...eine Fabel von Hoffnung, Scheitern und Triumph, der Nachwelt zur Mahnung und Lehre...
Erster Akt: Izzo Alex Duetto erworben, in Betrieb genommen, Begeisterung: Super Espresso bezogen, einen erheblichen Anteil hat natürlich auch die Mazzer Mini. Soweit, so gut. Das Leben ist schön...
Zweiter Akt: Technischer Perfektionierungswahn - die Izzo bekommt einen Festwasseranschluß. Ungeachtet der Tatsache, daß hier das Wasser mit bereits recht angenehmen 8,9 ° dH aus der Leitung sprudelt, wird - weils grundsätzlich gut ist und scheinbar jeder Kaffeetrinker von Welt es so macht - ein Wasserenthärtungsfilter vor den Festwasseranschluß der Izzo gesetzt. Das teure gute Stück soll ja nur bestes H2O bekommen und noch ein paar Äonen halten, und überhaupt: Wenn man da schon Bohnen für knapp 20€ das Kilo durchjubelt, müssen die Randbedingungen stimmen, Ehrensache. Also flugs den Wasserfilter in die Leitung geschleift und den Verschnittregler nach Herstellertabelle eingestellt und sich an der tollen Technik gefreut...
Dritter Akt: Die Freude beschränkt sich zunehmend auf die Technik. Irgendwie schiebt sich nach und nach die Erkenntnis ins Bewusstsein, daß auch bei wohlmeinenster Beurteilung nicht zu leugnen ist, daß die teure Emulsion ziemlich säuerlich schmeckt. Oder doch eher bitter? Besitzer von unprätenziöserem Brüh-Equipment würden das Ergebnis in der Tasse widerlich nennen, wir nennen beeindruckend suboptimal. Also beginnt ausgiebigstes Mühlen-Feintuning. Mehrere Kilo Edelbohnen werden vom dilettierenden Amateur-Barista auf dem Altar der Kaffeekunst geopfert, der Magen krampft, Herzrasen, trockene Haut - die braune Plörre widert nur noch an - was ist hier los? Alle Parameter aufs Milligramm, Bar und Grad kontrolliert und doch lässt sich nichts verbessern - Verzweiflung macht sich breit. Oh Elend...
Vierter Akt: Rettung naht - in Gestalt der vagen Erinnerung, daß da doch ein Zusammenhang zwischen Wasserhärte und Säure besteht. Kann es sein daß der Wasserenthärter der Übeltäter ist? Aber das Ding ist doch richtig eingestellt, oder? Tja, wer weiss? Leider ist keine Messmöglichkeit der tatsächlichen Wasserhärte zur Hand, dafür aber die Sehnsucht nach endlich wieder einem nicht-säuerlichen Käffchen überwältigend gross. Also her mit Schraubenschlüsseln und Rohrzange, der Filter muss weg! Mit zitternder Hand und in wildem Wahn schreitet der Forscher zur Tat...
Fünfter und letzter Akt: Oh Triumph! Nach ausgiebigem Durchspülen von Leitungen und Kesseln geligt endlich wieder ein tadelloser Espresso! Theorie bestätigt, das Weltbild bleibt heil. Das Leben ist schön!
Aber was war hier los? Offenbar waren die angepeilten 7° dH weit unterschritten, trotz angeblich korrekter Einstellung des Verschnittventils (das allerdings nur drei Stufen kennt und schon auf kleinster Einstellung stand). Zwei Vermutungen drängen sich auf: Entweder mit dem Filter bzw. dem Ventil stimmt was nicht, oder es lag schlicht am zu geringen Wasserdurchsatz im Filter:
Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Durchflussgeschwindigkeit / Standzeit des Wassers im Filter und dem Enthärtungsergebnis?
Wie auch immer - langer Rede kurzer Sinn: Es reicht nicht, nur Menge, Druck und Temperatur einigermassen unter Kontrolle zu halten, die Wasserhärte am Siebträger ist mindestens genau so entscheidend und sie sollte durch Messung überprüft werden, vor allem wenn man einen Filter eingebaut hat und nicht mehr wie beim Tankbetrieb ggf. den Werten auf Mineralwasserflaschen vertrauen kann. War ja eigentlich klar und ist schon tausend mal beschrieben worden, aber eingelullt von so viel Installationsaufwand schien dieser Parameter in trockenen Windeln zu sein - und dabei lag er promt komplett daneben...![]()


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