Hallo!
Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!
Den Einbau eines Faustino Boards in eine Miss Silvia sowie den Einbau eines Drucksensors sowie eines Paddles habe ich bereits in diesem Thread zusammengefasst:
Faustino kit für Miss Silvia von Rancilio: Kaufentscheidung und Einbau
EDIT: Ein aktuelles Foto!
Hier ein Foto, wie sie zuvor aussah:
In diesem Beitrag möchte ich vom Funktionsumfang und dem Espressoalltag mit einer Miss Silvia Faustino berichten.
Motivation des Kaufs und Einbaus:
Wie in einigen Posts von mir beschrieben, war meine ursprüngliche Motivation für den Kauf, dass ich mich für die Möglichkeit einer Preinfusion interessiert habe. Genaugenommen wollte ich gerne meine Druckkurven frei wählen und dachte, dass sich das doch irgendwie, der Lösung von Gunnar und Bane ähnlich, elektrisch lösen lassen müsste. Das faustino board beendete alle meine unausgegorenen Planungen, weil diese Funktionen schon an Bord waren.
Die Kaufentscheidung:
Aufrüstung vs. Neuanschaffung:
Kaufentscheidungen sind natürlich subjektiv und der Hinweis, dass Summe von faustino und Miss Silvia nicht mehr weit wären zu Maschinen in anderen Klassen, ist nicht von der Hand zu weisen. Ich würde dem dennoch zwei Dinge entgegenhalten: Miss Silvia war schon da und wurde gekauft, als ich mir noch nicht sicher war, ob Espresso machen wirklich zu einem Hobby wird, ich wollte ja nur passablen Kaffee frühstücken (Wie bei allen, kam es natürlich auch bei mir viel schlimmer, das Ganze wurde zu einer Obsession). Der Preisabstand wäre dann also der Verkaufswert einer gebrauchten Silvia + faustino kit, zuzüglich der Scheidungskosten und einem guten Therapeuten, denn wie könnte ich sie hergeben?
Funktionsumfang:
Das zweite Argument, das nicht ganz ernst gemeint ist (!), ist der Funktionsumfang der mit einem faustino realisiert wird: Was kostet eine Maschine mit PID und mit der man Brühdruckkurven frei bestimmen kann und die ein Paddle hat und bei der man per USB die Messwerte des Bezugs aufzeichnen kann? Das Argument ist natürlich deshalb fraglich, weil ich noch nicht einschätzen kann wie gut (also wie genau, reproduzierbar, etc.) diese Funktionen elektrisch in einer Silvia realisiert werden können im Vergleich zu entsprechenden High-End-Geräten. Es soll sich bitte niemand angegriffen fühlen! Ich hätte auch lieber eine GS3 oder doch gleich eine Slayer? Das faustino board wirft nur die Frage auf wie weit die Möglichkeiten eher elektronischer Lösungen in Espressomaschinen reichen. Ich wage im Augenblick nicht mir dazu ein Urteil zu bilden und bin auf verschiedene Argumente sehr gespannt.
Bleibende Limitationen
Zwei Argumente bleiben natürlich (Vielleicht vergesse ich da auch eine Perspektive vorschnell): Solider konstruierte Maschinen sind Temperaturstabiler. Hier ist die entscheidende Frage was die „Ramp and Soak“ Funktion des Faustino leistet. Wenn der Heizstoß vor dem Bezug das Abstürzen der Wassertemperatur beim Espressobezug verhindert, wäre der Temperaturstabilität doch genüge getan? Dass es in Dietmars Experiment danach aussieht, könnte hier nachgelesen werden:
caffè! 1.7 (PID-Software)
Dann ist die Silvia natürlich kein Zweikreiser, der Dampf kommt weiterhin aus dem gleichen Kessel wie das Espressowasser. Die Maschine eilt Temperaturmäßig zwischen zwei sehr verschiedenen Temperaturzuständen hin und her. Ich kann diese Limitation nicht vergleichen, der einzige Gastrobomber, an dem ich je geschäumt habe, hat mich ganz fies blamiert (Barista Wettbewerb - spanische Amateure und Ich oder Blitzupdate auf Spaziale Gastro). Ich kann aber sagen, dass ich die Dampfleistung der Silvia im täglichen Betrieb nie als mangelhaft empfunden habe und ich bin überwiegend Milchmischtrinker. Gerade seitdem ein PID (davor war der Auber eingebaut) die Temperatur anzeigt, man also auch relativ genau weiß, wann die Maschine wieder kühl genug für den nächsten Espresso ist, stört mich das Überhitzen kaum noch. Klar, einen Tisch voller Gäste kann ich nicht innerhalb von 3 Minuten mit 8 Cappuccini versorgen. Aber das kann nun wirklich auch jeder ganz anders bewerten.
