Moin,
da die Kony E noch relativ wenig Verbreitung gefunden hat und auch auf der Mazzer-Seite mit keinem Wort erwähnt wird, will ich hier mal ein paar erste Eindrücke kundtun.
Die Eckdaten vorweg:
- Mahlkoni mit 63mm Durchmesser (in der dreiphasigen Ausführung sind's 67mm)
- 420 Umdrehungen/Minute, also erfreulich langsamdrehend
- 350W (dürfte sich also nicht so schnell an quersitzenden Bohnen verschlucken)
- Timergesteuerte Dosierung (digital verstellbar)
- Aktive Belüftung des Mahlwerks (nur bei größerem Umsatz relevant)
- Kampfgewicht: 20kg, Höhe mit Standardtrichter: 65cm
Um für den letzten Punkt ein besseres Gefühl zu entwickeln, habe ich mal ein paar Familienfotos gemacht (von links nach rechts: Mazzer Mini Timer, Mazzer Super Jolly Timer und Mazzer Kony electronic):
Die Mühle kam leider mit teilweise gebrochenem Styropor bei mir an und hatte auch bereits einen gut 4cm langen Kratzer auf dem Gehäuse, der bis auf die Grundierung runterreicht. Gut, die Mühle soll keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, aber ein wenig ärgerlich ist das schon -- zumal ich das mit dem gebrochenen Styropor auch schon von einem anderen Kony-Besitzer gehört habe...
Nun gut, kommen wir aber zu den entscheidenderen Kritikpunkten:
- Ich mag die Mahlgradeinstellung bei Mazzer nicht. Sie ist schwergängig und nicht sonderlich präzise (von wegen "mikrometrisch"...); aber vielleicht bin ich da auch einfach ein wenig zu sehr von den schneckengetriebenen La Cimbalis / D.R.M.s verwöhnt. Im Vergleich zur Super Jolly (und der Mini) scheint nach meinen ersten Eindrücken allerdings auch die Wirkung einer Verstellung um x Skalenstriche dankenswerterweise deutlich feiner zu sein, was sich auch aufgrund der schrägliegenden Mahlflächen erklären läßt.
Da ein konisches Mahlwerk längst nicht so oft aufgrund klimatischer Einfüsse etc. nachjustiert werden muß, werde ich wohl mit diesem Manko leben können.- Die großen Mazzers haben seit gut zwei Jahren zwischen Mühle und Bohnentrichter eine "Halskrause" aus Plastik angebracht, die bei Entnahme des Trichters einen Schutzschalter auslöst, so daß das Mahlwerk einem nicht versehentlich die Finger häckselt. Das Teil sieht nicht nur häßlich aus, sondern klappert auch ganz ordentlich: Der Plexiglastrichter wird von oben nur in eine Nut hineingedrückt und hat dann dort relativ freies Spiel, das er sich auch zu nehmen weiß. Auch die Halskrause selbst ist nur mit einer einzigen Rändelschraube mit dem Maschinenkorpus verbunden, was nicht wirklich zur Gesamtstabilität beiträgt...
- Die Verarbeitung ist an den meisten Stellen Mazzer-typisch solide und gut, aber ein paar Dinge mißfielen mir dann doch: Der ST-Halter ist nicht derjenige, den man etwa von der SJ kennt, sondern nur ein dünnes Blech, das ziemlich scharfkantig daherkommt. Da werde ich wohl selber nochmal die Feile anlegen müssen, damit mir der Grat nicht die STs total zerkratzt.
Ziemlich unsauber war auch der "Propeller" oberhalb des stehenden Mahlkonus' gearbeitet, wenn man sich bspw. mal die Stellen auf 9 und 12 Uhr genauer ansieht:
Gut, das ist an dieser Stelle nicht wirklich schlimm, aber man fragt sich dennoch, warum das nicht sauberer ging...
Auch das große Tablett, welches man vorne unter die Maschine klemmt, um das danebenpurzelnde Mahlgut aufzufangen, war nicht wirklich gut verarbeitet. Vorne steht's bei mir mindestens 3mm hoch und wenn man es wegzieht, kratzt's einem auf der Tischplatte rum...- Und wo wir schon bei den teils eher optischen Nebensächlichkeiten sind: Warum verwendet Mazzer bloß auf verchromten Flächen die unpassenden verzinkten Schrauben und nicht welche aus Edelstahl?
