Hallo!
Ich habe diesen Thread eröffnet um von dem Einbau eines Temperaturfühlers in die Brühgruppe einer Miss Silvia zu berichten.
Das Umbauprojekt geht zurück auf die Diskussionen in diesem Thread:
Temperaturstabilität von Einkreisern: PID, Pre-Infusion und kaltes Fluten.
Diskussionen über Sinn oder Unsinn dieses Umbaus sollten am besten dort geführt werden.
Interesse der Debatte war herauszufinden welche Brühtemperatur eine Miss Silvia während des Shots hat. Nachdem sich verschiedene Behelfsmessungen als schwierig erwiesen und ich die tatsächliche Brühtemperatur über das faustino-board auch dauerhaft in meinem Espressoalltag sehen möchte, habe ich mich entschieden einen Temperatursensor in die Brühkammer meiner Miss Silvia einzubauen. Für die Funktionalitäten, die sich daraus ergeben siehe hier:
Darf ich vorstellen: Miss Silvia Faustino mit Paddle und USB!
Dennoch habe ich einen eigenen Thread eröffnet, da der Einbau eines Temperatursensors in einen Kessel oder eine Brühgruppe von allgemeinem Interesse ist (Temperaturmessung im Brühkopf mit PT100-Fühler) und so dieser „Bauplan“ auch in 3 Jahren leichter gefunden wird.
Vorab:
Ich bin nicht der erste auf dem Mond, natürlich. Jumosan hat das vor ein paar Wochen schon eingebaut. Er hat etwas davon berichtet:
Temperaturstabilität von Einkreisern: PID, Pre-Infusion und kaltes Fluten.
und hier
Temperaturstabilität von Einkreisern: PID, Pre-Infusion und kaltes Fluten.
Vielleicht hat das davor schon mal jemand gemacht.
Für alle die schon mal ein Gewinde geschnitten haben und sich mit Metallbearbeitung etwas auskennen, ist das Projekt vermutlich einfach, für Leute, die einen Bohrer erkennen können, machbar (Solange man nicht, wie ich, der Meinung ist es müsse ein 0,5 mm dicker Sensor sein, aber dazu später mehr). In meinem Fall, war es die Hilfe von McGyver2K ohne dessen technische Tipps und Hilfe beim Einbauen ich das nicht hinbekommen hätte. Er hat 90% des Sachverstandes beigesteuert, aber ich immerhin 97% des Wahnsinns das tatsächlich auszuprobieren.
Auswahl der Temperatursensoren:
Eigentlich gibt es vorher noch einen Schritt, nämlich die Messplattform auswählen. Das dürfte bei den meisten hier im Board entweder ein Multimeter oder ein Board von faustino sein (dort kann man neben dem Sensor auf dem Boiler, der den PID für die Heizung steuert, weitere Sensoren anschließen, bis zu, äh 6?, sehr viele!). Jumosan hat dafür Bauteile von Jumosan verwendet, letztlich gibt es dutzende Möglichkeiten das zu realisieren. Eine dauerhafte Messplattform macht natürlich bei einem dauerhaft installierten Sensor mehr Sinn.
Bei den Sensoren kamen für mich zwei Typen in Frage: Pt100, teuer, träge (ich habe jedenfalls keine 1mm dicken Sensoren gefunden?), aber dafür korrekte Absolutwerte (bitte Ergänzungen, Änderungen, wenn jemand hier eine Sensortypologie posten will, nur zu!) oder ein Typ-K billig (hrm, hrm, siehe unten), schnell, muss aber kalibriert werden für passende Absolutwerte.
Da für mich Ansprechzeit sehr wichtig war und das Faustinoboard eine komfortable Funktion zum kalibrieren über Eiswasser (ich kriege jetzt von der Tiefkühltruhe immer zugerufen: „Ist das destilliertes Wasser oder Eiswürfel?“) und kochendes Wasser verfügt, habe ich mich für einen Typ K entschieden.
Ziel des Einbaus ist es, über Heizprogramme („Ramp and Soak“ heißt die Funktion auf dem faustino board), die Brühtemperatur zu stabilisieren, deshalb wählte ich schließlich einen 0,5mm dicken Typ K Mantelfühler, weil die T90 Zeit (Zeit bis 90% eines Messwertsprungs vom Fühler abgebildet werden) bei einer bestimmten Wasserfließgeschwindigkeit bei 0,2 Sekunden liegt. So viel Wasser fließt in der Silvia nicht, aber nach weniger als 1 Sekunde bin ich im Bilde, wie nun die Brühtemperatur aussieht, bei 1,5mm waren das durchaus 4-6 Sekunden.
