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  1. #1
    octabeer ist offline Erfahrener Benutzer
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    Reden Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    Hallo!

    Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!
    Den Einbau eines Faustino Boards in eine Miss Silvia sowie den Einbau eines Drucksensors sowie eines Paddles habe ich bereits in diesem Thread zusammengefasst:
    Faustino kit für Miss Silvia von Rancilio: Kaufentscheidung und Einbau

    EDIT: Ein aktuelles Foto!



    Hier ein Foto, wie sie zuvor aussah:



    In diesem Beitrag möchte ich vom Funktionsumfang und dem Espressoalltag mit einer Miss Silvia Faustino berichten.


    Motivation des Kaufs und Einbaus:
    Wie in einigen Posts von mir beschrieben, war meine ursprüngliche Motivation für den Kauf, dass ich mich für die Möglichkeit einer Preinfusion interessiert habe. Genaugenommen wollte ich gerne meine Druckkurven frei wählen und dachte, dass sich das doch irgendwie, der Lösung von Gunnar und Bane ähnlich, elektrisch lösen lassen müsste. Das faustino board beendete alle meine unausgegorenen Planungen, weil diese Funktionen schon an Bord waren.

    Die Kaufentscheidung:
    Aufrüstung vs. Neuanschaffung:
    Kaufentscheidungen sind natürlich subjektiv und der Hinweis, dass Summe von faustino und Miss Silvia nicht mehr weit wären zu Maschinen in anderen Klassen, ist nicht von der Hand zu weisen. Ich würde dem dennoch zwei Dinge entgegenhalten: Miss Silvia war schon da und wurde gekauft, als ich mir noch nicht sicher war, ob Espresso machen wirklich zu einem Hobby wird, ich wollte ja nur passablen Kaffee frühstücken (Wie bei allen, kam es natürlich auch bei mir viel schlimmer, das Ganze wurde zu einer Obsession). Der Preisabstand wäre dann also der Verkaufswert einer gebrauchten Silvia + faustino kit, zuzüglich der Scheidungskosten und einem guten Therapeuten, denn wie könnte ich sie hergeben?

    Funktionsumfang:
    Das zweite Argument, das nicht ganz ernst gemeint ist (!), ist der Funktionsumfang der mit einem faustino realisiert wird: Was kostet eine Maschine mit PID und mit der man Brühdruckkurven frei bestimmen kann und die ein Paddle hat und bei der man per USB die Messwerte des Bezugs aufzeichnen kann? Das Argument ist natürlich deshalb fraglich, weil ich noch nicht einschätzen kann wie gut (also wie genau, reproduzierbar, etc.) diese Funktionen elektrisch in einer Silvia realisiert werden können im Vergleich zu entsprechenden High-End-Geräten. Es soll sich bitte niemand angegriffen fühlen! Ich hätte auch lieber eine GS3 oder doch gleich eine Slayer? Das faustino board wirft nur die Frage auf wie weit die Möglichkeiten eher elektronischer Lösungen in Espressomaschinen reichen. Ich wage im Augenblick nicht mir dazu ein Urteil zu bilden und bin auf verschiedene Argumente sehr gespannt.

    Bleibende Limitationen
    Zwei Argumente bleiben natürlich (Vielleicht vergesse ich da auch eine Perspektive vorschnell): Solider konstruierte Maschinen sind Temperaturstabiler. Hier ist die entscheidende Frage was die „Ramp and Soak“ Funktion des Faustino leistet. Wenn der Heizstoß vor dem Bezug das Abstürzen der Wassertemperatur beim Espressobezug verhindert, wäre der Temperaturstabilität doch genüge getan? Dass es in Dietmars Experiment danach aussieht, könnte hier nachgelesen werden:
    caffè! 1.7 (PID-Software)

