AW: OT: Beratung für Kaminofen-Kauf
Hallo René,
ich versuche Dir mal mit meinen Recherchen und Erfahrungn zu helfen, die ich genau vor einem Jahr zu dem Thema sammeln konnte.
Zu allererst: Kontaktiert Euren Schorni VOR dem Ofenkauf. Von ihm hängt die Feuerstättengenehmigung ab, d.h. er muss vor der ersten Befeuerung bzw. Inbetriebnahme des Ofens die Feuerstätte abnehmen und genemhmigen. Findet er Mängel, kann er den Betrieb der Feuerstätte untersagen und dann habt ihr teures Lehrgeld gezahlt.
Die Erstberatung und Beschau der Gegebenheiten ist kostenlos.
Zu den Räumlichkeiten:
Ein 16qm großer Raum ist recht klein. Der 2x2m Durchbruch macht in den ersten 1-2 Heizstunden wenig aus, denn die Warme Luft steigt nach oben und fängt sich dann erst über dem Durchbruch, der vermutlich nicht bis zur Decke geht. Erst wenn die Warme Luft in die unteren Raumbereiche vordringt, gelangt sie in den daneben gelegenen Raum. Das sind meine persönlichen Erfahrungen mit dem Durchgang Wohnzimmer Küche, der ungefähr Euren Abmessungen entspricht. Unser Wohnzimmer ist knappe 35qm groß.
Die Durchgangstür zur Küche:
Wenn diese immer offen steht, und sich darin eine Dunstabzugshaube mit Abluft nach außen befindet, benötigt ihr einen Fensterkontaktschalter, ansonsten gibt es keine Betriebserlaubnis für den Ofen. Der Hintergrund: Wenn der Ofen nichzt über Außenluft mit Frischluft versorgt wird, zieht er diese aus dem Raum. Die Dunstabzugshaube macht genau das Gleiche, zieht aber wesentlich stärker als der Schornsteinzug. Somit werden Brenngase direkt in den Wohnraum gezogen, es besteht die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung, was in nicht wenigen Fällen schon zum Tod geführt hat. Deshalb wird darauf vom Schorni geachtet, erlaubt sind auch nur bestimmte Geräte mit DIBT-Zulassung. Gibt es in Funkausfühhrung und mit Kabel. Wir benutzen die Funklösung, damit das Kabelverlegen nicht nötig ist, funktioniert dann mit Batterie, bisher seit 1 Jahr ohne Probleme und ohne leere Batterie.
Thema Heizleistung:
Unser Raum ist 35qm groß, Wärmegedämmtes Haus (KfW70), der Schorni riet uns bei der Erstbaratung zu einem Ofen mit 4KW, nicht mehr. Die üblichen 7-8KW wären zu viel und ein Festbrennstoffkamin lässt sich kaum regeln, auch wenn das von den Herstellern immer propagiert wird. Fast ausschließlich lässt sich die Wärmeabgabe durch das Holzauflegen regulieren, also nur 1 Scheit oder Mehrere.
Trotz, dass ich 4KW zu wenig empfand, haben wir uns an die Vorgabe gehalten und ich bin froh darüber. In kurzer Zeit schafft es der Ofen den Raum auf 28-30°C zu erhitzen. Gut das ich auf den Schorni ghört habe.
Them Kaminzug:
Dieser muss ausreichend für den Wunschofen sein, also wirksame Höhe und Durchmesser sind wichtig. Da wir einen Bungalow haben, und die Wirsame Höhe erst ab Einlauf des Rauchrohres vom Ofen beginnt, ist bei uns der Zug rel. gering, der Durchmesser des Kamins ist rund 120mm. Damit fielen die meisten Öfen weg, da diese rund 150mm Rauchrohr haben, eine Reduzierung ist NICHT zulässig, also von 150 auf 120 reduzieren. Es gibt zwar solche Reduzierstücke im Handel, der Schorni genehmigt das aber nicht, da diese den Kaminzug negativ beeinflussen. Außerdem hat es einen Grund, dass die meisten 7-8KW-Öfen 150mm Rauchrohre haben, da eben die Gasmenge entsprechend groß ist.
Kaminöfen mit 120er Querschnitt beim Rauchrohr sind aber extem selten.
Was das Brennmaterial angeht:
Pellet ist natürlich einfach, aber die Öfen verursachen Nebengeräusche, da Luft über Ventilatoren zugeführt und geregelt wird und die Pellets mit einer Motorschnecke gefördert werden. Auch das übliche Knistern fällt weg und das Feuer ist sehr "zackig", eher wie bei einem Brenner und nicht beruhigend wie beim Lagerfeuer.
Außerdem steigen die Pelletpreise beständig und letztendlich ist es auf Dauer teurer als ofenfertiges Scheitholz.
