Hallo liebe Espressionisten![]()
Nach mittlerweile einem Jahr mit der Saeco Aroma habe ich eine ganze Menge in Sachen Espresso(-Zubereitung und -Genuss) gelernt. Entscheidend für den Kauf der Saeco Aroma war - wie zweifellos bei den meisten Käufern dieser Maschine - zum einen der Preis, zum anderen der Testbericht von der Stiftung Warentest aus dem Dezember 2001.
Rückblickend war es kein Fehlkauf. Natürlich hätte ich mit dem Wissen, dass ich mir z.B. durch das Kaffee-Netz oder die Beiträge auf Carpe.net anlesen konnte, preislich ähnlich interessante Angebote z.B. von Gaggia ins Auge gefasst. So aber wurde es eine Aroma Chrom. Leider mit einer Saeco Conica-Mühle (33 Euro...). Das "leider" an diesem Kauf wurde mir erst nach mehr als einem halben Jahr bewusst, und zwar nicht nur, weil die Mühle da schon das erste Mal defekt war.
Der viel geschmähte Gran Crema-Träger, der auch meiner Aroma beilag, macht das Espresso-Zubereiten Anfängern viel zu leicht. Egal was falsch ist, es kommt immer etwas aus dem Sieb, was zumindest annähernd aussieht wie Espresso. Komischerweise hat es nie so richtig gut geschmeckt. Allerdings auch nicht so schlecht, wie es in fast allen Cafés, Bars und Restaurants der Fall war und ist, die ich besucht habe
Erst als ich auf die verschiedenen Foren stieß, erfuhr ich, dass nicht nur die Maschine für das Espresso-Er(g/l)ebnis verantwortlich ist, sondern beispielsweise auch frischgemahlene Bohnen aus einer hochwertigen Mühle großen Einfluss haben und dass ein Gran Crema-Träger nicht der Weisheit letzter Schluss ist.
Zunächst habe ich die Mühlen-Diskussionen ernst genommen und kurzerhand eine Demoka Minimoka 203 bestellt. Natürlich musste ich erst einmal daran herumfummeln und erst dann die Anleitung zu Rate ziehen- wodurch es mir gelang, den Mahlgrad so fein einzustellen, dass nichts mehr durch den Gran Crema-Träger hindurch in die Tasse rann. Nach einigem Hin- und Herdrehen kam allerdings doch etwas zustande, das zumindest farblich und von der Crema her schon mehr an einen guten Espresso erinnerte.
Irgendwas war aber immer noch nicht so, wie es sein sollte - der Espresso schmeckte einfach nicht gut, und vor allem war das Ergebnis jedesmal anders und schwer reproduzierbar.
Da ich auch erfahren hatte, dass es durchaus auch einen klassischen Siebträger für die Aroma gibt, und dass dieser sehr empfehlenswert sei, habe ich auch das Ding gekauft. Natürlich wurden die Ergebnisse mit diesem Siebträger erst einmal deutlich schlechter, als es bei Verwendung des Gran Crema-Trägers der Fall war - ich machte schlicht zu viele Fehler. Nach und nach konnte ich durch aufmerksames Lesenhier und anderswo einen Fehler nach dem anderen ausmerzen.
Die Anschaffung der Mühle und des klassischen Siebträger hat sich letztlich bewährt: Nach einigem Üben beziehe ich mittlerweile richtig leckeren Espresso aus der Saeco. Crema schön dicht und stabil, Durchlaufzeit des Wasser um die 25 Sekunden bei ca. 30-35 Milliliter Ergebnis (naja, so genau habe ich nicht nachgemessen, aber ich fülle die Tassen zu etwa einem Drittel bis zur Hälfte, je nach Bohnensorte und Laune), blubbrig-konstanter Strahl aus den Ausläufen, Temperatur gefühlt in Ordnung
Häufig wird zur Saeco Aroma geschrieben, sie sei für "richtigen" oder "guten" Espresso untauglich. Dem muss ich widersprechen. Das Problem liegt meiner Meinung nach in der relativen Unerfahrenheit derjenigen, die sich diese Maschine kaufen: Sie ist in den meisten Kaufhäusern und Elektrofachmärkten zu kaufen, und sie ist günstig - fast ohne Alternative auf dem Gebiet der verbreitet verfügbaren Siebträger (jedenfalls wenn man keine Plastikgurke will). Dazu noch der Warentest-Artikel, das überzeugt. Für eine Mühle will ein Anfänger natürlich nichts ausgeben, lieber kauft er gemahlene Bohnen (natürlich Illy, ist ja "sehr gut" laut Warentest). Wenn er eine Mühle kauft, soll sie billig sein, auf jeden Fall billiger als die Maschine. Zusammengenommen heißt das:
- keine Erfahrung in der Bedienung eines Siebträgers
- Gran Crema-Träger zur künstlichen "Aufwertung" des Espressos
- schlechtes Ausgangsmaterial (fertig und/oder schlecht gemahlener Kaffee)
Jeder Grund für sich führt zu einem Problem, zusammengenommen muss es quasi zwangsläufig zu einer Verteufelung der Maschine kommen - denn nur diese ist ja offensichtlich schuld, meint man als Anfänger. Da rauscht das Wasser durch den klassischen Siebträger in runden 10 Sekunden hindurch, der Espresso ist untrinkbar, Crema nicht vorhanden, stattdessen ein komischer heller Schaum, der sich schnell verflüchtigt.
