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  1. #1
    chelonae ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    Moin,

    da die Kony E noch relativ wenig Verbreitung gefunden hat und auch auf der Mazzer-Seite mit keinem Wort erwähnt wird, will ich hier mal ein paar erste Eindrücke kundtun.

    Die Eckdaten vorweg:
    • Mahlkoni mit 63mm Durchmesser (in der dreiphasigen Ausführung sind's 67mm)
    • 420 Umdrehungen/Minute, also erfreulich langsamdrehend
    • 350W (dürfte sich also nicht so schnell an quersitzenden Bohnen verschlucken)
    • Timergesteuerte Dosierung (digital verstellbar)
    • Aktive Belüftung des Mahlwerks (nur bei größerem Umsatz relevant)
    • Kampfgewicht: 20kg, Höhe mit Standardtrichter: 65cm


    Um für den letzten Punkt ein besseres Gefühl zu entwickeln, habe ich mal ein paar Familienfotos gemacht (von links nach rechts: Mazzer Mini Timer, Mazzer Super Jolly Timer und Mazzer Kony electronic):







    Die Mühle kam leider mit teilweise gebrochenem Styropor bei mir an und hatte auch bereits einen gut 4cm langen Kratzer auf dem Gehäuse, der bis auf die Grundierung runterreicht. Gut, die Mühle soll keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, aber ein wenig ärgerlich ist das schon -- zumal ich das mit dem gebrochenen Styropor auch schon von einem anderen Kony-Besitzer gehört habe...



    Nun gut, kommen wir aber zu den entscheidenderen Kritikpunkten:

    • Ich mag die Mahlgradeinstellung bei Mazzer nicht. Sie ist schwergängig und nicht sonderlich präzise (von wegen "mikrometrisch"...); aber vielleicht bin ich da auch einfach ein wenig zu sehr von den schneckengetriebenen La Cimbalis / D.R.M.s verwöhnt. Im Vergleich zur Super Jolly (und der Mini) scheint nach meinen ersten Eindrücken allerdings auch die Wirkung einer Verstellung um x Skalenstriche dankenswerterweise deutlich feiner zu sein, was sich auch aufgrund der schrägliegenden Mahlflächen erklären läßt.
      Da ein konisches Mahlwerk längst nicht so oft aufgrund klimatischer Einfüsse etc. nachjustiert werden muß, werde ich wohl mit diesem Manko leben können.
    • Die großen Mazzers haben seit gut zwei Jahren zwischen Mühle und Bohnentrichter eine "Halskrause" aus Plastik angebracht, die bei Entnahme des Trichters einen Schutzschalter auslöst, so daß das Mahlwerk einem nicht versehentlich die Finger häckselt. Das Teil sieht nicht nur häßlich aus, sondern klappert auch ganz ordentlich: Der Plexiglastrichter wird von oben nur in eine Nut hineingedrückt und hat dann dort relativ freies Spiel, das er sich auch zu nehmen weiß. Auch die Halskrause selbst ist nur mit einer einzigen Rändelschraube mit dem Maschinenkorpus verbunden, was nicht wirklich zur Gesamtstabilität beiträgt...
    • Die Verarbeitung ist an den meisten Stellen Mazzer-typisch solide und gut, aber ein paar Dinge mißfielen mir dann doch: Der ST-Halter ist nicht derjenige, den man etwa von der SJ kennt, sondern nur ein dünnes Blech, das ziemlich scharfkantig daherkommt. Da werde ich wohl selber nochmal die Feile anlegen müssen, damit mir der Grat nicht die STs total zerkratzt.
      Ziemlich unsauber war auch der "Propeller" oberhalb des stehenden Mahlkonus' gearbeitet, wenn man sich bspw. mal die Stellen auf 9 und 12 Uhr genauer ansieht:





