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  1. #1
    nacktKULTUR ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Um dem hirnrissigen Bastel-Thread nicht weitere Publicity zukommen zu lassen, hier ein paar Gedanken zu kindlichen Basteleien, von kiw1408 angeregt:

    Zitat Zitat von kiw1408 Beitrag anzeigen
    Ja gibt schon "witzige" Sachen.
    Als Kind habe ich mir mal ne Vorrichtung gebaut, das wenn jemand die Tür meines Zimmers öffnete, sämtliche elektrische Geräte vom Strom getrennt wurden. Dieses ging mit Kontakte unten an der Tür die natürlich 220V an sich hatten.....
    Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Mein Kinderzimmer war völlig "durchtechnisiert". Allerdings war ich seeehr vorsichtig, wenn es um Netzspannung ging. Das hat mir schon mein Vater früh eingeprägt. Er war technisch versiert, er hat als Teenager in den späten 20er Jahren sich seinen Radioapparat selbst gebaut. Als im Jahre 1912 Geborener hat er die Kindertage des Radios voll mitbekommen.

    Aber zurück in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ich hatte z.B. eine ausgeklügelte Weckanlage. Sie bestand aus einer elektrischen Schaltuhr (aber mit Pendeluhrwerk!) und einer Snooze-Einrichtung mit einer Wahltastatur für 1 Minute, 3 Minuten, 5 und 10 Minuten. Mittels eines getriebeuntersetzten Synchronmotors (1 Upm) mit Exzenter und Mikroschalter habe ich Minutenimpulse gewonnen. Die Impulse haben ein elektromechanisches Zählrelais betätigt. Die Vergleichsvorgaben an der 1-3-5-10-Tastatur wurden in einer Relais-Vergleichsschaltung ausgewertet. Das Material habe ich aus einer geschlachteten Musikbox aus den späten 50er Jahren gewonnen. Das Zählrelais muss man sich wie eine mechanische Ausgabe des Dekatrons vorstellen. Alles das hat mit harmlosen 12V Gleichspannung funktioniert, mit Ausnahme des Synchronmotors und der Schaltuhr. Aber Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich den 220V-Teil sauber installiert habe. Eine nicht-isolierte Reihe von Lämpchen unter Netzspannung, wie sie anderenorts im Forum vorgestellt worden ist, war für mich schon als Kind ein absoluter no-go.

    Ach ja - die Minutenimpulse habe ich auch noch anderweitig ausgewertet - mittels Relais-Zählflipflop habe ich sie in alternierend positive und negative Rechteck-Impulse umgewandelt, um damit Nebenuhren in der übrigen Wohnung anzutreiben. Meine Eltern hatten dadurch immer die genaue Zeit. Die Nebenuhrwerke habe ich von einem verstorbenen Onkel geerbt, der ebenfalls Hobbybastler gewesen ist.

    Übrigens habe ich ein paar Mal schmerzhafte Bekanntschaft mit der Elektrizität geschlossen. In derselben Zeit, als 12-15 jähriger Knabe hatte ich das Hobby, alte Fernsehapparate (aus den 50er Jahren) zu reparieren. Die Horizontalablenkung war ein zentraler Teil der internen Energieversorgung. Diese mit 15.625kHz betriebene Schaltung hatte eine Energierückgewinnung, um die Y-Achse (Vertikalablenkung) und den Verstärker der Z-Achse (Helligkeitswerte) zu betreiben, und vor allem für die Hochspannungsgewinnung, also die damals üblichen 15 kV für die Bildröhrenanode. Die X-Achse (Zeilenablenkung) wurde meist mit irgendeiner PL5xx betrieben, mit Kopfanode. Ich bin mehr als einmal quer durchs Zimmer geflogen, weil ich versehentlich die Kopfanode berührt hatte. Aber ausser ein paar Verbrennungen ist mir nichts passiert. Kinder haben Schutzengel...

    Aber der üble Geschmack im Mund nach so einem elektrischen Schlag ist mir noch heute, nach 45 Jahren in Erinnerung. Weiß jemand, woher diese Geschmacksempfindung kommen könnte? Ach ja, es kam übrigens sehr auf die Polung des Netzsteckers an. Die damaligen Fernsehapparate waren praktisch alle als Allstromgerät gebaut, also die Betriebserde war direkt an einem Steckerpol, und alle Röhrenheizungen in Serie geschaltet, deshalb die P-Baureihe mit identischen 0.3A Heizstrom.

