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  1. #1
    bohnenschorsch ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard Selbstbau Feinwaage

    Liebe Kaffee- und Espressofreunde,

    da ich in diesem Forum schon öfter auf die Problematik des Kaffee-Wiegens gestoßen bin (gute Feinwaagen kosten Geld, Küchenwaagen sind meist nicht genau genug), habe ich mich entschlossen, eine kleine Bauanleitung für eine Balkenwaage ins Board zu stellen. Die Waage kostet nichts außer ca. 20-40 Min. Bastelaufwand. Die Zutaten hat man meist da. Mit etwas Akuratesse sollte die Genauigkeit (bzw. der Fehler) etwa 0,1 Gramm betragen, was für unsere Zwecke im Allgemeinen ausreicht. Wer sich Mühe gibt und die Ausgangsmaterialien sorgfältig auswählt, kann auch eine Genauigkeit von 1/100stel Gramm erreichen, was aber beim Basteln etwas Zeit kostet (Stichwort Eichvorgang) und eigentlich unnütz ist. Die Waage ist, aufgrund einer gewissen Umständlichkeit des Wiegevorgangs, nicht geeignet, um täglich jede Espressoportion abzuwiegen. Aber für eine kleine Serie (3-10 Tassen) zur Orientierung (Bsp: Wie voll wird mein Siebträger bei 7 Gramm Kaffee? oder: Wie schmeckt der Unterschied zwischen 7 und 7,5 Gramm?) ist sie perfekt. Auch beim Wechsel von einer zur anderen Bohnensorte kann man die Waage zur Kontrolle noch mal rauskramen (oder schnell neu basteln) - nicht immer ergeben 7 Gramm Kaffee dasselbe Volumen.
    Man braucht:

    - 1 dünnen Holzstab oder 1 Plastikröhrchen, ca. 70cm lang (z.b. ein Bambusstäbchen für Balkontomaten)
    - Bindfaden
    - Kleingeld (als Gewichte)
    - 2 identische Plastikbecher oder kleine Tütchen (unbenutzte Pommestüten gehen auch)
    - evtl. etwas Tesa oder Sekundenkleber (ist aber verzichtbar)
    - Schere oder gesundes Gebiß
    - 1 Tisch (hilft beim Wiegen)

    Wichtig ist, daß alle Zutaten so leicht als möglich sind - Metall ist tabu. Bambusstäbe sind meistens etwas schief und an einem Ende dicker (und damit schwerer). Solange der Unterschied nicht allzu groß ist, sollte das kein Problem sein. Wenn doch, fällt es beim Eichvorgang auf.
    Zuerst sucht man den Schwerpunkt des Stabes, indem man ihn einfach auf dem ausgestreckten Finger austariert, bis er in der Waagrechten bleibt.



    Dort befestigt man ein Stück Bindfaden. Jetzt kann man erste Erfahrungen mit dem Wiegevorgang machen: Um herauszufinden, ob der Knoten genau mittig sitzt, hält man den Stab nicht etwa hoch (weil er dann unkontrolliert pendelt), sondern hebt ihn nur mehrmals ein kleines Stück (ca. 5cm) am Faden an (deshalb der Tisch). Wenn immer dieselbe Seite liegenbleibt, verschiebt man den Knoten ein kleines Stück zu diesem Ende und wiederholt das Procedere. 2-3cm Höhenunterschied an den Enden sind o.k. und ausreichend für die oben genannte Genauigkeit. Wer möchte, kann den Knoten jetzt mit einem kleinen Stück Tesa oder etwas Sekundenkleber gegen Verrutschen sichern.



    Als nächstes piekst man ein Loch in die beiden Becher (knapp unter dem Becherrand), zieht einen Faden durch und befestigt die Becher ca. 2 Finger breit von den Enden des Stabes. Daran schließt sich erneutes Austarieren und Knoten-Fixieren an.



    Schließlich der erste Test: in jeden Becher je eine Münze von gleichem Wert (z.B. 1 Euro = 7,5g), Waage anheben: Wenn der Stab jetzt immernoch einigermassen waagrecht bleibt, hat man sauber gearbeitet. Zur Sicherheit ein weiterer Test: in den linken Becher kommen 2+5 Cent (=3,06g+3,92g=6,98g), in den rechten 2+10 Cent (=3,06g+4,10g=7,16g). Diesen Gewichtsunterschied von 0,18 Gramm sollte die Waage sehr deutlich anzeigen.