Und dieses hübsche Telefonkabel zwischen Mühle und Auswurftrichterdeckel hätte man doch auch bestimmt irgendwie nach innen verlegen und länger gestalten können. Wenn man den Trichter reinigen will, muß man immer gleichzeitig den Deckel mit einer Hand hochhalten, denn irgendwo anders ablegen is nich...- Der Lüfter springt *nach* jeder Mahlung für 3min an, was in den häuslichen vier Wänden schon ziemlich nervtötend sein kann. Aber dafür ist die Mühle auch nicht geschaffen worden und im gastronomischen Umfeld trägt er definitiv zur Qualitätssteigerung bei, da das Mahlwerk im Dauerbetrieb wirklich ziemlich heißläuft. Ich bin aber auch der Meinung, daß man das ein wenig eleganter hätte lösen können. Von hinten sieht die Mühle jetzt wie ein Flickenteppich aus und eine temperaturgesteuerte Regelung wäre eigentlich auch nicht zu viel verlangt gewesen.
- Die sonstige Bedienung der Mühle ist tadelos: Es gibt je ein Knöpfchen für Einzel-, Doppelportion und manuelles (Nach-)mahlen. Dazu gesellen sich eine "Menü"- und zwei Plus-/Minus-Tasten zum Programmieren:
...wobei sich das Programmieren ausschließlich auf das Einstellen der jeweiligen Mahlzeiten beschränkt (auf Zwanzigstelsekunden genau). Im Standby zeigt das Display die Anzahl der gemahlenen Portionen an, dessen Wert sich leider nicht zurücksetzen läßt. Auch vermisse ich eine Funktion, die als Mahlzeit für die Zweierportion einfach den doppelten Einerwert annimmt. So muß man immer beide Werte anpassen, auch, wenn man etwa immer 7 und 14g mahlen möchte. Auf die drei Tasten Menü, Plus und Minus hätte man getrost verzichten können, ohne, daß die Programmierung groß an Intuitivität verloren hätte...
Soweit zu den mir recht schnell nachteilig aufgefallenen Dingen. Ein paar gute Punkte (wenn auch leider nicht ganz so viele wie oben) möchte ich aber nicht verschweigen:
- Die Mühle ist angenehm leise -- kein Vergleich zu all meinen bisherigen Mühlen
- Sie ist schnell, ja sogar sauschnell für die langsame Motordrehzahl und den "kleinen" Konusdurchmesser von 63mm (verglichen mit meist 67-68/73/83mm bei anderen konischen Gastros): meine Einzelportion ist derzeit auf unter 2.5s eingestellt und je besser die Kiste eingemahlen ist, desto schneller wird sie noch -- anfangs brauchte sie noch fast 10s.
Übrigens scheint die wesentliche Ursache für den Turbo gegenüber den alten Konys (Walter gab mal ~1.6g/s für seine Kony und ~3.7g/s für die Robur an, bei mir wären's derzeit ~2.8g/s) der neue Propeller (s.o.) zu sein. Dieser wurde eigentlich entwickelt, um auch große Bohnen ins Mahlwerk gedrückt zu bekommen, sorgt aber auch für ein deutlich vermindertes "Popcorning" bei leerlaufendem Bohnentrichter und insgesamt für einen flotteren Durchsatz.- Der Lüfter ist im Gastroumfeld bitter nötig. Ich habe spaßeshalber in größeren Schüben Kaffee durchgemahlen und trotz laufender Kühlung mit einem Infrarotthermometer immer noch über 40 Grad gemessen. Da bei mir kein exzessives Mahlen vorkommen wird, werde ich den Lüfter demnächst einfach abklemmen und Ruhe is...
- Die Mazzer-typische Aufhängung des oberen Mahl"scheiben"trägers gefällt mir: Dadurch, daß der Träger nicht wie bei den meisten anderen Mühlen über ein Feingewinde direkt reingeschraubt wird, sondern auf drei (bzw. vier bei Robur, Major und Stark) Federn gelagert und von außen behutsam reingedrückt wird, sitzt das Ganze sehr viel satter. Und vor allem muß das Mahlwerk nicht erst durch die zu vermahlenden Bohnen richtig auseinandergedrückt werden.
Soviel zu den ersten Trockenübungen. Teil zwei folgt sogleich...


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