Bezzera Strega vs Gastro HH

  1. Plan-B
    Hallo Leute,

    keine Angst, ich möchte hier nicht meine Strega gegen andere Maschinen schönreden, wenngleich ich die Maschine sehr schätze im Vergleich mit meiner Vorgänger Maschine, der Brewtus III.
    Ich habe die Brewtus ebenso, wie die Strega mit Festwasser betrieben und möchte als wesentlichen Unterschied beschreiben, dass mir der gleiche Kaffee runder, weicher, harmonischer schmeckt und ich auch andere Aromen wahrnehme...
    Um mich gleich zu outen, ich habe mich in folgende Maschine verliebt:
    Fiorenzato - Piazza San Marco 1gruppig

    Und damit zu meiner Frage:
    Was kann die Fiorenzato anders/besser als die Strega (bauartbedingt) und gibt es zur Fio noch weitere größere Unterschiede, die eine Gastro HH Maschine technisch als Vorteil mitbringt?
    Bei diesen möglichen technischen Unterschieden/Vorteilen geht es mir letztendlich um den Geschmack in der Tasse und nicht um technische Diskussionen, bei denen das Ergebnis/der Unterschied in der Tasse strittig ist.
    Danke euch und noch einen schönen Abend,
    ciao Lutz
  2. Belgarath
    Hallo Lutz,

    herzlich willkommen bei den völlig Durchgeknallten (Gastro-HH für den Heimgebrauch ist schon ziemlich abgefahren ... ).

    Die Strega hat mit Umbau auf Festwasser nur 2 wesentliche Unterschiede zu einem echten Gastrobomber:
    -geringeres Gewicht (evtl. nicht ganz so stabiler Stand?)
    -kleinerer Kessel (weniger [lang] Dampfpower)

    Die Fiorenzato hat nach den mir bekannten Fotos eine zur La San Marco baugleiche Gruppe (zumindest die Mechanik sieht ident aus, ich vermute also, daß das zugekauft ist) - das heißt, daß vermutlich mit den etwas tieferen 54mm Sieben der LSM gebaut wird. Das kann geschmacklich einen Unterschied machen (gefühlsmäßig runder und voller, dafür etwas weniger differenziert, einen direkten A-B Vergleich "LSM 64 - Aurora Brugnetti Export" konnte ich aber leider nicht machen), ob der jetzt ein Upgrade von einer sicher sehr guten Bezzera-HH-Gruppe rechtfertigt, stelle ich in Frage. Da ist dann eher Design und ein Gefühl der Wertigkeit das Thema, und das kannst letztlich nur Du entscheiden.

    lg,
    Klaus
  3. Plan-B
    Hallo Klaus,

    vielen Dank für deine Antwort.
    Mit dem Stand der Strega habe ich keinerlei Problem und mit der Dampfpower auch nicht, zumindest bei meiner Milchmenge, die ich aufschäume.

    In verschiedenen Diskussionen ging es immer wieder um die Pumpe bei der Strega, was bei meinem Betrieb ja auch kein Thema ist.
    Darüber hinaus ging es um die Diskussion, wie stabil die Brühtemperatur ist und wie das Brühsystem arbeitet (mit HX, oder eben nicht).
    Dies wäre für mein Verständnis der einzige relevante technische Punkt der einen signifikanten Unterschied ausmachen könnte. Inwieweit sich dies allerdings geschmacklich eindeutig auswirken würde, weiß ich nicht.
    Mit diesem Punkt hängen dann sicherlich auch Kesselvolumen und Leistungsaufnahme der Maschine zusammen. Mir fehlt leider das Verständnis und die Erfahrung um diesen Unterschied sicher beurteilen zu können.
  4. Belgarath
    Die Temperaturstabilität sollte für anspruchsvolle Haushaltszwecke wohl mehr als ausreichen, eventuell gibt die Strega bei 5, 6, 7 Bezügen unmittelbar hintereinander etwas nach (kleinerer Kessel, kleinerer HX), ansonsten ist kein Unterschied zu Gastro-HHs zu erwarten. Bei Standzeit kann es (wie auch bei Gastro-Systemen) zu Überhitzung des Kopfes kommen (cooling flush notwendig), eventuell wird der Kopf aber auch erst bei Benutzung warm genug (warming flush notwendig). Für den Hausgebrauch ist der Kessel sicher groß genug, aufgrund der Masse der Gruppe wird die Aufheitzzeit der Hexe wohl nicht wesentlich kleiner sein als bei einer eingruppigen Gastro-HH mit kleinem Kessel (~4l).

