Vorwort
Ich selbst war eine „Kaffee-Jungfrau“. Die erste Zeit meines Lebens ging Kaffee an mir spurlos vorbei. Ja - ich wusste das es ihn gibt und das viele für ihn schwärmen oder gar ohne nicht mehr können und wollen - aber all das interessierte mich wenig. Doch eines schönen Tages packte mich die Neugier - irgendwas musste doch dran sein das so viele so begeistert davon sind. Also wagte ich mein Glück und mittlerweile will ich auch nicht mehr ohne. Diese kleine Anekdote handelt davon wie ich mich auf die Suche nach der Richtigen für mein „erstes Mal“ machte und sie letzten Endes auch fand. Meine bisher gesammelten Erfahrungen sollen all den anderen Anderen da draußen dienlich sein, die auch mit dem Gedanken spielen den ersten Schritt zu wagen.
Die Suche
Mein Interesse war geweckt, also machte ich das was ich häufig mache wenn mich der Tatendrang packt - ich kniete mich rein und das war auch bitter nötig. Ich hätte nie erahnt welch Wissenschaft hinter etwas vermeintlich so einfachem wie Kaffee steckt - wie unwissend ich war. Der durchschnittliche Kaffeetrinker belässt es dabei sich ein vorgemahlenes Pulver seiner Wahl im Supermarkt zu ergattern, dieses schlaftrunken in eine x-beliebige Maschine zu werfen und anschließend sich das Ergebnis einzuverleiben. Mir reichte das nicht, ich wollte mehr!
Nach längerer Recherche stand für mich fest, dass meine Erste eine Gaggia Classic sein sollte. Diese Machine wird Anfängern häufig ans Herz gelegt und das hat auch seine Gründe: Sie ist relativ kompakt, erschwinglich und ist in der Lage einen guten, reproduzierbaren Espresso zu brauen. also bestellte ich mir das gute Stück bei Amazon. Ergänzend sollte es dazu eine gute, ebenfalls erschwingliche, Kaffeemühle sein. Hierbei griff ich zu der ebenfalls für Einsteiger häufig empfohlenen Graef CM 80. Da ich bereits gute Erfahrungen mit der Firma Graef durch meinen Allesschneider hatte, war diese Entscheidung für mich leicht.
Glücklicherweise war vielerorts zu lesen, dass die Gaggia Classic mit sogenannten „Crema-Sieben“ ausgeliefert werden würde. Was sich so verheißungsvoll liest entpuppt sich in der Praxis als absolut unpraktikabel für guten Espresso. Diese sogenannten „Crema-Siebe“ verwirbeln den Espresso um diesen so künstlich aufzuschäumen. Mit echter Crema hat das nur bedingt Ähnlichkeit und dem Geschmack ist das auch nicht sonderlich zuträglich. Also bestellte ich mir noch ein passendes Zweier-Sieb dazu.
Da beim Espresso auch das sogenannte Tampern (anpressen) mit dem richtigen Druck eine große Rolle spielt und die Gaggia Classic nur mit einem untauglichen Plastik-Tamper ausgeliefert wird, entschied ich mich außerdem für den Tamper 'Lusso Nero'.
Obendrein - alleine schon aus optischen Gründen - konnte ich nicht wiederstehen und griff zu den wunderschönen, mundgeblasenen Espressogläsern von Mohnblume. Diese sind doppelwandig, halten daher besonders gut den Espresso heiß und die Finger kühl. Außerdem kann man sehr schön verfolgen in wie weit der Espresso geglückt ist.
Auf meine Wahl der Bohnen möchte ich hier nicht näher eingehen, da dies Geschmackssache ist und hierbei jeder unvoreingenommen seine eigenen Erfahrungen machen sollte.
Mein erstes Mal
Ich freute mich wie ein Schneekönig als die Sachen endlich eintrafen. Ich konnte es kaum erwarten sie von ihrer Hülle zu befreien und loszulegen. Also runter mit der Verpackung, im Hinterkopf hatte ich aufgrund meiner ausgiebigen Recherchen auch relativ genaue Vorstellungen davon wie es geht, und ran an den Speck. Der erste Shot ging viel zu schnell und war trotz all der Vorfreude und Aufregung alles Andere als ein Hochgenuss und hinterließ einen eher bitteren Nachgeschmack. Etwas frustriert holte ich mir Rat und beim zweiten Mal sah das ganze schon viel besser aus. Mittlerweile gehe ich relativ routiniert an die Sache, lasse mir Zeit und schaffe es so meist reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen die auch wirklich lecker sind.
