Für alle Interessierten, hier meine Erfahrungen mit der S.V. Italia SAB Nobel, die ich nun etwas über eine Woche besitze. Gekauft habe ich sie bei Angelo von Rimprezza.de - 100% Genuß.
Kaufgrund
Ich wollte eine zu unserer neuen Küche passende Espressomaschine in ansprechender Haptik (Gastro), Optik (schöner Rücken) und ohne E61 haben. Ich möchte ein Gerät ansehen und bedienen, bei dem es mich freut, wenn ich mich damit beschäftige. Diese innere Einstellung meinerseits konnte meine bisherige Nuova Simonelli Oscar leider nicht mehr erfüllen.
Und warum wieder ein Zweikreiser wie die SAB Nobel? Wäre der Aufstieg von einem Zweikreiser nicht ein Dualboiler?
Für mich hat die Nobel, wegen der weißen Farbe und der transparenten Einfassung der Tassenablage, Anleihen am klassischen Design einer Faema President, ist aber in die Moderne transformiert und passt super zum Stil unserer modernen Küche. Ja, ich höre schon einige Lachen "Von wegen Faema, das ist doch ein weißer Kasten mit beleuchtetem Tastenfeld." Aber seht selbst:
Technisch ist sie ein Zweikreiser mit Thermosiphon in der angehenden Gastro-Gewichtsklasse und somit eine sehr erprobte Konstruktion.
Keine der mir bekannten Dualboiler hat mir wirklich gefallen (zu breit, zu unförmig, zu E61) oder würde optisch in unsere Wohnung passen (zuviel schwarz, zuviel Chrom). Ein weiterer Grund gegen einen der bekannten Dualboiler: Der Preis! Es ist ein Hobby das in einem für mich vernünftigen Rahmen bleiben soll. Ein Dualboiler kommt auf EUR 2000,00, die Nobel auf die Hälfte.
Tank / Festwasser
Der Tank ist besser als bei der Oscar konstruiert, da er besser zu befüllen und sehr leicht mit den integrierten Griffen zu entnehmen ist. Das Ventil am Boden des Tanks und die Erkennung, ob noch Wasser im Tank ist, ist auch besser gelöst (bei der Oscar sind es 2 Schrauben, die die Leitfähigkeit von Wasser nutzen). Auch ist der Tank der Nobel durch verspiegeltes Blech rundum vom Rest getrennt. Ich verspreche mir davon eine geringere Erwärmung des Tankwassers.
Die Abtropfschale fasst effektiv 300ml wenn sie sicher zum Ausgussbecken balanciert werden soll. Das ist ein gutes Stück weniger als bei Oscar, aber okay.
Mit der Nobel habe ich glatt Lust auf einen Festwasser- und Festabwasseranschluss bekommen, denn einfacher kann es nicht gehen. Es ist alles vorbereitet und jederzeit umschaltbar: Anschließen, Taste zum Umstellen drücken, Ventil auf, fertig. "Bodenfreiheit" 4cm und Aussparungen im Bodenblech zur Durchführung der im Lieferumfang enthaltenen Schläuche würden dies weiter erleichtern. Bei mir aber aus baulichen Gegebenheiten leider keine Option.
Siebträger / Tamper
Wer auf einen neuen Plastik-Tamper gehofft hat, wird enttäuscht sein: Es ist weder ein Tamper, noch ein Kaffeelot dabei. Gut, da die meistens sowieso für den Eimer sind und ich den Boardtamper habe und ihn dank 58mm Sieben weiterhin nutzen kann.
Die eigentlichen Siebträger sind nicht ganz so massiv und schwer wie die der Oscar, schon gar nicht im Vergleich mit dem aus der NS Profi Linie. Zum Vergleich:
1er Siebträger: 500g; Sieb 24,89g (NS Oscar Original: 561g)
2er Siebträger: 543g; Sieb 27,24g (NS Profi Linie: 584g)
Programmierung
So viele Tasten an einer Espressomaschine? Ja, es ist kein HH, aber diese Art des Komforts hat für mich auch den Hauch einer zeitgemäßen Gastromaschine und passt sehr gut zur Gesamterscheinung. Die Programmierung der Tasten für 4 unterschiedliche Kaffeevolumina und eine für Heißwasser ist sehr einfach. Und wer die Tasten nicht programmieren möchte, muss dies auch nicht tun, denn es gibt immer die Taste "P" für den manuellen Bezug.
