Round 3: Das Arbeiten mit dem TamperBell
Wie bereits erwähnt, ist die Haptik und auch das Handling des TamperBells völlig anders und sucht – ohne groß vorweggreifen zu wollen – seinesgleichen.
Anfangs etwas ungewohnt weil doch alle am Markt vertreten Tamper so ganz anders sind. Bei den am Markt befindlichen Tampern ist das Prinzip und der Aufbau im Großen und Ganzen immer der Gleiche. Unterschiedliche Griffe (Größe, Form, Material, ...) und dann ein Teller mit hohem Rand (teilweise auch trapezförmig oder mit Rillen aber irgendwie gleich). Ausnahme ist hier sicherlich der Tamping Tom der auch einen relativ niedrigen Rand hat.
Der TamperBell geht einen etwas anderen Weg. Gleicher Griff für alle nur aus unterschiedlichen Materialien. Das scheint erst etwas verwirrend, da die Handgrößen und Formen der Menschen doch so individuell sind aber die spezielle Form des TamperBells macht dies möglich. Wie bereits erwähnt liegt er bei großen und kleinen Händen gleichermaßen gut in der Hand.
Das hohe Gewicht des Tampers, der tiefe Schwerpunkt und die polierte Oberfläche ermöglichen darüber hinaus neben einem optimalen Sitz im Siebträger auch eine fast selbsttätige Zentrierung und der Spin am Ende des Tampens zum finalen polieren geht fast wie von alleine. Am hochglanz polierten „Fuß“ haftet auch so gut wie kein Espresso-Mehl weil er einfach zu glatt ist. Das Ergebnis ist eine wurderbar getampte Oberfläche die auch dank des konvexen Bodens ein Channelling im 1er Sieb nahezu unmöglich macht.
Was macht denn der TamperBell nun anders oder besser als die andern?
Er liegt erstmal ganz anders in der Hand. Man umgreift den Griff mehr oder weniger mit der ganzen Hand, so dass dieser nahezu vollständig in der Hand verschwindet. Dabei sitzt der Kopf des Griffes bündig in der Vertiefung der Hand Innenseite neben dem Handballen und die Finger ruhen auf dem mächtigen glöckchenförmigen Edelstahl-“Teller/Boden“. Man drückt mit den Fingern und nicht wie vermutet mit der Handinnenseite. Der Handballen unterstützt dabei nur wenn mehr Druck gewünscht ist. Der TamperBell hat auch einen extrem schmalen Rand, mit dem sich beim Spin am Ende die Espresso-Mehl Reste die am Rand vorbeigerutscht sind abschneiden lassen und nebenbei ein Verkanten nahezu unmöglich machen. Die abgeschnittenen Reste fallen dann beim herausnehmen des Tampers nach dem Tampen in den ST und können dann einfach durch einmaliges drehen des Siebträgers ausgeleert werden.
Aber genug der Worte, seht selbst:
TamberBell in Action!
Round 4: TamperBell vs. The Big Names
Ich konnte über die vergangen Jahre schon einige Tamper mein Eigen nennen. Sowohl in unterschiedlichen Größen, Formen als auch an unterschiedlichen Maschinen. Vom günstigen Concept Art Tamper von der Stange bis zum hochwertigen und auf Maß gedrehten Pullman Barista. Ich sammelte dabei einige Erfahrungen die es mir ermöglichen zu entscheiden was denn in meinen Augen einen guten Tamper auszeichnet und was er haben muss.
Die wichtigsten Faktoren die einen guten Tamper ausmachen sind, dass er so maßgenau ins Sieb passt wie nur irgend möglich und auch, dass der Boden eine konvexe Form besitzt.
Die konvexe Form ist in soweit wichtig, dass wenn man mit dem 1er Sieb arbeitet (in der Haushaltsumgebung viel häufiger verwendet als das Doppelsieb) das Espresso-Pulver zum einen schön an den Rand gedrückt wird und ein Channelling deutlich vermindert und zum anderen dass sich in der Mitte des Siebes ein Bereich befindet in dem der Puck dann dünner ist aber dafür eine Zone mit stärker verdichtetem Espresso-Mehl entsteht.
Im 1er arbeitet man für gewöhnlich mit 7-9g. Mit 7g im 58er 1er Sieb ist es extrem schwer einen guten Espresso in die Tasse zu bekommen. Mit dem 2er, bei dem man mit 14-18g fährt ist die konvexe Form weniger wichtig. Da sich dort genug Pulver im Sieb befindet und man deutlich mehr Freiheiten hat. Zu diesem Thema steht aber an anderer Stelle im Forum und auch auf den einschlägigen Seiten (Home-Barista, CoffeeGeek, ...) mehr als genug um ein oder gar mehrere Bücher zu schreiben und würde an dieser Stelle am Thema vorbeiführen.
