Klassische Wocheneinkaufssituation mit Familie:
Die holde Göttergattin sucht gerade im proppevollen (Freitagabend, Samstag untertags - vollkommen egal) Supermarkt Haarfärbemittel, die pubertierende Tochter raunzt einen an, wieso sie als Einzige aus der Clique noch immer kein eigenes Pferd hat, obwohl das doch gar nicht teuer sei, der ebenfalls pubertierende Junior will einem voller Stolz von seinem letzten erfolgreichen "Gefecht" in Team Fortress erzählen und man soll noch - während um einen die Massen wuseln - "den" Kaffee (also das übliche Packerl der Hausmarke) mitnehmen. Wenn da nicht zufälligerweise die alte Packung neben der neuen steht, landet die neue unbesehen und ohne auch nur ansatzweise einen Unterschied zu erahnen im Wagerl.
Können auch Kleinkinder sein. Oder einfach nur der Streß, weil man am Abend eigentlich noch Gäste erwartet. Oder selbst eingeladen ist. Oder einfach nur möglichst rasch aus dem völlig überfüllten Laden raus will (den man aber zu einer solchen Zeit aufsuchen muß, weil man nun mal geregelter Vollzeitarbeit durchaus gerne auch mit geistigem Anspruch nachgeht).
NATÜRLICH landet dieses Kaffeeersatzprodukt ganz normal im Wagerl, bei weit über 90% der bisherigen Konsumenten des Vorgängerproduktes, das tatsächlich (technisch besehen) noch ein Kaffee war. Und: fast ausnahmslos allen wird bei der üblichen Zubereitung (Milch, Zucker) kein wirklich schmeckbarer Unterschied auffallen. Man wird also die leicht geänderte Verpackung als lediglich veränderte Verpackung (nicht als geänderten Inhalt) wahrnehmen und akzeptieren - und genau darauf zielt diese Art der Roßtäuscherei. Ja, da steht Vorsatz dahinter, absolut und eindeutig.
Und auf diesen darf, durchaus auch reißerisch, hingewiesen werden. Die Hersteller werben ja ebenfalls reißerisch für ihre Produkte, teilweise mit Sujets und "Stoßrichtungen", die mit dem Produkt und seiner Verwendung per se überhaupt nichts zu tun haben. Damit wird man aber, man mag wollen oder nicht, tagtäglich zugemüllt - ich sehe de facto nicht fern, höre praktisch kein Radio - aber Zeitungen (ja, auch in Qualitätszeitungen gibt es Werbung), Plakaten und Durchsagen im Supermarkt entkomme ich nicht. Und Information hin Lesen her - ich nehme mir sicher nicht die Liste der *wasweißichwievielen* E Inhaltsstoffe mit, um genau zu wissen, was wann wo wie warum drin ist.
Zum Kaufen am Markt - ja natürlich, da weiß man genau über die Herkunft Bescheid. Ich lache später, ja? Marillenstände an der B3 durch die Wachau - so viele Marillen, wie dort an haltende Autofahrer verkauft werden, hängen dort nie an den Bäumen. Natürlich alles "vom Erzeuger". Mag ja sein, aber so manche der Erzeuger sind definitiv nicht in der Wachau ansässig - zumindest ihre Marillen waren's nie
lg,
Klaus


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