Ich lasse immer 3-4qm³ Schüttmeter Holz kommen, stapel das an einem luftigen Ort im Garten, das Holz ist Kammergetrocknet, also Feuchte unter 15%, somit direkt einsatzfähig. Kosten: 60-70€/Schüttmeter (=0,7 Festmeter). Verbrauch im letzten Winter, 3 Schüttmeter. Genutzt haben wir den Ofen von Oktober bis April morgens 2-3h, dann abends 6-7h und am Wochenende durchgehend.
Die Reinigung ist nicht aufwändig, Aschekasten ausleeren, Brennraum etwas ausfegen und dann gehts weiter. 5min/Tag. Feuermachen geht ebenso schnell.
Selber schlage ich kein Holz, die Lagerfläche für die 1-2 jährige Trocknung fehlt mir und die Zeit fürs Holzmachen habe ich nicht. Die Mehrkosten für das einsatzfertige Holz sind mir das wert, die max. 200-250€/Heizsaison auch, denn die Gasheizung ist dann nur noch für Warmwasser und morgens 2h Badezimmer aktiv, sehr selten im Schlafzimmer. Hat uns jetzt 350€ Rückzahlung fürs Gas beschert, macht also knappe 100-150€ Ersparnis, je nachdem wie teuer ich das Holz kaufe. Hört sich zwar nicht viel an, aber 100€ sind auch Geld. Und der Komfort bei der "schöneren" Wärme ist gefühlt viel höher als bei der Fussbodenheizung.
Zu den Öfen:
Aufgrund der Vorraussetzungen (120er Kaminzug, Niedrigenergiehaus, rel. kleines Zimmer) haben wir uns für die österreichische Firma Haas + Sohn entschieden, Modell Javus, dieser kann mit Raumluft oder Außenluftzufuhr betrieben werden, ideal für kleine Räume und Niedrigenergiehäuser: Kaminofen JAVUS-RLU 203.14-C Keramik ahorn, Grundfarbe anthrazit, zertifiziert RAUMLUFT-UNABHÄNGIG-Kaminöfen - Haas + Sohn
Wir haben das Modell mit den hellen Kacheln. Preis beim Händler vor Ort, mit ein wenig Verhandeln 2200 inkl. Lieferung und Montage, zzgl. des Rauchrohres (glaube waren 60€).
Support und Service von Haas und Sohn perfekt, leider kam ich beim ersten Befeuern und dem damit verbundenen Einbrennen des Lacks mit dem Handschuh an den noch etwas weichen Lack. Haas und Sohn angeschrieben und trotz Selbstverschulden schickte man mir kostenlos aus Österreich eine Sprühdose mit dem passenden Lack.
Aufgrund dessen, dass es nur ein 4KW-Ofen ist, ist der Brennraum rel. klein im Gegensatz zu den anderen Öfen, max. 2 25cm lange Scheite gehen rein. Wirkungsgrad ist mit 80% angegeben, für einen Festbrennstoff ofen recht gut, ein Scheit brennt min. 1h lang. Für mein Empfinden gut, der 8KW-Ofen mit großem Brennraum vom Schwiegervater brennt die Scheite (33cm) doppelt so schnell ab.
Von Baumarktöfen rate ich ab, das Blech ist sehr dünn, die Türdichtungen oft sehr schlecht, Griffe werden sehr heiß. Lieber etwas mehr ausgeben, ist auch für die eigene Sicherheit. Und man möchte auch möglichst lange etwas von dem Ofen haben.
Das soll es erst mal gewesen sein, habe bestimmt noch viele Punkte vergessen, aber ich denke so hast Du einen groben Überblick. Zu guter Letzt noch ein Bild von unserem Ofen im Wohnzimmer, entstand kurz nach dem Anfeuern:

Beim Ofenaufstellen achte bitte auch auf feuerfeste Unterlage, gemessen von der Scheibe nach vorne min. 70cm und zu den Seiten min. 50cm. Ab und an fällt doch mal ein wenig Glut raus, wenn man die Tür unvorsichtig öffnet um Holz nachzulegen.
Gruß
Gregor
P.S.: Was die Bedenken zu kleinen Öfen von Helges angeht, kann ich das für unseren Ofen nicht bestätigen. Klar, die Wärmeabgabe ist intensiver, aber dann regel ich ein wenig die Zuluft, so dass die Flammen nicht all zu groß sind. Der Ofen fängt aber dennoch nicht das Rauchen an, auch nicht, wenn ich nach dem Scheitabbrand rel. lange warte, bis ich Holz auflege und dieses erst wieder richtig anbrennen muss. Ich denke, auch bei kleinen Öfen gibt es Unterschiede bei der Verbrennung und wie sauber diese ist.
Was mir noch einfällt: Es gibt auch Öfen, die Kohle vertragen, um z.B. die Glut über Nacht zu halten. Bitte verzichte darauf, das rußt sehr stark und qualmt/stinkt die Nachbarschaft zu. Saubere Holzverbrennung sorgt zwar für Geruch, aber die Rauchentwicklung ist sehr gering.
Achtung: Ersatzteil- und Zubehörhändler!
Maschinenhistorie:
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