Hallo!
Dieses Thema dient dem genauen technischen Verständnis einer Vibrationspumpe und des zugehörigen Motors am Beispiel einer Ulka E5 (Suchtag: EP5/EX5) und dem Verhalten von Druck und Durchfluss am Beispiel einer Miss Silvia. Es handelt sich um einige theoretische Fragen, die ich mir mit Google, coffee-geek, Kaffee-wiki und diesem Forum nicht beantworten konnte. Sollte ich einen Link übersehen habe, bin ich für jeden Hinweis sehr dankbar.
Edit: Die Fragestellung hat in Form des faustino boards eine praktische Antwort erfahren. In bezug auf die untenstehende Diskussion lässt sich sagen: eine Phasenanschnittsteuerung erlaubt die Leistungsreduktion einer Ulka, die damit auch niedrigere Arbeitspunkte fahren kann.
Zusätzlich gab es folgende (exotische) Idee eines Boardies: Man könnte einen Bypass mit einem Magnetventil versehen, das schnelle Verschlusszeiten erlaubt. Das Magnetventil würde von einer Regelung ständig geöffnet/geschlossen, sodass der Abfluss und damit der Druck reguliert werden kann.
Hintergrund der Frage sind die hier im Forum entwickelten Ansätze den Druck solcher Pumpen zu reduzieren:
Etwa elektronisch im Fall der Platine von Dietmar:
http://www.kaffee-netz.de/espresso-u...44-18-a-4.html
Oder Gunnar und Bane:
Pimp_my_Silvia
Verbunden sind diese Fragen mit der Diskussion zu Pressure Profiling oder zumindest Preinfusion:
Pressure Profiling: der nächste Hype nach Dual Boiler und PID?
Frage 1: Ist die Beschreibung der Funktionsweise einer Vibrationspumpe Ulka E5 wie folgt richtig?
Auf Espressoxxl ist für die Ulka EX5 vermerkt, dass eine Diode verbaut ist. Damit wird von der Steckdosenspannung nur ein Spannungsbuckel durchgelassen. Dieser lenkt über die Spulen den silbernen Zylinder (auf dem Foto viertes Teil von links) aus, dessen eines Ende zwischen den Federn eingeklemmt ist und das andere Ende ist der eigentliche Kolben für das Pumpen. Durch die Diode übt der Motor nur eine Kraft in eine Richtung aus, die Rückbewegung des Kolbens wird von einer Feder übernommen. (Die andere Feder dämpft die elektrische Bewegung).
Beim Herausbewegen des Kolbens wird die rosane Kammer mit Wasser aus dem Tank geflutet, ein Rückschlagventil (Blauer Kopf mit Feder an roter Befestigung) verhindert, dass Wasser, das bereits in die Maschine gepumpt wurde, zurückströmt. Wird der Kolben wieder in den Zylinder gedrückt, muss das Wasser durch das blaue Rückschlagventil in die Maschine fließen, weil sich das altrosane Rückschlagventil im Zylinderkopf schließt. Leider konnte ich die Website, nicht besser verstehen, weil sie auf Französisch ist. Ist das was ich verstanden habe, so richtig beschrieben?
Hierzu habe ich eine Reihe von Folgefragen:
1.1) Die Pumpe schwingt mit den 50 Herz des Stromnetzes (50 von der Diode durchgelassen Stromimpulse auf der Spule, sind 50 Halbschwingungen in die eine Richtung, die von der Feder mit 50 Rückstellbewegungen „beantwortet“ werden)?
1.2) Gibt es irgendwo genauere elektrische Daten zum Motor der Ulka? Einen Schaltplan?
Das hier waren die einzigen Motordaten`, die ich gefunden habe: Ulka Motors Division (ich weiß aber nicht ob das der Motor in der Ulka ist, ist auf jedenfall mit einer höheren Wattzahl versehen).
1.3) Eine ausgesprochen theoretische Frage, die mit den Folgefragen in Frage 2 verbunden ist: Wasser komprimiert sich nicht und wenn in der Maschine bereits Druck besteht, nimmt die Fördermenge ab. Eine Abnahme der Fördermenge heißt, dass weniger Wasser aus der rosanen Kammer verdrängt wird, also der Kolben weniger tief in diese Kammer gedrückt werden kann, weil die Kraft bei geöffnetem blauen Rückschlagventil nicht ausreicht, die volle Hubhöhe zu erreichen. Die Pumpe schwingt also bei höherem Druck mit der gleichen Frequenz aber einer geringeren Amplitude/Auslenkung? Oder sorgt der Gegendruck auf dem Rückschlagventil selbst für eine Art Phasenanschnitt: nur der höchste Teil des Spannungsbuckels induziert hinreichend Kraft, dass der Kolben in die rosane Kammer gedrückt werden kann?
1.4) Die entscheidende Frage: welche Regelungs- und Steuerungsmöglichkeiten ergeben sich hier?
Dietmar verwendet einen Phasenanschnitt (Phasenanschnittsteuerung ? Wikipedia), wenn ich das richtig verstanden habe. Der Thyristor reduziert die Leistung, indem er die Amplitude der Kolbenauslenkung verringert (Rückstellbewegung sobald der Thyristor „zündet“). Dietmar schafft damit einen Verschlussdruck von 2 bar, wenn ich das richtig verstanden habe.