Mein Lieblingstamper von Optik und Haptik ist bisher ganz klar der Pullman Barista, dicht gefolgt vom Reg Barber (beide auf Maß gedreht und mit der US-Curve versehen).
Wieso?
Zum einen sind diese Tamper auf Maß gedreht und liegen darüber hinaus sehr gut in der Hand. Beim Pullman hat man den Vorteil, dass man über die mitgelieferten Spacer (Abstandshalter) die Grifflänge variieren kann und so den Tamper noch besser auf seine Bedürfnisse anpassen kann. Der Pullman besitzt ein Insert am Griff um das seitliche Knocken zu unterstützen ohne den Tamper zu beschädigen.
Meiner Meinung nach ist ein Knocken aber nicht nötig wenn der Tamper optimal auf Maß gedreht ist, da es beim Knocken im Wesentlichen darum geht überstehende Espresso-Mehl Reste am Rand zum Einsturz zu bewegen. Die Fehler die man durch zu starkes Knocken machen kann (bereits feste Puck Struktur aufreißen und damit erst recht Channelling begünstigen, ...) sowie der mir nicht ersichtliche Sinn des Knockens machen das Insert zu einem netten aber unnützen Feature. Abgesehen davon, dass man ein +100 Euro Produkt imho doch nicht so behandeln sollte.
Der Pullman hat zusätzliche eine das Handling begünstigende gummierte Schicht am Fuß (dort wo die Finger aufliegen), die ein Abrutschen verhindert und den Pullman sehr angenehm zu handhaben macht. Pullman bietet auch die Möglichkeit den Tamper auf Maß fertigen zu lassen. Die Handhabung erfordert aber dann ein sehr genaues Arbeiten, da der Tamper aufgrund des hohen Bodens sehr leicht verkanten kann und man sich damit den Puck zerstört. Mit ein wenig Übung ist das aber kein Problem und schließlich unterstützt es das saubere Arbeiten das ich für wichtig erachte. Der Pullman bietet mit seinen seitlichen Kerben neben der Möglichkeit der optimalen Ausrichtung im Sieb, die Möglichkeit eventuell überstehende Espresso-Mehl Reste vom Rand damit aus dem Sieb zu befördern.
Der Reg Barber ist ebenfalls ein guter Tamper. Auf Maß gedreht, schön schwer und liegt bei mir auch recht gut in der Hand. Allerdings sagt mir die Form des Griffes optisch nicht so sehr zu aber der Reg Barber erfüllt wie auch der Pullman alle Kriterien um bei mir ein Rating als guter Tamper zu erhalten. An den Pullman kommt er allerdings nicht ganz heran.
Der TamperBell hingegen hat den Vorteil, dass er sich einfach wunderbar von alleine an unterschiedliche Handgrößen anpasst, ein Knocken ist aufgrund des tiefen Schwerpunkts und einer damit einhergehenden nötigen unnatürlichen Handbewegung (versucht mal mit dem Griff zu knocken wenn ihr den TamperBell in der Hand haltet, das ist nicht so einfach und soll aber bitte auch nicht gemacht werden – das verdient kein Tamper dieser Qualität (weder Griff noch Boden)) praktisch unmöglich und darüber hinaus verkantet der TamperBell wegen des dünnen Randes nicht und schneidet zusätzlich noch die Esppresso-Mehl Reste ab. Außerdem zentriert er sich durch das hohe Gewicht und den tiefen Schwerpunkt beinahe von alleine.
Obwohl der TamperBell nicht auf Wunsch-Maß gedreht erhältlich ist, steht er den großen Namen in nichts nach. Durch die möglichen „Übergrößen/Plus-Größen“ ist man je nach Sieb nur 0,1-0,2mm vom Wunschmaß entfernt und man läuft absolut keine Gefahr den Tamper zu verkanten. Außerdem sind 0,1-0,2mm Durchmesser-Differenz imho genau richtig. Weniger (0-0,1mm) ist schlecht da schwer zu händeln und mehr (0,5-0,Xmm oder -X,Xmm) nahezu unbrauchbar da der Rand und Abstand zum Sieb zu groß wird.
Darüber hinaus liegt er wenn man sich mal an ihn gewöhnt hat sensationell in der Hand.