    HX oder nicht ist bei geeignet kleinem Kessel mMn kein K.O. Kriterium für eine HH-Maschine - tendenziell frischer ist das Brühwasser bei Haushaltsanwendungsmengen natürlich mit HX.

    Ich glaube also, daß Du mit Festwasserausstattung auf Gastro-Niveau unterwegs bist (die Gruppe kommt ja von dort), ein Wechsel auf einen echten Gastro-Bomber also keinen Qualitätsgewinn per se bringen wird.

    lg,
    Klaus
  5. Plan-B
    Danke dir noch einmal, Klaus.
    Ich bin von dem Ergebnis in meiner Tasse sehr angetan und weiß halt nicht, ob da über die Technik noch ein deutlicher Schritt drin wäre?
    Nach deiner Aussage bin ich technisch, zumindest bei richtiger Bedienung der Maschine, auf einen Niveau, das nicht mehr "schmeckbar" zu toppen ist.
    Die Fio finde ich optisch sehr sehr edel, wobei ich auch gerne auf die knapp 5 Liter Kesselvolumen und die 2800 Watt Heizleistung verzichten kann. Hier bietet mir die Strega alles, was ich brauche.
    Also nur für die Optik, wäre ein solcher Schritt doch wohl ein wenig sehr unvernünftig.
    Vielleicht gibt es ja noch andere Stimmen, die zu den technischen Unterschieden noch eine gänzlich andere Meinung vertreten?
  6. Belgarath
    Da Bezzi an den Gastro-HH auch keine prinzipiell anderen Gruppen verbaut als an der Strega, wirst Du rein über den Wechsel auf eine Gastromaschine mMn keinen (großen/merkbaren) Sprung in der Technik und somit im Geschmack erreichen. Eher läßt sich ein Unterschied in den verschiedenen HH-Gruppen feststellen (LSM, Bezzera, Faema, Gaggia, Brugnetti, usw. usf.), und da fällt das eher unter Geschmackspräferenz. Wenn ich das richtig im Kopf habe, sollen die Bezzera-Gruppe federtechnisch eher das obere Limit darstellen (was den erreichten Brühdruck am Anfang der Extraktion angeht); die echten La San Marco haben einen kleineren Siebdurchmesser (54mm), was wieder eine andere Extraktion (Geschmack) bedeutet; Faemas T1 Gruppe ("Zodiaco") ist auch sehr beliebt, aber prinzipiell sind die Unterschiede idR eher marginal. Ein direkter Vergleich (am Besten Blindverkostung) ist idR aber nicht machbar, zumal hier Faktoren wie unterschiedliches Wasser, unterschiedliche Mühle, unterschiedliche Tassen meist einen größeren Einfluss auf das geschmeckte Ergebnis haben. Der prinzipielle Extraktionsunterschied zwischen Pumpe und Gastro-HH liegt im völlig pulsfreien und stetig abnehmenden Druck begründet, der durch die Feder zustande kommt. Das führt zu dem von Dir wahrgenommenen runderem Ergebnis in der Tasse, da z.B. Bitterstoffe v.a. in der Spätphase der Extraktion auftreten, genau da aber weniger Druck anliegt.
  7. Plan-B
    Hallo Klaus,