    Dann ist die Silvia natürlich kein Zweikreiser, der Dampf kommt weiterhin aus dem gleichen Kessel wie das Espressowasser. Die Maschine eilt Temperaturmäßig zwischen zwei sehr verschiedenen Temperaturzuständen hin und her. Ich kann diese Limitation nicht vergleichen, der einzige Gastrobomber, an dem ich je geschäumt habe, hat mich ganz fies blamiert (Barista Wettbewerb - spanische Amateure und Ich oder Blitzupdate auf Spaziale Gastro). Ich kann aber sagen, dass ich die Dampfleistung der Silvia im täglichen Betrieb nie als mangelhaft empfunden habe und ich bin überwiegend Milchmischtrinker. Gerade seitdem ein PID (davor war der Auber eingebaut) die Temperatur anzeigt, man also auch relativ genau weiß, wann die Maschine wieder kühl genug für den nächsten Espresso ist, stört mich das Überhitzen kaum noch. Klar, einen Tisch voller Gäste kann ich nicht innerhalb von 3 Minuten mit 8 Cappuccini versorgen. Aber das kann nun wirklich auch jeder ganz anders bewerten.

    Der Preis im Vergleich:
    In meinem Einbaubeitrag habe ich den Preis des faustino mal dem Auber, den ich zuvor hatte, gegenübergestellt (vgl. Faustino kit für Miss Silvia von Rancilio: Kaufentscheidung und Einbau). Bei aktuellem Wechselkurs, der dem faustino „in die Hände spielt“, liegt der Preisunterschied inkl. Versand zu einem Auber mit steam control und „pre-infusion“ (die keine ist, aber als shot-timer sehr praktisch ist siehe: Kurzbericht: Miss Silvia und Auber PID mit pre-infusion) bei 100€, nur mit steam control 120€. Für diesen Mehrpreis bekommt man die Möglichkeit einer echten Preinfusion, eine eingebaute Zeitschaltuhr, ein Display und so weiter. Natürlich ist der Einbau etwas schwieriger (vgl. dazu mein Fazit aus dem Einbauthread).

    Der Einbau:
    In meinem Einbauthread äußere ich mich umfänglich dazu. Man sollte schon einiges über Elektronik wissen, das heißt das Gaggia Beispielprojekt genau lesen und jeden Schritt verstehen) und ein erfahrener/geschickter Bastler sein. Wenn man aber umsichtig vorgeht, kann das Problemlos in eine Silvia eingebaut werden. Die Schritt für Schritt Verkabelung werde ich bei Gelegenheit noch posten.



    Die Funktionen und die caffé Software
    Alle Zusatzfunktionen werden über die caffé Software realisiert. Ist diese erst einmal auf das Board übertragen, wird die Software dort über die Taster am Display gesteuert. Die vielen Menüs sind übersichtlich gestaltet (trotzdem komplex, weil man sehr sehr viel einstellen kann) und man kann vor allem mit den Tastern super schnell durch die ganzen Punkte navigieren. Die einzelnen Dinge (Paddle, Drucksensor, Flowmeter und noch einige mehr), die dort eingerichtet werden müssen sind kinderleicht. Beim Paddle werden einfach die Stellungen 0% Pumpenleistung und 100% Leistung im Menü hinterlegt, auf und zu drehen variiert dann die Leistung entsprechend. Beim Drucksensor muss die Spannung bei 0bar und die Spannung bei maximal Druck, sowie der maximale Druck hinterlegt werden. Besonders positiv ist mir hier aufgefallen, dass für viele verschiedene Bauteile, die der Nutzer wählen kann kompatible Lösungen bereits hinterlegt sind.


    Der Funktionsumfang:
    Ich berichte von den Funktionen, die ich wichtig finde, bzw. die das Kit von anderen PID Programmen unterscheiden. Etwas technischere Themen wie „PID Performance“ kommen eher zu kurz, ich beschreibe das eher aus der Nutzerperspektive.

    - Zeitschaltuhr/Timer
    - Aufheizautomatik und Energiesparprogramme
    - PID: Temperatursensoren kalibrieren und Autotune
    - Messwerte und USB-Monitorsoftware
    - Paddle
    - Preinfusionsprogramme
    - Ramp and Soak
    - Entkalkungsprogramm

    Zeitschaltuhr/Timer:
    Bis dato hatte ich eine hässliche alte Zeitschaltuhr hinter meiner Espressomaschine, die jetzt ausgedient hat. Es ist möglich nach Lust und Laune die Maschine aufzuwecken und schlafen zu schicken. Hat man keine Zeitschaltuhr, ergibt sich hier eine (kleine) Ersparnis, die man in den Preis des faustino einrechnen kann. Übrigens kann die Maschine zu einer bestimmten Uhrzeit auch einen Alarmton machen. Wer also keinen Wecker hat und sein Handyladegerät gerade nicht finden kann: wenn ihr in der Küche schlaft, kann euch eure Espressomaschine wecken !