      Gut, das ist an dieser Stelle nicht wirklich schlimm, aber man fragt sich dennoch, warum das nicht sauberer ging...
      Auch das große Tablett, welches man vorne unter die Maschine klemmt, um das danebenpurzelnde Mahlgut aufzufangen, war nicht wirklich gut verarbeitet. Vorne steht's bei mir mindestens 3mm hoch und wenn man es wegzieht, kratzt's einem auf der Tischplatte rum...
    • Und wo wir schon bei den teils eher optischen Nebensächlichkeiten sind: Warum verwendet Mazzer bloß auf verchromten Flächen die unpassenden verzinkten Schrauben und nicht welche aus Edelstahl?
      Und dieses hübsche Telefonkabel zwischen Mühle und Auswurftrichterdeckel hätte man doch auch bestimmt irgendwie nach innen verlegen und länger gestalten können. Wenn man den Trichter reinigen will, muß man immer gleichzeitig den Deckel mit einer Hand hochhalten, denn irgendwo anders ablegen is nich...
    • Der Lüfter springt *nach* jeder Mahlung für 3min an, was in den häuslichen vier Wänden schon ziemlich nervtötend sein kann. Aber dafür ist die Mühle auch nicht geschaffen worden und im gastronomischen Umfeld trägt er definitiv zur Qualitätssteigerung bei, da das Mahlwerk im Dauerbetrieb wirklich ziemlich heißläuft. Ich bin aber auch der Meinung, daß man das ein wenig eleganter hätte lösen können. Von hinten sieht die Mühle jetzt wie ein Flickenteppich aus und eine temperaturgesteuerte Regelung wäre eigentlich auch nicht zu viel verlangt gewesen.
    • Die sonstige Bedienung der Mühle ist tadelos: Es gibt je ein Knöpfchen für Einzel-, Doppelportion und manuelles (Nach-)mahlen. Dazu gesellen sich eine "Menü"- und zwei Plus-/Minus-Tasten zum Programmieren:



      ...wobei sich das Programmieren ausschließlich auf das Einstellen der jeweiligen Mahlzeiten beschränkt (auf Zwanzigstelsekunden genau). Im Standby zeigt das Display die Anzahl der gemahlenen Portionen an, dessen Wert sich leider nicht zurücksetzen läßt. Auch vermisse ich eine Funktion, die als Mahlzeit für die Zweierportion einfach den doppelten Einerwert annimmt. So muß man immer beide Werte anpassen, auch, wenn man etwa immer 7 und 14g mahlen möchte. Auf die drei Tasten Menü, Plus und Minus hätte man getrost verzichten können, ohne, daß die Programmierung groß an Intuitivität verloren hätte...


    Soweit zu den mir recht schnell nachteilig aufgefallenen Dingen. Ein paar gute Punkte (wenn auch leider nicht ganz so viele wie oben) möchte ich aber nicht verschweigen:

    • Die Mühle ist angenehm leise -- kein Vergleich zu all meinen bisherigen Mühlen
    • Sie ist schnell, ja sogar sauschnell für die langsame Motordrehzahl und den "kleinen" Konusdurchmesser von 63mm (verglichen mit meist 67-68/73/83mm bei anderen konischen Gastros): meine Einzelportion ist derzeit auf unter 2.5s eingestellt und je besser die Kiste eingemahlen ist, desto schneller wird sie noch -- anfangs brauchte sie noch fast 10s.
      Übrigens scheint die wesentliche Ursache für den Turbo gegenüber den alten Konys (Walter gab mal ~1.6g/s für seine Kony und ~3.7g/s für die Robur an, bei mir wären's derzeit ~2.8g/s) der neue Propeller (s.o.) zu sein. Dieser wurde eigentlich entwickelt, um auch große Bohnen ins Mahlwerk gedrückt zu bekommen, sorgt aber auch für ein deutlich vermindertes "Popcorning" bei leerlaufendem Bohnentrichter und insgesamt für einen flotteren Durchsatz.
    • Der Lüfter ist im Gastroumfeld bitter nötig. Ich habe spaßeshalber in größeren Schüben Kaffee durchgemahlen und trotz laufender Kühlung mit einem Infrarotthermometer immer noch über 40 Grad gemessen. Da bei mir kein exzessives Mahlen vorkommen wird, werde ich den Lüfter demnächst einfach abklemmen und Ruhe is...
    • Die Mazzer-typische Aufhängung des oberen Mahl"scheiben"trägers gefällt mir: Dadurch, daß der Träger nicht wie bei den meisten anderen Mühlen über ein Feingewinde direkt reingeschraubt wird, sondern auf drei (bzw. vier bei Robur, Major und Stark) Federn gelagert und von außen behutsam reingedrückt wird, sitzt das Ganze sehr viel satter. Und vor allem muß das Mahlwerk nicht erst durch die zu vermahlenden Bohnen richtig auseinandergedrückt werden.