Ich habe mir noch einmal den Warentest von damals angesehen. Sehr lustig der Abschnitt zum Produzieren eines "guten Espressos" und der Vergleich der Ergebnisse von Gaggia CC und Saeco Aroma:
"... Wir haben für das Zubereiten in den Siebträgergeräten stets 7 Gramm Pulver einer anerkannten Espressoqualität auf 40 Milliliter Getränk verwendet, die Tassen vorgewärmt und uns von fummeligen Handgriffen natürlich nicht abschrecken lassen. Der Lohn: Gaggia Coffee Classic für 700 Mark und Saeco Aroma Nero für 460 Mark überzeugten mit "sehr guter" Geschmacksnote. Saeco krönt den kleinen Italiener zudem mit einer formvollendeten Crema (!) dank Cremaventil im Sieb. Das bescherte dieser Maschine als einziger (!!) im Test die Bestnote für die Espressoqualität..."
Hahaha. Was wäre wohl gewesen, wenn der Gran Crema-Träger der Aroma für diesen Test nicht beigelegen hätte? Wäre dann keiner Maschine die "Bestnote für die Espressoqualität" verliehen worden?
Zusammenfassend bin ich der Ansicht, dass die kleine Saeco durchaus eine gute Maschine ist. Nachteile sind in der Konstruktion der Brühgruppe zu sehen (nur ein Wasseraustrittsloch über dem Duschsieb), und eventuell Druck- bzw. Temperaturkonstanz-Probleme. Die letzteren Probleme kann ich jedoch nicht ausdrücklich bestätigen, da ich nie nachgemessen habe. Allerdings schwankt die Qualität des Espressos auch bei Verwendung des klassischen Siebträgers zum Teil erheblich. Das kann aber viele Gründe haben. Nur eins fiel mir des öfteren auf, dass nämlich die Temperatur des produzierten Espressos mal extrem hoch und manchmal auch nur sehr lau ausfiel. Schick sieht sie auch aus, vor allem neben einer matt gebürsteten Minimoka
Dennoch konnte ich nicht wiederstehen und habe für kleines Geld kürzlich eine Gaggia Espresso gekauft, die jemand vor einigen Jahren aus Italien mitgebracht und seitdem kaum verwendet hat. Nach anfänglichen Probleme - die Maschine war dank des Münchner Wasser - ordentlich verkalkt, die Pumpe wollte nach der langen "Trockenzeit" nicht ansaugen (das Problem kam beispielsweise auf Carpe.net ein paar Mal zur Sprache), und Kaffeefett war eine unselige Allianz mit dem Kalk eingegangen - schnurrt die Maschine nach liebevoller Zuwendung jetzt wie am Schnürchen, der Espresso ist großartig. Der Siebträger ist fast doppelt so groß und schwer wie der der Saeco, dafür flacher - endlich saut die Demoka nicht mehr soviel daneben! Es ist tatsächlich manchmal eine Frage der GrößeTemperatur- oder Druckprobleme scheint die Gaggia nicht zu kennen. Die Technik ist bewährt, alles ist einfach gehalten, Wartung kein Problem. Der Espresso schmeckt fantastisch - was will ich mehr?
Demnächst werde ich die Saeco entweder mit ins Büro nehmen oder verkaufen. Statt einer >1000 Euro-Investition, wie ich sie schon fest vorhatte (das Kaffee-Netz ist da sehr anregend), werde ich mir erst einmal eine Gaggia Classic Coffee in mattem Edelstahl in unsere Küche stellen; die Gaggia Espresso hat mich überzeugt. Bei der fehlt nur das Magnetventil, was aber kaum stört, wenn man nicht gerade Espressos in Serie produzieren will.
Soweit zur Ehrenrettung der Saeco Aroma und zur lobenden Erwähnung der (leider nicht in Deutschland vertriebenen) Gaggia Espresso.
Grüße und allzeit gut Schlürf
Z.


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