    Aufheizautomatik und Energiesparprogramme:
    Die Zeitschaltuhr hat bei mir aber an Bedeutung eingebüßt, weil die Warm up Funktion hervorragend funktioniert! Aktiviert man dieses Programm wird die Maschine zunächst über die Zieltemperatur hinaus aufgeheizt, dann wird zehnmal kurz die Pumpe mit niedriger Flussrate aktiviert und heizt so mit heißem Wasser aus dem Boiler die Brühgruppe auf. Zwischendrin wird immer etwas nachgeheizt und am Ende gibt es doch tatsächlich eine Punktlandung auf der Zieltemperatur! Innerhalb von 10 Minuten kriegt man die Maschine so wirklich durchgeheizt. Ich habe das nicht objektiv überprüft, aber die Maschine scheint mir deutlich wärmer als nach einer halben Stunde oder sogar Stunde Vorlaufzeit ohne Bezug, allerdings nicht so warm wie nach einem Tag Dauerbetrieb. Diese Eindrücke können sich aber noch ändern, da Silvia noch nicht wieder ihre Rückwand bekommen hat.

    Die Energiesparoptionen sind ebenfalls sehr praktisch. Man kann frei einstellen nach wieviel Minuten in den Eco-Mode gewechselt werden soll. Dort hält die Maschine dann eine vorgegebene Temperatur. Die Maschine kann etwa bei 80° gehalten werden, das Aufwärmen zur Bezugstemperatur dauert dann nicht lange während gleichzeitig wohl überproportional Energie gespart wird (ich habe es nicht nachgemessen). Zudem kann eine Standby-Zeit gewählt werden, ab der die Maschine gar nicht mehr nachheizt.
    Geändert von octabeer (21.01.2011 um 22:29 Uhr)

  2. #2
    octabeer ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    PID: Temperatursensoren kalibrieren und Autotune
    Zunächst ist das Faustino kit ein PID für die Temperatur des Kessels. Die Vorteile solcher Regelungen für Einkreiser sind ja ausführlich diskutiert worden, sodass ich hier nur auf drei Unterschiede hinweisen möchte: Es gibt eine Autotune-Funktion, die einem hilft die richtigen Parameter zu finden.
    Etwas interessanter ist die Möglichkeit die Temperatursensoren zu kalibrieren. Als ich die Anleitung dazu las, dachte ich mir ehrlich gesagt: „Perfektionisten außer Rand und Band!“
    Dieser Messwert hat mich allerdings eines besseren belehrt:
    Ihr seht wie ich von einem kalibrierten Sensor, der dem Kit beiliegt, auf einen nicht kalibrierten der dem Kit ebenfalls beiliegt umschalte. Der Sprung ist der Unterschied im Messwert:


    Beide sind auf der Oberseite des Boilers angebracht. Es ist möglich, dass hier Heizwendeln laufen und der reale Unterschied nicht SOO groß ist. Wenn doch wäre es in jedem Fall ein Hinweis darauf, dass absolute PID Temperaturen quasi nicht übertragbar sind. Spannend wird die Möglichkeit der Kalibrierung auch dadurch, dass sich weitere Temperatursensoren anschließen lassen. Ich werde mir einen Wasser/Espressofesten zulegen, der dann auf kalibriert mal genau verrät wie warm/kalt der Espresso eigentlich rausläuft.

    Eine wichtige Fragestellung ist zudem WO die Temperaturmessung erfolgt (siehe dazu: PID: Anbringung eines Temperaturfühlers im/am Boiler). Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht und vielleicht wurde es hier im Forum auch schon thematisiert: bei dem Bezug, den ihr unten in Brühkurven seht, stürzt beim Bezug die gemessene Temperatur um 10° ab. Das liegt voraussichtlich an dem Ort der Messung und nicht an der realen Temperaturentwicklung im Boiler! Der Sensor ist über dem Kaltwassereingang platziert, wo beim Bezug die stärkste Abkühlung erfolgt. Dies wird häufig dafür genutzt die Zeitverzögerung bis sich der Temperaturabfall beim Bezug auf den Sensor auswirkt zu „kompensieren“. Das führt aber zu einer starken Überreaktion der Regelung. Die Temperaturstabilität über den gesamten Shot per PID zu erhöhen wird damit schwieriger. Die Ramp and Soak Funktion hat damit also einen höheren Nutzen. Wie das für eine Silvia technisch (Ort der Messung und Ramp and Soak Parameter) am besten umzusetzen ist, kann ich aber im Augenblick auch noch nicht sagen.