    Soviel zu den ersten Trockenübungen. Teil zwei folgt sogleich...
    Linea | Kony | Hottop

  2. #2
    chelonae ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    Jetzt also mal zur Praxis: 2kg Popelbohnen (die gute "Feine Milde" eines bekannten Großrösters zu 3.25€ je Pfund) besorgen und erstmal fröhlich in größeren Chargen zum leichten Einmahlen durchjagen, anschließend großzügig mit Grindz nachputzen und -schleifen lassen. Danach darf endlich genossen werden. Also, Mühle auf den Altar (uff, ist die riesig)...



    ...und eine Portion ins LM-Einer mahlen lassen -- davon habe ich hier auch mal ein kleines Video gemacht. Leider offenbart sich nun auch schon das erste richtige Problem: Die Kony klumpt wie Hulle. Ich habe mal die gleiche Menge bei vergleichbarem Mahlgrad durch die Alinox raspeln lassen und der Unterschied ist schon sehr ernüchternd:



    Wie die Mini E hat die Kony E ein Gitter vor dem Auswurfschacht des Mahlwerks und wenn man dessen Maschenweite mit der "Kantenlänge" der Klumpen vergleicht, liegt der Verdacht recht nahe, daß hiermit der Hauptübeltäter überführt ist:



    Das allein war's aber noch nicht, denn die Mahlgutmengenkonstanz ist leider auch alles andere als lobenswert: Eine Schwankungsbreite von rund 1.5g halte ich jedenfalls für wenig akzeptabel.

    Ich gehe mal davon aus, daß das Klumpen mit den nächsten paar Kilo Bohnen noch ein wenig besser werden wird, aber verschwinden wird es wohl nie. Die Mengenschwankung ist möglicherweise eine Folge des Klumpens, und auch hier frage ich mich, ob sich das noch in einen vertretbaren Rahmen hineinbewegen wird. Wirklich zuversichtlich bin ich momentan jedenfalls nicht.

    Wie schlimm das Klumpen tatsächlich einzuschätzen ist, vermag ich derzeit nicht zu sagen. Wenn ich aber Kony E und Alinox miteinander bei der Extraktion vergleiche, so ist der Unterschied Gott sei Dank nicht ganz so deutlich wie befürchtet: Mit dem bodenlosen ST sieht man einen nicht ganz so schönen, sich regelmäßig "zuschnürenden" Extraktionsbeginn, aber er scheint dennoch ganz okay zu sein. Übrigens scheint auch das Korngrößenspektrum der beiden Mühlen recht unterschiedlich zu sein, jedenfalls habe ich den Eindruck, daß die Extraktion der Kony etwas früher einsetzt, was ich mal als Anzeichen für einen feinkörnigeren Anteil bei der Alinox auffassen würde.

    Geschmacklich kann ich noch nicht so wahnsinnig viel sagen. Die Kony scheint mir ein wenig spitzer/strenger zu sein, während die Alinox weicher/harmonischer rüberkommt. Ob die eine nun übertreibt oder die andere glattbügelt, ist da natürlich schwer zu sagen. Hinsichtlich der Komplexität würde ich behaupten wollen, daß sich die beiden nichts nehmen; es sind höchstens Unterschiede in der Betonung erkennbar. Achja, und die Kony schien mir einen Tick mehr Körper in die Tasse zu bringen. Ganz sicher bin ich mir da aber auch nicht, da die Beobachtung zum Zeitpunkt einer gerade neu gerösteten Charge aufkam...