Es gäbe ebenfalls die Möglichkeit eine PWM (Pulsweitenmodulation, Pulsweitenmodulation ? Wikipedia) zu verwenden: Die Schwingungsdauer wird lang gezogen und die Leistung der Pumpe ebenfalls reduziert. Haben diese verschiedenen Methoden, verschiedene Effekte auf die Pumpenkennlinie? Beim Phasenanschnitt wird die Amplitude (der Hubweg) reduziert und bei der Pulsweite die Schwingungshäufigkeit.
Frage 2 betrifft Druck und Durchfluss, die von der Pumpe geleistet werden und wie diese verändert werden können mit PWM oder Phasenanschnitt.
Die entscheidende Kenngröße einer Pumpe ist die Pumpenkennlinie, also das Verhältnis zwischen Druck und Förderleistung. Die Pumpe stellt eine fixe Leistung bereit, die mehr Durchfluss bei weniger Druck oder mehr Druck bei weniger Durchfluss erlaubt. Aus Perspektive der Pumpe sind Druck und Durchfluss strikt umgekehrt proportional.
Die Lage verkompliziert sich mit dem OPV/Expansionsventil: Das System ist geflutet (sonst würde Luft durch den Kaffeesatz gepresst werden und diesen erwärmen/verbrennen) und die Pumpe schiebt Wasser in ein verschlossenes System, weil der Kaffeesatz zunächst kein Wasser durchlässt. Der Druck steigt sehr schnell an, bis das Expansionsventil öffnet (optimaler Weise auf 9 Bar eingestellt), gleichzeitig weicht der Kaffeepuck durch und schließlich weicht das Wasser auch durch den Kaffeesatz aus. Angenähert fördert die Ulka bei 9bar 250ml Wasser in einer Minute. Der Anpressdruck und Mahlgrad werden solange verändert, bis in 25 Sekunden durch den Kaffeepuck 60ml fließen, dem entspricht gemäß der Pumpenkennlinie und einer 9bar Einstellung am OPV wiederum angenähert eine Rückflussmenge durch das Expansionsventil von 45ml in diesen 25 Sekunden.2) richtig?
2.1) Hat das Expansionsventil eine Kennlinie oder ein fixes Verhältnis Flussmenge/Druck?
2.2) Sind mit den Abweichungen in der Kennlinie der Ulka Produktionsungenauigkeiten gemeint oder fördert jede Ulka je nach Tagesform innerhalb dieser doch beachtlichen Bandbreite? Woher kommen im zweiten Fall diese deutlichen Schwankungen?
Frage 3 bezieht sich auf eine Veränderung der Pumpenleistung und den daraus resultierenden Möglichkeiten zur Pre-Infusion und Pressureprofiling.
Frage 3: Ist folgende Erklärung richtig?
Wenn man die Pumpenleistung verändert, ergeben sich neue Druck/Durchflusskennlinien. Da die elektrische Leistung reduziert wird, müsste die neuen Kennlinien zwischen einem niedrigeren Verschlussdruck und geringeren Höchstförderleistungen liegen. Das bedeutet, dass sich die Kennlinien nach linksunten verschieben, wahrscheinlich mehr oder weniger parallel zur ursprünglichen Kurve.
Hier ergeben sich Verhältnisse von Durchflussraten und Druck, die nicht mehr zu 9Bar und in 25 Sekunden 60ml durch den Espresso und 45ml durch das Expansionsventil passen.
3.1) Pre-Infusion wäre mit „falschen Flussraten“ möglich: Die Leistung der Pumpe wird so reduziert, dass der Puck bei 2 Bar durchtränkt wird. Man müsste dann entweder den Druck messen und das System regeln, oder eine Menge Wasser annehmen, die zum Durchfeuchten bei der Preinfussion gebraucht wird, sodass man eine elektrische Leistung wählen kann, der wiederum eine Kennlinie entspricht bei der die Wassermenge, die für die Preinfusion abfließt, genau 2 Bar hat. Wären diese falschen Flussraten für die Pre-infusion irgendwie bedeutsam oder ist entscheidend, dass das Wasser mit weniger Druck den Puck durchtränkt
3.2) Ich kenne zwei Regelungstechniker, die für mich einen Mikrocontroller entwerfen, der entweder mit PWM oder mit Phasenanschnitt die Leistung der Pumpe reduziert. Im Fall der PWM könnte man dem Zylinder über verschiedene Signale auf die Spule jedes Schwingungsverhalten abverlangen, dass die physische Trägheit des Zylinders und der Feder zulässt. Wäre es in diesem Rahmen vorstellbar andere Zusammenhänge von Fördermenge und Druck zu realisieren? Also doch Pressureprofiling?
Theoretisch doch ja: die Kennlinien bei reduzierter Leistung liegen links unterhalb der alten Kennlinie. Dh. die ursprüngliche Flussrate von 250ml bei 9 bar MIT Expansionsventil kann nicht bei niedrigeren Drücken (=niedrigere elektrische Leistung) erreicht werden. Aber OHNE den Rückfluss durch das Expansionsventil braucht man ja nur 120ml pro Minute für den korrekten Espressodurchfluss (die rote senkrechte Linie) und das könnte auch mit Kennlinien links unterhalb der ursprünglichen Kennlinie erreicht werden (blaue Linien).


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