Ich bin seit langem schon Kaffeejunkie, hab mit zirka 13 Jahren mit der "Sucht" angefangen und seitdem immer sehr viel Wert auf Kaffee gelegt.
Allerdings war ich immer der Meinung, dass es bei Kaffee vor allem darauf ankomme, dass er "stark" ist. In meinem Elternhaus gabs immer Filterkaffee mit heißer Milch (frisch vom Bauern) und lange Zeit mochte ich Kaffee so am liebsten.
Während meiner Zivildienstzeit eroberte ich mir sofort die Herrschaft über die Kaffeemaschine weil niemand sonst den Kaffee stark gennug kochte, außerdem konsumierte ich viiiiiieeeel zu viel von diesem Kaffee. Des weiteren Experimentirte ich damit, was passierte, wenn man einen Liter Kaffee übers Wochenende auf der Warmhalteplatte "vergisst" (man erhält einen dickflüssigen "Kaffeeschlamm" der nicht mehr sehr gut schmeckt aber immernoch dröhnt)
Nach meinen Auszug aus dem Elternhaus tat bei mir eine uralte Braun Filterkaffeemaschine ihre Dienste, zuerst mit Aldi Kaffee und Filter, dann mit Goldfilter und in der Zassi frisch gemahlenen Bio Bohnen.
Ich hatte in der Zwischenzeit meinen ersten Job als "Barista" (obwohl ich noch nicht wusste, dass das so heißt) in einer Eisdiele und dachte ich kenne mich mit Espresso aus. (Die Milch wurde in einem ekligen Milchschaumformer geschäumt, der bei heißem Wetter regelmäßig auch mal "Joghurt" produzierte. Deswegen und weil ich seit Anfang meiner Kaffeetrinkerkarriere nur "Bauschaum" kannte, den ich eklig fand, trank ich immer langen Kaffee mit Kaffeesahne.)
Ein halbes Jahr später, auf der Suche nach einem neuen und dauerhaften Nebenjob fing ich als barista bei einer kleinen deutschen Kette an,die sich Biokaffee und Latte Art verschrieben hat.
Und schon nach zwei Tagen Probearbeiten wusste ich mehr über Kaffee als ich vorher überhaupt angenommen hatte das man wissen könnte!
Mein Interresse war geweckt! Ich lernte die Maschine richtig zu bedeinen, zu flushen, die Mühle zu verstellen, Latte Art zu gießen etc.
Fast von Anfang an wollte ich zu Hause auch so Kaffee machen können.
Zuerst holte ich eine alte Bialetti wieder raus und "kochte Espresso" auf dem Herd. Milch wurde mit einem Eletkroquirl geschäumt. Das Kaffeenetz kannte ich noch nicht, wegen der guten Kritik bei Stiftung Warentest hatte ich mir vorgemahlenen Illy gekauft und der Kaffee schmeckte besser den je.
Aber ich wollte eine richtige Dampfdüse und kaufte mir für 8€ eine gebaruchte dampfbetriebene "Espressomaschine" die Zubereitung war umständlich, aber wieder war das Ergebnis besser den je.
Nach kurzer Zeit wollte ich echten Espresso den ich in der Arbeit lieben gelernt hatte. Ich kaufte mir einen No Name ST mit Cremasieben und Panarello, den ich aus einer Saeco Conica (47€ für diesen Schrott!!!!) mit Bohnen vom Iatliener oder vom Kleinröster fütterte. Zum ersten mal hatte ich Crema auf meinem Kaffee!
Aber der Virus trieb mich weiter um! Ich begann im Elektroherd zu rösten und wieder war der Kaffee so viel besser! Meine Freundin war genervt über das ständig wechselnde Equipment und den Rauchgestank in der Küche. Ich hatte schon länger das Kaffeenetz entdeckt und lernte hier, dass man das Thema Kaffee noch ernster nehmen kann....
Cremasiebe konnten nicht das Maß aller Dinge sein, ein traditioneller ST musste her....
Geld hatte ich (Student) schon für alle anderen Investitionen keines gehabt, aber kurz vor Weihnachten schlug ich bei einer roten Ascaso Arc auf ebay zu und war ausser mir vor Freude als sie endlich ankam. (Meine Freundin war auch ausser sich
)
Das die Saeco Mühle Mist war wusste ich, leider mahlte auch meine Zassi nicht fein genug für das neue Traumgerät und nach kurzer Zeit des Stolzes machte man mir im Kaffeenetz grausam klar, dass ich einen Brühkopf für Pads verbaut hatte und in einen Umbausatz investieren musste!
Ich experimentierte zuerst mit den Pads, da ich nicht schon wieder ein Teil betsellen wollte. Anfangs gefielen sie mir gut, aber dann gewannen Geschmackssinn und ökologisches Gewissen die Oberhand und ich klickte auf "Bestellen". Der Umbausatz kam an und nun hatte ich einen funktionierenden, wunderschönen ST ohne geeignete Mühle, kein Geld und das Verbot meiner besseren Hälfte irgendwein Teil Kaffeeequipment anzuschaffen...
Die Situation war verfahren wie nie
Ich hab seitdem fasst 2 Monate gabraucht um mich damit abzufinden. Kaffee beim kleinröster ST fein mahlen lassen war eine Alternative, allerdings teuer und das feine Pulver wurde nach wenigen Tagen schlecht (logisch)
Pads wolte ich einfach nicht mehr.
Ich sehnte mich nach den Zeiten als ich dachte der rote Illy aus der Bialetti sei der betse Kaffee der Welt.
Im Urlaub mit meiner Freundin benutzte ich die alte Bialetti wieder und stellte fest, dass ich den Moka Geschmack immer noch mochte! Kein Espresso aber ein guter, starker, kleiner Kaffee...
Zu Hause verwendete ich den Rest vorgemahlenen Mokas (Guglielmo) in der Arc und fand, dass er noch besser schmeckte als aus der Bialetti (halt nicht verbrannt...) und mit weichem Milchschaum ein leckerer Cappuccino entstand (Latte Art ist seltsamerweise auch ohne Crema möglich, man zeichnet einfach mit der weißen Milch in der braunen "wiederaufgetauchten" Milch).
Nach über einem Jahr starker "Upgradeitis" habe ich nun ein herrliches, entspannendes, absolut gegen die "Espressoorthodoxie" verstoßendes Plateau der Zufriedenheit erreicht und benutze meine kleine Arc als "elektrisches Herdkännchen". (Espresso gibt's dann halt auf Arbeit)
Ich kann gar nicht sagen wie ich es genieße das vorgemahlene Pulver in das Sieb zu schütten, leicht zu tampen und nach 10 Sekunden eine Doppiotasse völlig cremafreien Heißgetränks zu erhalten!
Ich fürchte der Zustand hält nicht sehr lange an, aber ich werde ihn in vollen Zügen auskosten bis mir jemand das Geld für eine Mühle schenkt (Spendenkontonummer auf PN-Anfrage) oder mir eine eigene Caffè Bar finanziert......
Wie seltsam dass manchmal das Mittel gegen das immer mehr wollen einfach sein kann bewusst weniger zu haben.
Ich brauche mir keine Gedanken über Mahlgrad oder Tampen etc. machen, es kann gar kein "Godshot" werden!
Herrlich!!


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