Latte Art ist in seiner Grundidee ja das allgemeine Synonym für Herzchen und Blättchen aus Milchschaum im Kaffee.
Doch genau genommen ist das ja weniger Kunst, sondern vielmehr Kunsthandwerk und hat für mich eine ähnliche Ästhetik, wie ein Stickbild über einem neobarocken Sofa. Hier fehlt es meist an Eigenständigkeit im Ausduck und kreativen Schaffen.
Kunst ist ja immer etwas, das aus einem freiem Gestaltungswillen entsteht und von daher ist Latte Art, wie sie sich nach meinem Verständnis darstellt, auch einfach nur ein Klecks auf dem Espresso oder auch die verschüttete Milch neben der Tasse. Auch die Performance gehört dazu. Alles ist möglich! Im Gegensatz dazu reduziert das bürgerliche Kunstverständnis mit seiner Forderung nach Schönheit und Perfektion den gestalterischen Prozess, ja es kastriert ihn sogar. Genau das offenbart sich in dem Streben nach Symmetrie und Wohlform, wenn es um die Milchblättchen und Schaumherzchen geht.
Von diesen Zwängen habe ich mich nun befreit:
Jetzt darf man ruhig behaupten, nur weil ich aus Ungeschick die schönen Blättchen nicht in den Kaffee giessen kann, breche ich aus den hier gültigen Wertvorstellungen aus. Aber genau das ist der Fall. Und es ist mir auch so egal, dass ich inzwischen gar nicht mehr anstrebe, bei meiner Latte Art Herzchen und Blümchen entstehen zu lassen. Bei mir wird rumgekleckst und ich schere mich nicht die Bohne um das, was andere denken! Ich giesse in meinen guten Espresso die cremige Milch auf eine Art und Weise, wie ich es will! Jeder darf das auch. Latte Art muss wirkliche Kunst sein!
so, wer sich provoziert fühlt, darf mich gerne fertigmachen - ja, ich war lange frustriert, aber jetzt habe ich mich bezüglich Latte Art emanzipiert. Mein Genuss ist gestiegen, denn es stimmt ja durchaus: das Auge geniesst schliesslich auch mit.
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