Der Preis im Vergleich:
In meinem Einbaubeitrag habe ich den Preis des faustino mal dem Auber, den ich zuvor hatte, gegenübergestellt (vgl. Faustino kit für Miss Silvia von Rancilio: Kaufentscheidung und Einbau). Bei aktuellem Wechselkurs, der dem faustino „in die Hände spielt“, liegt der Preisunterschied inkl. Versand zu einem Auber mit steam control und „pre-infusion“ (die keine ist, aber als shot-timer sehr praktisch ist siehe: Kurzbericht: Miss Silvia und Auber PID mit pre-infusion) bei 100€, nur mit steam control 120€. Für diesen Mehrpreis bekommt man die Möglichkeit einer echten Preinfusion, eine eingebaute Zeitschaltuhr, ein Display und so weiter. Natürlich ist der Einbau etwas schwieriger (vgl. dazu mein Fazit aus dem Einbauthread).
Der Einbau:
In meinem Einbauthread äußere ich mich umfänglich dazu. Man sollte schon einiges über Elektronik wissen, das heißt das Gaggia Beispielprojekt genau lesen und jeden Schritt verstehen) und ein erfahrener/geschickter Bastler sein. Wenn man aber umsichtig vorgeht, kann das Problemlos in eine Silvia eingebaut werden. Die Schritt für Schritt Verkabelung werde ich bei Gelegenheit noch posten.
Die Funktionen und die caffé Software
Alle Zusatzfunktionen werden über die caffé Software realisiert. Ist diese erst einmal auf das Board übertragen, wird die Software dort über die Taster am Display gesteuert. Die vielen Menüs sind übersichtlich gestaltet (trotzdem komplex, weil man sehr sehr viel einstellen kann) und man kann vor allem mit den Tastern super schnell durch die ganzen Punkte navigieren. Die einzelnen Dinge (Paddle, Drucksensor, Flowmeter und noch einige mehr), die dort eingerichtet werden müssen sind kinderleicht. Beim Paddle werden einfach die Stellungen 0% Pumpenleistung und 100% Leistung im Menü hinterlegt, auf und zu drehen variiert dann die Leistung entsprechend. Beim Drucksensor muss die Spannung bei 0bar und die Spannung bei maximal Druck, sowie der maximale Druck hinterlegt werden. Besonders positiv ist mir hier aufgefallen, dass für viele verschiedene Bauteile, die der Nutzer wählen kann kompatible Lösungen bereits hinterlegt sind.
Der Funktionsumfang:
Ich berichte von den Funktionen, die ich wichtig finde, bzw. die das Kit von anderen PID Programmen unterscheiden. Etwas technischere Themen wie „PID Performance“ kommen eher zu kurz, ich beschreibe das eher aus der Nutzerperspektive.
- Zeitschaltuhr/Timer
- Aufheizautomatik und Energiesparprogramme
- PID: Temperatursensoren kalibrieren und Autotune
- Messwerte und USB-Monitorsoftware
- Paddle
- Preinfusionsprogramme
- Ramp and Soak
- Entkalkungsprogramm
Zeitschaltuhr/Timer:
Bis dato hatte ich eine hässliche alte Zeitschaltuhr hinter meiner Espressomaschine, die jetzt ausgedient hat. Es ist möglich nach Lust und Laune die Maschine aufzuwecken und schlafen zu schicken. Hat man keine Zeitschaltuhr, ergibt sich hier eine (kleine) Ersparnis, die man in den Preis des faustino einrechnen kann. Übrigens kann die Maschine zu einer bestimmten Uhrzeit auch einen Alarmton machen. Wer also keinen Wecker hat und sein Handyladegerät gerade nicht finden kann: wenn ihr in der Küche schlaft, kann euch eure Espressomaschine wecken!
Aufheizautomatik und Energiesparprogramme:
Die Zeitschaltuhr hat bei mir aber an Bedeutung eingebüßt, weil die Warm up Funktion hervorragend funktioniert! Aktiviert man dieses Programm wird die Maschine zunächst über die Zieltemperatur hinaus aufgeheizt, dann wird zehnmal kurz die Pumpe mit niedriger Flussrate aktiviert und heizt so mit heißem Wasser aus dem Boiler die Brühgruppe auf. Zwischendrin wird immer etwas nachgeheizt und am Ende gibt es doch tatsächlich eine Punktlandung auf der Zieltemperatur! Innerhalb von 10 Minuten kriegt man die Maschine so wirklich durchgeheizt. Ich habe das nicht objektiv überprüft, aber die Maschine scheint mir deutlich wärmer als nach einer halben Stunde oder sogar Stunde Vorlaufzeit ohne Bezug, allerdings nicht so warm wie nach einem Tag Dauerbetrieb. Diese Eindrücke können sich aber noch ändern, da Silvia noch nicht wieder ihre Rückwand bekommen hat.
Die Energiesparoptionen sind ebenfalls sehr praktisch. Man kann frei einstellen nach wieviel Minuten in den Eco-Mode gewechselt werden soll. Dort hält die Maschine dann eine vorgegebene Temperatur. Die Maschine kann etwa bei 80° gehalten werden, das Aufwärmen zur Bezugstemperatur dauert dann nicht lange während gleichzeitig wohl überproportional Energie gespart wird (ich habe es nicht nachgemessen). Zudem kann eine Standby-Zeit gewählt werden, ab der die Maschine gar nicht mehr nachheizt.


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