    Messwerte und USB-Monitorsoftware
    Das Faustino Board bietet die Möglichkeit die Messwerte live auf dem PC anzuzeigen. Dietmar hat extra für mich die Auflösung an die exotischen Maße meines Netbook angepasst, super Service! Ob man wirklich so technisch über den eigenen Espresso informiert werden will oder man doch lieber nur nach Gefühl entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen. Wenn nicht kann man sich über jeden Shot in etwa so informieren:



    Das ist ein Bezug den ich mit Paddle gemacht habe. Dazu unten mehr.

    Als erstes fällt natürlich auf, dass der gemessene Brühdruck sehr gezackt ist. Ich vermute das liegt an Wirbeln, die auf dem Weg zum Drucksensor entstehen. Der Sensor ist über ein T-Stück und eine sehr kurze Zuleitung zwischen Pumpe und Boiler angebracht. Da ich am den Zulauf ohnehin noch umbauen will, wird sich herausstellen, ob sich die Kurve glättet. Andere faustino Nutzer haben dieses Problem nicht.

    Schwierig ist derzeit auch die genaue Kalibrierung des Flowmeters. Dadurch, dass Luft aus dem System verdrängt wird, fließt Wasser ins System, dass nicht wieder als Flüssigkeit herauskommt. Zusätzlich sind die Espresso-Flussraten immer, um den Abfluss durch das Expansionsventil verändert. Da überlege ich allerdings derzeit, das Expansionsventil noch härter zu stellen, und die Pumpe nur mit niedrigerer Leistung bei korrektem Druck laufen zu lassen.

    Zu den obigen Messwerten habe ich auch zwei Fragen:
    Mein Manometer für die Brühgruppe hat 10,5 bar angezeigt, während der Sensor 12 bar angezeigt hat. Es gibt zwei Erklärungen: der Durchflusswiderstand der Maschine ist so hoch. Das (!)glaube(!) ich aber nicht so ganz, weil die Durchflussgeschwindigkeit, bei der geringen Menge, die bei Verschlussdruck über das Expansionsventil gefördert wird, keine so großen Verwirbelungen erzeugen sollte, dass der Widerstand so hoch ist und der Druck so stark abfällt.
    Zweite Möglichkeit wäre, dass das Manometer (und/oder auch der Drucksensor) falsche absolute Werte anzeigt (-en). Nun kann auch das falsch sein.

    Wieso bleibt nach dem Bezug so viel Druck im Boiler? Dort wo der rote Balken endet, habe ich die Pumpe ausgeschaltet. Möglich wäre folgende Erklärung: Das Magnetventil schließt den Weg des Boilers zur Brühgruppe, das verbleibende Wasser bleibt unter einem Restdruck, weil es ja nicht abfließen kann. Dafür spricht, dass der Druck sofort zusammenbricht, wenn man den Dampfhahn öffnet.

    Nun in einem anderen Thread wurde bedauert, dass es zu wenig Streit gibt im Kaffe-Netz und ich bin sehr harmoniebedürftig, aber mit dieser Messkurve stellt sich dann doch die Frage von Pumpen- und Brühdruck und der Korrektheit der Absolutwerte.