    Insgesamt läßt sich noch kein Fazit ziehen. Nun verbimmele ich erstmal die beiden anderen Mazzers und werde Kony und Alinox noch ein Weile unter verschärfte Beobachtung stellen müssen, um zu einer endgültigen Meinung zu finden. Eine gewisse Enttäuschung kann ich allerdings schon jetzt bei der Kony E nicht verhehlen.

    Vielen Dank für die (ausdauernde) Aufmerksamkeit

    Martin
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  3. #3
    anrubo ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    toller, sehr detaillierter bericht mit der nötigen kritik, obwohl du das teil gerade für viel geld erworben hast.

    das zeichnet einen guten und ehrlichen tester aus!

    Danke.

    Andreas
    Rancilio Silvia PID ^ Mazzer mini manuale ^ Hottop KN-8828
    Die Mickywelle macht die Milch warm für den starken Milchkaffe

  4. #4
    Rodriguez69 ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    Hört sich sehr interessant an, wobei ich eher Relativist bin. Aber ich finde auch, dass die Kony mit dem Loch hintendran eher gewöhungsbedürftig aussieht. Der sieht irgendwie drangeklatscht aus. Das Mazzer-Schild wanderte dann nach unten. Überhaupt finde ich die Super Jolly von den Proportionen her prototypisch für die Bar-Espressomühle.

    Neben der Kony sieht die Zocco schon fast klein aus. Trotzdem immer noch die heißeste Maschine ever!

    Deshalb:
    verbimmeln
    kriegt da gerade jemand große Ohren. Ok die sind mir wahrscheinlich zu "neu". (trotzdem an einer Preisvorstellung interessiert EDIT: für die SJ )

    Gruß

  5. #5
    madselecta ist offline Benutzer
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  6. #6
    Rodriguez69 ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    ah, das hätte ich mir eigentlich denken können, dass das die ist. Den Verkäufer-Namen hatte ich gar nicht registriert. Bei der hab ich gedacht: "die geht wahrscheinlich für Neupreis weg." Und sie gar nicht in "mein Ebay" aufgenommen.

    Viel Glück

  7. #7
    galgo ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    nice thread, chelonae

    verkaufts du microplanes gewerblich ?
    die dinger sind echt ne wucht

  8. #8
    chelonae ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    Oh wei,

    Zitat Zitat von galgo Beitrag anzeigen
    verkaufts du microplanes gewerblich ?
    was so ein unschuldig fallengelassener Nebensatz mit dem Prädikat "verbimmeln" doch für Tauchgänge aufmerksamer Boardies in der Bucht zur Folge in haben kann. Um aber die Frage zu beantworten: Nein, nix Gewerbliches; ich hatte lediglich zwei Sets gekauft und wollte eines davon ursprünglich verschenken, wozu es dann aber doch nicht gekommen ist.

    Hoffentlich rückt mir jetzt nicht die Boardpolizei auf die Pelle und macht den mit besten Absichten erstellten Thread wegen Scheinwerbung platt... Jungs, zurück zum Thema!

    Gruß
    Martin
    Linea | Kony | Hottop

  9. #9
    ZappBrannigan ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    Hmmm, dann kann ich die Auktion nun getrost aus der beobachtungsliste nehmen

    Gruß,

    ZappBrannigan
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  10. #10
    galgo ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Mazzer Kony electronic / Ein kleiner Erfahrungsbericht

    Zitat Zitat von chelonae Beitrag anzeigen
    ich hatte lediglich zwei Sets gekauft und wollte eines davon ursprünglich verschenken, wozu es dann aber doch nicht gekommen ist.
    ich hätte sie schon genommen

    angeblich werden ja die schneiden der microplanes ned mechanisch sondern durch einsatz von säure erzeugt...

    weiss jemand hier wie das gehen soll ???
    dass man stahl durch säure auflösen kann ist mir schon klar,
    ich kapier nur nicht wie man da gezielt so saumässig scharfe dinger
    hinbekommt

    gruß, galgo

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