem nicht optimal vorgeheiztem ST läuft der Kaffee nicht aus dem Sieb über den kalten ST-Boden, kühlt also nicht so stark ab. Nun ja, ein Leerbezug würde da für den ersten Schuss auch reichen. Aber wahrscheinlich wollte Sunbeam hier im Massenmarkt kein Risiko eingehen. Viele Anwender werden eben davon ausgehen, dass eine betriebsbereite Maschine auch eine vollauf aufgeheizte Maschine ist....
Nach drei Wochen habe ich mir ein Herz gefasst: Der ST-Auslauf konnte abgeschraubt werden und wurde durch ein Standardgastro-1er-Auslauf ersetzt. (Der Originalauslauf hat leider keine Flanken für einen Schraubenschlüssel, ist über dem Gewinde verchromt ist kreisrund. Deshalb zum Abschrauben von oben einen kräftigen Schraubendreherstab in den offenen 2er-Auslauf einlegen und den Schraubendreher dann als „tangentialen Hebel“ einsetzen.)
Wer seinen ST noch weiter pimpen will, kann auch den Griff austauschen. Ich konnte problemlos einen Griff von der Uno anschrauben:
noch mal zu den Sieben:
Im Siebträger sitzt eine recht stabile Drahtspange. Da diese gleichzeitig recht tief sitzt, halten nicht alle 58er Siebe im Siebträger. So rutscht ein LM 1er genauso raus wie Cimbali-Siebe. Ein Rancilio 7 Gramm Sieb habe ich dagegen problemlos hereinbekommen.
Mit den mitgelieferten Graef Sieben bin ich letztlich aber gut klargekommen.
Füllhöhe:
Unterhalb des Siebträgerausgangs bleiben 10cm bis zum Tropfblech. Somit können auch etwas höhere Tassen untergestellt werden
Funktionsprinzip
Die Graef ES90 ist eine Dualthermoblockmaschine. Es sind also zwei separat geschaltete Thermoblöcke verbaut. Einen Thermoblock kann man sich hierbei als eine in ein massives Heizelement eingebaute Rohrleitung vorstellen. Am einen Ende kommt kaltes Wasser hinein, am anderen das heiße Wasser hinaus - letztlich ein Durchlauferhitzer.
Die Graef ES90 ist seit 2006 in Australien als „Sunbeam 6910“ auf dem Markt. Hierbei gibt Sunbeam an, dass die Thermoblöcke zum Schutz vor Verkalkung innen mit Edelstahl ausgekleidet sind. Man kann annehmen, dass es bei der Graef ebenso ist.
Durch die zwei Heizsysteme wird es möglich, Brühtemperatur und Dampfkreislauf separat zu steuern. Bei einem klassischen Zweikreiser mit Wärmetauscher sind Dampftemperatur bzw. Kesseldruck und Brühtemperatur hingegen fest miteinander gekoppelt. Will man die Brühtemperatur senken, senkt man gleichzeitig den Dampfdruck und umgekehrt.
Außerdem ermöglicht das Thermoblockprinzip eine im Vergleich zum klassischen Zweikreiser rasante Aufheizzeit.
Tassenfüllmenge:
Die Graef ES90 bietet einen Bezug über voreingestellte Tassenfüllmengen für eine oder zwei Tassen. Ab Werk sind hier 30 bzw. 60ml eingestellt. Die Menge sich über die Menütasten natürlich ändern und abspeichern. Zusätzlich kann der Bezug über eine weitere Taste manuell gestartet und beendet werden. Die maximale Füllmenge ist hierbei ca. 290ml. Danach beendet die Maschine den Bezug automatisch. So werden Fehlbedienungen mit anschließendem Pumpenschaden durch Dauerlauf ausgeschlossen und 290ml sollten ja auch wohl reichen.
Selbstverständlich lässt sich der Bezug bei Betätigung der Tassentasten auch vorzeitig beenden.


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