1. Seit inzwischen einer Woche habe ich nun die Saeco Talea Ring Plus inklusive Milk Island zum testen in der Küche stehen und ich bin, gelinde ausgedrückt, enttäuscht. Der Kaffee lässt sich nur als Schümli einigermaßen trinken, mein bevorzugtes Heißwassergetränk, Espresso, schmeckt trotz frisch gerösteten Bohnen bester Qualität (von Caffe Fausto in München) nur sehr suboptimal. An einen Espresso aus einer echten Siebträgermaschine, wie man sie in Italien und guten Cafes findet kommt er um Längen nicht heran, genauer gesagt lässt sich die Verwandtschaft zum "caffè" nur erahnen. Selbst der 6 Jahre alte Krups-Vollautomat meiner Mutter, der preislich 2 Ligen tiefer spielt überzeugt beim Blindtest deutlich. Auch ein Herdkännchen vermag mehr Aromen aus dem Espressopulver zu holen und das trotz angeblich optimal auf Espresso eingestellter Optionen der Saeco.
2. Den Zugewinn an Kaffeegenuss auf einer Skala von 1 bis 10 gegenüber meinem Herdkännchen kann ich nur mit sehr wohlgemeinten 4 Punkten bewerten. Diese Punkte bekommt die Maschine allerdings nur auf Grund der Zeitersparnis und Komfortabilität eines Vollautomaten. Da dies jedoch auf Kosten des Geschmacks geht, sind selbst diese Punkte eigentlich 4 zu viel.
3. Das Ritual des Kaffeezubereitens hat sich nur sehr partiell verändert. Morgens, wenn ich Zeit habe, schäume ich mit der Saeco lediglich die Milch, den Kaffee für die Milch bereite ich weiterhin im Herdkännchen zu, da der dünne "Espresso" der Saeco-Maschine im Cappuccino überhaupt nicht durchkommt. Der Milchschaum ist das einzige, was diese Maschine wirklich kann. Selbst Latte-Art tauglicher Schaum lässt sich damit herstellen. Das jedoch auch nur, wenn man die eigentliche Dampfdüse benützt. Mit dem Milk-Island lässt sich überhaupt kein Schaum herstellen, nicht einmal die Milch wird damit ordentlich und gleichmäßig erhitzt. Den bisher einzigen "Cappuccino" den ich aus der Kombination Milk Island und Saeco-Espresso hergestellt habe, wollte keiner aus meiner Familie trinken, da er weder von der Temperatur, noch optisch, noch geschmacklich ansprechend war.
4. Was sich relativ gut mit der Saeco herstellen lässt, ist eine Latte Macchiato. Durch die verstellbare Tassenabstellfläche, die jedoch sehr instabil wirkt, man hat immer Angst sie kaputt zu machen, kann man zuerst die Milch im Glas schäumen und dann einen Kaffee hineinlaufen lassen, wodurch auch die typischen drei Schichten entstehen. Meine kleine Schwester freute sich sehr darüber, zumal sie den intensiven Kaffeegeschmack sowieso nicht gerne mag und ihr die mit Sirup und einem Hauch Kaffee aromatisierte geschäumte Milch gut schmeckt. Meine Freundin freut sich hingegen sehr über die Bäumchen und Herzen, die ich ihr durch Latte Art auf den Cappuccino zaubere, auch wenn sie der Geschmack ebenfalls alles andere als überzeugt.
5. Gäste, die nur sehr selten Kaffee trinken, waren von dem Espresso aus der Maschine begeistert und lobten den runden Geschmack. Wer jedoch jemals guten Espresso aus einer Siebträgermaschine getrunken hatte, fragte mich, ob ich vielleicht schlechte Bohnen verwende, oder noch Wasser in den Espresso geschüttet habe.
6. Den größten, jedoch rein optischen, Erfolg hatte ich mit einem Cappuccino, der durch ein schönes Bäumchen verziert wurde. Geschmacklich konnte mich keines der Kaffeegetränke überzeugen, lediglich meine Schwester war von ihrem Caramel-flavoured-Macchiato begeistert. Meine Tante bemerkte, dass der Espresso "endlich mal nicht so stark" schmecke, jedoch trinkt sie auch begeistert Filterkaffee mit Kaffeesahne.
Als Fazit lässt sich für mich sagen, dass die Maschine für Personen geeignet ist, die gerne Schümli und geschmacklosen Cappuccino oder Latte Macchiato trinken. Für Espresso ist die Saeco gänzlich ungeeignet und auch das Milk Island ist bzw. wäre hinausgeworfenes Geld. Für bequeme Menschen, die die Zeremonie einer Kaffee-Zubereitung in einem Herdkännchen oder gar einer Siebträgermaschine, sowie die damit verbundene "Unordnung" in der Küche scheuen, mag dieser Vollautomat geeignet sein. Dies jedoch auch nur, wenn deutliche Geschmackseinbußen hingenommen werden. FÜr den Listenpreis von 849 Euro bekommt man eine qualitativ hochwertige Siebträgermaschine inklusive Mühle, die sowohl echten Espresso als auch wohlschmeckenden Cappuccino produziert und zudem nicht wie ein Brotbackautomat oder eine Spielzeugwaschmaschine aussieht.
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