Das erste Auto
Ein weiterer Punkt den ich persönlich an der Gaggia Classic toll finde ist, dass man sie super ausbauen kann. Es ist ein wenig wie mit dem ersten Auto. Man hat es, es fährt und das macht es eigentlich auch ganz gut - aber man weis das da mehr verborgen liegt und man möchte es unbedingt austüfteln.
Ähnlich ging es mir - das Erste was ich austauschte war die Dampflanze, diese ist nämlich im Originalzustand kurz gesagt unbrauchbar. Wesentlich besser ist da das RANCILIO Silvia Dampfrohr. Mit diesem bekommt man mit etwas Übung sehr schönen Milchschaum zustande.
Das Zweite was meiner Bastel-Lust zum Opfer fiel war die Original Duschplatte der Gaggia. Diese besteht nämlich aus Aluminium, welches nicht gerade für seine optimalen Wärme-Eigenschaften bekannt ist. Ich entschied mich für die Messing-Duschplatte von „Tidakas Tamper & Trichter“ - eine gute Entscheidung.
Und als letztes konnte ich nicht widerstehen und kaufte mir einen neuen, schönen, bodenlosen Siebträger - ebenfalls bei „Tidakas Tamper & Trichter“. Eine tolle Sache - man bekommt ein direktes Feedback ob man den Espresso richtig macht oder nicht. Macht man es nämlich - so wie ich das erste mal - falsch, mutiert die Espressomaschine zur Dusche und das schwarze Heißgetränk landet überall außer im Glas - respektive der Tasse. Nur so lernt man es. Wenn man es allerdings erst einmal kann, wird man mit einem tollen Anblick belohnt: Ein dicker, schaumiger, kegelförmiger Fluss von fein gestreiftem Espresso in Haselnusstönen fließt langsam und dickflüssig in das Glas oder die Tasse. Meiner persönlichen, subjektiven Meinung nach, wird die Crema mit einem bodenlosen Siebträger schöner. Auf jeden Fall ist allein schon der Showeffekt sehenswert. Der Bodenlose Siebträger hat außerdem den angenehmen Nebeneffekt, das es mit ihm wesentlich leichter ist zu tampern, da man die plane Sieb-Unterseite hierzu flach an der Tischkannte auflegen kann. Ergänzend sei gesagt das der neue Siebträger außerdem WESENTLICH leichter an der Gagia Classic zu befestigen ist - es braucht deutlich weniger Kraftaufwand.
Zu dem neuen Siebträger entschied ich mich für einen sogenannten „Board-Trichter“. Auch diesen bestellte ich bei „Tidakas Tamper & Trichter“. Ein tolles Teil - jetzt landet der Espresso wirklich nur noch im Sieb und nicht mehr rings um die Mühle. Dem reinlichen Espresso-Genießer sei diese Anschaffung dringend ans Herz gelegt, da die CM 80, ebenso wie andere Mühlen, etwas streut. Außerdem hat dieses kleine Helferlein den erfreulichen Nebeneffekt das es es einem erleichtert gerade zu tampern.
Klingt kompliziert
Das mag zwar alles ganz schön kompliziert klingen und auch in der Praxis nicht das Einfachste sein, man wird dafür aber mit einem Espresso belohnt, der der Mühe wert ist. Es ist eigentlich nicht anders als bei vielen Dingen - ohne Fleiß kein Preis. Da ich Fotograf bin, finde ich den Vergleich zum Fotografieren passend. Je teuerer die Kamera umso erfahrener muss man sein um sie zu handhaben - wenn man das aber einmal kann, erhält man Ergebnisse, die man keinesfalls mit einer vollautomatischen Kompakt-Kamera erzielen könnte. auch beim Fotografieren braucht es viel Zubehör, Geduld, Erfahrung und Können um ein wirklich gutes Bild zu machen.
Spätestens an diesem Punkt sollte jetzt eigentlich jeder sagen können „Ja, das ist genau mein Ding.“ oder „Ich habe mir das einfacher vorgestellt, ich lasse das lieber.“. Und das ist keine Schande, es ist definitiv nicht jedermanns Sache - ganz gleich ob man jetzt gerne Espresso trinkt oder nicht. Es ist auch nicht jeder der gutes Essen liebt ein ambitionierter Koch oder jeder der Filme mag ein glühender Regisseur. Für vergleichbares Geld was ich bereits investiert habe bekommt man auch einen brauchbaren Kaffeevollautomaten der auch guten Kaffee und Espresso zustande bekommt.


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