Liebe Kaffee- und Espressofreunde,
da ich in diesem Forum schon öfter auf die Problematik des Kaffee-Wiegens gestoßen bin (gute Feinwaagen kosten Geld, Küchenwaagen sind meist nicht genau genug), habe ich mich entschlossen, eine kleine Bauanleitung für eine Balkenwaage ins Board zu stellen. Die Waage kostet nichts außer ca. 20-40 Min. Bastelaufwand. Die Zutaten hat man meist da. Mit etwas Akuratesse sollte die Genauigkeit (bzw. der Fehler) etwa 0,1 Gramm betragen, was für unsere Zwecke im Allgemeinen ausreicht. Wer sich Mühe gibt und die Ausgangsmaterialien sorgfältig auswählt, kann auch eine Genauigkeit von 1/100stel Gramm erreichen, was aber beim Basteln etwas Zeit kostet (Stichwort Eichvorgang) und eigentlich unnütz ist. Die Waage ist, aufgrund einer gewissen Umständlichkeit des Wiegevorgangs, nicht geeignet, um täglich jede Espressoportion abzuwiegen. Aber für eine kleine Serie (3-10 Tassen) zur Orientierung (Bsp: Wie voll wird mein Siebträger bei 7 Gramm Kaffee? oder: Wie schmeckt der Unterschied zwischen 7 und 7,5 Gramm?) ist sie perfekt. Auch beim Wechsel von einer zur anderen Bohnensorte kann man die Waage zur Kontrolle noch mal rauskramen (oder schnell neu basteln) - nicht immer ergeben 7 Gramm Kaffee dasselbe Volumen.
Man braucht:
- 1 dünnen Holzstab oder 1 Plastikröhrchen, ca. 70cm lang (z.b. ein Bambusstäbchen für Balkontomaten)
- Bindfaden
- Kleingeld (als Gewichte)
- 2 identische Plastikbecher oder kleine Tütchen (unbenutzte Pommestüten gehen auch)
- evtl. etwas Tesa oder Sekundenkleber (ist aber verzichtbar)
- Schere oder gesundes Gebiß
- 1 Tisch (hilft beim Wiegen)
Wichtig ist, daß alle Zutaten so leicht als möglich sind - Metall ist tabu. Bambusstäbe sind meistens etwas schief und an einem Ende dicker (und damit schwerer). Solange der Unterschied nicht allzu groß ist, sollte das kein Problem sein. Wenn doch, fällt es beim Eichvorgang auf.
Zuerst sucht man den Schwerpunkt des Stabes, indem man ihn einfach auf dem ausgestreckten Finger austariert, bis er in der Waagrechten bleibt.
Dort befestigt man ein Stück Bindfaden. Jetzt kann man erste Erfahrungen mit dem Wiegevorgang machen: Um herauszufinden, ob der Knoten genau mittig sitzt, hält man den Stab nicht etwa hoch (weil er dann unkontrolliert pendelt), sondern hebt ihn nur mehrmals ein kleines Stück (ca. 5cm) am Faden an (deshalb der Tisch). Wenn immer dieselbe Seite liegenbleibt, verschiebt man den Knoten ein kleines Stück zu diesem Ende und wiederholt das Procedere. 2-3cm Höhenunterschied an den Enden sind o.k. und ausreichend für die oben genannte Genauigkeit. Wer möchte, kann den Knoten jetzt mit einem kleinen Stück Tesa oder etwas Sekundenkleber gegen Verrutschen sichern.
Als nächstes piekst man ein Loch in die beiden Becher (knapp unter dem Becherrand), zieht einen Faden durch und befestigt die Becher ca. 2 Finger breit von den Enden des Stabes. Daran schließt sich erneutes Austarieren und Knoten-Fixieren an.
Schließlich der erste Test: in jeden Becher je eine Münze von gleichem Wert (z.B. 1 Euro = 7,5g), Waage anheben: Wenn der Stab jetzt immernoch einigermassen waagrecht bleibt, hat man sauber gearbeitet. Zur Sicherheit ein weiterer Test: in den linken Becher kommen 2+5 Cent (=3,06g+3,92g=6,98g), in den rechten 2+10 Cent (=3,06g+4,10g=7,16g). Diesen Gewichtsunterschied von 0,18 Gramm sollte die Waage sehr deutlich anzeigen.
Zur Kontrolle werden die Münzen nun Seiten-vertauscht. Wenn der Gewichtsunterschied nun wiederum deutlich (aber eben in die andere Richtung) abzulesen ist, hat man alles richtig gemacht und kann zur Kaffee-Mühle schreiten, um erste Tests vorzunehmen. Auf dieser Seite
Maße und Gewicht der Euro-Münzen
finden sich die Gewichte der Euro-Münzen, durch Kombination dieser lassen sich die für Kaffee-Liebhaber benötigten Größen zusammenstellen. Wer dennoch andere Gewichte braucht ( z.B. Schritte von 0,1 Gramm), kann sich diese recht leicht aus gewöhnlichem Kopierpapier herstellen. Dieses hat gewöhnlich 80g/m². Eine Seite sollte also fast genau 5g wiegen. Daraus lässt sich dann ein beliebiges Gewicht zuschneiden.
Viel Spaß beim Basteln!
Georg


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