Liebe Espressionisten,
gestern war ich beim Workshop von Bella Barista in Northampshire. Eigentlich verkaufen die Leute Wohnwagen!
Von etwa 10 Teilnehmern waren die meisten Privatleute. Es begann mit einer Powerpoint-Präsentation über Historie, Biologie und Ausbreitung von Kaffee bis hin zu Maschinenkunde. An den theoretischen Teil schloß sich der deutlich längere praktische an, bei dem jeder, zunächst unter Anleitung, shots ziehen und Milch aufschäumen konnte. Zur Verfügung standen eine Expobar Office Leva II (Brewtus II) sowie eine Izzo Alex 159 Mk II, also mit Doppelmanometer, Rotationspumpe und dualer Wasserversorgung. Mühlen: Mazzer Mini E/A sowie eine Cunill Tranquilo. Kaffee: mit einem Genecafe kurz zuvor geröstete äthiopische Bohnen. Bodenlose Einfach-Siebträger und amerikanische gekrümmte RB tamper mit Edelstahlplatte. Im folgenden gebe ich wieder, was gesagt wurde, bitte nicht flamen bei anderer Ansicht/Erfahrung. Bin ja noch in der Lehre
-cooling flushes dienen auch bei E61 weniger dazu, die Brühgruppe herunterzukühlen, als vielmehr dazu, das im HX überhitzte Wasser auf unter 100°C zu bekommen. Wir haben also an der Alex so lange geflusht, bis es nicht mehr spratzelte. Bei der Brewtus (Dual Boiler) wurde nur minimal geflusht.
-Tamping: Andrücken nicht über den Griff, sondern mit Daumen und Zeigefinger einmal 6/12 Uhr, dann 3/9. Abschließend etwas drehen, dann Abwischen des Siebträgers mit der flachen Hand.
-den Siebträger selbst vorzuwärmen wurde als weniger wichtig angesehen
- Blondieren erkenne man weniger an der Farbe als an der wäßrigen Konsistenz
-Aufschäumen: muß wohl Anfängerglück gewesen sein. Beim ersten Mal gab es Mikroschaum mit schön Volumen und sahnig-visköser Konsistenz. 3.5% direkt aus dem Kühlschrank. Erste Phase: Kännchen mit zwei Händen halten bringt bessere Kontrolle von Eintauchtiefe und Winkel. Außerdem merkt man sofort, wenn die Milch zu heiß wird. Düse quasi an der Phasengrenze. Milch soll v.a. horizontal rotieren, also um die Hochachse. Das Volumen nimmt deutlich zu, der Klang wird dunkler. Nicht zuviel Volumengewinnn, danach etwas tiefer eintauchen unter Erhalt der Rotation. Aufhören, wenn die Milch warm ist. Abklopfen und im Kännchen etwas schwenken.
Eindrücke von den Maschinen: beide Maschinen hatten Dampf ohne Ende, unproblematisches Handling und sehr gleichmäßige Shots. Trotzdem bevorzugten die meisten Teilnehmer die Alex. Das Gefühl beim Bedienen der Hebel und Drehregler wirkte irgendwie satter, angenehmer, wertiger, abgesehen von der geringeren und angenehmeren Lärmentwicklung beim Brühen. Sicherlich sehr subjektiv, aber so war es halt. Die Alex ist allerdings ein monströs großes und schweres Gerät und zudem teurer.
Die Hitzeproblematik der Brewtus konnte man regelrecht ertasten: wo das Display angebracht ist, war das Gehäuse sehr heiß. 10-12 cm weiter unten war es wesentlich kühler. Möglicherweise würde also ein Umsetzen die bekannte Problematik vermeiden. Das Gehäuse der Alex (Doppelwandig) blieb bis zuletzt immer kühl.
Die Mühlen: wir haben fast nur die Mazzer benutzt. Recht leise, soweit nach einem Nachmittag beurteilbar, äußerst gleichmäßiges Mahlergebnis. Selbst die Profis gaben aber zu, daß immer etwas daneben geht. Ohne Tricks mit Rutschen oder abgeschnittenen Joghurtbechern etc. ist eine saubere Direktmahlung wohl nur ein Traum, oder?
Bodenloser Siebträger: man konnte hier sehr schön den Brühverlauf beobachten. Insbesondere den Beginn des Blondierens. Außerdem braucht man beim Tampern keinen speziellen Ständer, denn der glatte Bodenring kann direkt auf die Küchenplatte gelegt werden.
So, das war mein kleiner Bericht mit vielen Eindrücken in sehr kurzer Zeit.
Crunchtime


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