    Ein beliebter Aufenthaltsort war für mich in dieser Zeit eine benachbarte Elektrowicklerei. Dort habe ich viel über Motorenbau, Transformatoren, über Blindenergie, Leistungsfaktor und cos φ gelernt. Das Über-die-Schulter-Schauen ist nach wie vor der beste Lehrmeister.

    Habt Ihr auch frühe Erfahrungen mit dem Strom machen können? Offensichtlich sind sie glücklich ausgegangen, denn sonst wärt Ihr ja nicht hier...

    nK
    Izzo Alex Duetto #0028 · Baby Gaggia 1986
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  2. #2
    ergojuer ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Ich weiss ja nicht mehr, wie alt ich war. Bestimmt noch gaaaanz klein.

    An meinem Bett funktionierte die Leselampe nicht mehr. Ich war mir nicht sicher ob Schalter, Birne oder Fassung defekt sind. Also habe ich mir die mattierte Birne herausgenommen und von unten gekuckt, ob der Leuchtdraht durch ist. Schien OK.
    Der Schnurschalter macht sein gewohntes Klick-Klack. Schien OK

    Da bin ich dann mal mit dem Finger in die Fassung. Die schon doch irgendwie wacklig zu sein! Das war gar nicht OK

    -----
    Bin auf dem Land groß geworden und irgendwann war ich mir mit meinen Brüdern ganz sicher, dass da im Schuppen doch Mäuse wenn nicht gar Ratten sein müssten! Gesehen haben wir nie eine.ö Aber eine tote hätte uns auch gereicht! Aber wie kriegn wir die Biester?
    So haben wir dann ein Frühstücksbrettchen genommen, in die Mitte ein Stück Speck gepackt und rechts und links davon die Fläche mit Alufolie beklebt. An die Alufolie kam dann einmal Phase einmal Nullleiter und das Ding wurde dann einfach auf den Boden gelegt.
    Der Speck war irgendwann weg. Ne Ratte lag nie daneben.
    Carimali-Uno mit Gastroback advanced pro/ Graef ES90 mit Pavoni Jolly/ Graef CM90 und Casadio Istantaneo in Reserve
    "Gaggia-Powerentkalkung" und wie es funktioniert
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  3. #3
    caffè olivier ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Zitat Zitat von nacktKULTUR Beitrag anzeigen

    Aber zurück in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ich hatte z.B. eine ausgeklügelte Weckanlage. Sie bestand aus einer elektrischen Schaltuhr (aber mit Pendeluhrwerk!) und einer Snooze-Einrichtung mit einer Wahltastatur für 1 Minute, 3 Minuten, 5 und 10 Minuten. Mittels eines getriebeuntersetzten Synchronmotors (1 Upm) mit Exzenter und Mikroschalter habe ich Minutenimpulse gewonnen. Die Impulse haben ein elektromechanisches Zählrelais betätigt. Die Vergleichsvorgaben an der 1-3-5-10-Tastatur wurden in einer Relais-Vergleichsschaltung ausgewertet. Das Material habe ich aus einer geschlachteten Musikbox aus den späten 50er Jahren gewonnen. Das Zählrelais muss man sich wie eine mechanische Ausgabe des Dekatrons vorstellen. Alles das hat mit harmlosen 12V Gleichspannung funktioniert, mit Ausnahme des Synchronmotors und der Schaltuhr. Aber Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich den 220V-Teil sauber installiert habe. Eine nicht-isolierte Reihe von Lämpchen unter Netzspannung, wie sie anderenorts im Forum vorgestellt worden ist, war für mich schon als Kind ein absoluter no-go.

    Ach ja - die Minutenimpulse habe ich auch noch anderweitig ausgewertet - mittels Relais-Zählflipflop habe ich sie in alternierend positive und negative Rechteck-Impulse umgewandelt, um damit Nebenuhren in der übrigen Wohnung anzutreiben.
    nK
    und ich wär schon froh wenn ich mehr als nur jedes zweite Wort in deinem posting verstehen würde...