Energie
Da der Kessel der Nobel nicht isoliert ist, hat mich sowohl die Aufheizzeit als auch der Energieverbrauch interessiert. Hier einige Messungen von mir dazu:
Leistungsaufnahme nach dem Einschalten: 1182 Watt (Oscar 1090W); Datenblattangabe: 1400 Watt
Leistungsaufnahme nach dem Aufheizen, wenn Heizung abgeschaltet ist: 2W
Verbrauch für eine Stunde nach dem anfänglichem Aufheizen: 0,15 kWh
Verbrauch während des Aufheizens: 0,234 kWh
Eine Überraschung für mich war, dass die Maschine, wie von Angelo angegeben, nach ca. 15 Minuten betriebswarm ist. Dies gilt zwar erst nach ca. 25 Minuten für die Tassenablage und den darauf befindlichen Tassen, aber der Siebträger und der Brühkopf sind nach 15 Minuten warm. Der erste Heizzyklus nach dem Anschalten dauert ca. 10 Minuten.
Bevor ich es vergesse: Die blaue Beleuchtung der Tasten hätte meiner Meinung nicht unbedingt sein müssen, aber naja…
Verarbeitung
Das ist die einzige Schwäche an der Nobel und hier sind die italienischen Momente im Leben gefragt. Beispiele: "Made in Italy" Schildchen sitzt leicht schief; Lack an der Oberkante beim Tank 1cm ab (kann gut ausgebessert werden); lackiertes SAB-Logo hat kleine Lacknase; Seitenbleche haben unten kleine spürbare Lacknasen; Bleche des Tankdeckels und der des Abtropfbleches nur gelasert, also mit 90° Kanten.
Man muss es sagen: Wer Perfektion in der Verarbeitung sucht, muss anderswo suchen oder selbst nacharbeiten. Diese Aussage habe ich auch in Beschreibungen von Maschinen anderer Hersteller gelesen, möchte sie aber trotz meiner Begeisterung für die Nobel hier erwähnen.
Und, um es klar zu sagen: Mich stören diese Schwachpunkte nicht und ich empfinde sie als nicht dramatisch oder im Alltagsgebrauch auffällig. Die Technik, Optik und Haptik überzeugen mich hingegen vollends.
Zur Geräuschentwicklung der Nobel, die ja bei Virbra-Pumpen (hier eine Ulka EX5) immer ein Thema ist, möchte ich festhalten, dass ich sie beim Bezug als leise und angenehm empfinde. Wird der Kessel befühlt, lässt sich die Vibra nicht verleugnen, aber dieser Vorgang dauert nicht so lange und kommt auch seltener vor.
Bilder vom Innenaufbau gibt es hier von Angelo.
Nebenbei bemerkt: 27kg Gewicht!
Maße: B x T x H: 30 x 40 x 43 cm (mit transparentem Plastikrand)
(Vergleich Oscar: 31 x 38 x 38,5 cm; die Quamar ist 43 cm hoch)
In der Tasse
Der erste Doppio hat gepasst und war trinkbar, keine Übertreibung! Ich habe am Anfang die Mühleneinstellung von der Oscar übernommen und erst dann die Einstellungen angepasst.
Den Bezug über die programmierbaren Tasten finde ich schön und man gewöhnt sich schnell daran.
Was mir beim Schäumen mit der 2-Loch-Dampflanze sofort aufgefallen ist: Die Nobel hat mehr Power und der Milchschaum wird feinporiger als bei der Oscar und das bei gleicher Technik beim Schäumen und mit gleichem Kännchen. Des Weiteren lässt sich die Dampflanze besser eintauchen, da sie etwas länger und durch ihre Form beweglicher, sowie durch die Höhe der Maschine, besser angebracht ist. Auch dass diese aus Edelstahl und nicht verchromt ist, empfinde ich als Vorteil, da sich die Verchromung nach einer gewissen Zeit abreiben kann.
Fazit
Es macht mir sehr viel Spaß an der wunderschönen Maschine zu arbeiten und meinem Hobby nachzugehen. Man hat das Gefühl vor einer amtlichen Gastromaschine zu stehen (ich weiß hier fangen einige das Lachen an), aber ich finde es klasse und sie stellt mir nicht die gesamte Küche zu. Und wenn ich Freunden erzähle, dass meine Kaffeemaschine und die Mühle zusammen 40kg wiegen, dann sehe ich an ihren Blicken, was sie über mich denken.
Also der Kaufgrund, eine schönere Maschine zu bekommen wurde zu 100% erfüllt. Und, was ich ehrlich nicht erwartet habe, sowohl Milchschaum als auch der Kaffee gelingen besser.
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