    Paddle
    Wie im Einbaubericht beschrieben ist das zunächst nichts weiter als ein Potentiometer, das dem faustino sagt wie viel Pumpenleistung ich aktuell gerne hätte. Man kann also wie bei einem Paddle während des Bezuges eine beliebige Druckkurve festlegen. Das aktuelle Outfit des Paddles ist noch eine Bastelei mit Augenzwinkern, das Potentiometer steckt einfach in einer Pappschachtel. Langfristig soll das Ganze in die Seitenwand der Silvia eingebaut werden und dann wird der Poti mit einem formschönen Hebel (Jemand Ideen??) auf und zu gedreht.
    Hier seht ihr eine weitere Brühkurven, die ich mit dem Paddle gemacht habe:




    Ansonsten habe ich zunächst versucht eine Preinfusion ala Gunnar zu machen, das heißt 2bar bis Tropfen zu sehen sind und dann hoch auf 9,5bar. Aktuell ist das zwei Gründen etwas schwieriger: hier wirkt sich das Zittern der Messwerte etwas auf den Überblick aus und noch ist beim Paddle kein „Halt“ implementiert, mit der man die Pumpenleistung auf Null reduziert OHNE dass das Magnetventil öffnet. So geht der Druck tendenziell nur nach oben, aber vielleicht wird das in zukünftigen Caffé Versionen abgeändert.

    Der Geschmack:
    Ich habe mit der Preinfusion noch nicht genug Erfahrung gesammelt (also Mahlgrad und Menge an Preinfusionsformen umfänglich variiert) und auch die Temperatur nicht so umfänglich verändert, dass ich jetzt schreiben könnte: Es schmeckt alles himmlich und mein Leben ist seitdem auch insgesamt sehr viel besser . Ich darf aber in jedem Fall schreiben:
    Je nachdem wie ich mit dem Paddle meinen Bezug mache, schmeckt das Ergebnis deutlich verschieden. Der Geschmack deutet an, dass der Drucksensor korrekte Werte anzeigt. Die Espressi, die ich zwischen 9 und 10 bar beziehe, bilden deutlich mehr Crema und schmecken sachter als die bei ganz normalem Bezug, wo der Druck zwischen 11 und 12 bar liegt. Noch ist das alles aber nicht optimiert, sondern eher ein Rumprobieren. Wie reproduzierbar solche Kurven von Hand sind, kann ich noch nicht so richtig einschätzen. Die bisherigen sahen sich in etwa ähnlich.

    Eine wichtige Folgerung daraus ist, dass es auch möglich ist einen Espresso mit 12 bar zu extrahieren, zumindest wenn das Expansionsventil entsprechend härter eingestellt wurde. Man kann also ohne die Maschine zu öffnen und die Schraube des Expansionsventil zu verändern ausprobieren, ob man sich für eine bestimmte Bohnensorte der 12 bar Fraktion anschließen will.


    Preinfusionsprogramme:
    Die caffé Software ist nicht auf ein Paddle angewiesen, da auch fertige Pre-Infusionsrampen möglich sind. Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Pre-infusion mit 13 bar, Bezug mit 3 oder was euch einfällt. Einziges Problem die Pumpenleistung wird in Durchflussraten bei Leerbezug angegeben, man muss also etwas probieren bis die gewählten Durchflussraten dem gewünschten Druckniveau entsprechen. Ich bin nicht ganz sicher, aber wenn ich alles richtig verstanden habe, wird die Pumpe derzeit nur gesteuert und nicht geregelt, das heißt die Pumpe folgt einer vorgegebenen Größe, wie zum Beispiel 70% Leistung, orientiert sich aber nicht aktuellen Messwerten, die über einen Soll/Ist Vergleich die Pumpe regeln.

    Ramp and Soak:
    Leider hatte ich noch nicht die Zeit dieses Programm auszuprobieren. Über die Möglichkeiten habe ich oben bereits geschrieben, wer sich genauer informieren will, sollte zusätzlich Dietmars Thread lesen. Wenn ich das bei mir ausprobiert habe, schreibe ich etwas zu den Ergebnissen.

    Entkalkungsprogramm:
    Es gibt zudem ein automatisiertes Entkalkungsprogramm, das verschiedenste Einstellungen zulässt.

    Wer sich genauer über die einzelnen Funktionen und ihre technische Realisierung informieren will, kann sich die Caffé Software runterladen und dort das Handbuch studieren:
    http://www.projectcaffe.elementfx.com/
    Geändert von octabeer (17.08.2010 um 14:27 Uhr)

  3. #3
    octabeer ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    Ich weiß nicht ganz genau, wer alles an der Programmierung der caffé Software beteiligt ist, mir erscheinen die Programmierer jedenfalls beängstigend genial! Was hier alles an kleinen Helferlein hinterlegt ist, die den Espressoalltag komfortabler machen, ist der Wahnsinn. Ich frage mich ob hier nicht ein neuer Typus von Espressomaschine entsteht:
    so eine Art Espresso-Halb-Automat mit unbegrenzten Möglichkeiten für Bequemlichkeit (Aufwärmautomatik, fertige Brühprofile) und Spieltrieb (Messen und Einstellen)?