  4. #4
    nacktKULTUR ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Zitat Zitat von ergojuer Beitrag anzeigen
    So haben wir dann ein Frühstücksbrettchen genommen, in die Mitte ein Stück Speck gepackt und rechts und links davon die Fläche mit Alufolie beklebt. An die Alufolie kam dann einmal Phase einmal Nullleiter und das Ding wurde dann einfach auf den Boden gelegt.
    Der Speck war irgendwann weg. Ne Ratte lag nie daneben.
    Du bist Dir im Klaren darüber, dass Du in jungen Jahren damit die large-scale Implementierung der Insektenlampe für Ratten erfunden hast? Es fehlte vielleicht nur noch an der Feinjustierung. Genial.

    nK
    Izzo Alex Duetto #0028 · Baby Gaggia 1986
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  5. #5
    ergojuer ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Bei späteren Arbeiten ging es dann mehr um Niederspannung. Man nehme den Glühdraht einer Neonröhre, dazu Holzkohle, Schwefel und Salpeter, leicht aufbereitet und abgefüllt in Kohlensäurekapseln.
    Eine 9V Batterie, ein bisschen Klingeldraht, ein Zugschalter und 50 bis 100m Drachenschnur.
    Ach was haben wir für nen Spaß gehabt!
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  6. #6
    Holger Schmitz ist offline Moderator
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Niederspannung kann auch weh tun...
    Bei meinen Eltern wollte ich damals die Telefondose etwas verlängern/an anderer Stelle montieren, hatte kein Werkzeug zum abisolieren griffbereit, aber hey, wozu hat man Zähne... Waren zwar keine 220V (daran hätte ich keines falls gelutscht), aber hat beeindruckend gezwiebelt...

    Grüße
    Holger
    "Manchmal kann man gar nicht so blöd denken wie es kommt!"

  7. #7
    helges ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Zitat Zitat von Holger Schmitz Beitrag anzeigen
    ...aber hat beeindruckend gezwiebelt...
    Bei einer Leerlaufspannung von 60V und einem Schleifenstrom von 20mA tut das auf der Zunge schon ordentlich weh - durch die Schleimhaut ist ja der Uebergangswiderstand auch sehr gering.

  8. #8
    meister eder ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    hab mir mal den stecker eines föhns an die nase gehalten - irgendwie muss da durch induktion/nachlaufen noch etwas spannung drauf gewesen sein...
    ansonsten gehöre ich zu denen, die immer alles auseinander nehmen müssen, auch heute noch. mit den jahren konnte ich's dann auch öfter wieder funktionsfähig zusammensetzen .

    gruß, max
    KaffeeWiki.de: Einsteigerartikel Abkürzungen
    astoria jun1, sm90, rocky d, eureka giotto "s.d.", rancilio md50, mahlkönig brasilia, krups t8, aeropress, karlsbader, alfredo 9016 (v1.0), delonghi ick 5000
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  9. #9
    nacktKULTUR ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Zitat Zitat von helges Beitrag anzeigen
    Bei einer Leerlaufspannung von 60V und einem Schleifenstrom von 20mA tut das auf der Zunge schon ordentlich weh - durch die Schleimhaut ist ja der Uebergangswiderstand auch sehr gering.
    In der Schweiz sind es bei Analog-Telefonen nur 48V - aber das genügt auch schon für unangenehme Gefühle. Die 20mA sind an sich irrelevant - der Stromfluß wird vom Übergangswiderstand der Haut bestimmt.

    Schlimmer sind ISDN-Anschlüsse - die haben 96V Gleichspannung drauf.

    Zitat Zitat von meister eder Beitrag anzeigen
    hab mir mal den stecker eines föhns an die nase gehalten - irgendwie muss da durch induktion/nachlaufen noch etwas spannung drauf gewesen sein...
    Das war nur der Entstörkondensator, der den Schalters überbrückt - diese 20nF genügen schon für einen Schlag, wenn der Fön im oberen Durchgang der Sinuskurve aus der Steckdose gezogen worden ist.

    nK
    Izzo Alex Duetto #0028 · Baby Gaggia 1986
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  10. #10
    Buthoscorpio ist offline Neuer Benutzer
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    Standard AW: Erziehung und frühe (Strom-) Prägung

    Zitat Zitat von ergojuer Beitrag anzeigen
    Bei späteren Arbeiten ging es dann mehr um Niederspannung. Man nehme den Glühdraht einer Neonröhre, dazu Holzkohle, Schwefel und Salpeter, leicht aufbereitet und abgefüllt in Kohlensäurekapseln.
    Eine 9V Batterie, ein bisschen Klingeldraht, ein Zugschalter und 50 bis 100m Drachenschnur.
    Ach was haben wir für nen Spaß gehabt!

    Früher waren solche Sachen völlig normal, heute wird man wegen Vorbereitung eines Sprengstoffattentats angeklagt und landet im Gefängnis ...

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