Hallo,
ich versuche zu Zeit, eine PID-Controllerplatine auf Basis des Microcontrollers ATMega8/16/32 zu entwickeln. Hier ein Ausschnitt aus der Platine im CAD-Programm:
Ich könnte Ratschläge bezüglich der Temperatursensoren gebrauchen, speziell von Leuten, die schon mal Sensoren verglichen haben.
Die Platine im Anhang hat Eingänge für maximal 3 Sensoren (1 x Boiler, 1 x Tasse, 1 x Reserve). Vorgesehen sind für diese Platinenversion KTY-Sensoren im TO92-Mini-Gehäuse, ca 1 x 2 mm gross. Die Sensoren sind mit ~1.50 EUR/Stück sehr preiswert und in der Schaltung braucht man zur Auswertung nur 3 Widerstände und den im Microcontroller vorhandenen ADC. Die Genauigkeit und Kalibrierbarkeit ist gut, 1 Grad Genauigkeit um 100 Grad kein Problem. Es handelt sich um PTC-Sensoren auf Siliziumbasis. Diese Sensoren verwendet Gaggia in einigen Espresso-Maschinen.
Eigentlich ideale Sensoren. Problematisch ist nur die Zeitkonstante (gibt an, wann nach einem Temperatursprung der Wert zu 63% erfasst ist): Die T63-Zeitkonstante des KTY-Sensors ist 1.5 Sekunden in einem fliessenden Medium. Das Sprungverhalten ist keine lineare Kurve, es braucht ca 5 Zeitkonstanten, bis eine neue Temperatur zu 99% erfasst ist. Für den Boiler könnte das ausreichen, sicher bin ich mir nicht. Die Zykluszeit der PID-Software wird wahrscheinlich grössenordnungsmässig bei 1 Sekunde oder darunter liegen. Ich habe aber auf jeden Fall Zweifel, dass man damit das Temperaturprofil beim Befüllen der Tasse, also über 25 Sekunden, sinnvoll aufzeichnen kann - und darauf möchte ich nicht verzichten.
Die besten Alternative wären PT100/1000 oder Thermocouple (Thermoelement):
Thermocouples reagieren am schnellsten, Zeitkonstante ist bei flinken Elementen ein Sekundenbruchteil. Sie können direkt in Wasser getaucht werden. Leider sind sie zickig: es müssen minimale Spannungen gemessen und >100-fach verstärkt werden (empfindlicher als das Messen mit Strömen, Gefahr des Einfangens von Störungen aus elektrischen Feldern) und es ist eine Kaltstellen-Kompensation notwendig, d.h. es muss die Temperatur am Platinen-Anschlusspunkt des Thermodrahtes gemessen werden. Dafür gibt es zwar integrierte ICs, aber die absolute Genauigkeit ist nicht hoch. Die Grundgenauigkeit dürfte im Bereich bis 150 Grad mindestens 2 Grad schlechter sein, als Platin-Sensoren. Ich weiss nicht, ob man die absolute Genauigkeit durch Kalibrieren retten kann, oder ob sich der Fehler durch Fluktuation der Kalbibrierung entzieht. Speziell ist mir unklar, wie sehr die unvermeidbare, starke Temperaturdrift der Platine nach dem Einschalten, durch Anbringen in/an einer Espressomaschine oder durch Bauteile darauf, via Kaltstellen-Kompensation auf das Messergebnis durchschlägt. Da Open-Junction-Sensoren eine eletrische Verbindung durch den Kontakt zum Boiler aufbauen (der auf Schutzerde liegt), gibt es u.U. elektrische Potential-Probleme. Ein Thermoelement kostet ca 10 EUR - 40 EUR, ja nach Genauigkeitsklasse und Bauform.
PT100/1000 wären am genauesten, eine absolute Genauigkeit von 0.5 Grad ist damit kein Problem. Viele Platin-Fühler sind dick und deshalb langsam, aber es gibt schnelle Dünnfilm-Sensoren, die mit Thermocouples mithalten können (Zeitkonstante 1/10 Sekunde). Allerdings kann man diese nicht direkt in Wasser halten - und nach einer Isolierung sind sie vernutlich nicht schneller, als KTY-Sensoren - nur grösser. Die Sensoren sind bezahlbar (5 EUR/Stück). Platin-Sensoren erfordern ebenfalls eine Auswerteschaltung, da wieder Signale verstärkt werden müssen, sie sind aber unproblematischer, als Thermocouples, weil Strom statt Spannung gemessen wird und keine Temperaturmessung/Kaltstellenkompensation notwendig ist. Die Auswerteelektronik auf der Platine wäre dennoch teuer, weil wegen dem Platz und der gewünschen Präzision nur integrierte, temperaturkompensierte Lösungen wie XTR105 in Frage kommen - pro Kanal 11 EUR.
Für das Kombinieren von Thermoelement für Tassen-Fühler und PT100/1000 für Boiler reicht der Platz auf der Platine nicht aus. KTY könnt man eventuell mit Thermoelement kombinieren (in der Kombination von KTY mit PT100/1000 sehe ich dagegen keinen Sinn).


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