    Zur Kontrolle werden die Münzen nun Seiten-vertauscht. Wenn der Gewichtsunterschied nun wiederum deutlich (aber eben in die andere Richtung) abzulesen ist, hat man alles richtig gemacht und kann zur Kaffee-Mühle schreiten, um erste Tests vorzunehmen. Auf dieser Seite
    Maße und Gewicht der Euro-Münzen
    finden sich die Gewichte der Euro-Münzen, durch Kombination dieser lassen sich die für Kaffee-Liebhaber benötigten Größen zusammenstellen. Wer dennoch andere Gewichte braucht ( z.B. Schritte von 0,1 Gramm), kann sich diese recht leicht aus gewöhnlichem Kopierpapier herstellen. Dieses hat gewöhnlich 80g/m². Eine Seite sollte also fast genau 5g wiegen. Daraus lässt sich dann ein beliebiges Gewicht zuschneiden.

    Viel Spaß beim Basteln!
    Georg

  2. #2
    toposophic ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    Ein hoch auf das Hebelgesetz
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    "Having a taste for quality is having a taste for life." (Zino Davidoff)

  3. #3
    zoom ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    schön und sehr kreativ! ...das kommt dann in die gleiche rubrik, wie mein selbstgebastelter festwasseranschluss

    bevor man die grammzahl und die dazugehörige kaffeemenge mal raus hat, kann man das mit der waage sicher recht einfach abschätzen. aber immer für jeden espresso das kaffeemehl abzuwiegen wäre doch viel zu umständlich, oder macht das einer? (das hab ich -ehrlich gesagt noch nie gemacht. einfach siebträger gut füllen, anpressen und der espresso war in der regel so, wie er sein sollte...)

    grüsse
    stefan
    »Die Bohne ist rund, der Espressobezug dauert 25 Sekunden. So viel ist schon mal klar. Alles andere ist Theorie...«
    il caffè:
    kaffeeschmiede 'superschwarz' -> quickmill apollo ______
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    guter caffè macht glücklich!

  4. #4
    Largomops ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    ich mach das mit einer Waage unter der Mühle. Ist kein Aufwand.
    Gruß aus der Falz, Largomops

    BFC Lira 2-gr, BZ99, CC-PID, Mazzer Mini-E, K3, Demoka M-203, Moccamaster, Gene, HPR

  5. #5
    bohnenschorsch ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    hallo,

    früher habe ich meinen Kaffee auch nie gewogen, sondern mich am Puck und am Ergebnis in der Tasse orientiert. Als ich mir dann vor ca. 1 Jahr die Waage gebastelt und ausprobiert habe, ging mir das eine oder andere Licht auf. Denn mein 1er Sieb war nicht mit 7g, sondern mit 8,5-9g "optimal" befüllt. Daraus folgte, daß
    - ich den Kaffee immer überdosiert hatte
    - um trotzdem auf eine brauchbare Durchlaufzeit zu kommen, die Mühle zu grob eingestellt war
    - der Kaffee also immer etwas unterextrahiert
    - und damit in der Summe zu bitter und gleichzeitig flach war

    Erstaunlicherweise vertragen es gerade die kräftigen Espressosorten besser, wenn sie überdosiert und unterextrahiert werden - die feinen Sorten mit hohem Arabica-Anteil reagieren (nach meiner Erfahrung) zickiger. Dementsprechend wunderte ich mich über die Lobgesänge auf all die Martellas und Lucaffees hier im Forum - bei mir schmeckten die nicht. Unfähig, den Fehler bei mir zu suchen (dabei heißt es doch wirklich oft genug: "nicht die Maschine, sondern der Mensch davor ist entscheidend") blieb ich bei meinem knüppelharten "Christoforo Colombo", dem auch unsensibelste Fehlbehandlung wenig anhaben kann, und beschloss, dass nächste mal eben einen Tausender mehr in die Maschine zu stecken...
    ... na ja, man lernt eben nie aus! Jedenfalls hat mir das simple Wiegen und Mahlgrad-Anpassen eine ganze Menge an neuen Geschmackserlebnissen beschert - was ich vorher so gar nicht gedacht hätte. Oder anders ausgedrückt: Manchmal kann sogar ein zunächst langweiliges Wochenende zu erstaunlichen Erkenntnissen führen. Die teure Nobelmaschine habe ich jedenfalls zuerst mal auf die lange Bank geschoben...

    Gruß
    Georg

  6. #6
    Elbe ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    Ein hoch auf das Hebelgesetz
    Wenn wir schon dabei sind: eine Balkenwaage ist aber ein dreiarmiger Hebel, und die skizzierte Vorrichtung ist ein zweiarmiger Hebel, mit dem man nicht wiegen kann...