    an Tagen wie diesen erlebe ich es als etwas Großartiges, Mitglied in einem Forum wie diesem zu sein und auf dich zu treffen. Soviele fachlich fundierte Aussagen und Antworten zu meinen Fragen bekommt man im Normalfall nirgendwo so schnell!
    Danke dir, da du mir weitere Antworten und tiefere Einblicke in die Maschinenwelt geliefert hast.
    Weißt du, ob die Fio einen 58er Siebträger hat?
    Wie du den Unterschied der HH Maschinen zur Pumpenmaschine beschreibst, genau so habe ich es auch erlebt und beschrieben. Eigentlich auch schade, dass hier technisch wohl das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Viel schöner wäre es doch, wenn meine dritte Maschine noch einen Qualitätssprung (geschmacklich) machen könnte.
    Hier würde mich letztendlich noch einmal der Unterschied zwischen der Strega und der Fio interessieren und zwar was die Brühgruppe betrifft. Haben beide einen HX mit gleicher Dimension? Hatte ich so nicht verstanden, wenn ich am Stöbern war....
  8. Belgarath
    Zur Fiorenzato kann ich leider nicht allzuviel sagen. Die Mechanik sieht ident aus zur La San Marco, die einzige bis jetzt von mir gefundene Abbildung eines (bottomless) Siebträgers zeigt aber nur 2 Flügel, während die (alte!) LSM 64, die ich kenne, 3 Flügel und 54mm Siebe hat. Daher muß ich mit näheren Details zu Siebgröße leider passen. Rein von der Mechanik hätte ich (s.o.) auf eine LSM Gruppe (Lizenznachbau, Zukauf, lizenzfreier Nachbau) getippt ...

    Die Fio hat ((V) eingruppige Handhebel Maschine Fiorenzato Piazza San Marco) keinen Wärmetauscher, ist also ein Einkreiser. Vielleicht kannst Du Michele oder den Käufer (so der aus dem Thread erkennbar ist) via PN fragen, welchen Siebdurchmesser die Hübsche hat.

    lg,
    Klaus
  9. Plan-B
    Hallo Klaus,

    die Fio hat einen 58er Durchmesser. Michael (Michele) war so nett und hat mir die Info gemailt.
    Der entscheidende Unterschied wäre dann wohl in dem "großen" Einkreis-System der Fio gegenüber dem "kleinen" System der Strega mit HX zu sehen.
    Hier stehen für mich zwei Ansätze gegenüber, die ich aus der Praxis nicht vergleichen kann. Ich habe in der Regel einen Bezug und dann wieder 2-3 Stunden Pause. Seltener kommt es vor dass zwei Bezüge aufeinander folgen. An dieser Stelle kommt die Temperaturstabilität ins Spiel. Ist das eine System da im Vorteil gegenüber dem anderen, sprich ist ein System temperaturstabiler oder benötigen beide ein cool flush nach 2-3 Stunden.
    Welche Temperatur ist dann wohl die konstantere bei den Bezügen?
  10. Belgarath
    Zunächst mal müssen wir bei Temperaturkonstanz differenzieren: reden wir von Temperaturkonstanz bei langen Standzeiten oder von Temperaturkonstanz bei mehreren (vielen) in kurzer Folge stattfindenden Bezügen?

    Bei ersterem ist es einfach maschinenabhängig; ein Gastrosystem kann wie schon erwähnt genauso überhitzen oder zu kühl werden wie eine Haushaltsmaschine. Schmeckt der Espresso nach längerer Stehzeit zu bitter, wird die Gruppe zu heiß -> cooling flush. Schmeckt er zu sauer, wird die Gruppe zu kühl -> warming flush. Generell ist es aber keine schlechte Idee, einen flush nach längerer Stehzeit zu machen, um eventuell noch vorhandene und damit "nachgeröstete" Kaffee-Reste auszuspülen; damit ist es dann idR egal, ob die Gruppe nun zum Überhitzen neigt oder zu kühl wird (oder auch sich im thermischen Gleichgewicht befindet).

    Die Temperaturkonstanz über einige/mehrere/viele Bezüge hinweg ist ein anderes Thema. Bei der Strega mit der massiven Hebelgruppe aus dem Gastrobereich muß man vermutlich schon eine große Party sehr zügig mit Kaffee versorgen, und selbst dann wird's wohl erst mit großen Bestellungen von Cappus und Lattes "eng", weil man dann durch die Volumenbeschränkung des (Dampf-)kessels ins Schwimmen kommen könnte. Durch den HX ist bei reinem Espressobezug die hinzugekommene Frischwassermenge ja auf ca. 50ml beschränkt, die sind in der einen Minute, die man in etwa je Bezug rechnen muß, locker wieder aufgeheitzt. Hier erwarte ich eigentlich, daß vom ersten bis zum letzten Bezug die Bezugstemperatur in einem Fenster von etwa 1 Grad Celsius bleiben wird.

    lg,
    Klaus
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