Moin,
ich dachte mir gerade so, es wäre doch mal interessant zu Erfahren, wie der "Werdegang" der ganzen Leute hier so war. Habt Ihr Euch so langsam hochgearbeitet? Hat Die Mutter heimlich Kaffee in die Nuckelflasche gekippt oder war es quasi von 0 auf 100 in 10 Ristretto?
Ich will einfach mal anfangen:
Meine Koffeinsucht fing vor ca. 20 Jahren während meines Jahrespraktikums in einer Maschinenbauwerkstatt an. Da haben alle literweise Kaffe gekippt. Da ich aber nie die normalen Sachen mitgemacht habe, habe ich mir meinen Instant-Espresso mitgebracht und davon so 5 bis 10 Pötte am Tag getrunken.....
Später im Studium ging es eigentlich nur darum, den Koffeinspiegel tagsüber möglichst hoch zu halten. Filterkaffee, Espresso... egal, rein damit. Das erste aha-Erlebnis kam dann ab '95 in meinem ersten Job. Damals hatte ich eine Freundin in Kalifornien, die ich zwei mal im Jahr besuchte. Starbucks war zu der Zeit dort schwer in und irgendwie schmeckte mir das. Auch gab es dort aromatisierten Filter-Kaffee. Ich habe mir dann immer ein paar Dosen Haselnuss-Zimt-Kaffee mitgebracht. Fand ich damals x-mal besser als hier die Jacobs Dröhnung o.Ä. Da ich aber auch viel in Norditalien war, fand ich deren Espresso auch ganz gut. Zu meiner Kündigung '96 habe ich mir dann als Abschiedsgeschenk eine Espressomaschine gewünscht. Und tatsächlich bekam ich eine Siebträger von Krups. Allerdings bewegten sich meine Kennnisse zu dem Zeitpunkt noch auf Toastbrot-Niveau. Wenn das Espresso-Pulver im Supermarkt italienisch klang, musste es gut sein. Und da meine Ergebnisse locker mit dem Espresso beim Chinesen um die Ecke mithalten konnten, war ich zufrieden.....
Irgendwann ist dann nach dem x-ten Umzug die Krups im Keller verschwunden und ich habe mich wieder mit herkömmlichem Filterkaffee begnügt. Bis ich dann vor 6 Jahren meine Frau kennen gelernt habe.... Sie hatte schon immer ein Faible für LM. Also wurde die Krups wieder hervorgekramt und die ersten Versuche gestartet. Schnell waren aber die Grenzen erreicht, etwas Neues musste her. Wegen des begrenzten Budgets stand dann eine AEG 120 in der Küche, zusammen mit einer Espressomühle von Krups. Das war auch so die Zeit, in der ich anfing, hier mitzulesen. Mit dieser Kombi konnte ich plötzlich Espressi machen, die mit denen aus einem durchschnittliche Eiscafe locker mithalten konnten. Ich kam auf den Geschmack......
Inzwischen hatten wir uns mit zwei Italienern angefreundet, denen hier jeweils ein Restaurant gehörte. Und wenn die uns einen Espresso gemacht haben, dann war das eine ganz andere Dimension! Einfach nur ein geiles Geschmackserlebnis! Mit Gianni saß ich dann auch abens vor seiner Maschine und er hat mir bei etliche Grappa erklärt, worauf man achten muss. Es stand also irgendwann zur Debatte, die Kaffee-Ecke aufzuwerten. In meinen Augen kam dazu nur Gaggia in Frage, meine Frau (als LM-Junkie) fand jura wäre das non plus ultra. Meine Frau hat dann vor 3 Jahren gewonnen........
In mir war aber der Ehrgeiz entfacht, auch so etwas Ähnliches wie beim Italiener hinzubekommen. Die ersten Experimente mit der jura wurden gestartet. Zum Glück kann man da auch gemahlenes Pulver einfüllen und die Wassertemperatur einstellen. Mit Bohnen frisch vom Röster, in der Krups-Mühle sehr fein gemahlen, kommt da dann schon etwas raus, was durchaus trinkbar ist. Das Eiscafe um die Ecke kann da nicht mehr mithalten.... Das Feuer war entflammt und verschiedene Röster / Sorten wurden ausprobiert. Wenn ein Kollege in Italien Urlaub machte, musste er mir von dort immer frische Bohnen mitbringen. (Eine Entäuschung war Nannini, direkt im Geschäft in Siena gekauft...)
Zum letzten Weihnachtsfest hatte ich dann meine Frau so weit, ich durfte mir eine Gaggia kaufen!!!!! In Frankfürt-Höchst gab es eine gelbe Evolution als Vorführgerät für 150,- EUR. Die steht jetzt hier in der Küche. Das die Krups-Mühle dafür nicht reicht, war mir schon klar, also wurde diese etwas getuned. Da Ergebnis war zwar ganz gut, aber auch nicht überwältigend. Also musste auch eine neue Mühle her. Da Espresso trinken für mich inzwischen eine Art Zeremonie ist, sollte es eine Handmühle sein. Bei Lorey in Frankfurt hatten sie Zassenhaus. Eingepackt, feinsten Mahlgrad eingestellt... Kein Tropfen kommt mehr aus dem Siebträger. Etwas gröber, nächster Versuch.... Der absolute Hammer!!!!!!!! Der Tre Forze hatte eine Konsistenz, eine Crema und ein Aroma, wie ich es selbst bei meinen guten Italo-Freunden nicht erlebt habe. Genau so hatte ich mir das immer vorgestellt!!! Bin nun seit einem Monat am Experimentieren. Meine Ergebnisse sind, egal mit welcher Bohne, recht gleichmäßig gut geblieben. Bilde mir inzwischen ein, einen Espresso zubereiten zu können, den ich hier in der Gastronomie nirgends bekomme.
Nach endlosen Versuchen schramme ich seit Tagen knapp an einer Gastritis vorbei..Aber das Feuer ist entfacht, auch meine Frau findet inzwischen, das eine la Pavoni gut in die Küche passen würde......
So, das war es von mir. Würde mich freuen, mal Eure "Geschichten" lesen zu dürfen....
Viele Grüße
Klaus


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