Tief im australischen Regenwald haben Biologen eine bisher unbekannte Papageienart entdeckt. Und wie es in Australien seit vielen Jahren guter Brauch bei allen Tierarten ist, handelt es sich dabei um ein Beuteltier – und zwar um den extrem seltenen Beutelpapagei. Es wurde ihm der wissenschaftliche Name Papagenus beutulus australiensis angehängt, der auch ganz gut zu ihm passt, wie ich finde.
Und dieser einzige bisher bekannte Beutelpapagei hat eine außergewöhnliche Eigenart: das Junge im Beutel wird mit den Früchten der noch viel selteneren Coffea australica gefüttert, die ebenfalls ganz tief im austra-lischen Regenwald beheimatet ist – man könnte sagen, genau dort, wo der Pappagei mit Mamagei sein Ei hinlegen würde, wenn er nicht einen Beutel hätte und deshalb kein Nest bauen muss (was auch seinen evolutionären Vorteil darstellt). Aber zweckens kurzer Beschaffungswege huckt er auch ohne Nest sehr gerne in den Zweigen eben jener besagten Coffea australica herum.
Und was macht er dort nun so Aufregendes, dass sich sogar bedeutende Autoren aus ganz anderen Ländern dieser Sache annehmen? Er stopft die Frucht der Coffea australica seinem jungen Piepomatz (er hat immer nur einen) in den Rachen, damit er das Fruchtfleisch aufisst, und die Bohne wieder auskackt – „ausscheidet“, wie der Biologe sagt.
Die ausgekackte Kaffeebohne entfernt Frau Papagena mit einer eleganten Schnabelbewegung aus dem Beutel und wirft sie in hohem Bogen in die Landschaft, wodurch sich die Coffea australica wiederum ihre Jungen zieht. Aber dies ist natürlich eine gänzlich andere Angelegenheit.
Als die besagten Biologen diese seltsame Angewohnheit des von ihnen liebevoll „Papageno“ genannten Exemplars beobachteten, fühlten sie sich gleich mit allem Recht der Welt an die ebenfalls ziemlich exklusive Kaffeesorte Kopi Luwak erinnert, sammelten die Böhnchens ein, und verbratzelten sie zu Hause in ihrem Vollautomaten (die Espressomaschine gilt zwar mittlerweile auch in Australien als eingewandert, ihr Verbreitungsgebiet ist allerdings noch vergleichsweise klein).
Angetan von dem einzigartigen Geschmack schicken die genannten Biologen nun jährlich zur Erntesaison einen Stamm der Aborigines in den australischen Regenwald, um die äußerst bekömmlichen, hocharomatischen Bohnen aufzusammeln.
So gelangen jährlich auch einige kleinere Chargen dieser erlesenen Bohne auf den Weltmarkt und können von wohlmeinenden Millionären gekauft und zum Beispiel nach dem Diner zu den Klängen der Zauberflöte – vorzugsweise in der Interpretation des Schlappseilvirtuosen Nikolaus Harnoncourt – in verflüssigtem Aggregatzustand an ihre Gäste verteilt werden.
Und nun meine Frage: Hat rein zufällig schon einer unserer erlesenen Forumskameraden Bekanntschaft mit diesem exklusiven Getränk gemacht und kann darüber berichten?


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