Ich bin auf diesen alten Thread gestoßen und meine, er wäre es wert, dass man ihn wieder hervor holt, bevor man ein neues Thema mit altem Inhalt startet.
Ich habe heute auch mal einen Doppio, Langen Classico, auf meiner CC in 5 Einzeltassen laufen lassen, alle 5 Sekunden Wechsel bis 25s. Ohne Preinfusion.
Ich denke, für den Test ist der Langen Classico ideal, weil ich meine, dass er geschmacklich in der Mitte liegt, weder bitter noch säurebetont.
Ich habe dabei ganz ähnliche Ergebnisse erzielt wie Gunnar (S.2 dieses Threads), sehr aufschlussreich waren für mich die ersten Sekunden und die letzten (-25s).
Das Zeug aus der ersten Tasse (0-5s) war tatsächlich
kaum trinkbar. Man kann es kaum im Mund behalten, scharf, extrem bitter, ja wie Gunnar bemerkt, beißend.
Dieser Eindruck schwächt sich in der zweiten Tasse etwas ab, es wird einigermaßen trinkbar, bittere Aromen sind aber immer noch stark
präsent.
Ab 10s wird es dann annehmbar, ab 15s ist die Bittere fast verschwunden, ab 20 s wird's recht
neutral, nicht bitter und auch nicht sauer, eher dünn, die Farbe blond!
Ich versuche ebenfalls einige
Schlüsse aus dem Versuch zu ziehen,
man möge mich korrigieren, wenn diese Ansichten auf Ablehnung stoßen:
-In den ersten Sekunden entscheidet sich
die Qualität des Espressos. Hier werden derartig viele Aromen extrahiert, dass die darauffolgenden Phasen das Gesamtergebnis kaum mehr beeinflussen können.
-Die letzte Phase, wo der Strahl blondiert, konnte (in meinem Fall) das Ergebnis sicher nicht stark beeinflussen. Hier stimme ich ebenfalls Gunnar zu: Ab hier wird der Espresso in der Hauptsache 'verdünnt'.
Dass es quasi 'Lehrmeinung' ist, dass beim Blondieren der Bezug unmittelbar abzubrechen sei, hat vielleicht einen anderen Grund:
So deutet frühzeitiges Blondieren möglicherweise auf eine
starke Überextraktion zu Beginn des Bezuges hin. Der Bittere Ton kommt daher nicht aus der ersten letzten, 'blondierten' Phase, sondern aus der ersten!
-Die Temperaturstabilität einer Maschine
während des Bezuges ist wohl weniger kritisch zu sehen, wie mancher glauben mag. Ab etwa 15s ist aus dem Kaffee nicht mehr viel herauszuholen. Wenn hier die Brühtemperatur etwas abfällt, dürfte dies das Gesamtergebnis kaum mehr stark beeinflussen.
-Etwaige Dampfbildung im Kessel (nach längerem Leerlauf) hat deswegen starken Einfluss auf die Qualität des Espressos, weil der Dampf in der
ersten Phase des Bezugs auf den Kaffee trifft, wo die Extraktion am höchsten ist.
Wie denkt Ihr dazu?
Gruß
Michl
Ps. Der gleiche Espresso, aus dem Doppelauslauf auf zwei Tassen verteilt, war übrigens vorzüglich. Man mag es nach diesem Versuch kaum glauben.