    Die entscheidende Frage wird dabei natürlich sein: was tut sich in der Tasse?
    Ich für meinen Teil finde es interessant so viele Möglichkeiten zu haben auf das Ergebnis einzuwirken. Ob dabei in 500 Cappuccini und 230 Espressi Ernüchterung eintreten wird, weiß ich noch nicht. Gegenwärtig überwiegt der Spieltrieb.

    Beste Grüße
    octa

  4. #4
    ChristianK ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    Hallo,
    mir ist nicht ganz klar wie Faustoino an die Pumpe angeklemmt wird. Ist da noch Hardware nötig um die Pumpe zu steuern?
    Gruß
    Christian
    Neues Expansionsventil der Oscar Warmwasser<-->Kaltwasser
    Restaurierung La San Marco 85-16
    LM GS/3 - Mazzer Kony-E - Compak K3

  5. #5
    Mark_Twain ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    Faustino steuert die Pumpe mittels eines Relais an. Das Relais (und eine Menge weiterer Teile) werden mit Faustino mitgeliefert. Dann kannst du die Pumpenleistung entweder manuell per "Paddle" steuern, oder Präinfusionsprogramme einprogrammieren und per Schalter abrufen.

  6. #6
    stehie ist offline Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    In einem anderen Thread heisst es

    "Kurz zur Theorie: das faustino kit erlaubt eine Phasenanschnittsteuerung der Pumpe, das heißt die Leistung der Pumpe kann elektrisch hoch und runter geregelt werden."

    Hier heist es, die Pumpe wird mittels eines Relais angesteuert. Wie ist es denn nun wirklich ?

    Auf der faustino Webseite habe ich nichts dazu gefunden, das auf der Platine eine Anschnittsteuerung vorgesehen wäre !?

    So wie ich das sehe wird die "Leistung" dann ja nur durch Ein/Aus der Pumpe geregelt, u. Umständen das halt sehr flott.

    Gruß Stefan

  7. #7
    Mark_Twain ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    Wo siehst du da einen Widerspruch?

    Auf der Faustino-Website findest du unter "Features": "Zero crossing circuit for phase angle control". In Octabeers erstem Thread zu dem Thema wirst du auch fündig: Faustino kit für Miss Silvia von Rancilio: Kaufentscheidung und Einbau

  8. #8
    stehie ist offline Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    Mittlerweile bin ich darauf gestoßen das hier Halbleiter SSR Relais verwendet werden, das erklärt doch einiges. Finde ich genial ! Mich würde interessieren um was für Typen es sich hierbei handelt ?

    Je mehr ich über das faustino lese, umso interessanter wird es für mich und meinen geplanten Einsatzzweck, um eben genau das Problem der Preinfusionsregelung, nach "Paddle"

    Gruß Stefan

  9. #9
    octabeer ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    Hei!



    Also, in Sachen Preinfusion ist auf dem faustino board alles fertig integriert.
    Wenn ich alles richtig verstanden habe wird per Phasenanschnittsteuerung der Druck reduziert. Diese Ansteuerung wird mit einer Nulldurchgangserkennung und "zünden" des Triac über das Relais realisiert, das so nur Teile der Halbwelle der Stromversorgung, die den Pumpenkolben treibt, durchlässt. Es erfolgt eine Druck-Steuerung, keine Regelung! Das bedeutet die Pumpe wird auf einem bestimmten Arbeitspunkt gehalten.
    Eine Regelung ist angedacht, dann wäre es auch möglich unabhängig vom Fluss ein bestimmtes Druckniveau zu halten.


