Hallo!
Weil hier der rote Faden etwas verloren ging, schreibe ich eine Zusammenfassung. Entschuldigt den Wissenschaftssprech, ich weiß nur nicht wie ich es anders sortieren soll.
Fragestellung: Der PID oder das Temperatursurfen soll eine gleichbleibende Brühtemperatur sicherstellen. Damit sollen die Ergebnisse weniger streuen/reproduzierbarer werden. Zugleich haben die Nutzer, trotz gleicher PID-Temperatur, bei temperaturempfindlichen Bohnen "Ausschuss", bzw. weniger gute Shots.
Hypothese 1: Dies liegt am Temperaturabfall in der Silvia. Man sieht ja am Standard-PID-Messpunkt, dass die Temperatur abfällt.
--> Stimmt nicht. Die Brühtemperatur während des Shots ist stabil.
Dies scheint relativ unempfindlich gegen Flussraten und Heizprofile zu sein, solang man nicht früh im Shot mit der vollen Heizleistung "feuert" oder bezieht während der Brühkopf durch Dampfen oder lange Leerbezüge stark überhitzt ist.
Lösungsansätze: Bei PID-Solltemperatur beziehen +
- Maschine lange aufheizen
- Nach dem Dampfen warten (20 Minuten)
- Keine größeren Leerbezüge vor dem Bezug
- 40% Heizleistung während des Bezugs (faustino)
- normale PIDs über Sollwertabsenkung vom Gegenheizen abhalten
Hypothese 2: Trotz stabiler Brühtemperatur haben die Nutzer weiter "Ausschuss"/Probleme mit der Reproduzierbarkeit. Das liegt daran, dass die Solltemperatur + Störgrößen ~ Brühtemperaturkorridor (Absolute Höhe der Brühtemperatur, die resultierenden Brühkurven sind stabil/horizontal, aber im Absolutwert verschoben)
Lösungsansätze: Bei PID-Solltemperatur beziehen +
Temperatursonderzustände vermeiden
- Nach dem Dampfen warten
- Keine größeren Leerbezüge vor dem Bezug
Octabeers Störgrößen Theorie oder auf der Jagd nach dem letzten 1° Abweichung:Damit sind wir bereits bei einem konstanten Offset +/- 1°. Bei weniger empfindlichen Espressi passiert hier geschmacklich nicht viel. Auf diese Weise lässt sich sagen:
Bei Berücksichtigung der angeführten "Regeln":
Brühtemperatur = PID-Solltemperatur zu BEGINN (der nachfolgende Abfall gibt den Brühverlauf nicht wieder) - Offset +/-1°
Fragestellung: Wie können wir die letzten +/-1° Temperaturschwankungen auch noch beseitigen?
Hypothese 3a: die Hauptstörgröße ist die Gruppe. Diese kann abweichende Temperaturen haben, auch wenn der PID die Solltemperatur anzeigt
Störgrößen ~ zu Gruppentemperatur ~ Messpunkt in der Gruppe ~ Messpunkt auf der Gruppe
Lösungsansätze:
- Sensor auf der Brühgruppe: Manuell Temperatur nachschauen, bei Abweichungen PID Temperatur senken/erhöhen
- Den eingeschwungenen Steadystate nutzen: Vor dem Bezug nichts tun was die Maschine aus dem aktuellen Zustand bringt. Damit habe ich eine Reproduzierbarkeit in einem extrem schmalen Temperaturband erreicht
Vorteil imho: Die Geschwindigkeit im Shotprozedere ist egal, die Maschine verbleibt die ganze Zeit in ihrem stabil eingeschwungenen Zustand. Ich habe Testweise den Siebträger 4 Minuten ausgespannt gelassen und dann bezogen: erwartete Brühtemperatur trat ein.
Hypothese 3b: Die Störgrößen können über kontrolliertes flushen in einen reproduzierbaren Zustand gebracht werden
Lösungsansätze:
- Flushen (Leerbezug mit reduzierter Flussrate) ist nur für faustino-Nutzer möglich.
- Kurz-Leerbezug (Tesboy), habe ich heute ausprobiert: Spülen, sofort einspannen und beziehen. Die Brühtemperatur ist vertikal, ob damit die Sonderzusände weggebügelt werden vermag ich nicht zu sagen.
Hypothese 4a: Die Hitzewelle, die sich nach Dampfen durch die Brühgruppe wälzt ist ein Regelungstechnisches Artifakt durch die schlechte Sensorposition auf dem Boiler. Thermische Sonderzustände in der Gruppe entstehen durch falsches Regeln im Boiler.
Mithilfe erbeten: Jemand mit Sensor an der Boilerseite könnte seine Messwerte insbesondere die abgerufene Heizleistung posten. Dann kann ich abschätzen ob mein PID hier eine falsch hohe Heizleistung abruft. Immerhin trifft er ohne Überschwinger den Sollwert.
Hypothese 4b: Die Abschätzung der Gruppentemperatur über einen zweiten Sensor erlaubt es die Störgrößen als Blackbox zu behandeln und wegzuregeln.
Vorteil imho: Kein Wasser durch die Küche tragen, funktioniert auch nach dem Dampfen zur schnelleren Abkühlung der Gruppe und zum hochheizen ohne kontrollierten flush. Auch von easy Nutzern mit zweitem Sensor nutzbar.
Ich denke das ist der Stand. Nicht wirklich praktikabel ist, dass ich jede Variante des Shotprozederes ausprobiere. Es braucht immer ein paar Vergleichsshots um Abweichungen sichtbar zu machen. Wer spülen möchte kann das ala tesboy tun. Der thermische Zustand der so erreicht wird, ist allerdings zeitkritisch. Ob damit Schwankungen in der Gruppentemperatur ausgeglichen werden, weiß ich nicht.
Ob man mit "cooling/heating-flushs" einen reproduzierbareren Betrieb hinbekommt, weiß ich nicht.
Vielen Dank an alle Diskutanten! Wir sind ja bei ziemlich unsinnigen Luxusproblemen (+/-1°) angekommen.
Grüße
octa


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