Aus Zeitmangel hatte ich die letzten beiden Jahre einen Vollautomaten (WMF 1000) genutzt. Seit Ende letzten Jahres habe ich nun mehr Zeit für Genüsse wie guten Espresso, deshalb kam wieder eine Siebträgermaschine ins Haus. Es wurde eine Dalla Corte Mini, mit der ich nun seit Mitte Dezember meine Esspressi und Cappus mache. Hier nun ein kurzer Erfahrungsbericht.
Die Maschine wurde in sehr stabiler Verpackung auf einer Holzpalette geliefert. Dank ihrer kompakten Abmessungen (24 cm breit, ca. 34 cm tief ohne Griff des Siebträgers) passt sie überall hin - die Mazzer wirkt daneben richtig gross. Die Fertigungsqualität sieht aussen wie innen für mich sehr gut aus. Das polierte Edelstahlgehäuse ist makellos. Lediglich die (wahrscheinlich lasergeschnittenen) Kanten sind etwas scharf aber absolut glatt. Auffangwanne und Deckel über dem Wasserbehälter lassen sich problemlos herausnehmen und wieder einsetzen. Der Wasserbehälter ist ein leicht herausnehmbarer Kunststoffkanister, der sich mit Trichter nach abnehmen des Deckels von oben befüllen läßt. Er fasst schätzungsweise 2,5 bis 3 l Wasser. Die Betriebsanleitung enthält Konformitätserklärungen zu den EU-Sicherheitsstandards und Testzertifikate für die Maschine und das eingebaute Sicherheitsventil. Die deutsche Übersetzung ist allerdings teilweise miserabel. Da die Maschine aber einfach zu bedienen ist, kommt man damit problemlos klar.
Die DC-Mini ist eine Dual-Boiler Maschine mit separaten Dampf- und Brühkesseln. Der rel. kleine Brühkessel ist thermisch mit der Brühgruppe gekoppelt. Die Brühgruppe ist nach aussen durch einen Kunstoffmantel thermisch abgeschirmt, dessen Oberfläche sich auch nur rel. gering erwärmt. Die Temperatur des Brühkessels wird elektronisch geregelt (nicht mit Pressostat) und lässt sich mit einem analogen Drehknopf zwischen 85 und 105 GradC einstellen. Bei einer Einstellung auf 95 Grad wird die Brühkesseltemperatur ca. 5 min nach dem Einschalten erreicht (Kontrolllampe des Reglers geht aus). Ca. 7 min nach Einschalten hat auch der Dampfboiler genügend Druck, sodass man schon jetzt Milch für Cappus aufschäumen kann. Und das kleine Maschinchen hat sehr reichlich Dampf, auch mit wenig Übung hat man schnell viel guten Schaum. Ca. 10 min nach Einschalten und 1 bis 2 Leerbezügen ist auch der Siebträger heiss genug, um den ersten Espresso zu machen. Das thermische Design der DC mini, also die thermische Kopplung zwischen Brühboiler und Brühgruppe sowie deren thermische Abschirmung gegen die Raumluft durch einen Kunststoffmantel führt offenbar zu sehr schneller Betriebsbereitschaft. Daraus lässt sich auch schliessen, dass die DC mini (im Vergleich zur "klassischen" E-61 Maschinen) recht stromsparend arbeitet, was bei den heutigen Strompreisen nicht zu vernachlässigen ist. Nachteilig ist, dass die Ablagefläche für Tassen innerhalb der kurzen Aufheizzeit kaum warm wird, Tassen müssen also mit Dampf oder Heisswasser vorgewärmt werden, es sei denn die Maschine bleibt für längere Zeit eingeschaltet. Leider lässt sich der Dampfboiler nicht separat ausschalten, im Sinne von Energieeffizienz für mich unverständlich.
Die erstmalige Optimierung der Brühparameter (Mahlgrad, Tampern, Brühwassermenge und Brühtemperatur) dauerte ca. 2 bis 3 Stunden, dann hatte ich den ersten sehr ordentlichen Espresso, wobei ich das Doppelsieb benutzte. Dieses hat einen etwas geringeren Durchmesser (ca 54 mm) als sonst gebräuchliche Siebe und ist entsprechend tiefer. DC liefert einen schönen Alu-Tamper mit. Bei meinem Federhebeltamper musste ich die Tamperscheibe gegen eine entsprechend kleinere tauschen. Mit den von mir bevorzugten Arabica-Bohnen nutze ich z. Zt. folgende Brühparameter: ca. 45 ml (Doppelsieb) Brühwasser, Mahlgrad 5.2 (Mazzer mini), tampern mit ca. 180 bis 200 N, Brühboilertemperatur auf 95 GradC, Durchlaufzeit ca. 23 bis 25 sek. Das ergibt für meinen Geschmack sehr guten Espresso (und Cappu). Das zarte Bitterschokoladearoma des Arabica kommt sehr gut zur Geltung, sehr dezente Säure, angenehm langer Nachgeschmack auf der Zunge. Lediglich die Crema kommt mir etwas dünn vor, ist aber stabil und hat die (für mich) "richtige" Farbe. Bohnen mit Robusta-Anteil hab ich allerdings noch nicht probiert. Seit Wochen brauchte ich nun nicht mehr mit den Brühparametern rumzuspielen, die DC arbeitet offenbar sehr reproduierbar, was mir entgegenkommt. Ich will einfach täglich einige gute Espressi trinken, habe aber keinen Ehrgeiz, mich zum mehr oder minder kunstvollen Barista zu entwickeln.
Soweit man das nach knapp 2 Monaten sagen kann, hat die DC mini meine Erwartungen, die ich in diese nicht ganz billige Neuerwerbung setzte, zumindest bisher voll erfüllt. Ich erziele damit bessere (schmackhaftere und reproduzierbarere) Ergebnisse, als mit der früher von mir benutzten San Marino (CMA). Was nicht heissen soll, dass jemand mit mehr Erfahrung, Spieltrieb und Experimentierzeit damit nicht genauso gute oder vielleicht sogar bessere Resultate erzielen würde. Nach meiner Einschätzung liegt die Stärke der DC mini darin, weniger Anforderungen an den "Barista" zu stellen, als die "Klassiker" mit E61 Brühgruppe. Keinesfalls will ich behaupten, dass sie besseren Espresso machen kann, als jene.
+ sehr kompakt
+ schnelle Betriebsbereitschaft
+ braucht wenig Einarbeitungszeit
+ viel Dampf (Dual Boiler)
+ arbeitet sehr reproduzierbar
- Dampfboiler nicht separat schaltbar
- Heisswasserbezug nur über die Brühgruppe
- Betriebsanleitung
Gruss, Helge


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