    Vom Handling her funktioniert die Preinfusion bestens. Die Preinfusion kann über zwei Wege gesteuert werden:
    Man gibt vorab ein "Leistungsprofil" ein, das dann nachgefahren wird. Bei diesen Brühprogrammen kann man allerdings dann nicht mehr eingreifen, wenn die Preinfusion schneller durchgezogen sein sollte oder so etwas.
    Die andere Möglichkeit ist, dass ein Potentiometer einen Kontrollstrom verändert, also das Auf und Zudrehen des Potis auf die Pumpe übertragen wird.
    Eine Preinfusion, die ich so durchgeführt habe seht ihr hier:




    !!!WICHTIG!!! Diese Grafik enthält die wahrscheinlich wichtigste Funktion des faustino NICHT!! Ich bin noch nicht dazu gekommen Ramp and Soak zu integrieren. Damit würde die Temperatur beim Brühen nicht so stark abfallen und vorher mit einem Heizstoß die Gesamttemperatur über den Shot hinweg stabilisiert werden.

    Bei der zitternden Druckkurve bin ich noch überfragt. Die Ausschläge könnten an Luftblasen in der Sackgasse des Druckmessers oder Verwirbelungen liegen, da die Werte bei ausgeschalteter Pumpe konstant sind und die Werte des Flow-Meters auch nicht so stark zittern. Ein cross talking kann ich ebenfalls nicht ausschließen, weil die Kabel noch nicht sehr geschickt verlegt sind. ich weiß aber nicht ob dann nicht noch größere Abweichungen angezeigt werden müssten.

    Sonst sieht man sehr gut, dass die Flussrate zum Fluten hoch liegt, dann einbricht, wenn der Druck gegen den Puck ansteigt und dann schließlich hochgeht, wenn ich zum Bezug übergehe.




    Zum Espressoleben mit Pre-Infusion kann ich mittlerweile folgendes berichten: Es lohnt sich!
    Bei den Bohnen, die ich jetzt verwende, verändert sich der Geschmack deutlichst, wenn man verrückte Brühkurven wählt:

    Wenn man die Preinfusion zu lange laufen lässt (die ersten 5 Sekunden der Extraktion auch noch mit 2 bar) wird der Geschmack karameliger, weniger Nussig/Schokoladig, insgesamt stark einebnend.

    Ein Brühprogramm ging mal völlig schief, der Druck war 10bar - 5 bar - 10 bar, das Ergebnis mit Milch und Zucker war sehr merwürdig.


    Ich bin bis dato am zufriedensten mit:
    Mit bis 3,5bar durchfeuchten, dann den Druck schnell, aber nicht schlagartig erhöhen bis auf 11 und dann langsam absinken, zum blondieren hin schnell abfallend.
    Das ergibt bei mir einen sehr nussigen, kaum bitteren Geschmack, der schön differenziert und voll schmeckt.

    Letztenendes müsste ja das Pressureprofiling in eingeschränktem Maße nichts anderes sein als den Bezug aufzuteilen. Also wenn ihr euren Shot im 5 Sekunden Takt in neue Espressotassen füllt und schmeckt wenn welche Aromen gelöst werden. Wenn der Druck und damit der Fluss niedriger ist, werden weniger Aromen gelöst. Man kann hier also unerwünschte Aromen vermutlich etwas rausreduzieren und hat trotzdem alles in einer Tasse.

    Insgesamt sind meine Ergebnisse deutlich konstanter geworden. Ich bin bekennender Milchmischtrinker, weil die Milch die dominanten Aromen dämpft und dafür kleine Noten schmeckbar macht. Deswegen suche ich immer nach dem Cappuccino, der sich herrlich im Mund entfaltet und perfekt schmeckt. Die anderen sind meistens nur gut, manchmal auch schlecht...

    Bei Silvia ohne alles und ohne Ahnung war das so alle 50 Tassen
    Mit Temperatursurfen alle 40
    Mit Auber alle 15-10
    Mit Mazzer Mini E Modell B alle 5-8
    Mit Faustino und geübter Preinfusion alle 3-5

    Was da wohl noch mit Ramp and Soak geht?


    Wenn ihr noch fragen habt zum Einbau oder zum Handling, immer her damit! Es steht aber auch schon einiges in meinen Beschreibungen und auch bei dem Einbauprojekt in eine Gaggia, das ich in meinen Beschreibungen auch verlinkt habe.

    Beste Grüße
    octa

  10. #10
    escape ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!

    Sehr interessante, Danke.

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