Hallo miteinander!
Ich habe mir hier im Forum eine Gaggia Classic gekauft, das hatte ich mir hier im Pavonithread vorgenommen, um all die Leute, die kommen und sagen „der und der hat erzählt, bei dir gibt’s so guten Kaffee“ nicht enttäuschen zu müssen, da die Bewirtung mit der Pavoni eine Aufgabe ist, der ich mich nicht gewachsen sehe. Die Gute wird dafür einfach zu heiß. Außerdem ist handgehebelter Espresso etwas regelrecht intimes und das teil ich nicht mit jedem! Also musste zur Bewirtung ein kleiner, schnell aufheizender, temperaturstabiler und solider Einkreiser her. Das klingt nach der kleinen Gaggia, nicht?
Eigentlich wollte ich das erst in einem Jahr machen, wenn ich aus England wieder komme, aber wenn einem sowas hier auffällt, ist's schwer, nein zu sagen. Da wird also genau die Maschine verkauft, die ich suche, und im allerersten Absatz ist zu lesen: „gepflegter Zustand, regelmäßig entkalkt und gründlich gereinigt“ - ferner sei sie „nur mit gefiltertem Wasser betrieben“ worden. Na, das wird doch selbst so ein blöder Alukessel überleben, denk ich mir und lese weiter. Messingdusche, zweiter Siebträger und lediglich ein angeblich klemmendes Magnetventil? 75€? keine halbe Stunde nach Einstellen des Angebots bekommt der Verkäufer eine PN von mir. Gegen einen Screenshot der Onlineüberweisung schickt er die Maschine auch sofort los, wenige Tage später kommt sie an, ich packe sie aus und erblinde fast vor Glanz. Poliert und gut verpackt ist sie, da hab ich ein Schnäppchen gemacht, denke ich und ich stelle sie erstmal neben die Pavoni, um ein schönes Gruppenfoto fürs Kaffee-Netz zu schießen.
Kurz bin ich versucht, sie einfach anzuschalten und einen Kaffee zu machen, aber dann beschließe ich doch, zumindest mal den Deckel abzunehmen und mir das Innere anzusehen...
so weit sieht alles super aus. Hier und da der angekündigte Rost, aber nichts ernstes. Erneut juckt der Netzschalter im Finger aber wieder obsiegt die Vernunft, ich pack sie ins Auto und fahr zu meinem Vater. Ihm geht’s ähnlich, er schaut sie an, macht sie auf, zieht eine Augenbraue hoch und fragt „75€?“, ich nicke und freu mich... er nimmt den Deckel schon wieder in die Hand, legt ihn dann doch wieder hin und meint „na, ich hab irgendwie ein schlechtes Gewissen, dich da einfach Kaffee draus trinken zu lassen, komm, aufmachen müssen wir den Kessel schon... kostet halt die Dichtung.“ - erst zögere ich, aber dann muss ich ihm zustimmen, und ich wollte ohnehin Ersatzteile (LM-Sieb, evtl. Silvia-Lanze..) bestellen, eine Kesseldichtung macht den Braten auch nicht mehr fett. Als wir das Duschsieb abschrauben bestätigt sich unser Gedanke schonmal ein wenig.
Und während ich ein Foto von der Verkabelung schieß und mich auf die Suche nach einem Schaltplan (toll, dieses Kaffeewiki) mach, zieht mein lieber Papa alle Stecker und löst alle Schrauben... hierbei bricht die erste ab und beim Lösen der zweiten ergibt sich ein Lehrbuchbeispiel galvanischer Korrosion:
Der erste Blick auf den „regelmäßig entkalkten Kessel“ lässt übles ahnen und bestätigt uns in der Entscheidung, das Ding doch aufzumachen.
Dass das Tropfen im Bereich der Brühgruppe jedenfalls nicht daran liegt, dass das „Rückschlagventil klemmt“, ist spätestens jetzt klar.
Es bietet sich ein Bild, das mir noch den ein oder anderen Kaffee im Hals stecken bleiben lassen wird.. und die Frage nach der Kompetenz der Gaggia Leute, die diese Materialkombination beschlossen, drängt sich auf.
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