    Martin
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  7. #7
    blu
    blu ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    Zitat Zitat von Elbe Beitrag anzeigen
    Wenn wir schon dabei sind: eine Balkenwaage ist aber ein dreiarmiger Hebel, und die skizzierte Vorrichtung ist ein zweiarmiger Hebel, mit dem man nicht wiegen kann...Martin
    hallo martin,
    ich verstehe nur bahnhof - kannst du das erklaeren? fuer mich ist "wiegen" "massen vergleichen" und das sollte doch mit der balkenwaage gehen (im gegensatz zur badezimmerwaage, die kraefte misst).
    dank + lg blu
    LM Linea, Gaggia Mini & Mazzer Robur & Gene cafe cbr 101
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  8. #8
    bohnenschorsch ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    hallo blu,

    ich hoffe, es ist nicht unverschämt, dass ich antworte (obwohl ich nicht Martin heiße):

    Bei einer Balkenwaage muss der Drehpunkt oberhalb des Schwerpunktes liegen und mit diesem (über den dritten, kurzen Hebel) fest verbunden sein, damit sie eine "Rückstelltendenz" hat. Dieser Hebel liegt mittig und weist senkrecht nach oben. An den beiden anderen (langen, waagrechten) Hebeln hängen die Gewichte. Du kannst Dir die Waage also als umgedrehtes T vorstellen. Liegt der Drehpunkt genau im Schwerpunkt, ist die Waage nahezu unbrauchbar, weil

    - sich bei exakt gleichen Gewichten der Balken in jeder beliebigen Position einstellen ließe und dort verharren würde
    - sich bei minimal unterschiedlichen Gewichten der Balken sofort senkrecht stellen würde

    Bei der von mir gebastelten Waage liegt der Drehpunkt genau im Knoten des mittigen Fadens. Da der Knoten während des Bastelns und Austarierens immer automatisch auf der Oberkante des Stabs landet, ist er auch gleichzeitig der höchste Punkt. Alle Massepunkte, incl. Schwerpunkt, liegen darunter. Begünstigend kommt noch hinzu, dass jeder Holzstab ein bisschen krumm ist - dadurch wandert der Schwerpunkt weiter nach unten, vom Drehpunkt weg (wie bei einem auf dem Kopf stehenden U). Wie gesagt, das passiert alles automatisch - wenn es eine mögliche Fehlerquelle wäre, hätte ich darauf hingewiesen (ich habe schon einige dieser Waagen gebastelt, weil ich sie nie aufhebe). Vielleicht kann man mit einem kerzengeraden Alustab und exakt "richtig" gesetzten Bohrungen eine Waage konstuieren, die nicht funktioniert - aber darum ging es ja nicht.

    Natürlich kann man mit der Waage nicht wiegen in dem Sinne, dass man Kaffee einfüllt und das Gewicht abliest. Mit etwas Übung kann man aber, durch Vergleich mit den Münzen, das Gewicht recht genau bestimmen. Ich hätte mir nicht die Mühe gemacht, alles zu fotografieren und hier reinzustellen, wenn es nicht ausgiebig erprobt wäre.

    Gruß
    Georg

  9. #9
    blu
    blu ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    Zitat Zitat von bohnenschorsch Beitrag anzeigen
    ich hoffe, es ist nicht unverschämt, dass ich antworte

    - sich bei exakt gleichen Gewichten der Balken in jeder beliebigen Position einstellen ließe und dort verharren würde
    - sich bei minimal unterschiedlichen Gewichten der Balken sofort senkrecht stellen würde
    hallo georg,
    im gegenteil! danke fuer deine erklaerung,
    lg blu
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  10. #10
    zoom ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Selbstbau Feinwaage

    Zitat Zitat von bohnenschorsch Beitrag anzeigen
    hallo,

    früher habe ich meinen Kaffee auch nie gewogen, sondern mich am Puck und am Ergebnis in der Tasse orientiert. Als ich mir dann vor ca. 1 Jahr die Waage gebastelt und ausprobiert habe, ging mir das eine oder andere Licht auf....
    hi georg,

    da hast du völlig recht und wiegen sollte ich sicher auch mal, das wäre schon noch aufschlussreich. allerdings habe ich auch ohne waage mal das gewicht (getamperte füllhöhe im siebträger) variiert und auch unter anderen veränderten parametern kaffee zubereitet und mich am geschmack orientiert. aber es stimmt schon, dass eine waage für mich eine gute hilfe sein kann, zunächst mal eine referenz und ausgangslage zu haben, um längerfristig konstantere ergebnisse zu erhalten. zumindest für sollte man bei jeder neuen kaffeesorte wiegen, bis der mahlgrad stimmt, das macht das leben leichter.
    anonsten ist es zwar nicht egal, aber doch wirklich nur geschmacksache, ob man dann statt 6.5g lieber 8 g pro shot nimmt, oder? das gleiche gilt dann auch für wassermenge und extraktionszeit. den espresso serviere ich mir und keiner jury einer baristameisterschaft

    grüsse
    stefan
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    il caffè:
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    guter caffè macht glücklich!

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