Für solche Übertreibungen zahlt man einen hohen Preis: Der Sensor ist super erz-mega-über- empfindlich! Also überlegt euch, ob ihr es auch so genau wollt, ich habe jetzt jedenfalls ein gespanntes Metallhaar in meiner Maschine verlegt, keine gutes Gefühl, wenn man „nur mal eben was machen will“. (Für andere Silvia-Nutzer mit faustino Produkten, bietet sich durch die Vergleichbarkeit des T-Sic auf dem Boiler an, einfach einen etwas trägeren Sensor zu verbauen und die Werte mit meinen abzugleichen).
Auswahl der Einbaumethode
Soweit wie ich das überschaue gibt es drei Möglichkeiten, um einen Temperatursensor dauerhaft in eine Flüssigkeit zu tauchen:
1) Tauchhülse: Ein Metallstift mit Gewinde, der in der Mitte eine Bohrung hat in die von oben der Sensor gesteckt werden kann. Dann gehen auch Sensoren, die nicht wasserfest sind. Mehr weiß ich aber auch nicht drüber, insbesondere wie es mit dem Druck des Kessels/der Brühgruppe auf das „Stiftchen“ aussieht.
2) Der Sensor ist fest in einer (möglichst dünnen) Hülle vergossen, wie in meinem Fall, und wird mit (gesundheitlich geeigneten?) Lot einfach fest eingelötet. Das wollte ich nicht, siehe Einbauplan. Ich kenne mich mit dieser Montage auch nicht aus, wenn dazu jemand etwas schreiben möchte?
3) Der Sensor ist fest vergossen und wird über ein Gewinde in ein Loch geschraubt. Nachdem McGyver mir den Floh ins Ohr gesetzt hatte, dass das doch gehen müsste, musste es versucht werden =)
Kauf des Sensors:
Es gibt einige Hersteller, die Typ-K Fühler mit festem Gewinde am Vergussteil anbieten.
Omega bietet eine breite Auswahl, bei Greisinger gibt es die Möglichkeit sich entsprechende Sensoren mit Gewinde anfertigen zu lassen, was aber nicht billig ist. Ein Problem ist, dass der Messfühler meistens zu lange ist, ihr also 10cm Verguss“draht“hülse zwischen Messpunkt und Gewinde habt. Das kann zu Problemen beim verlegen des Sensors führen.
Es gibt auch keinen Hersteller, der so dünne Typ K Fühler mit Verschraubung anbietet. Wäre glaube ich auch wiedersinnig: ein so feiner Sensor, der irgendwo hängen bleibt und beim Einschrauben gedreht wird, bricht einfach ab.
Zweite Möglichkeit: Klemmverschraubungen! Hier wird der Fühler durch einen Kegel geschoben der zwischen zwei Schrauben zugequetscht wird. Es gibt verschiedene Kegel: Edelstahlkegel sind bis zu sehr hohem Druck dicht, aber das nur weil sie sich einmalig in die Ummantelung graben, also nicht wieder löslich sind. Messing Kegel sind so ein bisschen löslich, aber ganz habe ich es nicht kapiert, bei 0,5mm muss man wohl auch eher damit rechnen, den Sensor nicht wieder in einem Stück rauszukriegen. Teflonkegel sind löslich, wenn man vorsichtig ist.
Wer sich das mal als Bild anschauen will: http://www.electronic-sensor.de/kvfte3.gif
Aber: Es gibt keine Hersteller, der Klemmverschraubungen mit Teflonkegel für so dünne Typ K Fühler bei 100° und 15 bar Druck anbietet, die auch wieder von Fühler abgelöst werden können.
Außer *Trommelwirbel*: ES Electronic Sensor GmbH
Ok, die liefern normalerweise nicht an Privatanwender und ich bin endgültig im Forschungsbedarf gelandet (wurde auch gleich mit einem Namensvetter aus der technischen Thermodynamik verwechselt, leider hat das nicht bis zu Rechnung angehalten), aber ich habe mein Equipment bekommen.
Zusammen mit Porto und Mwst., dann doch etwas über 70€, sonst nicht mal soo teuer.
Alternativ hätte man das Ganze mit einer Klemmverschraubung von Omega versuchen können, da wäre man möglicherweise etwas günstiger gelandet.
Für Projekte bei denen die Trägheit der Messung (T90 Zeit) nicht so entscheidend ist, weil man etwa die Temperatur des Wassers im Kessel messen will, bieten sich hier Möglichkeiten vertretbar günstig an Sensoren zu kommen (für den Einbau eines Sensors in den Boiler einer Silvia siehe Jumos Projekt).
10.000 Wörter, pffff.![]()


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